Steuerliche Sonderrechte beim Umzug

Ob aus Liebe, aus familiären Gründen oder aufgrund eines neuen Jobs – es gibt zahlreiche Gründe für einen Wohnungswechsel. Meistens kosten Umzüge viel Zeit, Nerven und eine Menge Geld. Das muss aber nicht sein, denn deine Umzugskosten kannst du von der Steuer absetzen lassen – solange du deine Ausgaben belegen kannst. Welche Aufwendungen das Finanzamt anerkennt, hängt maßgeblich davon ab, ob du aus beruflichen oder privaten Gründen umziehst.

Umzug aus beruflichen Gründen

Die Voraussetzungen für einen beruflichen Umzug

Du fragst dich sicher, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit du Umzugskosten steuerlich geltend machen kannst. Musst du aus beruflichen Gründen den Wohnort wechseln, können deine Umzugskosten als Werbungskosten abgesetzt oder von deinem Arbeitgeber steuerfrei ersetzt werden. Das gilt in folgenden Fällen:

  • Erste Stelle in einer anderen Stadt: Du ziehst für eine Ausbildung, Studium oder deinen ersten Job in eine neue Stadt.
  • Berufliche Versetzung: Dein Arbeitgeber fordert dich aus betrieblichen Gründen zum Umzug auf. Ein Grund hierfür ist z.B. eine ständige Einsatzfähigkeit.
  • Arbeitsplatzwechsel: Du ziehst um, weil du deinen Arbeitgeber gewechselt hast.
  • Standortwechsel: Du musst deinen Wohnort wechseln, weil dein Arbeitgeber den Standort wechselt.
  • Beendigung einer doppelten Haushaltsführung: Du verlegst deinen Wohnort an deinen Beschäftigungsort, um eine doppelte Haushaltsführung zu beenden.
  • Rückkehr aus dem Ausland: Du hast eine Zeit lang im Ausland gelebt und kehrst für deine neue Stelle zurück nach Deutschland.
  • Verkürzter Arbeitsweg: Deine neue Wohnung liegt näher an deinem Arbeitsplatz, sodass dein Weg zur Arbeit (Hin- und Rückfahrt) mindestens eine Stunde weniger Zeit in Anspruch nimmt

TIPP! Für den Nachweis der Zeitersparnis ist es nicht unbedingt nötig, den Wohnort zu wechseln – es gilt auch innerhalb einer Stadt oder Gemeinde der verkürzte Arbeitsweg! Vor allem Umzüge innerhalb von Großstädten wie Hamburg oder Berlin sind davon betroffen.

Umzug im Rahmen der Berufsausbildung

Wechselst du für die erste Berufsausbildung oder das Erststudium den Wohnort, kannst du die Umzugskosten bei der Steuererklärung als Sonderausgaben angeben. Der Höchstbetrag liegt hierbei bei 6.000€.
Ziehst du wegen einer zweiten Berufsausbildung, beispielsweise wegen eines Masterstudiums um, kannst du die Umzugskosten als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen. Ein klarer Zusammenhang zur späteren beruflichen Tätigkeit muss hingegen ersichtlich sein.

Abzugsfähige allgemeine Umzugskosten

Die meisten Kostenstellen deiner Umzugsrechnung musst du belegen. Weitere sonstige Kosten werden von der Umzugskostenpauschale erfasst, die du von deinem zu versteuernden Einkommen abziehen kannst. Grundsätzlich kannst du diese allgemeinen Kosten geltend machen:

  • Frau lädt mit ihrem Freund Umzugswagen einBeförderungsauslagen: Auslagen für die Beförderung des Hausrats von der alten zur neuen Wohnung (Autobahnmaut und Transportversicherung eingeschlossen).
  • Reisekosten: 30 Cent pro Kilometer für Fahrten zur Wohnungssuche und -besichtigungen.
  • Mietentschädigung: Doppelte Mietzahlungen für längstens 6 Monate, falls du die alte Wohnung wegen bestehender Kündigungsfristen nicht sofort kündigen, kannst und die Miete neben der Miete für die neue Wohnung weitergezahlt werden muss.
  • Mietentschädigung: Maximal 3 Monatsmieten für die neue Wohnung, falls diese noch nicht genutzt werden kann.
  • Wohnungsvermittlungsgebühren: Ortsübliche Maklergebühren für Mietimmobilien, nicht für Eigentum!
  • Aufwendungen: Wenn die Ausstattung der neuen Wohnung mit Geräten zwingend notwendig ist, können Kosten für einen Kochherd bis zu 230,08€ und für Öfen bis zu 163,61€ abgesetzt werden.

