Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen, denen sich Mitarbeitende heute gegenübersehen? Und wie unterstützt der Betriebsrat sie dabei?
Ursula: Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht die sich ständig verändernde Arbeitswelt. Digitalisierung, neue Aufgaben, neue Anforderungen, vieles davon passiert sehr schnell und kann verunsichern. Manche fragen sich: „Kann ich das überhaupt? Gibt es meinen Job morgen noch?“ Weil unser Gremium aus Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen besteht, bekommen wir viel mit. Ich frage Kolleg*innen oft direkt, wie es ihnen geht oder wie hoch ihre Belastung ist. Als Gremium suchen wir gemeinsam nach Lösungen, sprechen Themen bei Führungskräften an und weisen auf Probleme hin. Es gibt nicht den einen richtigen Weg — jeder Fall ist anders.
Was hat dich dazu bewegt, Teil des Betriebsrats zu werden? Was motiviert dich an deiner Rolle hier besonders?
Ursula: Mir liegen Fairness und Gerechtigkeit sehr am Herzen. Viele Menschen trauen sich nicht, Dinge offen anzusprechen oder für sich einzustehen und genau da möchte ich unterstützen. Es motiviert mich, Missstände aufzudecken, für Kolleg*innen einzutreten und Dinge aktiv zum Besseren zu verändern.
Welche Aufgaben übernimmst du als Betriebsrätin bei der EnBW?
Ursula: Ich bin ordentliches Mitglied im Gremium, arbeite in verschiedenen Arbeitskreisen mit und vertrete die Anliegen der Kolleg*innen. Ich unterstütze bei unterschiedlichen Themen, und mein Wissen aus dem Betriebsrat hilft mir oft auch in meinem „normalen“ Arbeitsalltag weiter.
Wie bist du zur EnBW gekommen?
Ursula: Ich bin über meine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Industriekauffrau zur EnBW gekommen, am Ende wurde ich dann als Bürogehilfin eingestellt und habe so meinen Einstieg gefunden.
Welche Position hast du aktuell, und wie sah dein bisheriger Karriereweg innerhalb der EnBW aus?
Ursula: Heute arbeite ich als Referentin Personal. Auf dem Weg dorthin habe ich zwei zweijährige Weiterbildungen auf der Abendschule gemacht, zur Industriefachwirtin und zur Personalfachkauffrau, und zusätzlich den AdA-Schein erworben. Vom Start als Stenokontoristin bis zu meiner jetzigen Position habe ich mich Schritt für Schritt weiterentwickelt.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus? Was sind die Hauptaufgaben deiner Position?
Ursula: Ein großer Teil meiner Arbeit dreht sich um das Onboarding neuer Kolleg*innen. Ich erstelle und betreue die Welcome Packages für Fach- und Führungskräfte sowie für studentische Mitarbeitende, werte monatlich die Eintritte aus und kümmere mich um die Nachbearbeitung. Ich organisiere außerdem unseren Welcome Day für Fach- und Führungskräfte. Von der Konzeption über die Durchführung bis hin zur Weiterentwicklung auf Basis des Feedbacks. Ein wichtiges Projekt ist „Onboarding Führungskräfte“, das ich ebenfalls konzipiere, begleite und weiterentwickle. Ich strukturiere hier die Projekttreffen, moderiere sie und arbeite aktiv mit. Dazu arbeite ich daran, das Onboarding im Intranet übersichtlicher und hilfreicher zu gestalten und bereite den Prozess für die künftige Abbildung in Workday vor. Gemeinsam mit Tim Bahnmaier betreue ich außerdem das Study Energy Program, entwickle neue Module und Veranstaltungen und arbeite am Gesamtkonzept weiter.
Welche konkreten Maßnahmen oder Projekte gibt es, um die Mitarbeitenden bei der EnBW zu unterstützen und gleichzeitig die Balance zwischen den Bedürfnissen des Unternehmens und der Mitarbeitenden zu finden?
Ursula: Die EnBW bietet viel: den AMD, gute Kantinen, zahlreiche Angebote über Emma, Entgeltumwandlung, ergonomische Möbel, IT-Equipment, BestWork, einen Sportraum in Karlsruhe, Kinderbetreuung in der EnBW-City und Vertrauensarbeitszeit. Das alles unterstützt uns und zeigt, dass die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst genommen werden.
Welche Themen stehen aktuell besonders im Fokus des Betriebsrats?
