Das sind die 7 nachhaltigsten Städte in Europa

Jute-Beutel statt Plastiktüte, Auto teilen, Energie sparen – es gibt unzählige Möglichkeiten, wie du im Alltag der Umwelt Gutes tun kannst. Doch wie funktioniert ein nachhaltiges Leben im großen Maßstab – sagen wir: in einer Metropole? Wir stellen dir sieben Städte vor, die grün, modern und dabei auch noch wirtschaftlich erfolgreich sind.

Was ist eigentlich „nachhaltig“? Wer jetzt an energieeffiziente Häuser und Mülltrennung, an eine gute Anbindung an Bus und Bahn oder Carsharing denkt, ist auf der richtigen Spur. Doch „Nachhaltigkeit“ bedeutet mehrhinter dem Begriff steckt ein umfassendes KonzeptEine Stadt ist nur dann nachhaltig, „wenn sie ihre ökonomische Wettbewerbsfähigkeit in ökologischer Weise mit sozialer Stabilität und hoher Lebensqualität dauerhaft verbinden kann“, erklärte Lamia Messari-Becker, Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik an der Uni Siegen 

Um nachhaltig zu sein, müssen die Metropolen der Zukunft einen unglaublichen Balanceakt bewältigen: die Verknüpfung von Klimaschutz, erfolgreicher wirtschaftlicher Entwicklung und Maßnahmen zum Wohl der Bürger. Wie erfolgreich die einzelnen Städte dabei sind, zeigt der „Sustainable City Index“. Er wird alljährlich von der Planungs- und Beratungsagentur Arcadis veröffentlichtLaut Definition der Vereinten Nationen beruht die Nachhaltigkeit von Städten überwiegend auf drei Säulen: „Planet“ (Umwelt), „People“ (Soziales) und „Profit“ (Wirtschaft)

Das Ranking erfasst 100 Metropolen aus Industrie- und Schwellenländern – allein in den Top 20 findet man 14 europäische Städte, darunter auch vier deutsche.
Im Folgenden wir stellen dir die sieben nachhaltigsten Städte Europas vor.  

Die 20 nachhaltigsten Städte weltweit

1. London

Die Hauptstadt Großbritanniens kann sich mit vielen Rekorden schmücken: Hier fährt die älteste U-Bahn der Welt, hier fanden die olympischen Spiele am häufigsten statt (genau dreimal) – und hier sind die Mieten so hoch wie kaum irgendwo sonst. Dennoch ist London die nachhaltigste Metropole der Welt. Zum einen ist die ökonomische Lage hervorragend, bedingt durch die Kraft des Finanzdistrikts und die Anziehungskraft als Touristenmagnet. Zum anderen ist London eine der grünsten Städte weltweit – wusstest du, dass knapp die Hälfte des Stadtgebiets Grünfläche ist? Die acht Millionen Bäume bilden sogar den größten Stadtwald des Planeten. Noch ein Rekord. 

London

Bis 2030 soll London auf über 10 Millionen Einwohner wachsen (aktuell: 8,8 Millionen)Der Anspruch ist, trotz zunehmender Verdichtung die grünen Qualitäten der Stadt zu bewahren. Bürgermeister Sadiq Khan treibt daher engagiert sein Umweltprogramm voran: Um die Luftqualität zu verbessern, wurde im Frühjahr die Citymaut erhöht. Sie beinhaltet neben der Stau-Abgabe nun auch eine Abgasgebühr für alte Diesel und Benziner. Die städtischen Parks und Gärten sind seit Juni 2019 unter dem Dach der National Park City“ zusammengefasst. Und um auch die Finanzindustrie für mehr Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, fördert London sogar grüne“ Finanzanlagen. 

2. Stockholm

Früher flohen die Menschen in Scharen aus Stockholm, weil das Wasser verschmutzt und die Luft dreckig war – nur um dann letztlich mit dem Auto wieder zur Arbeit pendeln zu müssen. Heute ist die schwedische Hauptstadt als Wohnort so begehrt wie nie. Mit vielen Maßnahmen erhöhte die Stadtverwaltung die Lebensqualität: Seit 2007 gibt es beispielsweise eine Citymaut, durch die man den Autoverkehr in der Innenstadt reduziert hat. Gleichzeitig sorgte man dafür, dass Pendler aus den äußeren Bezirken ihre Arbeitsstellen besser mit Bus und Bahn, Rad oder Fähre erreichen können. Die Busse und viele Taxis in Stockholm nutzen Biogas. Mittlerweile sind die Kanäle wieder so sauber, dass man dort sogar Lachse fangen kann. 

