E-Lastenräder: Die Transporträder sind wieder im Trend

Flink wie ein Fahrrad, Platz wie ein Kleinwagen – Lastenräder sind superpraktisch. Vor allem die Ausführungen mit elektrischer Unterstützung haben das Potenzial, in der Großstadt das eigene Auto voll und ganz zu ersetzen. Wir verraten dir, worauf es bei Elektro-Lastenrädern ankommt.

Wer sagt denn, dass man immer ein Auto braucht? Mit einem ElektroLastenrad kannst du genauso bequem deinen Großeinkauf vom Supermarkt nach Hause bringen. Selbst für Wasserkasten und Bierkiste ist auf der Ladefläche genügend Platz. Ein Picknick im Park steht an? Dann rasch Korb, Decke und Getränke in die Transportbox gepackt und ab geht’s ins Grüne. Die Kinder müssen ruckzuck in die Kita? Mit einem E-Lastenrad ist das kein Problem. Zudem sind die Räder im Straßenverkehr dank ihres ungewöhnlichen Aussehens ein echter Hingucker. 

Lastenräder mit Geschichte 

Lastenräder – oder „Cargobikes“, wie sie auf Englisch heißen – liegen voll im Trend. Wieder im Trend, muss man sagen. Denn vor rund hundert Jahren waren Lastenräder aus dem Straßenbild kaum wegzudenken. Gerade für kleine Händler und Unternehmen waren sie eine günstige Möglichkeit, auf kurzen Strecken Waren oder Werkzeug zu befördern. Noch bis in die 1950erJahre fuhren Bäcker auf Lastenrädern ihre Brötchen aus. Auf anderen waren Lieferanten zu sehen, die mit schweren Taschen beladen die neuesten Zeitschriften zu den damals noch weit verbreiteten Lesezirkeln brachten. 

Aber ab 1960 verschwanden die Lastenräder urplötzlich von den Straßen. Genauer gesagt: Die mit Muskelkraft betriebenen Lastesel wurden von ihren motorisierten Verwandten, den Autos und Kleintransportern, an die Seite gedrängt. Ganz vergessen waren Lastenräder indes nicht  zumindest die Postboten fuhren Briefe, Päckchen und Werbesendungen weiterhin auf den gelben Zustellrädern aus. In Dänemark und den Niederlanden feierte einige Jahre später das Lastenrad in der Umwelt- und Alternativszene ein Comeback – hier vor allem in der selbstgebauten Variante. 

Von Nord und aus West kamen dann auch nach der Jahrtausendwende die ersten der neuen Cargobikes nach Deutschland – und zeigten, dass sie für Jedermann geeignet sindFahrradkuriereLogistikdienste und Handwerker nutzen mittlerweile die Räder, auch Familien entdecken ihre Vorzüge: viele Kilos Zuladung und null Emissionenplatzsparend, superflexibel und günstiger als ein AutoDie Parkplatzsuche – ein großes Problem in vielen Stadtteilen – sowie die Spritkosten entfallen komplett. 

Erst mit dem „E“ kommen Lastenräder auf Touren 

Zwischen 100 und 150 Kilogramm Zuladung kannst du normalerweise auf ein Lastenrad packen, bei manchen Modellen sogar bis zu 300 Kilogramm – da kommt die elektrische Hilfe also gerade recht. Zumal die Elektro-Lastenräder selber auch nicht gerade wenig wiegen. Aber dank Zusatzmotor schwimmst du im Verkehr locker mit, auch wenn das Lastenrad bis zur Kante vollbeladen istStrampeln musst du aber weiterhin selbst, handelt es sich bei E-Lastenrädern doch offiziell meist um „Pedelecs“. Die elektrische Kraftverstärkung ist auf 250 Watt und eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern (km/h) begrenzt.  

Rad fahren mit E-Antrieb

Auch wenn das E-Lastenrad nicht von allein fahren kann – der zusätzliche Schub durch den elektrischen Hilfsmotor macht sich wie beim klassischen E-Bike  während der Fahrt schnell bemerkbar. Zum Beispiel, wenn du an einer Steigung anfährst. Sobald du in die Pedale trittst, schaltet sich der Motor zu.  

