TOGG: Das erste Auto aus der Türkei soll rein elektrisch fahren

In der Türkei haben sich sechs Konzerne zusammengetan, um das erste in der Türkei entwickelte und gebaute Elektroauto auf den Markt zu bringen. Mit tatkräftiger Unterstützung eines ehemaligen Bosch-Managers soll das türkische Elektro-SUV der Marke TOGG bald den Automarkt erobern.

Wir stellen das ambitionierte Projekt vom Bosporus vor, das Ende 2022 vom Band rollen soll.


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Neben den bekannten Automobilherstellern drängen immer wieder neue Wettbewerber in den stark umkämpften E-Automobilmarkt. Beispielsweise der deutsche Hersteller ElectricBrands mit seinem eBussy, der mit modularem Design Käuferherzen höher schlagen lassen möchte, oder der Hersteller Bollinger, der mittlerweile am dritten E-Fahrzeug arbeitet. Nun wagt sich auch die Türkei auf den E-Markt. Mit tatkräftiger Unterstützung eines ehemaligen Bosch-Managers soll ein türkisches Elektro-SUV der Marke TOGG bald den Automarkt erobern. Aber der Reihe nach.

Abgerundete Formen, stilvolle Chromelemente: Für das Design des ersten SUVs aus TOGGs Herstellung ist die italienische Designschmiede Pininfarina verantwortlich (Foto: © TOGG).

Aufbruch in einen neuen Markt: Die Türkei will Autohersteller werden

Rein elektrisch betriebene Autos wie der SUV von TOGG wäre für die Türkei nicht nur ein Meilenstein im Bereich Elektromobilität, sondern auch gleichzeitig der erste Schritt hin zur eigenen Automobilproduktion im Land. Denn bislang werden im anatolischen Staat zwar Autos produziert, aber die Namen der Hersteller heißen Toyota, Honda oder Peugeot. Der erste und bislang letzte Vorstoß der Türkei in die Automobilherstellung liegt rund 60 Jahre zurück.

Mit dem TOGG-SUV würde dann ab dem vierten Quartal 2022 erstmalig Automobilgeschichte unter türkischer Flagge geschrieben werden. Und dafür sind jede Menge Hebel in Bewegung gesetzt worden: Rund 220 Ingenieure sollen aktuell am Megaprojekt arbeiten. Experten schätzen das Investitionsvolumen der Herstellung auf circa 3,3 Milliarden Euro.

Hinter TOGG steht ein türkisches Joint Venture, das auch als Namensgeber dient: T-O-G-G ist die Abkürzung für Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu, was so viel wie „Automobil Initiativgruppe“ bedeutet. Mit an Bord sind die türkische Handelskammer Tobb sowie zahlreiche Großkonzerne, wie der Automotive-Betrieb Anadolu, der Elektrokonzern Zorlu, der Nutzfahrzeughersteller BMC, der Telekommunikationsdienstleister Turkcell und der Baukonzern Kök. Ein nationales Prestigeprojekt sondergleichen also.

Langjährige Erfahrung im Bereich Automotive – Gürcan Karakas führt TOGG an der Spitze und ist der Hoffnungsträger der Autoambitionen der Türkei (Foto: © TOGG).

 

Mit umfassender Expertise in zwei Jahren von Null auf Elektro

Geleitet wird das E-Fahrzeug-Unternehmen von Gürcan Karakas. Der erste CEO von TOGG war 27 Jahre lang bei Bosch tätig – unter anderem als Mitglied des Bereichsvorstands Electric Drive. Der gebürtige Türke hat lange Zeit sowohl in Deutschland als auch in der Türkei Karriere bei Bosch gemacht und soll das Joint Venture in den kommenden Jahren zum Erfolg führen.