Diese Umzugskosten kannst du in voller Höhe angeben. Sammle dafür alle Quittungen, sowie Rechnungen für die Aufwendungen und gebe die Summe in deiner Steuererklärung an. Zusätzlich zu diesen allgemeinen Kosten, kannst du noch sonstige Umzugskosten absetzen. Hier hast du zwei Möglichkeiten: Entweder mit der Umzugskostenpauschale oder den tatsächlich ausgegebenen Kosten.

Umzugskostenpauschale – Welche Leistungen fallen darunter?

Für sonstige anfallende Umzugskosten kann ein Pauschalbetrag angesetzt werden – ohne Einzelnachweise erbringen zu müssen. Im Rahmen dieser Pauschale kannst du alle Ausgaben steuerlich geltend machen, die mit dem Suchen und dem Einrichten der neuen Wohnung zusammenhängen. Unter die Umzugskostenpauschale fallen folgende sonstige Umzugskosten:

Sonstige Umzugskosten erfasst von Umzugskostenpauschale

Falls du deine Belege nicht vollständig gesammelt hast, kannst du die Umzugskostenpauschale anstatt der jeweiligen Einzelleistungen von der Steuer absetzen lassen. Die Umzugskostenpauschalen werden jährlich von dem Bundesfinanzministerium erhöht. Momentan liegt die Pauschale für Verheiratete und Lebenspartner bei 1.528€ und für Singles bei 764€. Hast du Kinder oder sonstige Angehörige, erhöht sich der Beitrag um 337€.
Eine Besonderheit gibt es hierbei: Die Umzugskostenpauschale für Verheiratete dürfen zusätzlich auch sogenannte gleichgestellte Personen in Anspruch nehmen. Demnach dürfen auch Alleinerziehende mit Kind, Geschiedene und Verwitwete diese Pauschale nutzen.

Bist du in den letzten zwei Jahren bereits zweimal aus beruflichen Gründen umgezogen, erhöht sich die Umzugspauschale um 50%.

Wenn die Aufwendungen höher sind als die Pauschale, hast du die Möglichkeit auf die Pauschale zu verzichten und die höheren Kosten stattdessen mit den entsprechenden Quittungen und Rechnungen zu belegen.

Du kannst für den Umzug allerdings nur die Kosten angeben, die du tatsächlich trägst. Falls dein Arbeitgeber z.B. das Umzugsunternehmen bezahlt, ist es nicht möglich diese Ausgaben abzusetzen.

TIPP: Wenn du für einen neuen Job den Wohnort wechselst, ist es bei Vertragsverhandlungen zu empfehlen bei deinem Arbeitgeber nachzufragen, ob er die Umzugskosten übernimmt. Er hat nämlich die Möglichkeit die gesamten steuerlich absetzbaren Umzugskosten sozialversicherungs- und lohnsteuerfrei zu erstatten – für das Unternehmen sind das Betriebsausgaben.

Kosten für Nachhilfeunterricht

Kinder, die in eine andere Stadt oder in ein anderes Bundesland umziehen, müssen oftmals Unterrichtsstoff nachholen. An den Kosten für einen Nachhilfeunterricht beteiligt sich das Finanzamt ebenfalls – sofern die Behörde den Umzug als berufsbedingt anerkennt.
Als Nachweis hierfür gelten z.B. der Arbeitsvertrag oder eine Bestätigung des Arbeitgebers. Du kannst Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 1.926€ geltend machen.

