Nachhaltige Mobilität: Bewusste Fortbewegung

Jedes Fortbewegungsmittel hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Umwelt. Wir alle können einen Beitrag leisten, die Umweltbelastung zu reduzieren. Wir machen den Verkehrsmittelvergleich und geben dir darüber hinaus Tipps, wie du deine nächste Reise nachhaltiger gestalten kannst.

Der ökologische Fußabdruck ist ein Nachhaltigkeitsindikator. Er berücksichtigt, dass alle Rohstoffe, die wir verbrauchen, Zeit und Platz zum Nachwachsen haben müssen. Außerdem wird bei der Berechnung einbezogen, dass die Natur die von uns produzierten Abfälle abbauen muss, etwa durch die CO2-Bindung der Wälder.

Fast 60 Prozent des ökologischen Fußabdrucks sind hierzulande auf den hohen CO2-Ausstoß zurückzuführen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit verursacht der Verkehr rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen. Hinzu kommen Emissionen an Luftschadstoffen und die Lärmbelastung, besonders in Ballungszentren. Der Verkehr hat unbestritten viele negative Auswirkungen auf Umwelt und Mensch. Gleichzeitig hat er aber auch einen hohen Stellenwert für das Funktionieren unserer Gesellschaft, die Lebensqualität und den Wohlstand.

Straßenverkehr in der Stadt

Als sanfte oder nachhaltige Mobilität werden Strategien und Konzepte bezeichnet, durch die Mobilitätsbedürfnisse langfristig verträglich gestaltet werden können – ökonomisch, ökologisch und sozial. Aber wie sieht nachhaltige Mobilität im Alltag aus? Und was bedeutet das für deine Urlaubsplanung?

Verkehrsmittel im Vergleich

Wir haben uns unterschiedliche Verkehrsmittel angeschaut und diese nach Aspekten der nachhaltigen Mobilität sowie anderen Faktoren miteinander verglichen.

Faktor 1: Umweltbelastung

Grundsätzlich ist es schwer, die exakten Emissionswerte verschiedener Verkehrsmittel zu ermitteln und miteinander zu vergleichen. Schließlich werden sie von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Bei Autos hängen die CO2-Emissionen beispielsweise nicht nur mit dem Treibstoffverbrauch des jeweiligen Modells zusammen, sondern auch mit dem Fahrstil und der Beladung. Es handelt sich daher immer nur um durchschnittliche Vergleichswerte. Zudem kommt es beim Umweltfaktor von Fahrzeugen auch auf den Auslastungsgrad an. Je mehr Personen ein Fahrzeug nutzen, desto besser ist die Bilanz pro Person. So schneidet der Reisebus aufgrund der meist hohen Auslastung sogar besser ab als die Bahn. Der vom Umweltbundesamt durchgeführte Vergleich durchschnittlicher Emissionen einzelner Verkehrsmittel in Gramm pro Personenkilometer ermöglicht einen guten Überblick:

Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel im PersonenverkehrVergleich Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Personenverkehr

Flugzeuge und Pkw schneiden im Vergleich besonders schlecht ab. Bei Flugzeugen kommt der sogenannte Höheneffekt hinzu: Da sie Emissionen in Höhen ausstoßen, in denen sie schädlicher sind als vergleichbare Mengen am Boden, werden die Werte mit dem sogenannten Emission Weighting Factor (EWF) multipliziert. Die Auslastung beim Flugzeug liegt leider nicht in deiner Hand, hier hilft nur Abwägen: Ist der Flug wirklich notwendig? Anders sieht es oft beim Pkw aus: Indem du nicht jeden Tag das Auto für die Fahrt zur Arbeit nimmst, sondern auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigst, gestaltest du deine persönliche Mobilität nachhaltiger. Das ist nur schwer möglich? Vielleicht kannst du eine Fahrgemeinschaft mit Kollegen bilden.