Um dies sicherzustellen, soll der TOGG-SUV bereits bei der Markteinführung nach und nach in Europa erhältlich sein. Der Startschuss soll im wichtigen Automarkt Deutschland erfolgen. Danach sollen Italien und Frankreich folgen, bis Gesamteuropa und weitere Länder mit jährlich 175.000 SUV-Wagen bei Vollauslastung beliefert werden. Die internationalen Ambitionen sind also groß, doch seit einigen Jahren boomt auch der türkische Markt selbst im Bereich Elektromobilität, sodass die Erwartungen hier entsprechend hoch ausfallen.

Die Energiezufuhr der Wagen ist nun auch gesichert: Der TOGG-SUV wird zukünftig mit Batteriezellen fahren, die in Deutschland produziert werden. Zulieferer ist der chinesische Batteriehersteller Farasis, der aktuell Aufträge für eine Herstellung im deutschen Bitterfeld sammelt.

Rund 500 Kilometer Reichweite sind bei einer vollen Aufladung laut Hersteller möglich. Das ist konkurrenzfähig mit unseren aktuellen Reichweiten-Champions. Für das Design ist eine italienische Traditionsfirma beauftragt worden. Pininfarina hat unter anderem schon Alfa Romeo, Ferrari und Fiat gute Dienste geleistet. Nach einem – laut Insidern – sechs Monate dauernden Wettbewerb haben die Italiener den Zuschlag erhalten und damit den Grundstock für das erste türkische Auto gelegt.

Zusätzlich zum SUV soll 2022 auch noch eine Limousine aus TOGGs Werken das Licht der Welt erblicken. Das Design dafür ist ebenfalls von Pininfarina entworfen worden.

Auch der Innenraum des ersten türkischen Elektroautos präsentiert sich modern und aufgeräumt (Foto: © TOGG).

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Modular entwickelte Plattform für größtmögliche Flexibilität

Gebaut werden sollen die Fahrzeuge auf einer eigens entwickelten Plattform ganz „made in Turkey“. Die Plattform ist laut Zeitungsberichten in Länge und Breite flexibel gestaltbar und komplett auf den elektrischen Antriebsstrang ausgelegt. Damit werden zukünftig zwei Akkuvarianten gefertigt. Wie beschrieben liegt die Höchstleistung der stärkeren Variante bei 500 km, die kleinere Akkureihe soll 300 km Reichweite schaffen.

Zwei Wahlmöglichkeiten werden Käufer voraussichtlich auch bei der Leistung haben. So gibt es entweder rund 200 PS auf die Hinterachse oder zwei Triebwerke mit doppelter Leistung, womit auch ein Allradantrieb ermöglicht wird.

An Multimedia-Ausstattung und Konnektivität gibt es dann im ersten SUV alles, was man von einer Marke mit Beteiligung des größten türkischen Mobilfunkkonzerns erwarten darf. Der Fahrer soll beispielsweise auf insgesamt drei Bildschirmen alle relevanten Informationen zur aktuellen Geschwindigkeit sowie weiteren Fahrzeugdaten sehen können. Auch autonomes Fahren ist als Ausbau angedacht und wird in einem späteren Entwicklungsstadium des Fahrzeugs voraussichtlich möglich sein.

Einen Verkaufspreis wie auch einen Namen hat das erste türkische SUV übrigens noch nicht. Beides soll in den kommenden Monaten bekannt gegeben werden.

Fazit: Alle Weichen stehen auf Erneuerung

Mit dem Bau der ersten eigenen Elektroautos beginnt in der Türkei gleich auf doppelte Weise eine neue Ära. Denn nicht nur erste Elektrofahrzeuge sollen dann aus eigener Herstellung vom Band rollen – mit der Elektrifizierung geht auch der landesweite Ausbau des Elektro-Ladenetzes einher. Damit soll sichergestellt werden, dass die elektrische Versorgung beim Markteintritt 2022 auch gesichert ist. Wir dürfen gespannt sein, ob die ambitionierten Ziele erreicht werden können.

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