Wie werden wir in der Stadt der Zukunft leben?

Weltweit wachsen die Großstädte. Der Platz wird knapper, Preise explodieren und die Luft schlechter. Auch die Folgen des Klimawandels sind immer stärker zu spüren. Vor allem an heißen Sommertagen heizen sich die Städte immer mehr auf. Wie werden wir also in Zukunft wohnen?

Wissenschaftler, Politiker und Planer denken die Stadt der Zukunft neu.


Das erwartet dich hier

Das Coronavirus schaffte etwas, was Klimaschützern und Stadtplanern nicht gelang: Im ersten Lockdown vor etwas mehr als einem Jahr waren die Straßen von heute auf morgen leergefegt. Kein Stau zur morgendlichen Rushhour, viel Platz in U- und S-Bahnen. Und am Himmel über Berlin, Hamburg, Frankfurt, München oder Stuttgart zeigte sich kein Flieger. Die CO2-Emissionen sanken auf so niedrige Werte wie seit Jahren nicht mehr. Nach einer Bilanz des Global Carbon Projects verringerte sich der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid 2020 um 2,4 Milliarden Tonnen im Vergleich zum Vorjahr, wie unter anderem das Hamburger Abendblatt berichtet. In Europa war der Rückgang mit minus 11 Prozent besonders groß. Und allerorts poppten temporäre Radwege auf, von denen einige sogar mittlerweile zu dauerhaften Lösungen umgewandelt wurden.

In der langfristigen Entwicklung der Städte bedeutet Corona aber kaum mehr als eine kurze Atempause. Dafür ist der Trend zur Urbanität zu mächtig. Weltweit zieht es die Menschen in die Städte. Bereits im Jahr 2010 lebten die Hälfte der Menschen in Städten. 2050 könnten sogar mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in urbanen Regionen konzentriert sein, prognostizieren die Vereinten Nationen. In Deutschland leben schon jetzt drei von vier Menschen in einer Stadt.

Stau auf einer Kreuzung. Am Horizont sind Hochhäuser und Bäume zusehen.

Klimawandel, Urbanisierung, Verkehr – weltweit stehen Städte vor denselben Herausforderungen.

Stadtentwicklung: Die dystopische und die utopische Erzählung

Wer sich mit den Städten der Zukunft beschäftigt, wird in der Regel mit zwei Visionen konfrontiert. Variante 1 ist die pessimistische Prognose: eine überbevölkerte Metropole, die sich in abgeschlossene Communities für Reiche und verdreckte Slums für Arme aufspaltet. Über der Stadt hängt der Smog, die Straßen versinken im Verkehrschaos. Das Horrorszenario wirkt wie eine Kopie der Science-Fiction-Dystopie „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982 – minus Replikanten und ohne den Dauerregen, aber dafür mit mehr Hitzestress.

Die zweite Variante ist die positive Umkehrung. In Utopolis ist die Luft tadellos sauber, durch die Straßen huschen leise E-Bikes und Elektroautos. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um sogenannte Robo-Taxen, denn sie fahren autonom und kommen auf Bestellung vorbei. In Dachgärten, Parks oder vertikalen Anlagen ziehen die Stadtbewohner frisches Gemüse. Kein Lärm, nirgends. Auch die sozialen Spannungen sind in der optimistischen Zukunftsversion überwunden. Steigende Mieten, Gentrifizierung, Altersarmut? Alles Schnee von gestern.

Städte der Zukunft sind grün und vernetzt

Einen realistischeren Blick auf Zukunftsstädte findet sich beispielsweise beim Forschungsprojekt „Morgenstadt“ der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Ansatz: Damit der Straße nicht der Verkehrskollaps droht, wird ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr durch autonom fahrende Elektroautos ergänzt, die die Bewohner mithilfe eines Sharing-Konzepts gemeinsam nutzen. Privatautos sind in der Stadt der Zukunft eher die Ausnahme. Statt Parkplätzen würde die Stadtplanung auf mehr Grünflächen setzen, die nicht nur der Entspannung dienen, sondern auch die Luft besser kühlen.

Zwei Hochhäuser mit komplett bepflanzten Fassaden

Die Stadt der Zukunft ist grün – Obst und Gemüse wachsen in vertikalen Gärten.

Im Rahmen des Forschungsprojektes haben die Experten der Fraunhofer-Gesellschaft auch „DEUS 21“ entwickelt. DEUS steht für „Dezentrale Urbane Wasserinfrastruktursysteme“: Regenwasser wird aufgefangen und aufbereitet, damit die Bewohner es zum Duschen und Waschen verwenden können. Die Spülung der Toiletten basiert auf einem Unterdrucksystem, wie es auch in Flugzeugen verwendet wird. Das spart zusätzlich Wasser. Abwässer werden zur Erzeugung von Biogas genutzt, aus dem dann Energie gewonnen wird.

