Strom statt Benzin: Interview mit „Tatort“-Kommissar Richy Müller

Als „Tatort“-Kommissar fährt er durch Stuttgart im Porsche, privat tritt er gern bei Autorennen an. Richy Müller hat eigentlich Benzin im Blut. Im Gespräch mit dem Schauspieler und Porschefan zeigt sich aber, dass sich auch der PS-Fan für Elektromobilität und die Zukunft des Fahrens begeistert.

Mit bürgerlichem Namen heißt Richy Müller ja eigentlich Hans-Jürgen Müller. Doch seitdem er 1978 in dem Fernsehdreiteiler „Die große Flatter“ einen jungen Obdachlosen namens „Richy“ spielte und zum Publikumsliebling avancierte, ist der Name hängengeblieben. Für Film und Fernsehen spielte Richy Müller seitdem häufig die harten Hunde und raubeinigen Typen, zum Beispiel im Hollywood-Streifen „xXx – Triple X“ aus dem Jahr 2002 oder in der aktuellen Netflix-Serie „Skyline“.


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Mobilität bedeutet Freiheit und Geschwindigkeit

Seit 2008 schlüpft Richy Müller beim Stuttgarter „Tatort“ in die Rolle von Hauptkommissar Thorsten Lannert. Neben Kollege Felix Klare (zu sehen als Kommissar Sebastian Bootz) spielt in vielen Folgen Lannerts Dienstfahrzeug die dritte Hauptrolle: ein schokobrauner Porsche Targa aus dem Jahr 1975. Der gehört zwar dem SWR und steht außerhalb der Drehtage gut behütet in der Requisitengarage, wie die „Welt“ herausfand. Doch auch privat fährt Müller längst Porsche.

Was bedeutet Mobilität für Sie?

Mobilität war für mich schon immer der Zugang zu Beweglichkeit, zu Freiheit, zu Ungebundenheit. Ich bin ein Mensch, der ungerne fremdgesteuert ist. Deswegen komme ich auch zu Dreharbeiten immer auf „eigener Achse“. Davon abgesehen mag ich auch das Gefühl, schnell unterwegs zu sein. Natürlich halte ich mich auf der Straße an die Straßenverkehrsordnung. Aber ich habe das Glück, dass ich auch Autorennen fahre und den Geschwindigkeitsrausch dann auch einmal gezielt auf der Rennstrecke ausleben kann.

Richy Müller sitzt mit einer Kaffeetasse in der Hand auf dem Boden.

Richy Müller im Interview (© EnBW).

Haben Sie schon mal in einem Elektroauto gesessen?

Ja, ich habe den Porsche 918, einen Hybrid-Sportwagen, drei Tage lang fahren dürfen.

Wie war das?

Großartig. Das ist natürlich ein kostspieliger Renner für PS-Freaks, aber den würde ich tatsächlich gerne täglich fahren. Was mir dabei aufgefallen ist: Das Auto informiert einen immer darüber, wie viel elektrische Reichweite man noch hat. Man fängt ganz automatisch an, drüber nachzudenken, wie man die Energie einsetzt. Das führt dann wiederum zu einem ganz anderen Fahrstil und nicht nur dem stumpfen „Tank vollmachen und Vollgas geben bis zur nächsten Tankstelle“.

Das heißt, aus dem Verzicht kann auch ein Vergnügen werden?

Definitiv. Das ist wie ein Spiel. Als ich den 918 gefahren bin, habe ich immer darauf geachtet, wie ich mit meinem Fahrstil den Akku wieder vollkriege. Da wird das Kind im Manne wach und man erinnert sich an die eigene Jugend. Da gab es doch auch diesen Wettbewerb: „Wer kommt bergab am weitesten, ohne in die Pedale zu treten?“

E-Auto an Ladesaeule

Mit Vollgas bis zur nächsten Tankstelle, das war einmal. Wer elektrisch fährt, lädt bewusster – und fährt achtsamer.


