Warum sich die Elektromobilität durchsetzen wird

Warum sich die Elektromobilität durchsetzen wird – Mythen und Realität. Ein Bericht aus der Praxis. – EnBW Blog

E-Mobilität – ist das die automobile Zukunft? Das Thema wird heiß diskutiert, und hinter den Argumenten verbirgt sich auch manche Halbwahrheit. Daniel wollte es genau wissen und fuhr über zwei Jahre lang ein Elektroauto. Lesen Sie seinen Bericht zu seinen ganz persönlichen Erfahrungen: Wie kam er dazu, ein Elektroauto zu kaufen? Wo sieht er Vorteile, wo aktuelle Probleme dieser Fahrzeuge? Schließlich: Was ist dran an immer wieder angeführten Elektroauto-Mythen?


Wir sind eine Familie mit zwei kleinen Kindern und haben uns vor zweieinhalb Jahren entschieden, auf ein Elektroauto umzusteigen. Da ich bei der EnBW in Stuttgart im IT-Bereich arbeite, hat mich ein Kollege aus dem Bereich Elektromobilität gefragt, ob ich einen Blogbeitrag über meine Erfahrungen mit unserem Elektroauto schreiben möchte. Zunächst hatte ich Bedenken, ob ich das als Mitarbeiter machen kann, ohne eine EnBW-Brille aufsetzen zu müssen. Allerdings denke ich, dass ich nach inzwischen 28 Monaten und über 30.000 Kilometern Elektroauto eine ganz gute Kundenperspektive habe.

So fiel die Entscheidung für ein Elektroauto

Ich habe über mehrere Jahre die Entwicklungen im Automobilsektor verfolgt, von den klassischen Hybriden (Toyota Prius & Co.) über Erdgasfahrzeuge bis hin zu Brennstoffzellenautos. Dass ausgerechnet der Elektroantrieb die disruptive Technologie sein könnte, die die komplette Auto- und Transportbranche revolutionieren würde, ist mir erst 2012 klar geworden.

Für mich und meine Bedürfnisse kamen vor allem der Nissan Leaf und der Renault Zoe in Betracht. Letztendlich habe ich mich für die verbindliche Bestellung eines Nissan Leafs der ersten Generation entschieden, ohne das Auto je live gesehen oder gar gefahren zu haben – damals hatte kein Nissan-Händler in der Umgebung einen Leaf als Vorführwagen.

Einer für alles: So nutzen wir unseren Leaf

Mit unserem E-Nissan der ersten Generation (Modell ab 2010) fahren wir die Version mit der geringsten Reichweite. Im Alltag bedeutet das im Sommer real 130 bis 150 Kilometer, im Winter 100 bis 120 Kilometer. Das ist nicht viel, hat uns aber immer gereicht. Ich bin Pendler und lege zur Arbeit rund 45 Kilometer zurück. Laden muss ich also täglich. Doch während ich am Schreibtisch sitze, ist Zeit genug, um den Akku wieder auf 100 Prozent zu bringen. Wer diese Möglichkeit nicht hat, wird sich über aktuelle Modelle freuen: Reichweiten von über 300 Kilometer ermöglichen auch Langstrecken-Pendlern eine problemlose Hin-und Rückfahrt.

E-Auto Nissan Leaf Emissionsplakette

Die kaum wahrnehmbaren Fahrgeräusche eines E-Autos sorgen dafür, dass ich entspannter zur Arbeit komme. Außerdem erledigen wir mit dem Auto die Einkäufe, bringen die Kinder zu Freunden, zum Sport und in den Kindergarten. Um den Akku mit frischem Strom zu versorgen, nutzen wir zwischendurch die Schnellladestation beim Supermarkt. Auch das Platzangebot im Fahrgastraum stimmt: Trotz zweier Kindersitze bleibt uns Erwachsenen vorn ausreichend Beinfreiheit. Allein der Kofferraum erreicht nicht das Niveau des alten Wagens. Für einen Wochenend-Trip noch ausreichend, mussten wir für die großen Sommerferien ein Auto mieten, um unser Gepäck verstauen zu können. Doch auch diesbezüglich hat sich der Markt weiterentwickelt. Mittlerweile sind auch „familiengerechte“ E-Fahrzeuge im Angebot.