Übrigens: Manche Elektro-Lastenräder fallen auch in die Kategorie „S-Pedelec“. Bei ihnen gibt es die Tretkraftunterstützung bis 45 km/h. Allerdings gelten S-Pedelecs nicht als Fahrräder, sondern als Kleinkrafträder. Für diese Lastenräder gelten dann die gleichen Bedingungen wie für Elektroroller: Du benötigst einen Führerschein der Klasse AM (im Führerschein der Klasse B bereits enthalten) und musst einen Mofa- oder Motorradhelm tragen. Außerdem ist für das E-Lastenrad ein kostenpflichtiges Versicherungskennzeichen notwendig – und Radwege sind für dich leider tabu. 

Die verschiedenen E-Lastenrad-Typen 

Grundsätzlich unterscheidet man bei Lastenrädern zwischen ein- und mehrspurigen Ausführungen. Die erste Form erinnert noch am stärksten an „klassische“ Fahrräder, da Vorder- und Hinterrad in derselben Spur laufen. Die zweite Form ähnelt dagegen eher den Fahrrad-Rikschas, da sich an einer Achse zwei Räder drehen. Anhand von Größe, Rahmenaufbau und Position der Ladefläche lassen sich dann weitere Typen differenzieren. 

Einspurige E-Lastenräder 

  • Long JohnDer Name sagt es schon, dieses Rad ist lang. Sehr lang. Die größten Modelle erreichen eine Länge von über 2,5 Metern. Das Vorderrad liegt weit vorn, dann folgt die Transportbox, dann der Lenker. Der Schwerpunkt des Rads ist umso tiefer, je mehr Last es trägt. Daher lässt sich ein Long John recht gut steuern. Die Box ragt seitlich kaum über den Lenker hinaus, daher kommst du mit dem Rad auch gut zwischen Verkehrspollern hindurch. 
  • Backpacker/Long Tail: Das Heck ist bei diesem Typ weit nach hinten verlängert, die Ladung transportierst du hinter dem Sattel. Viele Eltern kombinieren die Transportkiste mit einem Kindersitz – die ideale Lösung, wenn du nach der Kita noch am Supermarkt vorbeifahren willst. Das Handling entspricht dem eines „normalen“ Fahrrads, allerdings neigt der Backpacker dazu, bei Kurvenfahrten auf die außenliegende Seite zu ziehen. 
  • Bäckerrad/Postrad: Hierbei handelt es sich um die klassische Variante des Lastenradswie sie früher bei Bäckern oder Postzustellern verbreitet war. Charakteristisch ist der große Korb vorn, das Vorderrad hat einen kleineren Durchmesser als das Hinterrad. Länge und Breite entsprechen ungefähr einem normalen Fahrrad. Im Vergleich zu anderen Lastenrädern ist das Bäckerrad selbst recht leicht, allerdings wird das Handling bei schweren Lasten mühsam.  

Das mehrspurige E-Lastenrad 

  • Christiania-RadDer Name erinnert an die alternative Wohnsiedlung in Kopenhagen, wo die ersten Modelle entstanden. Markant ist die Vorderachse mit zwei Rädern, wodurch dieses Cargobike eine große Ladefläche und einen sicheren Stand bekommt. Christiania-Räder sind eher für gemütliches Strampeln ausgelegt, schnelle Kurvenfahrten machen sie wegen der fehlenden Schräglage nicht mit. Zudem sind sie sehr breit – bei Pollern könnte es eng werden. 

Mach eine Probefahrt 

Die vier Grundtypen werden von den Herstellern immer weiter variiert. Schon bei der Frage, wie du die Zuladung unterbringst, hast du die Wahl: Transportbox oder extra stabiler Gepäckträger? Manche Modelle haben sogar beides. Darüber hinaus kannst du zwischen offenen und geschlossenen Boxen wählen, andere Hersteller bieten Ladewannen oder spezielle Aufbauten für den Kindertransport an – mit Sitzen in oder entgegen der Fahrtrichtung. Für Gewerbetreibende gibt es mittlerweile sogar Isolierboxen für den Transport von Kühlwaren. 