Umzug aus privaten Gründen

Junges Paar packt Umzugskartons ausZiehst du der Liebe wegen oder aus anderen privaten Gründen um, kannst du die Kosten zum Teil steuerlich absetzen. Die Umzugskostenpauschale und die Werbungskosten sind davon allerdings ausgenommen.
Hast du Umzugshelfer bestellt oder lässt du Malerarbeiten in deiner alten Wohnung von einem Profi erledigen, kannst du haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerksleistungen geltend machen. Im Rahmen dieser Dienstleistungen kannst du über den Sonderausgabenabzug in der Steuererklärung pro Jahr 20% deiner Ausgaben absetzen. Es gelten dabei unterschiedliche Höchstbeträge: Für Handwerker sind es 1200€ und für haushaltsnahe Dienstleistungen 4.000€. Liste hierfür die einzelnen Posten auf einem Extrablatt in deiner Steuererklärung auf und füge als Belege die Rechnungen und Kontoauszüge für die Überweisungen bei.
Dieser Steuerabzug ist allerdings nur möglich, wenn du die folgenden zwei Dinge beachtest:

  1. Du benötigst eine Rechnung, auf welcher der Lohnkostenanteil enthalten ist.
  2. Du darfst nicht bar bezahlen. Lediglich eine Quittung ist dem Finanzamt nicht ausreichend – du musst einen Kontoauszug vorweisen, der beweist, dass tatsächlich Geld geflossen ist.

Umzugskosten als außergewöhnliche Belastung

Gibt es medizinische Ursachen, wie z.B. nach einem Unfall oder wegen einer Behinderung, die einen Umzug erforderlich machen, sind diese als außergewöhnliche Belastung einzustufen. Übersteigen diese Kosten einen zumutbaren Eigenanteil können die Umzugskosten steuerlich geltend gemacht werden. Als Nachweis für die medizinische Notwendigkeit benötigst du ein Attest vom Amtsarzt.

Du hast Schimmel in deiner Wohnung, der zu einer Allergie geführt hat? In deinem Haus wurde Asbest entdeckt? Wenn du unter Giftstoffen in deiner Wohnung leidest, sind die Voraussetzungen für die Umzugskostenpauschale ebenfalls erfüllt.

Sonderurlaub beim Umzug

Für alle, die sich Hoffnung auf Sonderurlaub bei einem Umzug machen, gibt es schlechte Nachrichten: Laut Gesetz besteht darauf keinerlei Anspruch – auch nicht in Form einer unbezahlten Freistellung. Wenn du es an einem arbeitsfreien Wochenende nicht schaffst, dein ganzes Hab und Gut umzuziehen, musst du wohl oder übel ein paar deiner Urlaubstage opfern.

Genehmigt Stempel Eine Ausnahme stellt auch hier der berufsbedingte Umzug dar. Wenn du einen neuen Job in einer anderen Stadt antrittst, kannst du auf Kulanz seitens deines Arbeitgebers hoffen. Liegt zwischen der Beendigung des alten und Aufnahme des neuen Arbeitsverhältnisses nicht mehr als ein Wochenende, dürfte der neue Arbeitgeber dazu geneigt sein, den Umzug in Form eines kurzen Sonderurlaubs zu genehmigen. Die Anzahl der Sonderurlaubstage kann zwischen 0 und 3 variieren – eine gesetzliche Regelung gibt es hierbei nicht. Die Anzahl der Tage ist vielmehr abhängig davon, was im Arbeits-/Tarifvertrag oder sonstigen betrieblichen Bestimmungen geregelt ist.
Eine grundsätzliche Möglichkeit der bezahlten Freistellung besteht, wenn du innerhalb deiner Firma an einen anderen Dienstort versetzt wirst. In diesem Fall ist der Umzug nicht nur beruflich veranlasst, sondern wird zusätzlich als vorübergehende Verhinderung eingestuft. Übersetzt heißt das: Der Beschäftigte darf für einen Tag der Arbeit fernbleiben und bekommt trotzdem Gehalt.

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