Stockholm

Ein wegweisendes Projekt in Stockholm ist die Hammarby sjöstadt. Wo früher eine Ölraffinerie die Umwelt verpestete, leben seit Ende der 1990er Jahre rund 26.000 Einwohner – und zwar direkt am Wasser. Der Bau folgte strengen Auflagen: Anschluss ans Fernwärmenetz, Carsharing und ein Transportsystem, das Müll wie eine Rohrpost unterirdisch zur Biogasanlage schickt. Für den Stadtteil Royal Seaport, der seit 2011 gebaut wird, gelten noch strengere Auflagen. Zum Beispiel dürfen nur Niedrigenergiehäuser mit einem Energiebedarf von 55 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr errichtet werden. Bis 2030 soll der Stadtteil komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen sein.  

3. Edinburgh

Die schottische Hauptstadt ist eines der größten Kultur- und Wirtschaftszentren in Großbritannien: sowohl die Alt- als auch die Neustadt stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, es finden dort zahlreiche bedeutende Festivals statt und viele innovative Unternehmen haben sich in Edinburgh angesiedelt. So ist Edinburgh der bedeutendste Finanzstandort Großbritanniens außerhalb von London. Eine niedrige Kriminalitätsrate, eine gute Gesundheitsversorgung sowie Bildungseinrichtungen, die zu den besten weltweit gehören, zählen ebenfalls zu den Stärken dieser Metropole. 

Edinburgh

All dies hat zur Folge: Edinburgh wächst – und zwar rasantInnerhalb der nächsten 20 Jahre soll die Einwohnerzahl um 20 Prozent steigen, auf dann über 600.000 Einwohner. Nicht zuletzt aus diesem Grund liegt der Fokus der Stadtverwaltung auf der nachhaltigen Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs und auf der Einführung sogenannter Low Emission Zones – letztere sollen die Luftqualität verbessern. Mit diesen und weiteren Maßnahmen will Edinburgh das ambitionierte Ziel erreichen, bis 2030 zur „Zero Carbon City“ zu werden, die ausschließlich erneuerbare Energien verwendet – geht der Plan auf, erreicht Edinburgh dieses Ziel gut 15 Jahre früher als der Rest Schottlands. 

4. Wien

280 Parks und Gärten, 2.000 öffentlich zugängliche Grünanlagen, 27.000 Kleingärten, zahllose begrünte Hauswände und Dachterrassen – allein aufgrund ihrer großzügigen Grünflächen gehört die österreichische Hauptstadt zu den nachhaltigsten Metropolen in Europa. Artenschutz, die Vermeidung von Hitze-Inseln in der Stadt und eine hohe Lebensqualität gehen dort Hand in Hand. Zumal, gerade im Vergleich zu anderen Metropolen, die Mieten recht günstig sind. In der Donaumetropole hat der soziale Wohnungsbau eine lange Tradition und wird von der Kommune jedes Jahr mit mehr als 500 Millionen Euro gefördert.  

Wien Schloss Belvedere

Mit STEP 2025, dem aktuellen Stadtentwicklungsplan, hat sich Wien auch offiziell zu mehr Nachhaltigkeit verpflichtet. So sollen die beliebten Gründerzeitviertel energetisch saniert werden und neue Stadtviertel nur dann entstehen, wenn dadurch nachweislich keine Flächen oder Ressourcen verschwendet werdenAuch bei der nachhaltigeren Produktion von Lebensmitteln geht Wien mit gutem Beispiel voran, gehört die Stadtverwaltung doch zu den größten Biobauern des Landes. Auf einer Fläche von 860 Hektar produzieren drei der stadteigenen Landwirtschaftsbetriebe ausschließlich Lebensmittel nach Bio-Kriterien: Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Wein. 

5. Zürich

Die hohe Lebensqualität, der gute öffentliche Nahverkehr und ihre Wirtschaftskraft bescheren der Schweizer Finanzmetropole schon seit Längerem gute Platzierungen in Nachhaltigkeits-Rankings. Bis 2050 will Zürich nun zur 2000-Watt-Gesellschaft werden – mit dem Ziel, den CO2-Verbrauch auf eine Tonne Kohlendioxid pro Kopf und Jahr zu senken. Bereits in den 1990er Jahren wurde das Konzept an der ETH Zürich entwickelt, 2008 stimmten drei Viertel der Bürger für die Einführung des kommunalen Nachhaltigkeitsprogramms. Eine Erfolgsgeschichte: Weitere Kantone und auch der Bundesstaat orientieren sich mittlerweile an dem Konzept. 

Zürich

Einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt ist für Zürich die Umstellung auf erneuerbare Energien wie Wasserkraft und Solarenergie. Noch bezieht die Stadt einen Teil ihres Stroms von schweizerischen und französischen Atomkraftwerken. Spätestens 2034 ist damit aber Schluss. Darüber hinaus fördert die Stadt energetische Sanierungen von Gebäuden, baut neue Tramlinien sowie Radfahrertunnel und schafft Grünanlagen wie den Pfingstweidpark. Ein städtebauliches Leuchtturmprojekt ist das Hunziker-Areal im Norden, das einer hohen Energieeffizienz Rechnung trägt. 

