Der Geschäftsverlauf des EnBW-Konzerns wurde 2009 von den negativen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinträchtigt. Dennoch konnten wir unsere Marktposition als drittgrößtes Energieunternehmen in Deutschland behaupten. Mit einem Investitionsvolumen von 4,4 Mrd. € haben wir die Umsetzung unserer Unternehmensstrategie konsequent vorangetrieben. Die Finanz- und Vermögenssituation des EnBW-Konzerns bleibt trotz dieser großen Anstrengungen weiterhin solide.
Negatives gesamtwirtschaftliches Umfeld dämpft Geschäftsentwicklung
Der EnBW-Konzern konnte im Geschäftsjahr 2009 nicht nahtlos an die gute Entwicklung des Vorjahres anschließen. Trotz des schlechten gesamtwirtschaftlichen Umfelds ist es jedoch gelungen, mit 1.793,9 Mio. € ein Adjusted EBIT auf Vorjahreshöhe zu erwirtschaften. Während die Entwicklung des Geschäftsfelds Strom Erzeugung und Handel die Erwartungen für das Adjusted EBIT übertreffen konnte, waren die Ergebnisse von Strom Netz und Vertrieb sowie Gas von deutlichen Nachfragerückgängen der B2B-Kunden betroffen. Der Konzernüberschuss bezogen auf die Gewinnanteile der Gesellschafter der EnBW AG von 768,2 Mio. € lag im Geschäftsjahr 2009 um 12,6 % unter dem Wert des Vorjahres. Dabei fiel insbesondere der Adjusted Konzernüberschuss bezogen auf die Gewinnanteile der Gesellschafter der EnBW AG in Höhe von 879,1 Mio. € deutlich niedriger aus als im Jahr zuvor. Die Ursache hierfür ist ein spürbar ausgeweiteter Fehlbetrag im Adjusted Finanzergebnis. So hat die Zunahme der Finanzverbindlichkeiten im Konzern zu höheren Zinsaufwendungen geführt, zudem stellte sich ein niedriges Ergebnis aus dem Verkauf und der Bewertung von Wertpapieren ein. Der neutrale Konzernüberschuss bezogen auf die Gewinnanteile der Gesellschafter der EnBW AG verbesserte sich hingegen auf -110,9 Mio. €. Im Vorjahr betrug dieser Fehlbetrag -219,5 Mio. €, bedingt durch hohe außerplanmäßige Abschreibungen. Im Zusammenhang mit dem Anstieg des Capital Employed durch das Investitions- und Wachstumsprogramm sowie der gedämpften Geschäftsentwicklung fiel der Wertbeitrag 2009 in Höhe von 809,6 Mio. € um 153,1 Mio. € niedriger aus als im Geschäftsjahr 2008. In die Umsetzung unserer Unternehmensstrategie haben wir auch im Jahr 2009 die Anzahl der Mitarbeiter im EnBW-Konzern erhöht, sie belief sich per 31. Dezember 2009 auf über 21.000, nach rund 20.500 zum Jahresultimo 2008.
Vertrieb mit Nachfragerückgang konfrontiert
Der Stromabsatz des EnBW-Konzerns ging 2009 gegenüber dem Vorjahr um 8,3 % auf 119,7 Mrd. kWh zurück. Insbesondere B2B-Kunden haben ihre Nachfrage aufgrund der rückläufigen gesamtwirtschaftlichen Produktion deutlich verringert. Mit 65,8 Mrd. kWh lag der Gasabsatz um 5,7 % unter dem Vorjahreswert. Positive Effekte eines kalten Winters im ersten Quartal 2009 wurden im weiteren Jahresverlauf durch höhere Temperaturen und die Nachfragerückgänge im Zuge der Wirtschaftskrise überkompensiert. Der Außenumsatz nach Abzug von Strom- und Erdgassteuer erreichte im Geschäftsjahr 2009 15.564,2 Mio. €, ein Minus von 4,5 % gegenüber 2008. Trotz eines intensiven Wettbewerbs konnte der EnBW-Konzern seine Marktpositionen behaupten, die Kundenzahl liegt weiterhin bei rund sechs Millionen. Die EnBW ist mehr als der klassische Energieversorger. Es ist unser Ziel, in unseren Kundensegmenten bei Energieberatung und -dienstleistung führend zu sein.
Strategie konsequent verfolgen, Investitionsvolumen ausgeweitet
Als einziges Geschäftsfeld konnte im Geschäftsjahr 2009 Strom Erzeugung und Handel das Adjusted EBIT steigern. Wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmensstrategie ist daher der Ausbau der Erzeugungskapazitäten. Im Jahr 2009 haben wir unsere Erzeugungskapazitäten um 771 MW auf 15.771 MW gegenüber Ende 2008 erhöht. Projekte für künftige Erzeugungskapazitäten sind insbesondere das RDK 8 im Karlsruher Rheinhafen, eines der modernsten Steinkohlekraftwerke in Europa, vier Offshore-Windparkprojekte mit einer Gesamtleistung von über 1.200 MW sowie Anlagen zur Nutzung von Wind- und Wasserkraft in der Türkei. Im Fokus der Aktivitäten im Bereich Gas-Midstream standen 2009 der Baufortschritt des Gasspeichers in Etzel, die Option auf den Anteilserwerb an der Verbundnetz Gas AG sowie die Prüfung von LNG-Terminals in Rotterdam und anderen Standorten in Europa. In Deutschland, dem Kernmarkt der EnBW, haben wir den Erwerb eines 26 %-Anteils an der EWE Aktiengesellschaft vollzogen. Ziel ist, gemeinsame Aktivitäten zu initiieren, um die Stärken beider Unternehmen sinnvoll zu bündeln. Die Gesamtinvestitionssumme erreichte mit 4,4 Mrd. € einen Rekordstand in der Unternehmensgeschichte der EnBW. Das Investitionsprogramm wird gleichzeitig von Desinvestitionen begleitet. Wir prüfen insbesondere nicht-strategische Minderheitsbeteiligungen auf ihren Verbleib im Unternehmen. Um Auflagen des Bundeskartellamts im Zuge des Anteilserwerbs an der EWE zu erfüllen, sind wir derzeit in der Endverhandlung des Verkaufs unserer Anteile an der GESO Beteiligungs- und Beratungs-AG und ihrer Tochterunternehmen.
Dividendenvorschlag von 1,53 € je Aktie
Das insgesamt stagnierende operative Ergebnis des EnBW-Konzerns sowie die Verschlechterung des Finanz- ergebnisses haben zu einem Rückgang des Adjusted Konzernüberschusses bezogen auf die Gewinnanteile der Gesellschafter der EnBW AG im Geschäftsjahr 2009 um 20,0 % geführt. Nachdem die Dividende im Vorjahr um 33 % auf 2,01 € erhöht wurde, wird der Vorstand in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat der Hauptversammlung am 29. April 2010 vorschlagen, aus dem Bilanzgewinn der EnBW AG eine Dividende von 1,53€ auszuschütten. Dies würde einen Rückgang von 23,9 % bedeuten. Die Ausschüttungssumme beliefe sich auf 373,7 Mio. €, nach 491,0 Mio. € im Vorjahr.
Weiterhin solide Finanz- und Vermögenslage
Der Operating Cashflow legte im Geschäftsjahr 2009 vor allem aufgrund einer positiven Veränderung der Sicherheitsleistungen für Termingeschäfte mit Strom, Kohle und Emissionsrechten um 60,3 % auf 2.443,4 Mio. € zu. Der Cashflow aus Investitionstätigkeit erreichte aufgrund des hohen Investitionsvolumens -4.629,6 Mio. € gegenüber -366,4 Mio. € im Vorjahr. Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit betrug 678,6 Mio. €. Im Vorjahr wurden Mittelzuflüsse von 598,6 Mio. € verbucht.
Das erhöhte Investitionsvolumen spiegelt sich auf der Aktivseite der Bilanz insbesondere im Anstieg der langfristigen Vermögenswerte und im Rückgang der liquiden Mittel wider. Im Zuge der geplanten Desinvestitionen erfolgte die Umgliederung der GESO Beteiligungs- und Beratungs-AG und ihrer Tochtergesellschaften sowie der Unternehmensgruppe der Pražská teplárenská Holding a.s in die Position „Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte“. Insgesamt stieg die Bilanzsumme im Konzern im Vergleich zum 31. Dezember 2008 um 5,9 % auf 34.698,3 Mio. €. Die Eigenkapitalquote lag zum Jahresultimo 2009 bei 18,5 %, nach 17,1 % Ende 2008. Erhöhte langfristige Finanzverbindlichkeiten im Zuge der Finanzierung des Investitionsprogramms führten zu einem Anstieg der Nettofinanzschulden auf 5.763,1 Mio. €.
Wachstumsinvestitionen werden fortgeführt
Für das Geschäftsjahr 2010 erwarten wir ein Adjusted EBIT, das auf dem Niveau des Jahres 2009 liegen dürfte. Ursachen hierfür sind die bestehende Entscheidung zur Laufzeitverkürzung von Kernkraftwerken sowie die unsicheren politischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Ab dem Jahr 2011 rechnen wir jedoch wieder mit einem Ergebnisanstieg. Unsere Wachstumsstrategie sieht für den Zeitraum 2010 bis 2012 eine Investitionssumme von 7,9 Mrd. € vor. Unter Berücksichtigung der Desinvestitionen werden die Nettoinvestitionen bei etwa 5,1 Mrd. € liegen. Die Finanzierung dürfte vollständig aus dem laufenden Cashflow erfolgen. Ein Rückgang der Nettoschulden ist unser Ziel. Die Unternehmensstrategie basiert weiterhin auf einer soliden Finanzsituation der EnBW – der Erhalt des A-Ratings ist für uns eine grundlegende Bedingung.