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Der Rennsport treibt die Entwicklung neuer Technologien voran

Auch privat ist Richy Müller schon vor vielen Jahren auf einen Porsche umgestiegen. Und zeigt sein fahrerisches Können nicht nur auf der Straße. Bereits 1992 hat er eine internationale Rennlizenz erworben, seit 1997 fährt er Autorennen: in einem Porsche. Seine Leidenschaft lebt Müller ein paar Mal im Jahr beim Porsche Cup aus, einem Wettbewerb für private Porschefahrer. Im Jahr 2017 trat er sogar kurzzeitig für das Werksteam Project 1 beim Porsche Carrera Cup als Fahrer an.

Sie fahren ja auch regelmäßig Autorennen. Diese Rennen stehen, ähnlich wie Flugreisen oder Kreuzfahrten, wegen Umweltschutzbedenken zunehmend in der Kritik. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin da sicherlich befangen (lacht). Aber ich möchte einmal auf einen Aspekt hinweisen, den viele Menschen nicht auf dem Schirm haben.

Eine Vielzahl an wichtigen technischen Innovationen, die wir alltäglich in unseren Autos durch die Gegend kutschieren, wäre ohne den Rennsport überhaupt nicht denkbar. Ganz vieles von dem, was die Hersteller im Rennsport an Erfahrungen sammeln konnten, kommt später der Serienproduktion zugute. Schon 1996 wurde beispielsweise die Energierückgewinnung, also die Gewinnung elektrischer Energie durchs Bremsen, in der Formel 1 eingesetzt. Wir kennen das als Rekuperation beim Elektroauto. Diese ganzen Technologien haben Kinderkrankheiten – nichts ist besser als der Rennsport, um solchen und anderen Systemen diese Kinderkrankheiten auszutreiben.

Aus diesem Grund ist der Rennsport für mich immer noch unverzichtbar – mal davon abgesehen, dass es mir auch Spaß macht.

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Stuttgart ohne Abgase wäre eine wundervolle Vorstellung

Wenn der jungenhafte Schalk aus Richy Müllers Augen funkelt, mag man es kaum glauben. Dennoch stimmt es: Der Schauspieler, 1955 in Mannheim geboren, feierte 2019 seinen 64. Geburtstag. Bereits vor einigen Jahren wurde er in einer TV-Besprechung „der wohl am jüngsten aussehende 60-Jährige des Landes“ genannt. Lebensweisheit und jugendliche Neugierde in einer Person, sozusagen. Grund genug, Richy Müller nach seinen Einschätzungen zur Mobilität von morgen zu befragen.

Mit 16 in die Tanzschule, mit 17 ½ in die Fahrschule: Das war Pflicht in unserer Generation. Die Generation Z interessiert sich zunehmend weniger für die Individualmobilität. Woran liegt das?

Ich sehe schon, dass die emotionale Bindung, die meine Generation noch ans Auto hatte, bei der heutigen Jugend nicht mehr so stark ist. Kein Wunder! Das Autofahren wird ja auch von morgens bis abends verteufelt. Trotzdem glaube ich, dass es einen Unterschied macht, ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt. In Großstädten ist der öffentliche Nahverkehr oft attraktiv und man kommt ganz gut ohne Auto zurecht. In den ländlichen Räumen ist das aber nicht so – da wird immer noch viel gefahren.

Stuttgarter Talkessel

Der Stuttgarter Talkessel ohne Abgase – nicht nur für Richy Müller eine schöne Vorstellung.

Können Sie sich vorstellen, dass in einer Stadt wie Stuttgart irgendwann nur noch der ÖPNV und E-Autos unterwegs sind? Würde Ihnen das gefallen?

Das würde mir sehr gefallen, natürlich. Ich glaube, das Erste, was man spüren würde, wäre eine unglaubliche Ruhe. Und die Stadt würde wieder atmen können. Gerade in Stuttgart steht die Luft ja häufig im Talkessel – ein völliger Wegfall der Abgase wäre eine wunderbare Vorstellung.

Welche Rolle spielt Richy Müller in der neuen Netflix-Serie „Skyline“, welches Auto fuhr er als allererstes? Dies und viel mehr verrät der Schauspieler in der Langfassung unseres Interviews, das du im EnBW-Kundenmagazin findest.