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Vernetzung der Kreisläufe

Dass die smarte Vernetzung der Kreisläufe funktioniert, hat DEUS 21 bereits gezeigt. Die Fraunhofer-Gesellschaft erprobte das System erfolgreich in einer Neubausiedlung in Knittlingen, einer Kleinstadt 60 Kilometer nordwestlich von Stuttgart.

„Der neue Stöckach“: Ein Stadtquartier der Zukunft

Das Leben in der Stadt der Zukunft plant die EnBW auf dem ehemaligen Betriebsgelände „Stöckach“ in Stuttgart-Ost. Auf einer Fläche von mehr als vier Hektar soll ein zukunftsweisendes Stadtquartier entstehen, das neben bezahlbarem Wohnraum auch Angebote für ein soziales Miteinander, Freizeit, Gesundheit, Nah- und Energieversorgung und Mobilität zur Verfügung stellt. Dabei legt die EnBW seit Beginn der Planungen Wert auf Ideen und Vorschläge der Bürger*innen. Die Anregungen, welche in verschiedenen Partizipationsveranstaltungen erarbeitet werden, fließen in den weiteren Planungsprozess des neuen Quartiers am Stöckach ein.

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Stadtentwicklung in aller Welt – 4 Beispiele

Der Klimawandel, die Urbanität, der Verkehr – weltweit stehen Großstädte und Metropolen vor denselben Herausforderungen. Und weltweit ist viel in Bewegung geraten, wenn es darum geht, Lösungen zu finden. Vier Beispiele:

  • Kopenhagen: Die Fahrradkultur gab den Ausschlag für eine nachhaltigere Ausrichtung der Stadtplanung. Zunächst wurde die Infrastruktur für Radfahrer ausgebaut, dann rückte Elektromobilität in den Fokus. Zudem wird die dänische Hauptstadt in Zukunft immer grüner. Laut Gesetz müssen Dächer neuer Gebäude bepflanzt werden, zudem entstehen zwischen den Häusern immer mehr Pocketparks – grüne Inseln im Großstadttrubel. Das Modell ist unter dem Stichwort „Copenhagenize“ zum Vorbild für viele weitere Städte geworden.
  • Vancouver: Die Metropole an der Westküste Kanadas will die grünste Stadt der Welt werden. Dazu hat die Stadt einen umfangreichen Maßnahmenkatalog beschlossen: Zum Beispiel hat die Sanierung von Altbauten Vorrang vor Neubauten, neue Gebäude dürfen nur klimaneutral errichtet werden. Die städtischen Busse fahren elektrisch, Autostraßen wurden reduziert, dafür gibt es mehr Radwege. Und in der Stadtmitte, wo die Grundstückspreise am höchsten sind, stellt die Stadt Parzellen fürs Urban Farming zur Verfügung.
  • Woven City: Dass die Planung von Zukunftsstädten nicht nur Sache von Verwaltungen ist, sondern auch Platz für engagierte Unternehmen lässt, will Toyota beweisen. Der japanische Autobauer errichtet seit März 2021 die „Woven City“ am Fuße des Fuji-Vulkans. Auf 75 Hektar entsteht dort ein Laboratorium, in dem Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, Roboter, künstliche Intelligenz und Smart Homes unter Alltagsbedingungen getestet werden. Bis zu 3.000 Menschen sollen langfristig in der Woven City leben.
  • Freiburg: In Deutschland gilt Freiburg als grüner Vorreiter. Die ökologische Agenda der Stadt im Breisgau hat ihren Ursprung in den 1970er Jahren. Unter Einsatz von Solarenergie, energieeffizienten Häusern, einem 420 Kilometer langen Radwegenetzes, eines umfassenden Abfallwirtschaftsplans und einer Stadtplanung mit viel Platz für Grünflächen will Freiburg bis 2050 eine kohlenstoffneutrale Stadt sein.
City Bike steht auf einer Straße in Kopenhagen.

Die Fahrradkultur Kopenhagens gab den Ausschlag für die Nachhaltigkeitsstrategie der dänischen Hauptstadt.

Fazit: Die Stadt der Zukunft hängt vor allem von ihren Bewohnern ab

Ob Vancouver oder die Woven City, ob Kopenhagen oder Knittlingen – unser kleiner Streifzug durch die Städte der Zukunft konnte nur ein Streiflicht auf die aktuellen Entwicklungen werfen. Obwohl die Städte global mit denselben Herausforderungen zu kämpfen haben, fallen die lokalen Lösungen sehr unterschiedlich aus. Denn auch wenn Stadtentwicklung und -planung als kommunale Aufgabe nicht zu überschätzen ist: Eine lebendige Stadt lebt auch vom Engagement ihrer Bewohner.

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