Beim Thema nachhaltige Mobilität denkt man schnell an Elektrofahrzeuge. Aber lohnt sich ein Elektroauto oder ein E-Roller unter Berücksichtigung des Umweltfaktors wirklich? Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Elektrofahrzeuge beim Fahren kein CO2 oder andere Treibhausgase ausstoßen. Um die Klimaverträglichkeit bewerten zu können, muss aber unter anderem auch die Strombereitstellung betrachtet werden. Mit diesen und weiteren Kriterien der Umweltverträglichkeit von Elektroautos hat sich das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit befasst. Das Ergebnis: Elektroautos schneiden beim aktuellen deutschen Strommix besser ab als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien werden Elektrofahrzeuge diesen Vorsprung weiter ausbauen – auch dann, wenn Vergleichsfahrzeuge ebenfalls effizienter werden.

E-Auto auf Landstraße

Möchtest du den CO2-Ausstoß verschiedener Verkehrsmittel auf unterschiedlichen Strecken vergleichen? Online findest du verschiedene CO2-Rechner. Suchst du eine Zugverbindung über die Internetseite der Deutsche Bahn, kannst du dir mit der Funktion „UmweltMobilCheck“ die CO2-Werte der Bahnstrecke im Vergleich zu Pkw und Flugzeug anzeigen lassen.

Faktor 2: Zeit

Der Faktor Zeit ist vor allem im Alltag ein wichtiger Aspekt. Auf kurzen Distanzen ist das Fahrrad unschlagbar – du musst weder lange einen Parkplatz suchen noch an Haltestellen warten. Zudem bist du an der frischen Luft. Der Spaßfaktor hängt aber erheblich vom Wetter ab. Wer fährt schon gerne bei Regen oder Schnee auf dem Rad? Die Fahrt mit dem Auto ist besonders bequem, dafür musst du oft mehr Zeit einplanen, vor allem, wenn du keinen eigenen Parkplatz hast und oft zu Stoßzeiten unterwegs bist. Die Rushhour kann dir auch im Bus zum Verhängnis werden. Etwas unabhängiger von der Verkehrslage bist du mit U-, S- und Regionalbahn. Wie bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln kommt es aber auch hier gelegentlich zu Verspätungen und Zugausfällen.

Mann fährt mit öffentlichem Verkehrsmittel und tippt auf Smartphone

Möchtest du nachhaltig Urlaub machen, sind Flugreisen schon eher problematisch. Besonders auf Strecken mittlerer Länge ist der Zeitfaktor oft kein Grund, das Flugzeug zu nehmen. Da Flughäfen meist außerhalb liegen, nimmt der Transfer viel Zeit in Anspruch. Check-in, Sicherheitskontrollen und das Warten auf das Gepäck verlängern die Reisezeit zusätzlich. Bei Fernreisen hingegen gibt es kaum eine Alternative zum Flugzeug. Möchtest du weiterhin ferne Reiseziele besuchen und trotzdem so nachhaltig wie möglich reisen, findest du weiter unten Tipps.

Faktor 3: Kosten

Mobilität ist immer mit Kosten verbunden. Du zahlst für die Monatskarte ebenso wie für die Tankfüllung; bei Fahrrad und Auto kommen die Anschaffungskosten hinzu. Dabei bleibt es aber nicht: Vor allem die Nutzung und Instandhaltung eines eigenen Pkw ist mit hohen Kosten verbunden. Neben Kauf, Reparaturen und Treibstoff schlagen auch kilometerabhängiger Wertverlust, Steuern und die Versicherung zu Buche. So entstehen je nach Modell schnell Kosten zwischen 30 und 60 Cent pro gefahrenem Kilometer. Bei einer Fahrleistung von 20.000 Kilometern pro Jahr kommst du so schnell auf Gesamtkosten zwischen 6.000 und 12.000 Euro. Alternative und nachhaltige Mobilitätskonzepte können auch hier Abhilfe schaffen. Beim flexiblen Carsharing reservierst du etwa per App ein in unmittelbarer Nähe abgestelltes Auto und zahlst nur für die genutzte Zeit bzw. pro Kilometer.

