Leichter machen, 30.03.2017

Tipps für euren E-Bike-Kauf

Wie wäre es mit einem E-Bike? Findet heraus, ob ein Pedelec das Richtige für euch ist – und mit unseren hilfreichen Tipps auch gleich die passende Ausführung für euch. Wir erklären, worauf es beim Kauf eines E-Bikes ankommt.

In Deutschland wurden 2016 über 600.000 E-Bikes verkauft – 13 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.* Damit liegen die flotten Drahtesel mit Motorunterstützung voll im Trend. Hinter dem allgemein gebräuchlichen Begriff „E-Bike“ verstecken sich allerdings unterschiedliche Typen von Elektrorädern, die ihr kennen solltet:

  1. Pedelec (Pedal Electric Cycle)
    Hier unterstützt ein Elektromotor mit max. 250 Watt den Radfahrer, wenn er in die Pedale tritt. Bei 25 km/h schaltet sich der Motor automatisch ab, so dass Pedelecs normalen Fahrrädern gleichgestellt sind.
  2. S-Pedelec
    Anders ist es bei der sogenannten „S-Klasse“ oder „Schweizer Klasse“ der Pedelecs. Sie zählen zu den Kleinkrafträdern, da der Elektromotor (max. 500 Watt) erst bei 45 km/h abgestellt wird. Für ein S-Pedelec benötigt ihr ein Versicherungskennzeichen, einen Mofa-Führerschein und einen Helm. Anhänger, Kindersitze und Radwege sind bei einem S-Pedelec dagegen tabu.
  3. E-Bike (im engeren Sinne)
    Ähnliche Regelungen gelten bei E-Bikes im engeren Sinne. Sie ähneln einem Elektromofa und besitzen einen Motor, der unabhängig von der Trittleistung des Fahrers genutzt werden kann. Je nachdem, ob mit dem E-Bike 20 km/h, 25 km/h oder 45 km/h möglich sind, unterscheiden sich die gesetzlichen Bestimmungen etwas. Mofa-Führerschein und Versicherungskennzeichen sind aber immer Pflicht.

In unserem Beitrag geht es um die „normalen“ Pedelecs – ohne Führerschein & Co. Wir verwenden dafür synonym auch den Überbegriff E-Bike. Da sich die Typen aber mitunter sehr ähnlich sehen, ist beim Kauf Vorsicht geboten.

 

Warum ihr euch ein E-Bike kaufen solltet

Aber eines nach dem anderen: Erst einmal solltet ihr überlegen, ob ein E-Bike das Richtige für euch ist. Denn Pedelecs sind in der Anschaffung sowie im Unterhalt teurer als die meisten klassischen Fahrräder. Trotzdem gibt es viele gute Gründe, warum sich die Investition lohnen kann:

  • Ihr wohnt in einer bergigen Gegend oder eure alltäglichen Strecken sind zu lang, um mit einem normalen Fahrrad entspannt anzukommen?
  • Ihr habt öfters Gepäck dabei oder nehmt euer Kind zum Beispiel im Anhänger mit?
  • Ihr habt eine körperliche Beeinträchtigung, durch die euch normales Radfahren erschwert wird?
  • Ihr seid öfters in Gruppen mit vielen schnelleren Radlern unterwegs, wodurch dir das Radfahren nur noch halb so viel Spaß macht?
  • Ihr wohnt in der Stadt und die Parkplatzsuche mit dem Auto nervt euch?

Dann wäre ein Pedelec eine wertvolle Unterstützung für euch und auf manchen Strecken sogar eine Alternative zum Auto. Und wenn ihr das Auto öfters stehen lasst und stattdessen aufs Rad steigt, tut ihr eurer eigenen Gesundheit sowie der Umwelt etwas Gutes.

 

Wie ihr das richtige Pedelec findet

Die Auswahl auf dem Pedelec-Markt ist groß. Damit ihr das passende Modell für euch findet, verraten wir euch, worauf ihr bei E-Bikes speziell achten solltet. Hier die wichtigsten Kaufkriterien im Überblick:

Der Rad-Typ
Frau fährt auf einem E-Bike durch die Stadt.Bevor es ins Detail geht, solltet ihr euch für einen Rad-Typ entscheiden und die Auswahl dadurch eingrenzen. Ihr seid meist in der Stadt unterwegs, erledigt Einkäufe oder macht auch kürzere Ausflüge? Auf solchen kurzen und mittleren Strecken fahrt ihr mit einem Citybike am besten, bei dem ihr bequem aufrecht sitzen könnt. Einen besonders komfortablen Auf- und Abstieg ermöglichen spezielle Tiefeinsteiger.