E-Lastenrad Packster 40 von Riese & Müller

© Riese & Müller – Packster 40

Angesichts der Vielfalt solltest du dich von einem spezialisierten Händler beraten lassen und mehrere E-Lastenräder ausprobierenJeder Lastenrad-Typ fährt sich anders: Mit einem zweirädrigen Cargobike wie dem Long John bist du beispielsweise schneller und wendiger unterwegs, allerdings ist die Kapazität der Zuladung begrenzt. Dreirädrige Lastenräder à la Christiania können mehr Gewicht bewegen, auch für den Transport von Kindern sind sie besser geeignet. Allerdings macht die Konstruktion ausladende Lenkbewegungen notwendig – und du brauchst einen geeigneten Stellplatz. Denn ein Schwergewicht wie das Christiania-Rad kannst du nicht mal eben im Keller abstellen. 

Reichweite und Aufladung 

Wie weit du mit dem E-Lastenrad kommst, wird im Wesentlichen durch den Akku bestimmt. Die Kapazität ist begrenzt – transportierst du schwere Lasten und hast viele Steigungen zu meistern, ist die Reichweite des Akkus logischerweise geringer als wenn du nur ebene Strecken fährst und nur leicht beladen bist. Bewegst du dich nur in deinem Stadtteil hin und her, musst du den Akku normalerweise erst nach 50 bis 60 Kilometern aufladen. Für Vielfahrer (und Handwerker) kann es sich aber lohnen, einen Wechselakku mitzunehmen oder gleich ein größeres Lastenrad mit zwei Akkus zu kaufen.  

An EnBW Ladestation Elektrofahrzeug laden

Eine Alternative: Du nutzt eine EnBW Stromtankstelle, um den Akku wieder aufzuladen. Allein im Ländle besteht das Netz aus mehreren Tausend Ladestationen, deutschlandweit und im europäischen Ausland stehen dir über 28.000 Ladepunkte zur Verfügung. Die nächste freie Ladestelle findest du dank der EnBW mobility+ App spielend einfach. In Gegenden, in denen du dich nicht so gut auskennst, navigiert dich die App direkt zum Ladepunkt. Eine separate Ladekarte brauchst du ebenfalls nicht mehr – alle Ladevorgänge lassen sich bequem über die EnBW mobility+ App bezahlen. 

So viel kostet dich ein E-Lastenrad  

Die Kosten für ein „normales“ E-Lastenrad für den Privatgebrauch liegen zwischen 2.000 und 4.000 Euro, für Premium-Modelle kannst du aber schnell bis zu 6.000 Euro zahlen. Viele Modelle lassen sich darüber hinaus individuell konfigurierenE-Antrieb von Shimano oder Bosch? Ketten- oder Nabenschaltung? Sieben oder acht Gänge? Regendach, Sonnenschutzverdeck und Kindersitz? Zusatz-Akku? Abhängig vom gewählten Extra kommen leicht mehrere hundert bis tausend Euro beim Preis obendrauf – coole Gadgets wie Fahrradblinker oder smarte Dynamos (zum Aufladen des Handys während der Fahrt) nicht mitgerechnet. 

Förderung von E-Lastenrädern 

Einige Städte unterstützen dich aber beim Kauf. Zum Beispiel die Landeshauptstadt mit dem Programm E-Lastenräder für Stuttgarter FamilienErfüllst du die notwendigen Voraussetzungen, bekommst du maximal 1.500 Euro bzw. 50 Prozent des Kaufpreises als Sofort-Prämie. Nach drei Jahren gibt es noch einmal 500 Euro als „Nachhaltigkeitsbonus“ – wenn du in dieser Zeit kein Fahrzeug angemeldet oder dein vorhandenes Auto abgemeldet hast. In Heidelberg zahlt die Kommune im Rahmen des Förderprogramms „Umweltfreundlich mobil“ einen Zuschuss von 500 Euro. 

Unternehmen, Gewerbetreibende, Freiberufler, gemeinnützige Organisationen oder Gemeinden, die auf ein Elektro-Lastenrad „umsatteln“ möchten, können beim Land Baden-Württemberg eine Förderung beantragenVon der staatseigenen L-Bank gibt es dann bis zu 3.000 Euro für jedes E-Lastenrad. Auch der Bund hat ein Förderprogramm für Unternehmen und Kommunen aufgelegt, das vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) umgesetzt wird. Das Programm für „E-Schwerlastenfahrräder“ fördert jedes Rad mit bis zu 2.500 Euro. 

Elektrisch fahren und Umwelt schützen

Freie Ladestation in der Nähe finden & unterwegs laden

Titelbild: © Riese & Müller

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