Warum ich vom E-Auto fahren überzeugt bin – und sein werde

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum Elektroautos systembedingt besser sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das wird aus meiner Sicht in den nächsten Jahren dazu führen, dass der Großteil des Fahrzeugmarkts von Verbrennungsmotoren auf elektrische Antriebe umgestellt wird.

E- Autos sind …

  • effizienter: Ihr Wirkungsgrad beträgt 90 bis 95 Prozent. Ein Benzinmotor liegt bei maximal 35 Prozent. Konkret bedeutet das, dass unser Elektroauto im Durchschnitt 15 bis 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometern verbraucht. Wird dieser Energieinhalt in Benzin oder Diesel umgerechnet, entspricht dies 1,5 bis 2 Litern. Vergleichbare Autos brauchen auf 100 Kilometern jedoch 5 bis 6 Liter Sprit. Damit sind Elektroautos rund dreimal so energieeffizient wie Verbrenner.
  • lokal emissionsärmer: Fahrzeuge mit herkömmlichem Verbrennermotor sorgen lokal betrachtet für einen vergleichsweise hohen CO2-Ausstoß. Elektroautos, die mit Ökostrom geladen werden, sind im Betrieb dagegen klimaneutral unterwegs.
  • mit lokal erzeugter Energie unterwegs: Die Erzeugung von elektrischer Energie ist nicht nur sauberer, sondern sie erfolgt aus rein physikalischen Gründen in der Regel vor Ort.
  • leiser: Das deutlich geringere Lärmniveau kommt Fahrern, Anwohnern und anderen Verkehrsteilnehmern zugute.
  • komfortabler: Neben den Fahrgeräuschen entfallen auch die Vibrationen, die gerade bei Fahrzeugen der Kompaktklasse (vor allem mit Dieselmotor oder Benzin-Direkteinspritzer) stören.
  • wartungsärmer: Kein Kühler, kein Motoröl, kein Ölfilter, kein Luftfilter, kein Benzinfilter, keine Zündkerzen, keine Lichtmaschine, kein Zahnriemen, kein Getriebe, keine Kupplung, kein Turbolader, keine Abgassteuerung, kein Katalysator, kein Auspuff (und keine Abgasuntersuchung) – die Wartungskosten bei einem E-Auto beschränken sich nahezu ausschließlich auf die Bremsen.
  • rekuperativ: Ein Elektroauto kann beim Bremsen oder Bergabfahren die Bewegungsenergie in Strom umwandeln und wieder zurück in die Batterie speisen.
  • beschleunigungsstark: Jeder kennt die YouTube-Videos, bei denen Teslas gegen alle möglichen Supersportwagen antreten und diese völlig problemlos – und lautlos – hinter sich lassen.
  • günstiger im Betrieb: Unsere Stromkosten belaufen sich – das kostenlose Aufladen vielerorts nicht berücksichtigt – auf 3,85 Euro pro 100 Kilometer.

Elektrofahrzeug Nissan Leaf Cockpit

Vorurteile, mit denen ich konfrontiert wurde

Ich bin in den letzten Jahren oft angesprochen worden: von Passanten, Kollegen oder im Bekanntenkreis. Dabei begegnen mir immer wieder die gleichen Vorurteilen:

1. Elektroautos sind zu teuer

Der ADAC fand bereits Ende des Jahres 2018 heraus: Einige E-Autos sind in der Anschaffung deutlich günstiger als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennermotor. Ein Beispiel: Der e-Golf kostet als Neuwagen 31.900 Euro. Für einen aktuellen Golf Highline werden bereits in der Basisversion 28.020 Euro fällig. Ein etwaiger Aufpreis bei der Anschaffung eines E-Autos wird durch die Kostenvorteile bei Steuer, Betrieb und Wartung schon nach kurzer Zeit wieder eingeholt – der höhere Wiederverkaufswert eines Elektroautos kommt als Pluspunkt hinzu.