Berechnung von Kosten auf Taschenrechner

Hast du dich aufgrund der niedrigen Flugpreise von Billig-Airlines schon einmal zu einem Flug verleiten lassen? Damit bist du nicht alleine. Doch gerade hier verbergen sich viele versteckte Kosten – von denen für die Umwelt mal ganz abgesehen. Zu dem zunächst ausgewiesenen Flugpreis kommen oft zusätzliche Kosten für Gepäckmitnahme, Sitzplatzreservierungen sowie Steuern, Buchungs- und Sicherheitsgebühren. Da lohnt sich vor allem bei Mittelstreckenflügen der Preisvergleich mit Fernzügen.

Nachhaltig reisen: Mit gutem Gewissen in den Urlaub

Das Thema nachhaltige Mobilität ist auch wichtig, wenn du umwelt- und sozialverträglich reisen möchtest. Fernreisen sind diesbezüglich eine Herausforderung, da es kaum Alternativen zum Flugzeug gibt. Möchtest du trotzdem nicht auf Reisen in weit entfernte Länder verzichten, sollte die Entfernung zwischen deinem Wohn- und Urlaubsort in einem angemessenen Verhältnis zur Reisedauer stehen. Für ein paar Tage um die halbe Welt zu fliegen, ist nicht nur anstrengend, sondern auch ökologisch gesehen extrem negativ.

In den Urlaub per App navigieren

Es hilft außerdem, sich den Grund für die Reise vor Augen zu führen. Möchtest du lediglich ein paar Tage entspannen oder Bergsteigen? Dann muss es nicht unbedingt ein Urlaub auf der Südseeinsel oder ein Trip in die Anden sein. Strebst du über An- und Abreise hinaus mehr Nachhaltigkeit beim Reisen an, helfen dir folgende Tipps:

  • Achte auf Umweltsiegel: Mittlerweile gibt es einige Gütesiegel für nachhaltiges Reisen. Das Viabono-Zertifikat z. B. zeichnet Unterkünfte, Restaurants und Reisedienstleister aus, die sich um klima- und umweltfreundlichen Urlaub bemühen. Und am TourCert-Siegel erkennst du Unternehmen, die nachhaltigen Tourismus fördern.
  • Verzichte auf All inclusive: Reisen, bei denen alles im Preis inbegriffen ist, werden oft von großen Reiseveranstaltern angeboten. Die einheimische Bevölkerung unterstützt du mit solchen Angeboten nicht. Zudem fällt bei solchen Reisen im Überfluss oft viel Müll an.
  • Unterstütze lokale Anbieter: Nachhaltiges Reisen berücksichtigt auch soziale Aspekte. Iss also in kleinen Restaurants, kaufe lokale Produkte und buche Touren bei einheimischen Veranstaltern, um die Bevölkerung deines Urlaubslandes direkt zu unterstützen. Positiver Nebeneffekt: Du kommst in Kontakt mit Einheimischen und entwickelst in den meisten Fällen ein besseres Gespür für die Kultur des Landes.
  • Nutze öffentliche Verkehrsmittel: Dir ist nachhaltige Mobilität im Alltag wichtig? Dann folge deinen Überzeugungen nach Möglichkeit auch im Urlaub. Nutze öffentliche Verkehrsmittel oder entdecke dein Urlaubsziel mit Fahrrad oder Rikscha.
  • Achte auf Tierschutz: Hab insbesondere bei Tierattraktionen ein kritisches Auge. Informiere dich über die Lebensumstände der Tiere und verzichte gegebenenfalls, um die nicht artgerechte Haltung nicht zu unterstützen.
  • Vermeide Müll: Vermeide auch im Urlaub unnötigen Müll. Nimm z. B. eine Glas- oder Edelstahlflasche mit, anstatt immer wieder Einwegflaschen mit Wasser zu kaufen. Es hilft ebenfalls, auf Papierkarten und analoge Reiseplaner zu verzichten, die am Ende des Urlaubs im Müll landen. Organisiere dich stattdessen lieber digital. Nutze Offlinekarten deiner Destination oder speichere Dokumente in der Cloud.
  • Gleiche Emissionen aus: Emissionen lassen sich vor allem bei Flugreisen nicht vermeiden. Es gibt aber Möglichkeiten, sie auszugleichen: Nutze den Emissionsrechner von Organisationen wie Atmosfair, um die durch das Fliegen entstandene Umweltbelastung und einen äquivalenten Geldbetrag zu berechnen. Spendest du diesen Betrag, wird er in klimafreundliche Projekte investiert.

