Mobilität machen, 07.06.2017

Warum uns Elektromobilität wertvolle Zeit schenkt

Bei der Elektromobilität ist es Zeit für einen Perspektivenwechsel. Anstatt überwiegend über Ladeinfrastruktur und Batteriekapazität zu sprechen, sollte der Blick dem konkreten Kundennutzen gelten, meint unser Gastautor Timo Sillober.

Die Themen Elektromobilität und Elektrofahrzeuge erreichen aktuell immer mehr Menschen. Auch viele Firmen nehmen die Elektromobilität vermehrt auf ihre Agenda. Allerdings drehen sich die Diskussionen meist um die Herausforderungen der Ladeinfrastruktur, die Entwicklungen rund um die Batteriekapazität oder die Ladezeiten bei Langstreckenfahrten. Ich denke, es ist an der Zeit, die Perspektive zu wechseln und über die Kundenerfahrung mit Elektroautos nachzudenken und darüber, wie E-Autos unser Leben leichter machen werden.

Es ist wichtig, sich darauf einzustellen, was für Kunden wirklich zählt. Ich glaube fest daran, dass das wertvollste Gut für uns heute „Zeit“ darstellt, da diese begrenzt ist und “noch” nicht erweitert werden kann. Fast alle erfolgreichen Produkte, die neu auf den Markt gebracht werden, haben diese knappe Ressource im Fokus – es geht um Zeit und Geschwindigkeit (denke  an Smartphones oder digitale Dienstleistungen wie Airbnb oder Uber).

So sieht die neue Generation von Elektrofahrzeugen aus

Die nächste Generation von Elektrofahrzeugen wird Batteriekapazitäten von 150-200 kWh haben und damit Reichweiten von mehr als 500 km ermöglichen. Die von Menschen durchschnittlich am Tag zurückgelegte Strecke beträgt aktuell ca. 46 km. Bezogen auf die durchschnittlich am Stück zurückgelegte Strecke sind es sogar nur 12,3 km. Außerdem müssen wir beachten, dass die nächste Generation von Elektroautos auf das schnellere und komfortablere Induktionsladen ausgelegt sein wird.

Exkurs: Wie funktioniert eigentlich eine Induktionsladestation?

Schaubild: So funktionier das Laden eines E-Autos an einer Induktionsladestation.

So funktioniert das Laden von Elektroautos an Induktionsladestationen.

Angenommen, dein Auto steht in deiner Garage (privat oder gemeinsam genutzt). Durch eine einmalige Investition wird diese Garage mit der Induktionsladestation ausgestattet. Wenn du nun nach Hause kommst und dein Auto in der Garage parkst, beginnt der Ladevorgang ganz automatisch (ohne Stecker und Co.), damit du am nächsten Tag in ein vollständig aufgeladenes Auto steigen kannst. Das Gleiche passiert während du einkaufen bist, in einer öffentlichen Garage parkst oder während du arbeitest.

Durch die relativ langen Standzeiten der Elektrofahrzeuge an diesen Plätzen können die E-Autos mit geringer Ladeleistung und Lastspitzenoptimierung (Virtuelles Kraftwerk) langsam aufgeladen werden, sodass wir in Zukunft im Alltag in einem “always charged” Elektrofahrzeug unterwegs sein werden. In den wenigen Situationen, wenn wir wirklich mehr als 300-400 km unterwegs sind, müssen wir die Schnellladeinfrastruktur an Autobahnen und Fernstraßen nutzen. Aber wie oft kommt dies in Ihrem Alltag vor? Durchschnittlich ist das nur ca. drei bis vier mal im Jahr der Fall. Als Ergebnis der „always charged“ Elektrofahrzeuge werden die Tankstellen, wie wir sie heute kennen, nach und nach aus urbanen Gebieten verschwinden (voraussichtlich ganz, wenn Autos autonom fahren).

Elektroauto an einer Ladestation

Ein Elektroauto tankt an einer Ladesäule: Mit der nächsten Generation von E-Autos, die auf das schnellere und komfortablere Induktionsladen ausgelegt sein werden, wird der Ladevorgang deutlich einfacher und zeitsparender.

Dank Elektromobilität sparst du vor allem eins: Zeit

Kommen wir zurück zum ursprünglichen Thema: Zeit. Ein Benzinfahrzeug benötigt durchschnittlich alle 500 km eine neue Tankfüllung (Annahme: acht Liter pro 100 km bei einem 50 Liter-Tank). Der Tankvorgang dauert inklusive Zahlung ca. 10 bis 15 min; dabei haben wir den Anfahrtsweg zur Tankstelle noch nicht mit eingerechnet. Als Ergebnis, basierend auf einer Reichweite von 10.000 km pro Jahr, verbringt du jährlich bis zu fünf Stunden deiner Lebenszeit damit, dein Auto zu betanken – wahrscheinlich nicht die bestmögliche Zeitausgestaltung. 🙂 Mit einem Elektroauto verbringst du nur auf langen Strecken Zeit an der Ladesäule. Bei fünf vollen Ladungen mit einer 300 kW Schnellladestation sind dies jährlich nur ca. 2,5 h.

Grafi Tankdauer von Benzinern und Elektroautos im Vergleich

Du sparst also jedes Jahr mehr als die Hälfte deiner kostbaren Zeit, die du auf kalten, schmutzigen und hässlichen Tankstellen verbracht hast sowie zusätzlich noch mindestens 15 mal schmutzige und nach Benzin riechende Hände. Es wird also Zeit, sich auf das Nutzenerlebnis der E-Mobilität vorzubereiten und die eingesparte Zeit bei einem Abendessen mit Freunden oder Familie zu genießen.

 

Über unseren Gastautor Timo Sillober

sillober-100x100Timo verantwortet innerhalb der EnBW Energie Baden-Württemberg AG den Bereich Products, Digital, Sales & Marketing. Der gebürtige Österreicher war vor seinem Wechsel in die Energiewirtschaft für den Vodafone Konzern tätig, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung von Vodafone Deutschland und dort zuständig für den Bereich Transformation & Digital. Vor seiner Zeit bei Vodafone arbeitete Timo Sillober seit 2002 in verschiedenen Führungspositionen bei der Siemens AG. Er hat Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert.

 

Weitere Informationen rund um das Thema Elektromobilität findest du auch auf unserer EnBW-Homepage.   Sie haben noch kein Elektroauto, möchten aber wissen, ob ein Elektrofahrzeug für Sie geeignet ist? Finden Sie es heraus mit der App EnBW mobility+.

 

[Anm. der Redaktion: Dieser Beitrag ist parallel in deutscher Sprache im Blog Dialog-Energie-Zukunft und in englischer Sprache im Blog von CODE_n erschienen.]