Auf weiter entfernte Ziele und längere Ausflüge ist das Tourenrad ausgelegt und damit die sportliche Variante zum Citybike. Beim Tourenbike sitzt ihr etwas gestreckter und seid dadurch windschnittiger, jedoch trotzdem komfortabel unterwegs. Euch ist das immer noch nicht sportlich genug? Für all jene, die gerne schnell oder im Gelände unterwegs sind, gibt es auch Rennräder und Mountainbikes mit Motorunterstützung. So erreicht ihr auch mit etwas weniger Kondition den Gipfel. Je nach Rad-Typ werden zudem unterschiedliche Antriebssystem empfohlen, aber über die erfahrt ihr gleich noch mehr. Zusammengefasst ist also beim Rad-Typ entscheidend:

  • Streckenlänge und -beschaffenheit
  • Fahrkomfort

Der Antrieb
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Fahrrad ist natürlich der Antrieb des E-Bikes. Bei Pedelecs gibt es zwei verschiedene Systeme: Mittelmotoren und Nabenmotoren, die entweder im Zentrum des Vorder- oder Hinterrads angebracht sind. Sie besitzen verschiedene Vor- und Nachteile, beeinflussen die Schaltung des Rads (Naben- oder Kettenschaltungen) und, ob eine Rücktrittbremse möglich ist. Hier ein Überblick über die wichtigsten Eigenschaften und für welche Rad-Typen die Motoren besonders geeignet sind:

Nabenmotoren haben den Vorteil, dass die Kraft verlustfrei auf das Rad übertragen wird. Durch einen Frontmotor bekommt das Pedelec quasi einen Allradantrieb – der Motor wirkt auf das Vorderrad und der Radfahrer betätigt das Hinterrad. Der Frontantrieb erfordert zudem nur wenige Veränderungen am Rahmen und ist daher preisgünstiger als Mittel- oder Hinterradmotoren. Da das Vorderrad allerdings meist wenig belastet ist, kann der Reifen zum Beispiel auf glattem Untergrund leichter durchdrehen.

Bei einem Heckmotor ist die Belastung des Hinterrads größer, wodurch einerseits die Reifen nicht durchdrehen und besonders viel Kraft wirkt. Sportliche Fahrer kommen hier auf ihre Kosten. Andererseits verlagert sich der Schwerpunkt des E-Bikes nach hinten, was sich negativ auf das Fahrverhalten auswirkt. Für Mountainbikes und Fahrten ins Gelände ist der Heckmotor dadurch nicht zu empfehlen.

Der Mittelmotor wird, wie der Name sagt, mittig unter dem Tretlager des Pedelecs angebracht. Das Hinterrad wird über die Kette angetrieben – also nicht direkt wie bei den Nabenmotoren. Es ergibt sich jedoch eine zentrale und tiefe Lade des Schwerpunkts, wodurch sich das Pedelec besonders gut steuern lässt. Mountainbiker nutzen entsprechend häufig dieses Antriebssystem. Der Mittelmotor ist bei E-Bikes aber auch insgesamt sehr verbreitet. Wer viel Leistung möchte, sollte eine Kettenschaltung verwenden. Beim Antrieb müsst ihr also bei folgenden Punkten abwägen:

  • Schaltung
  • Fahrverhalten
  • Rücktrittbremse

Das Display
Display eines Pedelec auf Fahrradlenker.Eng verknüpft mit dem Antrieb ist das Bedienelement, über den der Motor gesteuert wird. Die Palette reicht von Anzeigen mit Druckknöpfen bis hin zu multifunktionalen Displays mit Touchscreen. Letztere können für die Fahrt relevante Informationen wie Kilometerzahl, Geschwindigkeit und Reichweite anzeigen und teilweise sogar Smartphone-Funktionen übernehmen. Manche besitzen dagegen eine Schnittstelle für das Smartphone, welches dann zum Beispiel Navigationsdaten liefert. Ein vollwertiges Navigationssystem ist bei einzelnen Displays gleich integriert. Die zentralen Kaufkriterien beim Display sollten daher sein: Welche Funktionen benötige ich? Und lässt sich das Display unkompliziert bedienen – auch während der Fahrt?

