Zukunft machen, 27.04.2017

Wie kommt Ökostrom vom Kraftwerk in die Steckdose?

Ihr habt bestimmt schon von Ökostrom gehört oder bezieht vielleicht sogar selber welchen. Aber wo kommt der eigentlich her und wie kommt er in die Steckdose?

Ökostrom – das ist erst einmal ein schönes Wort, aber was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? Schließlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, aus der Natur Energie zu gewinnen. Wir erklären euch, auf welche Art und Weise man natürliche Ressourcen zu Strom umwandeln kann. Doch das ist nur der erste Schritt: Der Strom muss es dann noch irgendwie vom Kraftwerk in die Steckdose schaffen. Dabei überwindet er im Stromnetz teilweise sehr weite Strecken über verschiedene Stationen, bis er endlich bei euch zu Hause ankommt. Wir verfolgen mit euch den Weg, den der Strom dabei zurücklegt.

 

Ökostrom generieren

Zunächst einmal sollten wir uns die Frage stellen: Was genau ist Ökostrom überhaupt? Ökostrom bezeichnet Strom aus erneuerbaren Energiequellen, im Gegensatz zu den herkömmlichen Energieträgern wie Kohle, Öl oder Erdgas unbegrenzt zur Verfügung stehen.  Bei der Erzeugung wird daher kein COausgestoßen und es fällt auch kein radioaktiver Abfall an. Aktuell trägt Ökostrom in Deutschland zu 28,7% zum Strommix bei (Quelle: BDEW). Bei EnBW-Produkten beträgt der Anteil bereits 45,5%.

Um Ökostrom zu generieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Wasserkraft stellt momentan die wichtigste Quelle von Ökostrom dar. Dabei treibt die natürliche Strömung des Wassers Turbinen an. So wird Energie gewonnen, die in Form von Strom weitergeleitet werden kann. Der Vorteil: Wasserkraft ist im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien praktisch kontinuierlich verfügbar. Mithilfe von Fischpässen können Fische am Kraftwerk vorbei auch flussaufwärts schwimmen. Die EnBW betreibt heute insgesamt 67 Wasserkraftwerke, vor allem am Rhein, an der Iller und am Neckar.
  • Windrad mit EnBW-Aufschrift.Windkraft funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip: Die Turbinen werden vom Wind angetrieben und produzieren so Energie. Windparks können sowohl auf dem Land (Onshore) als auch auf dem Wasser (Offshore) betrieben werden. Da an Land weniger Wind herrscht als auf hoher See, müssen Onshore-Anlagen entsprechend höher gebaut werden. Aktuell betreibt die EnBW 140 Onshore- und 101 Offshore-Anlagen, wobei viele weitere bereits in Planung oder bereits im Bau sind.
  • Solarenergie stellt einen weiteren großen Bestandteil von Ökostrom dar. Dabei nutzt man die Kraft der Sonne: In riesigen Photovoltaik-Anlagen wird Sonneneinstrahlung in Energie umgewandelt. Das Prinzip ist auch in Privathaushalten mithilfe von Dachanlagen umsetzbar. Gerade im sonnenreichen Baden-Württemberg ist diese Art der Energiegewinnung nicht zu vernachlässigen. Die EnBW betreibt heute 10 Solarparks, und 7 weitere werden momentan gebaut oder geplant..
  • Bioenergie wird aus dem Rohstoff Biomasse gewonnen. Feste Biomasse, also etwa Holz oder Stroh, wird verbrannt und so zur Strom- oder Wärmeerzeugung genutzt. Gasförmige Biomasse, auch Biogas, entsteht durch die Vergärung von Bioabfällen, Nutzpflanzen oder ähnlichem. Es wird in Blockheizkraftwerken zum Strom und Wärme umgewandelt, kann aber auch zu Bioerdgas veredelt werden. Der Vorteil gegenüber anderen erneuerbaren Energien ist die einfache Speichermöglichkeit.
  • Geothermie nutzt die natürliche Erdwärme des Bodens. Auch damit lässt sich Strom gewinnen: Beim Hot-Dry-Rock-Verfahren wird kaltes Wasser in 5.000 Meter Tiefe gepumpt. Dort wird es durch Risse im Gestein erwärmt und wieder nach oben transportiert. Dort treibt es Turbinen eines Erdwärmekraftwerks an, wodurch Strom generiert wird. Besonders praktisch: Die Erdwärme ist immer verfügbar, egal bei welchem Wetter oder zu welcher Zeit.

Mehr Informationen rund um das Thema erneuerbare Energien findet ihr hier.

 

Der Weg des Stroms

Jetzt geht es darum, den Strom über ein Stromnetz vom Kraftwerk zum Haushalt zu transportieren. Dabei werden insgesamt vier Netze mit verschiedenen Spannungen genutzt:

Strommasten auf Feldern.Der generierte Strom wird zuerst ins Übertragungsnetz eingespeist. Dieses besteht aus ca. 60 Meter hohen Masten, die Kraftwerke in ganz Europa verbinden. Der Strom legt darüber also sehr weite Strecken zurück. Dabei hat er eine Spannung von 380.000 Volt oder 380 kV, also Höchstspannung. Es gibt auch noch ältere Masten, die noch auf 220 kV ausgelegt sind. Diese Masten transportieren den Strom in Umspannwerke, in denen die Spannung wieder heruntertransformiert wird.

Nach der Umwandlung kann es weitergehen. Mit jetzt 110 kV (Hochspannung) fließt der Strom in ein überregionales Verteilnetz. Dieses besteht aus kleineren Masten, die etwa 30 Meter hoch und für kürzere Entfernungen gedacht sind. So kommt der Strom seinem Ziel ein weiteres Stück näher. Geht es im überregionalen Verteilnetz nicht weiter, erreicht der Strom ein anderes Umspannwerk, in dem er nochmal heruntertransformiert wird.

Mit einer Mittelspannung von 10 oder 20 kV wird der Strom jetzt ein regionales Verteilnetz eingeschleust. Die Wege, die werden, sind mit jedem Schritt kürzer, doch wir nähern uns dem Ziel immer mehr. Am Ende dieses Netzes wird der Strom noch ein letztes Mal heruntertransformiert, damit er dann auch tatsächlich genutzt werden kann.

Jetzt hat der Strom eine Spannung von 230 oder 400 Volt, was Niederspannung entspricht. Weitergeleitet wird er über ein lokales Verteilnetz. In ländlichen Regionen handelt es sich dabei um Dachreiter, die von Haus zu Haus spannen, in der Stadt sind dagegen Erdkabel üblicher. Dies ist der letzte Schritt des Sromnetzes, bevor der Strom den Haushalt erreicht.

 

Am Haus angekommen

Er kommt nun am Hausanschluss des Stromkunden an. Von dort aus muss er nur noch einen sehr kurzen Weg zurücklegen: Er fließt erst durch den Sicherungskasten mit Stromzähler, um dann endlich am Ziel seiner Reise anzukommen: Die Steckdose. Dort bleibt er erst mal stehen, zumindest bis ein Stecker eingesteckt wird. Dann kann er ganz normal genutzt werden, wie wir es aus dem Alltag kennen: Etwa für den Staubsauger, den Fernseher oder die Mikrowelle. Vom weiten Weg des Stroms erfahren wir im Alltag aber nichts.

 

Wollt ihr zu Hause auch Ökostrom nutzen? Hier findet ihr den besten Tarif für euren Haushalt.