Mobilität machen, 24.09.2017

Wann kommt eigentlich autonomes Fahren?

Viel wurde angekündigt, vieles haben wir gehört, aber noch haben wir keins gesehen: das selbstfahrende Auto. Doch wo stehen wir in Bezug auf das autonome Fahren eigentlich? Was meinen die Experten?

Autonomes Fahren ist schon längere Zeit ein Thema und wird immer wieder diskutiert. Doch wann kommt es denn genau – das autonome Fahren? Noch ist der Zeitpunkt, wann selbstfahrende Autos in Deutschland auf die Straßen kommen sollen, immer noch unklar.

Button Autonomous Driving im selbstfahrenden AutoAus Sicht des Experten David Fluhr, Dienstanbieter und redaktionell Verantwortlicher für www.autonomes-fahren.de, kann es noch bis 2030 dauern. Falls Hersteller und die Bundesregierung hart dafür arbeiten, vielleicht sogar schon im Jahr 2025. Daran glaubt neben Fluhr auch Thomas Müller, Verantwortlicher für die Entwicklung der Fahrerassistenzsysteme bei Audi. 2015 sagte er: „Von einem voll automatisierten Auto sind wir noch 15 bis 20 Jahre entfernt“ (spricht 2030-2035). Ein wenig anders sieht das der Leiter Autonomes Fahren bei Daimler, Ralf Herrtwich. Er prognostiziert, dass Daimler ab 2020 Serienmodelle auf dem Markt bringt, die sich neben dem „normalen“ Fahren auch autonom auf den Autobahnen bewegen können. Jedoch stimmt er in einem Punkt auch Fluhr und Müller zu: Mit einem vollautonomen PKW rechnet er erst ab 2030.

Vorab: Was ist autonomes Fahren?

Autonomes Fahren (manchmal auch automatisiertes oder pilotiertes Fahren genannt) bedeutet das selbständige, zielgerichtete Fahren eines Fahrzeugs ohne Eingriff des Fahrers.

 

Grundsätzlich gibt es 6 Stufen des automatisierten Fahrens von PKWs. Stufe 0 ist mit „Keine Automation“ gekennzeichnet und Stufe 5 mit „Volle Automation“. Seit letztem Jahr gibt es Fahrzeuge auf den Straßen, die mit der Automatisierungsstufe 2 bis 3 (von der SAE Klassifizierung) gekennzeichnet sind.

Die Automatisierungsstufen im Detail und Zeitablauf findest Du in folgendem Schaubild.

wie funktioniert autonomes fahren?

Quelle: www.mobilegeeks.de

Welche Zukunft hat autonomes Fahren aus der Sicht der Hersteller wie Daimler und Tesla?

Für Flottenkunden verspricht das Thema autonomes Fahren eine strahlende Zukunft. Zusammen mit Bosch will Daimler schon ab 2022/2023 die ersten komplett automatisierten Fahrzeuge auf die Straßen bringen – sogenannte Roboterautos. Das ist von Sprechern der beiden Unternehmen bestätigt. Daimler hat mit hochautomatisierten Autos erst nach 2025 gerechnet. Obwohl die Entwicklung schneller gelaufen ist, heißt das nicht, dass PKWs auch gleich hochautomatisiert fahren. Doch ab Herbst dieses Jahr wird es neue Fahrassistenz-Systeme für die S-Klasse geben, die einen großen Schritt Richtung autonomes Fahren machen. Das neue Fahrassistenz-System beinhaltet unter anderem „DISTRONIC“ (Aktiver Abstands-Assistent), der zum Beispiel über die Navigation festgelegter Routen den Fahrer beim Beschleunigen, Bremsen und Kurven fahren unterstützen soll. Dazu macht der „Aktive Lenk-Assistent“ das Fahren noch komfortabler, indem er Abstand zu anderen Fahrzeugen hält und beim Lenken unterstützt.

