Die Halle bebt. Nach 75 Minuten steht es 3:0 und der EnBW TV Rottenburg hat sein erstes Heimspiel in der Saison 2009/2010 gegen die Wuppertal Titans gewonnen. „Hier funktioniert Volleyball, hier in unserer Region”, kommentiert Jörg Papenheim ruhig und gelassen vom Spielfeldrand diese Mischung aus Hexenkessel, Sportveranstaltung, Event und Volksfest. Eine Mischung, die stimmt und die die Volleyballer beflügelt. Ihr Erfolgsweg begann 1998 mit dem Aufstieg in die Oberliga, ein Jahr später folgte die Regionalliga. 2003 wurde der Aufstieg in die 2. Bundesliga bejubelt, drei Jahre später kam 2006 ein einjähriges Intermezzo in der 1. Liga. Den Abstieg steckten die Spieler gut weg, kämpften sich 2008 gleich wieder zurück und kamen 2009 sogar auf einen Play-off-Platz in der 1. Bundesliga. „Der erste Aufstieg kam zu früh, er hat uns aber dennoch enorm motiviert. Wir haben gestärkt den Wiederaufstieg realisiert und nun ist sogar unsere Nachwuchsmannschaft in der 2. Bundesliga angekommen“, meint Geschäftsführer Papenheim nicht ohne Stolz.
Die Begeisterung der Erwachsenen – egal ob Spieler, Betreuer, Manager, Trainer, Fan oder freiwilliger Helfer – macht natürlich auch vor den Jüngsten nicht Halt: Die breit angelegte Jugendinitiative „Schlag auf Schlag“ aktiviert über 200 Kids und Teenager. Sie werden in rund 30 Mannschaften betreut und trainiert. Auch deren Erfolge 2008/ 2009 können sich sehen lassen: Elf Teams erkämpften sich das Startrecht bei württembergischen Meisterschaften, dazu kamen drei Teilnahmen an süddeutschen und zwei an deutschen Meisterschaften. 2009 fanden die U18 Deutschen Meisterschaften in Rottenburg statt und die Heimmannschaft errang einen guten dritten Platz.
Bei Jörg Papenheim verbinden sich tiefe Begeisterung, bodenständiges Denken und klare Analyse. „Volleyball ist mein größtes Hobby; mit 17 Jahren habe ich mein Herz an diesen Sport verloren.“ Bis zu einem schweren Skiunfall 1995 spielte der Judoka und Tennisfan selbst aktiv Volleyball. Zudem ist er seit 17 Jahren Trainer verschiedener Mannschaften bis hin zur Regionalliga. Nach dem Studium und einem ersten Engagement als Geschäftsführer bei der Volleyball Fellbach GmbH kam er 2005 als Manager nach Rottenburg. Inzwischen ist er hier als Geschäftsführer der TVR Volleyball GmbH eine Art „Mädchen für alles“: Er verpflichtet Spieler und Trainer, kümmert sich um Physiotherapeuten und den Mannschaftsarzt. Er organisiert Testspiele und Trainingslager, sorgt für sportlergerechte Zusatzernährung. Er sucht, findet und betreut Sponsoren. Er macht die gesamte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Finanzplanung, das Controlling samt Buchhaltung. Dabei wird er von zwei Mitarbeitern sowie ehrenamtlichen Helfern unterstützt.
Und natürlich ist er bei den Spielen dabei – um anzufeuern, aufzubauen und um neue Talente zu entdecken. Aber auch bei der Verpflichtung der Sportler zeigt er Augenmaß, obwohl sich die finanzielle Situation seit dem Einstieg der EnBW als Namens- und Hauptsponsor 2008 wesentlich gebessert hat: „Wir wollen nicht aus dem Rahmen fallen und mal schnell irgendwoher 12 Söldner für den Top-Kader kaufen – das würde unserem Konzept völlig widersprechen“ erläutert der 35-Jährige seine „Personalpolitik“. Vielmehr setzt er schwerpunktmäßig auf die Jugendarbeit, auf das Beobachten und Fördern des Einzelnen. Wenn es bei dem einen oder anderen der vielen volleyballinteressierten Kindern dann doch nicht zu einer Sportler-Karriere kommen sollte, wäre das auch kein Beinbruch. „Schließlich kann auch aus einem weniger talentierten Volleyballer jederzeit ein super Funktionär oder ein begeisterter Helfer werden“, so sein Credo.
Allerdings kostet das Engagement in der Jugendarbeit, die Vernetzung von Schulsport und Verein und natürlich der Volleyballspielbetrieb auf Top-Niveau viel Zeit und Geld. Und da sieht Jörg Papenheim noch großen Handlungsbedarf: „Es wäre schön, wenn mehr Firmen aus der Region soziale Verantwortung zeigen und Sport im Allgemeinen sowie unser Projekt im Speziellen unterstützen würden.“