6.  München

Zu den Stärken der bayerischen Landeshauptstadt gehört die boomende Wirtschaft. Das Einkommen ist hoch, die Arbeitslosenquote gering, die Metropole international gut vernetzt. Das ist gut für München, stellt die Stadt aber zugleich vor große Herausforderungen – vor allem durch den ungebremsten Zuzug. Die Stadtverwaltung setzt auf Nachverdichtung bestehender Quartiere, neue Baugebiete an der Peripherie werden hingegen kaum ausgewiesen. Die Strategie ist umstritten, gehen so doch auch wertvolle Grünflächen verloren. Andererseits ist die Verwaltung bestrebt, die Bebauung der Landschaft einzugrenzen. 

München Olympiapark

Gleichzeitig baut die Landeshauptstadt den öffentlichen Nahverkehr aus und investiert in die Erweiterung der U-Bahn- und Tram-NetzeJüngstes Projekt für sauberere Luft in der Innenstadt war die Eröffnung der CityRing-Buslinien auf dem Innen- und Außenring. Zudem fördert München den Umstieg auf erneuerbare Energien und das Fahrrad als nachhaltiges Fortbewegungsmittel. Spätestens 2050 soll München klimaneutral sein. Jeder Einwohner wäre dann jährlich nur noch für 300 Kilo Kohlendioxid verantwortlich. Im Moment entstehen pro Kopf und Jahr 6 Tonnen CO2 – wie in Oslo würde beim Erreichen dieser Ziele das CO2-Aufkommen um bis zu 95 Prozent reduziert werden. 

7. Oslo

Die norwegische Hauptstadt zählt weltweit zu den grünsten und lebenswertesten Metropolen. In diesem Jahr darf sich Oslo sogar als „Umwelthauptstadt Europas“ bezeichnenDie Europäische Kommission verleiht diesen Titel jedes Jahr an eine Stadt, die in vorbildlicher Weise Umwelt- und Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und eine hohe Lebensqualität miteinander verbindet. Und ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit ist Oslo tatsächlich: So wächst beispielsweise auf dem Gelände des Hafens und stillgelegter Werften seit einem Jahrzehnt die Fjord City – eine moderne und luftige Stadt direkt am WasserEs ist eine Mischung aus Wohnungen und Büroflächen, Parks und Kulturorten wie der neugebauten Oper.  

Oslo Fjord City

Autoverkehr ist aus der Fjord City weitestgehend verbannt, so haben Fußgänger und Radfahrer Vorfahrt. Auch auf dem übrigen Stadtgebiet will die Stadtverwaltung Emissionen deutlich senken. In der Innenstadt wurde eine Citymaut für Benziner und Diesel eingeführtAußerdem fördern Staat und Stadt den Kauf von Elektroautos. Bis 2025 soll die Mehrzahl der Busse elektrisch fahren – mit Strom, der aus Wasserkraft gewonnen wird. Viele der natürlichen Wasserwege, die Oslo durchziehen, wurden mittlerweile renaturiert  ein Plus an Lebensraum für Mensch und Tier. Das große Ziel: Bis 2030 will Oslo seine Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um bis zu 95 Prozent reduzieren. 

Der neue Stöckach in Stuttgart

Umweltschutz, Wirtschaftskraft und sozialer Ausgleich – Metropolen rund um den Globus stehen vor großen Herausforderungen, gerade in Zeiten des Klimawandels. Die sieben Städte, die wir euch vorgestellt haben, gehen mit ambitionierten und innovativen Konzepten voran. Aber auch die EnBW engagiert sich r Stadtentwicklung – unter anderem mit dem aktuellen Projekt „Der neue Stöckach, mit dem ein in Stuttgart frei werdendes EnBW-Werksgelände zum dringend benötigten Wohnraum umgewandelt wird. Noch befindet sich das Projekt in der Ideenphase und BürgerInnen sind dazu eingeladen, sich an der Entwicklung des neuen Areals zu beteiligenMit bis zu 800 Wohnungen und mindestens 60.000 m² Wohnfläche möchte die EnBW der Wohnungsnot entgegenwirken und einen Beitrag dazu leisten, dass das Wohnen und Leben in der Stadt bezahlbar und innovativ sind.  

Quartiersentwicklung mit der EnBW

Mit dem Projekt „Quartier Zukunft“ kommen nicht nur die Stuttgarter in den Genuss der Stadtentwicklung durch und mit EnBW – auch andere Städte, die sich in der Planung eines neuen Stadtviertels befinden, können auf Unterstützung der EnBW zählen, unter anderem durch smarte Umweltlösungen sowie vernetzte Infrastrukturlösungen für eine herausragende Quartiersentwicklung.

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