Atonomes Fahren bzw. Automatisiertes Fahren auf deutschen Straßen

Elon Musk, Geschäftsführer von Tesla, hat bereits geäußert, dass er bis Ende diesen Jahres in Amerika  von Küste zu Küste fahren möchte, ohne dass er das Auto selbst steuern muss. Das ist mit dem neuen Tesla Update vielleicht auch bald realisierbar. Denn mit der Version 8.1 verfügen alle Tesla mit verbesserter Autopilot-Funktionalität über verschiedene optimierte Funktionen, wie beispielsweise den Lenkassistent, den Spurwechselassistent, die Spurwarnfunktion und die Notbremsautomatik. Mit dem Update wird ein großer Schritt in Richtung vollautonomes Fahren gemacht. Es ist somit möglich, dass das Model 3 das erste Auto sein wird, das voll autonom fahren kann – aber wann hat Musk zuletzt ein Versprechen gehalten?

Autonomes Fahren – wer haftet?

Ralf Herrtwich erklärt, dass eine größere Herausforderung des autonomen Fahrens die Ampeln seien. Die verschiedenen Pfeile für Abbieger und die Rückleuchten von anderen Autos lassen sich vom System aktuell noch schwer auseinander halten. „Das haben wir uns leichter vorgestellt, daran müssen wir noch kräftig arbeiten.“ sagte er.

Natürlich müssen in Bezug auf selbstfahrende Autos auf deutschen Straßen auch neue Regeln erstellt werden. Laut §1a des Straßenverkehrsgesetzes (Kraftfahrzeuge mit hoch- oder vollautomatisierter Fahrfunktion) gilt bisher folgendes:

Der Betrieb eines Kraftfahrzeuges mittels hoch- oder vollautomatisierter Fahrfunktion ist zulässig, wenn die Funktion bestimmungsgemäß verwendet wird.

 

Dazu kommen außerdem folgenden Einschränkungen:

§1b Pflichten des Fahrzeugführers bei Nutzung hoch- oder vollautomatisierter Fahrfunktionen

Der Fahrzeugführer ist verpflichtet, die Fahrzeugsteuerung unverzüglich wieder zu übernehmen,

1. Wenn das hoch- oder vollautomatisierte System ihn dazu auffordert oder

2. Wenn er erkennt oder auf Grund offensichtlicher Umstände erkennen muss, dass die Voraussetzungen für eine bestimmungsgemäße Verwendung der hoch- oder vollautomatisierten Fahrfunktionen nicht mehr vorliegen.

Für den Fahrer heißt das: er darf sich „ablenken“ lassen, um zum Beispiel zu frühstücken oder um kurz eine Notiz aufzuschreiben. Der Fahrer soll aber den Verkehr im Auge behalten, falls etwas passieren sollte oder das System den Fahrer auffordert, die Steuerung innerhalb kurzer Zeit wieder zu übernehmen!

Allerdings ist immer noch unklar: Wer haftet, falls ein Unfall während des autonomen Fahrens passiert – der menschliche Fahrer oder die Software (und in diesem Fall der Hersteller des Autos)? Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), ist da ganz klar der Meinung, dass der Hersteller die Schuld trägt, falls das System das Auto bis zum Unfall gesteuert hat. Es soll eine sogenannte Blackbox eingebaut werden, die nach einem möglichen Unfall mitteilen kann, wer gefahren ist.

Für welchen Preis bekommt man die Technik installiert?

Um das Auto autonom fahren zu lassen, müssen andere Techniken eingebaut werden. Diese werden in Premiumfahrzeugen von Daimler zwischen 2.000-4.000 € kosten, abhängig davon wie autonom der Besitzer unterwegs sein möchte. Tesla verlangt rund 8.000 $ (also umgerechnet circa 6.760 €) für das „Full self-driving system“.

Autonomes fahren – wo stehen wir heute?

Es sind schon kleinere vollautonome Busse unter anderem in Berlin und Kopenhagen unterwegs. Diese Busse fahren zwar langsam, sollen aber schneller fahren können, wenn diese ausreichend getestet wurden. In Braunschweig fährt schon seit 2010 ein selbstfahrendes Auto vom Institut für Regelungstechnik durch die Stadt. Das autonome Auto hat bereits über 22.000 unfallfreie Kilometer hinter sich. Der Fahrer sitzt nur zur Sicherheit hinter dem Lenkrad.

Autonomes fahren wann kommt es

Ziel der Bundesregierung ist es, mit der „Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren“ Deutschland beim Thema automatisiertes und vernetztes Fahrens voranzubringen und sich die Vorreiterrolle zu sichern. Wir sind also gespannt, wann wir Menschen hinter dem Lenkrad sehen, die alles anders tun als Auto fahren.