Ab wann rechnet sich eine Wärmedämmung?

Bei der Durchführung von energieeffizienten Sanierungsmaßnahmen ist eine der wichtigsten Fragen, wann rechnet sich diese durch bzw. wann sind die Kosten durch die Reduzierung der Heizkosten wieder drin? Beim Thema "Wärmedämmung" sind wir der Sache auf den Grund gegangen.

Ob sich Maßnahmen zur Wärmedämmung auszahlen, wird in den Medien kontrovers diskutiert. Dies liegt auch daran, dass in der Vergangenheit zum Teil falsche Erwartungen geweckt wurden. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz in München hat nun ein neues Modell zur Wirtschaftlichkeitsberechnung entwickelt, dessen Ergebnisse die Realität besser widerspiegeln sollen.

Ab wann rechnet sich eine Wärmedämmung?

Die entscheidenden Frage für Hausbesitzer, die eine energetische Sanierung planen, ist: Ab wann lassen sich die Kosten für wärmedämmende Maßnahmen durch Einsparungen bei den Heizkosten wieder einspielen? Dazu gibt es zum heutigen Zeitpunkt eine Vielzahl an Studien, deren Ergebnisse jedoch äußerst unterschiedlich ausfallen und sich zum Teil widersprechen. Der Grund dafür ist, dass die Berechnungen meist auf einigen wenigen festen Durchschnittswerten basieren und eine große Anzahl unbekannter, und vor allem schwankender Einflussfaktoren nicht gebührend berücksichtigt wird.

Dachstuhl dämmen

Zeitraum statt Zeitpunkt

Auch geben diese Studien meist einen festen Zeitpunkt an, nach dem sich eine energetische Sanierungsmaßnahme amortisieren kann. Die neue Studie, die das Forschungszentrum für Wärmeschutz in München (FIW) im Auftrag des Gesamtverbands Dämmstoffindustrie (GDI) e.V. erstellt hat, ermittelt dagegen Zeiträume, innerhalb derer sich eine Dämmung amortisiert. So wird zum Beispiel für die Dämmung eines Steildachs angegeben, dass sich eine Sanierung in der Regel innerhalb eines Zeitraums von 6 bis 16 Jahren rechnet, wobei sich die Maßnahme im Durchschnitt nach 10 Jahren amortisiert.

Kosten-Nutzen-Diagramm„Einen festen Zeitpunkt zu definieren, ab dem sich eine Maßnahme rechnet und dieses Ergebnis auf jedes Objekt einfach zu übertragen, ist eine Betrachtung, die Fehlinterpretationen beinhalten muss“ sagt Prof. Dr. Andreas Holm vom FIW. „Bei der Betrachtung der Frage nach der Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen kann man sich nicht nur überschlägiger Werte bedienen, es müssen zahlreiche Optionen in ihrer möglichen Bandbreite durchgerechnet werden.“

Unsicherheiten müssen berücksichtigt werden

Die Studie geht bei der Berechnung von variablen Randbedingungen aus – im Gegensatz zu den meisten bisherigen Studien, die mit festen Durchschnittswerten arbeiten. So lassen sich vorhandene Unsicherheiten besser berücksichtigen. Zu den Einflussfaktoren zählen die Wissenschaftler unter anderem eine mögliche Realzinsentwicklung von 0 bis 3 Prozent, einen Ausgangsenergiepreis von 0,06 bis 0,16 Euro pro Kilowattstunde, den energetischen Ausgangszustand des Hauses und eine jährliche Energiepreissteigerung von 2,5 bis 7,5 Prozent. Außerdem müsse berücksichtigt werden, in welcher Region das Haus steht, da zum Beispiel im kalten Fichtelgebirge andere klimatische Bedingungen herrschen als in Freiburg mit einer hohen jährlichen Durchschnittstemperatur.

Großer Schwankungsbereich bei der Fassadendämmung

Wärmedämmung, HausisolierungFür eine Dämmung der Außenwände ergibt sich laut Studie ein großer Schwankungs-bereich der Amortisationszeit. Generell gilt, dass sich die Maßnahme umso eher rechnet, je schlechter der energetische Ursprungszustand des Hauses ist. Wurden die Außenwände vor der ersten Wärmeschutzverordnung (WSchV) 1977 errichtet, gehen die Wissenschaftler von einer Amortisationszeit zwischen 4 und 10 Jahren aus, wobei 6 Jahre am wahrscheinlichsten seien. Bei Gebäuden, die zwischen 1977 und 1995 gebaut wurden, rechne sich die Maßnahme in der Regel erst nach 9 bis 22 Jahren, wobei der Durchschnitt bei 15 Jahren liege.

Energieberater und Fachbetriebe helfen weiter

Die Studie kann kostenfrei von der Website des Gesamtverband Dämmstoffindustrie als PDF-Datei heruntergeladen werden. Hausbesitzer sollten jedoch berücksichtigen, dass ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass sich allgemeingültige Aussagen über die Wirtschaftlichkeit von Dämmmaßnahmen so einfach nicht treffen lassen. Hier können entsprechend qualifizierte Energieexperten und Fachbetriebe weiterhelfen. Anlaufstellen bei der Expertensuche sind zum Beispiel die Verbraucherzentrale Energieberatung und die Energieberater-Datenbank der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena).