Brief an unsere Aktionäre

Hans-Peter Villis, Vorsitzender des Vorstands: „Im Berichtsjahr 2009 hat die EnBW eine ganze Reihe strategischer Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Mit 4.374,1 Millionen Euro haben wir unser Investitionsprogramm weiter ausgeweitet und in die Zukunftsfähigkeit der EnBW investiert.“ (Foto)

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Investoren und Freunde der EnBW,

das Jahr 2009 stand im Zeichen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Von der damit einhergehenden gesamtwirtschaftlichen Entwicklung waren die deutsche Wirtschaft sowie die Branche der Energieversorgungsunternehmen betroffen. Auch in den Geschäftszahlen 2009 der EnBW hat die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlassen: So ging im Vergleich zum Vorjahr der Absatz im Strom- und Gasbereich spürbar um 8,3 beziehungsweise 5,7 Prozent zurück. Hauptgrund hierfür ist der konjunkturbedingte Produktionsrückgang bei Teilen unserer Industriekunden. In Folge des Absatzrückgangs sank im Geschäftsjahr 2009 auch unser Umsatz um 4,5 Prozent auf nunmehr 15.564,2 Millionen Euro.

Trotz dieser Belastungen konnte die EnBW jedoch auf der Ergebnisseite erfolgreich gegensteuern. Das operative Ergebnis vor Ertragsteuern und Zinsen (Adjusted EBIT) erreichte mit 1.793,9 Millionen Euro das Niveau des Vorjahres. Insbesondere durch die deutliche Verbesserung unserer Erzeugungsmarge konnten wir so die negativen Entwicklungen kompensieren und insgesamt ein zufriedenstellendes Jahresergebnis erzielen. Dies zeigt die operative Stärke der EnBW.

Der Adjusted Konzernüberschuss bezogen auf die Gewinnanteile der Gesellschafter der EnBW AG fiel mit 879,1 Millionen Euro 20,0 Prozent niedriger aus als im Jahr zuvor. Ursachen hierfür sind höhere Zinsaufwendungen im Zusammenhang mit der Zunahme der Finanzverbindlichkeiten sowie ein niedrigeres Ergebnis aus dem Verkauf und der Bewertung von Wertpapieren. Der EnBW-Konzern konnte im Geschäftsjahr 2009 zwar ein angesichts des schwierigen Umfelds respektables Ergebnis erzielen, aber dennoch nicht nahtlos an die gute Entwicklung des Vorjahres anschließen.

Vor diesem Hintergrund schlägt der Vorstand in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat der Hauptversammlung am 29. April 2010 eine Dividendenausschüttung von 1,53 Euro pro berechtigter Stückaktie vor, nach 2,01 Euro im Vorjahr.

Die EnBW befindet sich in einer mehrjährigen Wachstumsphase. Im Geschäftsjahr 2009 haben wir wie geplant in die Zukunftsfähigkeit der EnBW investiert. Mit 4.374,1 Millionen Euro hat die Gesamtinvestitionssumme der EnBW ein Rekordniveau erreicht und lag um 2.969,9 Millionen Euro höher als noch im Vorjahr. 3.064,7 Millionen Euro entfallen dabei auf Finanzinvestitionen. Wesentliche Positionen waren hier der Erwerb des 26-prozentigen Anteils an der EWE Aktiengesellschaft, die Anteilserwerbe an den Kraftwerken Lippendorf und Bexbach, das Joint Venture mit der Borusan Holding und dem damit verbundenen Bau eines Windparks in der Türkei sowie der Kauf von Onshore-Windparks in Deutschland.

Diese Investitionen spiegeln unser Selbstverständnis wider: Ausgehend von starken Wurzeln in Baden-Württemberg will die EnBW mit einem ausgewogenen Geschäftsportfolio zur Spitzengruppe der europäischen Energieunternehmen gehören.

1.309,4 Millionen Euro der gesamten Investitionen entfielen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen. Davon wurden 1.006,4 Millionen Euro im Geschäftsfeld Strom getätigt. Wesentliche Projekte sind hier der Bau des Steinkohlekraftwerks RDK 8 in Karlsruhe, der Neubau des Wasserkraftwerks Rheinfelden, Offshore-Windanlagen sowie Restrukturierungsmaßnahmen und Kapazitätserweiterungen der Höchstspannungsnetze. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Investitionen ist der Bau eines Gasspeichers in Etzel. Im Geschäftsfeld Energie- und Umweltdienstleistungen lag der Investitionsschwerpunkt im Bau eines Ersatzbrennstoffkraftwerks in Eisenhüttenstadt.