E-Auto steht an der Ladestation der EnBW Seligweiler.

 

2. Batterien sind nach wenigen Jahren kaputt

Bereits die heute ausgelieferten Batterien sind so langlebig, dass viele Hersteller acht Jahre Garantie darauf gewähren. Batterie-Garantien gelten in aller Regel für bis zu 160.000 Kilometer Reichweite.

3. Laden dauert zu lange

Viele Elektroautos lassen sich in 30 Minuten auf 80 Prozent laden. Volkswagen beispielsweise verweist auf die Schnellladefähigkeit des ID.3, der mit maximal 100 bis 125 Kilowatt Leistung geladen werden kann – das entspricht einer 30-minütigen Ladedauer und einer Reichweite von mindestens 260 Kilometern.

4. Ohne eigene Lademöglichkeit zu Hause kann man kein Elektroauto fahren

In allen Ballungsgebieten sowie an den Hauptverbindungsstraßen befinden sich ausreichend Ladestationen. Lediglich bei längeren Fahrten in abgelegene Gebiete ist eine Vorplanung notwendig. Mithilfe des Smartphones lassen sich jedoch auch hier schnell und unkompliziert Ladestationen finden.

E-Fahrzeug Nissan Leaf an E-Ladestation

5. Plug-in Hybride werden sich durchsetzen

Zwar weisen aktuelle Hybridfahrzeuge bereits eine beachtliche Reichweite in Bezug auf das rein elektrische Fahren auf, diese liegt üblicherweise jedoch weit unterhalb der Reichweite eines reinen E-Autos. Das bedeutet: Für kurze Strecken bis zu 35 Kilometer, wie beispielsweise den täglichen Arbeitsweg oder zum Einkaufen, kann ein Plug-in-Hybrid eine Alternative sein. E-Autos dagegen fahren immer ohne fossile Brennstoffe und brauchen aufgrund des geringeren Gewichts weniger Strom.

6. Wasserstofffahrzeuge werden Elektroautos bald überflüssig machen

Wasserstoff ist kein natürlicher Energieträger und muss zunächst aus einem primären Energieträger, beispielsweise Erdgas, hergestellt werden. Langfristig könnte die Erzeugung auch aus regenerativ erzeugtem Strom erfolgen. Aber selbst dann kommt man mit Transport- und Transformationsverlusten auf einen Gesamtwirkungsgrad von 19 bis 23 Prozent. Ein Kilogramm Wasserstoff kostet an der Tankstelle aktuell 9,50 Euro. Das ist auch in ungefähr das, was ein Wasserstoffauto auf 100 Kilometern in der Praxis verbraucht.  Eine Wasserstoff-Tankstelle kostet ca. eine Million Euro. Für eine solche Summe entstehen andernorts in Europa fünf Schnellladestandorte mit jeweils einer ganzen Reihe Schnellladestationen, an denen mehrere Elektroautos gleichzeitig laden können – inklusive Solarzellen zur lokalen Stromerzeugung.

Mein Fazit: Wir bleiben beim E-Auto

Unser nächstes Auto wird definitiv wieder ein Elektroauto. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur geht rasant voran. Und zum Schluss noch ein Tipp für diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Umstieg auf ein Elektroauto beschäftigen: Denkt darüber nach, was ihr im Alltag wirklich braucht – und nicht nur an die eine Fahrt in den Urlaub pro Jahr. Denn sonst seid ihr das ganze Jahr über in einem Auto unterwegs, das ihr eigentlich nur im Sommer für die Fahrt zu eurem Urlaubsort und wieder zurück benötigt. Anstatt an 363 Tagen ein Auto zu fahren, das ihr tatsächlich braucht. Und Fahrspaß habt ihr in allen E-Autos.