Solarkraft ist die Zukunft
Herkömmliche Solarzellen bestehen aus kristallinem Silizium und liefern eine Energieeffizienz von etwa zehn Prozent. Am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg erzielten die Forscher einen neuen Weltrekord. Ihr Leiter Prof. Eicke Weber erklärt, was dahinter steckt.
Sie sind Rekordhalter. Worin?
Wir haben eine Solarzelle entwickelt, die 41,1 Prozent des Sonnenlichts in Energie umsetzt – das ist die höchste Effizienz, die je bei einer einzelnen Solarzelle gemessen wurde. Bei gewöhnlichen Fotovoltaikzellen aus Silizium ist rein physikalisch 29 Prozent das Maximum. Wir haben deshalb mit drei anderen Materialien gearbeitet, die größere Teile des Sonnenspektrums in Energie umwandeln.
Mit welchen Effizienzsprüngen bei Fotovoltaikzellen rechnen sie noch?
Ehrlich gesagt, die 41,1 Prozent sind absolut nicht die Grenze. Ich denke, dass etwa 50 Prozent tatsächlich technologisch erreichbar sind. Das ist natürlich ein ungeahnt hoher Wert! Und diese Entwicklung wird auch dazu beitragen, dass die Preise für Solarstrom immer weiter sinken.
Momentan liegt der Solarstromanteil in Deutschland nur bei knapp einem Prozent. Glauben Sie, dass sich das ändern wird?
Absolut! Wenn wir jetzt in die Zukunft schauen, beispielsweise auf dass Jahr 2050, dann ist völlig klar, dass wir die Art unserer Energiegewinnung drastisch ändern müssen. Und da bieten sich natürlich erneuerbare Energien wie Windkraft, Geothermie oder Wasserkraft an. Allerdings sind alle diese erneuerbaren Energien begrenzt – außer der Sonnenenergie. Die Menschheit verbraucht im Moment ungefähr 15 Terawatt Leistung. Die Sonneneinstrahlung auf die Erde dagegen ist 120.000 Terawatt. Wir brauchen also weniger als ein Tausendstel der Sonnenenergie zu ernten! Für mich heißt das: die Zukunft der Menschheit ist die Nutzung der Solarkraft. Die Frage ist nur, wie schnell wir das verstehen und wann wir auf Sonnenenergie umsteigen.
Was glauben Sie, wann wird die Sonne unsere primäre Energiequelle sein?
Ich persönlich erwarte, dass wir 2050 unsere ganze Energieversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt haben. Und in diesem Mix wird Solarenergie rund die Hälfte ausmachen. Natürlich brauchen wir noch andere Arten von Energie, auch wegen der schwierigen Speicherung des Solarstroms. Es könnte aber gut sein, dass bereits im Jahre 2020 zwölf Prozent des Stroms in Europa aus Sonnenenergie stammt.
Auf die Mischung kommt es an.
Die Stromversorgung sollte umwelt- und klimafreundlich sein – aber auch bezahlbar und sicher. Die EnBW setzt deshalb auf einen ausgewogenen Energiemix aus Kernkraft (50 Prozent), konventionellen Kraftwerken (30 Prozent) und Erneuerbaren Energien (20 Prozent). Fotovoltaik spielt dabei eine wichtige Rolle.
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Porträt Eicke Weber