Wachstum der Offshore-Windkraft
Windkraft mitten auf dem Meer boomt. Besonders in der Nordsee entstehen immer mehr Windparks in immer größeren Dimensionen. Besondere Herausforderungen sind dabei Finanzierung, Transport, Technik und Logistik.
Vor den Küsten Großbritanniens, Deutschlands und Dänemarks sind in der Nordsee Tausende von Turbinen geplant und genehmigt. Riesige Parks, die so viel Leistung produzieren wie ein ganzer Kraftwerksblock auf dem Festland. Das ambitionierteste Projekt ist "London Array" vor der Themse-Mündung, das eines Tages 1.000 Megawatt leisten soll – mit über 200 installierten Turbinen. Weil die Umwelt- und Landschaftsschutzauflagen in Deutschland besonders streng sind, müssen die Parks hier weit vor der Küste – teilweise 50 oder 100 Kilometer entfernt – errichtet werden. Hier weht der Wind kräftiger, dafür ist aber auch das Wasser tiefer.
Deshalb sind spezielle Fundamente erforderlich. Wie schnell die schon genehmigten Parks – vor deutschen Küsten sind es derzeit etwa 25 – realisiert werden, ist noch nicht absehbar. Viele Fragen sind noch offen, wie etwa nach der Finanzierung, den technischen und logistischen Herausforderungen und den Transportwegen. Nach wie vor fehlen Stromleitungen – laut vorläufigen Ergebnissen der Deutschen Energieagentur mindestens 3.500 Kilometer – sowie intelligente Stromnetze.
Dennoch ist eine Antwort unstrittig: "Das Klimaschutzziel der Europäischen Union wird nur erreichbar sein, wenn die Offshore-Windenergie einen wesentlichen Beitrag dazu leistet", betont Ralf Neulinger, Leiter des Offshore-Büros der EnBW Erneuerbare Energien GmbH. Weder Fotovoltaik noch Biomasse noch Wasserkraft haben ein vergleichbares Potenzial. Einem Leitszenario der Bundesregierung zufolge könnte die Offshore-Windkraft im Jahr 2030 rund 95 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit würde sie die Windkraft auf dem Land überflügeln und mit einem Anteil von 28 Prozent zur wichtigsten erneuerbaren Energiequelle in Deutschland aufsteigen.
Gefördert wird der Ausbau der Offshore-Windmühlen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit einer Einspeisevergütung von 15 Cent pro Kilowattstunde bis zum Jahresende 2015. Danach sinkt der Satz. Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Offshore Windenergie, rechnet damit, "dass die Offshore-Windenergie eine ähnliche Entwicklung wie die Windkraft an Land nimmt und sich langfristig selbst tragen wird."


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