So angenehm und nützlich

Mitarbeiter der EnBW können dank verschiedener Aktionen in die E-Mobilität schnuppern. Ihre Erfahrungen teilen sie mit dem Arbeitgeber – und der lernt daraus zum Vorteil aller.

Elektroautos sind ein fester Bestandteil der neuen Mobilität. Sie werden von der Politik subventioniert und sollen ein Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele sein. Laut Automobilbarometer von Consors Finanz verkörpert das E-Auto für 78 Prozent der Befragten die Zukunft. Dennoch zögern viele Leute, sich ein solches anzuschaffen. Genau hier sieht der Stromversorger EnBW eine Chance.

Bereits 2018 hatte das Unternehmen im Rahmen einer Mitarbeiteraktion insgesamt 180 BMW i3 zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, die Elektroautos über Sixt privat zu leasen. Die EnBW war dabei Vermittler und bezuschusste die Leasingraten. Das Ziel: „Wir möchten den Mitarbeitern mit solchen Aktionen den Einstieg in die E-Mobilität erleichtern“, sagt Senay Hoffmann, Projektleiterin der i3-Aktion. Dabei sollte die Hürde so niedrig wie möglich gehalten werden. Die Leasingverträge waren daher auf zwölf beziehungsweise 24 Monate ausgelegt – also Schnuppern ohne langfristige Bindung.

Infografik zur i3-Aktion von EnBW.

Durch die i3-Aktion ergeben sich nicht nur Vorteile für die Mitarbeiter, sondern auch Learnings für die EnBW. © ARTIS – Uli Deck / EnBW

Das Angebot stieß auf großes Interesse: Rund 500 Bewerbungen gingen für die 180 E-Autos im Unternehmen ein. Per Losverfahren wurde letztendlich entschieden, welche Bewerber ein Auto erhielten. Ramona Sallein war eine von ihnen. Sie hatte ihren BMW i3 für 24 Monate und war sehr zufrieden: „Wir konnten 90 Prozent aller unserer Fahrten mit dem E-Auto zurücklegen“, sagt sie und ist jetzt überzeugte E-Auto-Fahrerin. „Mein Partner und ich würden jederzeit wieder ein Elektroauto fahren.“ Ein Neuwagen kommt für Ramona Sallein zwar aus finanziellen Gründen nicht infrage, doch ein gebrauchtes Elektroauto kann sie sich inzwischen sehr gut vorstellen.

Umstellung war nicht groß

Das Laden war in der ganzen Zeit kein Problem – und das sogar ohne eine Wallbox zu Hause. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden und das genutzt, was bereits an Infrastruktur vorhanden war. Das hat gut funktioniert“, erzählt sie. Man müsse eben vor längeren Fahrten immer mitbedenken, wo sich das E-Auto eventuell laden lässt. Am Arbeitsplatz oder auch beim Einkaufen war das möglich, und zur Not hätte Sallein auch im heimischen Hof an der Steckdose Strom tanken können – aber das dauert eben.

Laura Bußer wurde auch ein i3 zugelost. „Ich hatte vorher gar kein Auto, wollte es jedoch gerne für mich ausprobieren“, erzählt sie. Und das, obwohl sie ebenfalls keine private Lademöglichkeit hat. In Familie und Freundeskreis sah man ihren Entschluss deshalb skeptisch, doch „ich habe schnell festgestellt, dass es mehr Ladepunkte gibt als ich dachte“, berichtet sie. Wie Ramona Sallein tankte sie Strom, wenn sich ihr die Gelegenheit dazu bot. „Man muss das Laden einfach ins Leben integrieren, dann klappt es gut.“

Zwei EnBW-Mitarbeiter knien mit Schlüssel vor BMW i3.

Aufgrund der hohen Nachfrage entschied ein Lostopf über die glücklichen Gewinner der i3-Aktion. © ARTIS – Uli Deck / EnBW

Deshalb hätte sie ihren i3 ebenfalls gerne behalten, und auch beim Aktionsradius sind sich beide Frauen einig: Zur Arbeit und im Alltag ist der i3 unschlagbar, doch für die Langstrecke müsste es mehr Reichweite geben. Generell war die Resonanz der Teilnehmer äußerst positiv. „Viele fanden es sehr schade, dass sie das Auto wieder zurückgeben mussten“, sagt Hoffmann. Zu ihren individuellen Fragen und Erkenntnissen konnten sich die i3-Nutzer während der Leasingzeit auch in einer Gruppe im internen Portal bei der EnBW austauschen. Dadurch erhielten andere Kollegen die Möglichkeit, diese Erfahrungen mitzuverfolgen und davon zu profitieren.

Lerneffekt für die EnBW

Zusätzlich haben die i3-Fahrer regelmäßig ihre Eindrücke an die EnBW zurückgemeldet. Dabei ging es nicht nur darum, ob sie mit dem Auto zufrieden sind, sondern vor allem um ihre Erfahrungen beim Laden. „Uns war wichtig, herauszufinden, wie sich unser Ladeangebot für die Kollegen aus Kundensicht angefühlt hat“, sagt Hoffmann. Von den resultierenden Verbesserungen bei der Lade-Infrastruktur profitieren letztendlich wiederum alle anderen Verbraucher.

Neben einer weiteren Aktion mit 150 VW e-Golf als Firmenautos möchte die EnBW perspektivisch allen Dienstwagenberechtigten – das heißt bis zu 14.000 Mitarbeitern – ein dauerhaftes Angebot machen. Dazu läuft momentan eine Ausschreibung. „Wir wollen sehen, was der Markt bietet“, sagt Hoffmann. „Die neue Mobilität ist bei uns ein emotionales Thema, das viel diskutiert wird. Wir möchten damit auch die private Mobilität ein Stück weit verändern.“

Logo Auto Motor Sport

Text: AUTO MOTOR UND SPORT, Carina Belluomo

Titelbild: © ARTIS – Uli Deck / EnBW