Umdenken bei der Fortbewegung

Um die nachhaltige Mobilität im Alltag und auf Reisen voranzutreiben, ist ein Umdenken erforderlich. Elektromobilität ist dabei von großer Bedeutung. Das schlägt sich mittlerweile auch in der Zahl der Neuzulassungen nieder: 2018 wurden 24 Prozent mehr Elektrofahrzeuge angemeldet als im Vorjahr.

Laden an der E-Tankstelle

Entscheidest du dich für ein Elektrofahrzeug, ist EnBW dein zuverlässiger Partner. Unser flächendeckendes Ladenetz und ein sich stetig vergrößerndes Angebot an Schnellladestationen an Raststätten sorgen für eine optimale Versorgungslage. Mit der EnBW mobility+ App wird das Laden von Elektrofahrzeugen, ob E-Auto, E-Roller oder E-Bike, noch einfacher.

Elektrisch fahren und Klima schützen

Freie Ladestation in der Nähe finde & per App bezahlen

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  1. Kommentar von Dr. Friedrich Borkowski am 24. Mai 2019

    Das Klima ist global und deshalb sind bei der Umweltverträglichkeit auch alle Faktoren zu betrachten, die das Klima beeinflussen. Für das Elektroauto ist bei der Co2-Bilanz nicht allein der Strom maßgebend. Ein wesentlicher Faktor ist der Co2-Ausstoß bei der Herstellung der Batterie und insbesondere bei der Gewinnung ihrer Grundstoffe wie z.B. Lithium. Dies wird in der Bilanz wie auch in ihrem Beitrag oft nicht betrachtet. Liegt es daran, dass dann das Elektroauto in der Umweltbilanz gar nicht mehr so gut abschneidet? Da helfen auch keine Empfehlungen von Kleinkindern, wie sie es in ihrer neuen Werbung darstellen.

  2. Kommentar von Helga Dittmann am 23. Mai 2019

    die Seite ist sehr informativ. – Danke, jedoch bleibt für mich eine Frage zum Elektromobil offen:
    Wie wirkt sich die Herstellung und die Entsorgung der Batterien auf die Umwelt aus?

  3. Kommentar von Erhard Mott am 23. Mai 2019

    Hallo ENBW Team,

    ich habe festgestellt, dass bei dem Thema Mobilität das Fahrrad oder E-Bike bei Ihnen noch nicht angekommen ist.

    Bitte bedenken Sie: der Mensch fährt mit dem Fahrrad mit eigener Kraft bzw. einer Elektrounterstützung von durchschnittlich 100 Watt.

    mehr Infos auf meiner Internetseite: http://www.elektrorad-mott.de

    • Kommentar von Filiz Baysal am 23. Mai 2019

      Guten Tag Herr Mott,

      vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir sind bemüht, das Thema Elektromobilität aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Zum Thema E-Bike sind bereits einige Beiträge vorhanden, beispielsweise „Tipps für deinen E-Bike-Kauf“ und „Coole Gadgets für E-Bikes“. Zukünftige Beiträge sind in Planung.

      Vielen Dank und beste Grüße,
      Ihr EnBW Blog-Team

  4. Kommentar von Peteepan88 am 22. Mai 2019

    Ich steige doch nicht auf die öffentlichen um um statt 40 Minuten arbeitsweg pro Tag gleich 3h zu haben. Gerade im Urlaub will ich mit einem Mietwagen unterwegs sein und Bahn und Bus sind auch ne Zumutung. Lediglich beim thema Tierschutz stimme ich komplett zu