Leichter machen, 26.06.2017

Sommerzeit ist Gewitterzeit – Stecker ziehen oder doch nur Mythos?

Im Sommer gibt es statistisch gesehen die meisten Gewitter. Es blitzt, donnert, regnet und stürmt – doch wie entstehen diese Spektakel am Himmel und warum gerade in der warmen Jahreszeit so häufig? Wir erklären euch alles Wissenswerte über Gewitter, was ihr beachten solltet und welche Mythen tatsächlich wahr sind.

Wie entsteht ein Gewitter?

SommergewitterIm Sommer ist die Chance, ein Gewitter zu erleben, sehr hoch. Denn der Sommer ist die Jahreszeit, in der die meisten Gewitter – Regen, Sturm, Donner, Blitz – auftreten. Ein Naturspektakel, das es sich sehr oft lohnt, vom Trockenen und Geschützten aus zu beobachten.

Die Entstehung eines Gewitters beginnt mit der Erhitzung des Erdbodens. Dieser ist im Frühsommer durch die zuvor kalte Jahreszeit noch sehr feucht. Durch die Sonne, die nun sehr viel stärker und wärmer ist als im Frühjahr, verdunstet die Feuchtigkeit aus dem Boden oder aus Gewässern und vermischt sich mit der warmen Luftschicht über dem Erdboden. Diese feuchtwarme Luft steigt auf, kühlt ab und es entstehen Gewitterwolken. Der Inhalt dieser Wolken setzt sich zusammen aus Wassertropfen, Graupel und Schnee, die im Inneren aneinanderstoßen. Diesen Vorgang kennen wir in Form des Donners, den wir bereits kilometerweit hören können. Durch das dauernde Aneinanderstoßen entsteht ein Spannungsfeld von positiven und negativen Teilchen, die sich dann in Form von Blitzen entladen.

Was tun bei Gewitter?

Es kommt sehr darauf an, wo du dich während eines Gewitters aufhälst. In einem geschlossenen Gebäude beispielsweise bist du sicher. Die meisten Häuser verfügen über einen Blitzableiter, der die Blitze in den Erdboden ableitet. Auch wenn du mit dem Auto unterwegs bist, kannst du dich sicher fühlen. Hier herrscht das Gesetz des Faradayschen Käfigs. Das ist ein von Metall umgebener Raum, der die elektrische Ladung, die von außen auf den „Käfig“ einwirkt, verteilt. Somit kann sie nicht in den Innenraum gelangen. Wenn du bei einem Spaziergang auf einer freien Fläche wie beispielsweise einer Wiese oder auf dem Sportplatz von einem Gewitter überrascht wirst, solltest du schauen, dass du schnellstmöglich nach Hause kommst. Wenn es dafür schon zu spät ist, setz dich mit geschlossenen Beinen in die Hocke und umfasse deine Beine mit den Armen. Die meisten Menschen, die vom Blitz getroffen werden stehen nämlich auf einer Freifläche unter einem Baum oder auf dem Sportplatz, weil sie denken, sie seien dort geschützt.

Stecker ziehen bei Gewitter? Mythos oder Wahrheit?

Blitze haben eine durchschnittliche Stärke von 20.000 Ampere. Das ist enorm! Zum Vergleich: In normalen Stromanschlüssen kann die Stromstärke gerade einmal bis zu 16 Ampere betragen. Daher entstehen durch Blitzeinschläge jährlich Millionenschäden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Blitzschäden entstehen können.

  1. Zum einen kann es zu Überspannungsschäden kommen. Dazu schlägt irgendwo in der Umgebung eines Hauses ein Blitz ein – in einen Laternenmast, einen Baum oder womöglich eine Strom- oder Telefonleitung. Die dabei freigesetzte hohe Spannung wird weitertransportiert über alles was leitet und kann dann sogar bis ins eigene Haus gelangen. Wird die Energie dort dann nicht durch einen Blitzschutz geführt, sucht sie sich ein Elektrogerät, an dem sie sich „austoben“ und es durch Überspannung womöglich zerstören kann. Denn Elektrogeräte sind auf die Urgewalt eines Blitzes nicht ausgelegt. In einem Haus ist Technik auf kleinstem Raum platziert, daher hat diese Blitz-Energie leichtes Spiel – vor allem wenn Computer, Telefonanlagen, HiFi- oder TV-Geräte auch noch miteinander verbunden sind. Gegen diese sogenannten Überspannungsschäden gibt es spezielle Schutzgeräte, die verhindern, dass gefährliche Überspannungen über Strom-, Daten- und andere Leitungen ins Gebäude gelangen und damit elektrische Geräte beschädigen. Als zusätzlichen Schutz empfiehlt es sich, den Stecker des Elektrogerätes aus der Steckdose zu ziehen, da dann die Energie des Blitzes nicht in das Gerät eindringen und es zerstören kann.
  2. Auf der anderen Seite können Blitze auch direkt in Häuser einschlagen und dadurch Brände und Explosionen auslösen. Wenn Häuser über Blitzableiter verfügen, wird die Energie des einschlagenden Blitzes durch eine Leitung in den Erdboden geführt. Blitzableiter werden in der Regel auf dem Dach installiert – allerdings gibt es hier heutzutage eine sehr hohe Installationsdichte: Antennen, Satellitenschüsseln oder Solaranlagen. Alle können mit ihrem Metallgehäuse ungewollt Blitze anziehen.