Ursula: Aktuell bewegt viele Teams die hohe Arbeitsbelastung, die unter anderem durch EnABLE HR entstanden ist. Auch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 36 auf 38 Stunden beschäftigt viele Kolleg*innen – wir schauen, was das konkret bedeutet und welche Lösungen es gibt. Es gibt außerdem einen stärkeren Fokus auf MAK-Themen, Budgets und Nachbesetzungen. Das Thema Altersteilzeit steht ebenfalls im Raum, da hier mögliche Änderungen anstehen. Und natürlich ist die Digitalisierung ein großes Zukunftsthema. Zusätzlich laufen die Vorbereitungen für die kommenden Betriebsrats- und Aufsichtsratswahlen.
Wie arbeitest du mit den verschiedenen Abteilungen und Führungskräften zusammen, um die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu adressieren?
Ursula: Bei vielen personalwirtschaftlichen Themen wenden sich Führungskräfte direkt an die Vorsitzende unseres BR-Gremiums, die die Anliegen in die Sitzungen mitbringt. Je nach Thema laden wir Führungskräfte auch zu uns ein, damit sie Inhalte vorstellen und wir Fragen klären können. So bleiben wir gut im Austausch.
Wie siehst du die Rolle des Betriebsrats in der Zukunft? Welche neuen Anforderungen und Chancen kommen deiner Meinung nach auf uns zu?
Ursula: Ich bin sicher, dass der Betriebsrat auch künftig eine wichtige Rolle spielen wird. Gleichzeitig merken wir, dass es schwieriger wird, junge Kolleg*innen dafür zu begeistern, weil vieles, wofür früher hart gearbeitet wurde, heute selbstverständlich ist. Die Anforderungen werden sich verändern, und es wird neue Fähigkeiten brauchen.
Aber mit Veränderung kommen auch Chancen. Die EnBW ist gut aufgestellt, aber wir müssen gemeinsam dranbleiben und uns weiterentwickeln.
Wie beeinflusst deine Rolle im Betriebsrat deine Arbeit im Aktivierungsteam? Gibt es Überschneidungen oder Synergien zwischen beiden Tätigkeiten?
Ursula: Ich trenne beide Rollen bewusst, und das funktioniert gut. Gleichzeitig hilft mir das BR-Wissen manchmal enorm, zum Beispiel, weil ich weiß, welche Arbeitskreise existieren oder wen man gut einbinden sollte. Auch meine Erfahrung aus der Entgeltabrechnung unterstützt mich häufig. Umgekehrt kann ich im Gremium Themen aus meinem Arbeitsbereich erklären, wenn sie dort relevant sind.
Gibt es einen Moment oder ein Projekt, auf das du besonders stolz bist?
Ursula: Besonders stolz bin ich auf meine Arbeit im Konzernprojekt BestWork, in dem ich Teil des Projektteams war und als BestWork Coach unterstützen durfte. Auch das Projekt „Onboarding für Führungskräfte“ liegt mir am Herzen, gemeinsam mit den Businesspartner*innen haben wir ein Konzept erarbeitet, und Ende Januar startet der Pilot. An beiden Projekten bin ich persönlich gewachsen, auch wenn nicht immer alles reibungslos lief.
Welche Tipps oder Ratschläge hast du für Mitarbeitende, die mehr über ihre Rechte und die Unterstützungsmöglichkeiten durch den Betriebsrat erfahren möchten?
Ursula: Viele wissen gar nicht, welcher Betriebsrat für sie zuständig ist, das lässt sich im Intranet unter „Persönliches > Mitarbeiterinnen > mein BR“ leicht herausfinden.
Ich empfehle auch, an Betriebsversammlungen teilzunehmen, denn dort erfährt man viel darüber, was das Gremium aktuell beschäftigt. Und bei individuellen Fragen lohnt sich immer der direkte Kontakt zu demder eigenen Betriebsrät*in — im persönlichen Gespräch lässt sich vieles klären.
Zum Abschluss: Wenn du dich zurück erinnerst an deine bisherige Tätigkeit als Betriebsrätin, gibt es einen Moment, eine Initiative oder ein Projekt, auf das du persönlich besonders stolz bist?
Ursula: Ja, besonders stolz machen mich die Momente, in denen Kolleg*innen mit sehr persönlichen oder vertraulichen Themen auf mich zukommen und meinen Rat oder meine Einschätzung suchen. Das zeigt mir, dass sie mir vertrauen, und das bedeutet mir viel.