Das Geschäftsfeld Erzeugung ist ein wesentliches Element unserer strategischen Ausrichtung. Im Geschäftsjahr 2009 haben wir unsere Erzeugungskapazitäten einschließlich langfristiger Strombezugsrechte auf 15.771 Megawatt aufgestockt. Zu Jahresbeginn hat die EnBW ihre Kraftwerksleistung nochmals erhöht, so dass wir binnen weniger Monate unsere in Deutschland verfügbaren Kraftwerkskapazitäten um rund 2.000 Megawatt erweitern konnten. Neben modernsten Kohlekraftwerken gehören Anlagen zur Nutzung von Wind- und Wasserkraft zum Wachstums- und Investitionsprogramm, das für die Jahre 2010 bis 2012 unter Berücksichtigung von Desinvestitionen ein Nettovolumen von rund 5,1 Milliarden Euro umfassen soll.

Ein ausgewogenes Geschäftsportfolio reduziert Risiken und eröffnet Chancen. Daher wollen wir unser Gasgeschäft durch den Ausbau der Midstream-Aktivitäten deutlich stärken. Wir streben hierzu eine Zusammenarbeit mit der Verbundnetz Gas AG an, tätigen aber auch eigenständige Investitionen. Der Einstieg bei der EWE Aktiengesellschaft ermöglicht insbesondere im Gasgeschäft die gemeinsame Prüfung von Opportunitäten. Anders als einige Wettbewerber sehen wir die Übertragungsnetze als integralen Teil unseres Geschäfts. Wir werden auch weiterhin in den Erhalt, die Modernisierung und den Ausbau unserer Netze investieren.

Die EnBW stammt aus Baden-Württemberg. Ihr Kernmarkt ist Deutschland und sie ist unternehmerisch in ausgesuchten Märkten im Ausland tätig. Vor allem der Anteilserwerb an der EWE und der Kauf von Stromerzeugungskapazitäten im Norden und Osten haben die bundesweite Präsenz der EnBW verstärkt. Bei unseren internationalen Geschäftstätigkeiten konzentrieren wir uns auf ausgewählte Länder Mittel-und Osteuropas sowie auf die Türkei, wo 2009 das Joint Venture mit der Borusan Holding die Arbeit aufnahm.

Energieeffizienz ist für die EnBW ein zentrales Thema. Wir unterstützen unsere Kunden seit Jahren mit innovativen Lösungen bei der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen. Als bundesweit erstes Energieunternehmen bietet die EnBW den von uns entwickelten intelligenten Stromzähler bundesweit an. Generell will die EnBW die Energieberatung forcieren. Es ist unser Ziel, in unseren Kundensegmenten in Energieberatung und -dienstleistung führend zu sein.

Energiepolitisch wird 2010 ein bedeutsames Jahr werden, nicht zuletzt wegen der aktuellen Diskussion um die angestrebte Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke. Die Bundesregierung hat erklärt, dass sie die Laufzeiten für Kernkraftwerke verlängern will. Dies ist energiewirtschaftlich und klimapolitisch wichtig und richtig, denn die Kernkraft ist Bestandteil eines ausgewogenen und breiten Energiemix, der wiederum Voraussetzung für eine sichere, wirtschaftlich verantwortbare und klimaschonende Stromerzeugung ist. Eine Laufzeitverlängerung bedarf jedoch einer Gesetzesänderung und somit sind wir wie die anderen Kernkraftwerksbetreiber auch auf die Bundespolitik angewiesen. Wir selbst führen derzeit mit zahlreichen Politikern Gespräche zu diesem Thema und legen unsere Argumente dar. Darüber hinaus werden wir selbstverständlich alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um einen Weiterbetrieb des Kernkraftwerks GKN 1 zu ermöglichen.

Im Berichtsjahr 2009 hat die EnBW eine ganze Reihe strategischer Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das konstruktive Miteinander in unseren Unternehmensgremien und das Vertrauen von Aktionären, Investoren und Freunden des Unternehmens sind, ebenso wie unsere Kunden, Grundlage dieses Erfolgs. Ihnen allen danke ich sehr herzlich und hoffe auf eine Fortsetzung der guten Zusammenarbeit.

Ihr

Hans-Peter Villis
Vorsitzender des Vorstands

Karlsruhe, im März 2010

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