  • Les- und Bedienbarkeit
  • Funktionen

Der Akku
Für den Elektromotor des Pedelecs braucht es natürlich auch einen Akku. Lithium-Ionen-Akkus sind mittlerweile Standard, es gibt allerdings trotzdem große Unterschiede zwischen den Modellen. Das entscheidende Kriterium ist die Kapazität in Wattstunden (Wh): bis 400 Wh wird die Kapazität als gering, zwischen 400 und 600 Wh als mittel und ab 600 Wh als groß eingestuft. Wie weit ihr damit kommt? Eine gute Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Denn neben der Kapazität hängt die Reichweite von Faktoren wie dem Stromverbrauch des Motors, der Zuladung und der Fahrweise ab. Fahrt ihr langsam, mit wenig Unterstützung und Gewicht, verlängert sich die Reichweite. 50 bis 100 km sollten bei einem hochwertigen Akku und normaler Fahrweise drin sein.

Akku eines E-Bikes an einem E-Mountainbike.Der Akku ist beim E-Bike auch ein Gewichtsfaktor. Zum Glück werden die Akkus aber immer leichter und leistungsfähiger. Außerdem beeinflusst die Position des Akkus die Gewichtsverteilung des Fahrrads und damit das Fahrverhalten. Meistens ist der Akku am Unterrohr oder unterhalb des Gepäckträgers angebracht. In letzterem Fall kann das Anbringen eines Kindersitzes schwierig sein. Achtet darauf, dass der Akku abnehmbar ist. Dann könnt ihr ihn zum Beispiel im Haus aufbewahren und laden.

Zuletzt solltet ihr beim Akku auf die Garantie achten, denn der Akku gehört zu den teuersten Teilen eines E-Bikes. Die gesetzlich festgelegte Gewährleistung liegt bei zwei Jahren. Auf der sicheren Seite seid ihr mit einer zusätzlichen Garantie des Herstellers. Dieser sichert zum Beispiel eine Mindestlebensdauer ab Verkauf oder eine bestimmte Zahl an Ladezyklen zu. Zusammengefasst sind beim Akku diese Aspekte entscheidend:

  • Kapazität
  • Gewicht
  • Anbringung
  • Garantie

Das Gewicht
Ihr müsst mit eurem Rad regelmäßig in den Keller oder Treppen hoch? Dann solltet ihr auf das Gewicht des E-Bikes achten. Durch Akku und Motor sind Pedelecs nämlich deutlich schwerer als normale Räder und wiegen mindestens 13 – 25 kg. Am besten das E-Bike im Laden einmal „Probe tragen“, dann merkt ihr, wie gut ihr es greifen und tragen könnt. Hilfreich sind ansonsten ein abnehmbarer Akku oder eine integrierte Schiebehilfe, die das Pedelec durch Knopfdruck auf 6 km/h beschleunigt. Die nächste steile Rampe kann so ganz leicht bewältigt werden. Beim Thema Gewicht solltet ihr daher auf folgende Kriterien achten:

  • Eigengewicht des Rads
  • Abnehmbarer Akku
  • Schiebehilfe

Das Gepäck
Mit einem E-Bike könnt ihr komfortabel euer Kind auf dem Rad mitnehmen oder schwereres Gepäck transportieren. Dazu muss sich allerdings das entsprechende Zubehör wie Korb, Kindersitz und Anhänger am Pedelec befestigen lassen. Motor und Akku dürfen nicht im Weg sein oder überlastet werden. Die Zuladung (Fahrer + zusätzliche Last) und das Eigengewicht des Rads müssen innerhalb des zulässigen Gesamtgewichts liegen. Dieses ist bei E-Bikes mitunter überraschend gering, daher lieber vor dem Kauf überprüfen. Achtet also beim Gepäck auf diese Aspekte:

  • Anbringung von Zubehör wie Körben
  • Zulässige Gesamtgewicht bzw. Zuladung

Der Preis
Letztendlich ist alles auch eine Preisfrage und ein gutes E-Bike unter 2.000 Euro zu finden, ist gar nicht leicht. Nach oben ist dagegen viel Luft und für ein teures Modell könnt ihr auch locker 5.000 Euro und mehr ausgeben. Die Preisunterschiede ergeben sich oftmals aus den verwendeten Komponenten wie Schaltung, Bremsen und Federung. Letztere kann mit einem Aufpreis von 700 – 1.500 Euro zu Buche schlagen. Das Gewicht ist ebenfalls ein Preisfaktor, denn leichte Materialien – bei gleicher Leistung oder Stabilität – sind in der Regel teurer als schwere. Das trifft auf den Akku ebenso zu wie auf den Rahmen. Einen hochwertigen Aluminiumrahmen erkennt ihr übrigens am Klang. Denn wenn ihr mit dem Fingernagel an den Rahmen klopft, klingt ein dünnes Rohr höher als ein dickes. Hier die Preistreiber noch einmal im Überblick:

  • Komponenten wie Schaltung, Bremsen, Federung
  • Leichte Materialien
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*Quelle: Statista (2017)