Übrigens: Blitzableiter sind keine Pflicht, sondern nur Empfehlung. Sie schützen lediglich das Haus vor Schäden, nicht aber das Innere des Gebäudes.

Stecker ziehenUnser Fazit: Ein vollständiger Blitzschutz besteht aus der Installation eines Blitzableiters auf dem Dach des Hauses sowie eines Überspannungsschutzes für das Innere des Gebäudes. Zusätzlich ist es empfehlenswert, wenn du zuhause bist, den Stecker aus der Steckdose zu ziehen, sobald das Gewitter in Sicht ist. Das schützt auch vor Überspannung. Stecker ziehen ist also kein Mythos.

Welche weiteren Gewitter-Mythen sind wirklich wahr. Und warum?

Es kursieren unglaublich viele Mythen, was man bei einem Gewitter unbedingt machen und was man besser lassen sollte. Wir haben uns 5 Mythen raugesucht und erklären was sich dahinter verbirgt.

Die 3-Sekunden-Regel: Stimmt es, dass das Gewitter einen Kilometer entfernt ist, wenn zwischen Donner und Blitz 3 Sekunden vergehen? Ja.

Wenn wir einen Blitz am Himmel aufleuchten sehen und 3 Sekunden später ein Donnergrollen ertönt, können wir davon ausgehen, dass das Gewitter in etwa einen Kilometer entfernt ist. Dies wiederum bedeutet allerdings nicht, dass in deiner Nähe keine Blitze einschlagen können – ein Einschlag ist in einer Umgebung innerhalb von 5 Kilometern noch möglich. Das heißt, es könnte sein, dass du das Gewitter aus der Entfernung siehst, der Blitz jedoch in einem Baum in deiner Nähe einschlägt.

Süddeutschland ist gleich Blitzeland? Stimmt es, dass in Süddeutschland mehr Blitze einschlagen als in Norddeutschland? Ja.

Die Häufigkeit von Blitzeinschlägen ist in Süddeutschland sehr viel höher als im Norden des Landes. Zum einen schlagen Blitze im Bergland häufiger ein als am Meer, zum anderen hängt es von den jeweiligen Temperaturen und des Klimas einer Region ab. Im Jahr 2016 war Wesel in Nordrhein-Westfalen, mit 4,1 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer im gesamten Jahr, der blitzreichste Ort Deutschlands. Wenn du wissen möchtest, wie viele Blitze es in deiner Region oder Stadt im Jahr 2016 gab, kannst du dich im Blitzatlas von Siemens schlau machen: Blitzatlas von Siemens

Stimmt es, dass ich ohne Gefahr während eines Gewitters duschen kann? Nein.

Zumindest nicht, wenn du in einem älteren Gebäude wohnst, denn hier sind die Wasserleitungen meist noch aus Metall. Wenn dann ein Blitz einschlägt, leiten sie den elektrischen Strom und somit auch den Blitz. Wenn jetzt auch noch der Strom mit Wasser in Verbindung kommt, kann es zu einem Stromschlag kommen. Daher sind auch das Abwaschen von Geschirr und andere Tätigkeiten, die in Verbindung mit Wasser durchgeführt werden, in alten Gebäuden nicht zu empfehlen. Solltest Du nicht wissen, ob du Metall- oder Kunststoffleitungen im Haus hast, frage am besten einen Fachmann oder verschiebe die Dusche oder den Abwasch bis nach dem Gewitter.

Ein Blitz kann zweimal an der gleichen Stelle einschlagen. Stimmt das? Ja.

Blitzeinschlag bei GewitterHohe Gebäude sind ein sehr beliebtes Ziel für Blitze. Jahrelang war das New Yorker Empire State Building ein Blitz-Labor, weil hier mindestens 25-mal im Jahr der Blitz einschlägt. Die beiden Forscher William Valine und Philip Krider von der University of Arizona haben herausgefunden, dass sich Blitze mehrmals entladen können. Für gewöhnlich erfolgt der zweite Blitzschlag an einer anderen Stelle als der erste, doch der dritte und vierte folgen häufig dem zweiten.

 

„Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen“ – Kann man darauf vertrauen? Nein.

Es ist grundsätzlich keine gute Idee, unter Bäumen Sicherheit bei einem Gewitter zu suchen. Dem Blitz ist es egal, in welchem Baum er einschlägt. Er wird bei verschiedenen Bäumen nur unterschiedlich sichtbar. Bei der Eiche saugt die dicke, zerklüftete Borke das Wasser wie ein Schwamm auf und wird so sehr empfänglich für die elektrische Entladung. Die glatte Buchenrinde dagegen leitet den Blitz direkt in den Boden, ohne dass sichtbare Schäden entstehen. In beiden Fällen ist jedoch die Gefahr für den Schutzsuchenden gleich groß.

Hast du schon einmal einen Blitz einschlagen sehen? Oder hast du ein besonders aufregendes Gewitter erlebt? Erzähl uns deine Geschichte.