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Herr Münch, was macht ein Forschungsleiter bei der EnBW?

Münch: Unser Ziel ist es, mit Forschungsprojekten neues Know-how und Fähigkeiten für die EnBW aufzubauen. Das machen wir mit Pilotvorhaben, die dann von den Fachbereichen umgesetzt werden. Im Rahmen von Forschungsprojekten hat die EnBW die Möglichkeit zu zeigen, dass wir Technologien, die heute noch nicht wirtschaftlich sind, aber langfristig wirtschaftlich sein sollten, heute schon beherrschen können. Die Schwerpunkte unserer Forschung orientieren sich an den strategischen Zielen des Konzerns und liegen aktuell bei den Erneuerbaren Energien, Wasserstoff und Smarter Infrastruktur.

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Wie kommt die EnBW an neue Forschungsprojekte? Oder kommen sie zu uns?

Münch: Beides. Wir haben viele Kontakte in die Forschungslandschaft, zu Instituten und zum Teil auch zu Technologiefirmen, die uns mit neuen Ideen und Vorhaben ansprechen. Wir sortieren dann aus, was uns interessant erscheint und geben diese Projekte dann mit der Bitte um Prüfung an den jeweiligen Fachbereich weiter. Genauso kommen die operativen Einheiten, wie beispielsweise im Falle der schwimmenden Offshore-Windenergie-Anlage Nezzy², aber auch auf uns zu, wenn sie ein interessantes Projekt entdeckt haben und bitten um eine Einschätzung oder Geld. (lacht)

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Wie entscheiden sie an welchen Projekten eine Beteiligung lohnend ist?

Münch: Unsere Forschungsrichtung entspricht ziemlich genau dem, was sich die Fachbereiche strategisch vorgenommen haben. Welche Projekte dann konkret umgesetzt werden, entscheiden wir (der Forschungsbereich) gemeinsam mit dem Fachbereich. Hin und wieder holen wir aber auch externe Expertisen zu einem Vorhaben ein und lassen sie von Forschungsinstituten durch Studien prüfen. Das ist dann ein parallellaufender Prozess: die Experten im Fachbereich prüfen das Projekt und klären ab, ob sie die nötigen Personalkapazitäten haben und wir im Forschungsbereich kümmern uns um die finanziellen Ressourcen. Schließlich lege ich den abgestimmten Projektvorschlag auch dem Technikvorstand oder ggf. dem Gesamtvorstand vor. Wenn dann von allen Seiten grünes Licht kommt, wird das Projekt begonnen und umgesetzt.

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Wie läuft eine Zusammenarbeit mit Partnern im Regelfall ab? Wer macht was?

Münch: Das ist sehr individuell von Projekt zu Projekt. Wenn wir beispielsweise, wie beim Höhenwind mit einem Technologieentwickler zusammenarbeiten, ist klar abgesteckt, dass die Funktionsweise der Technologie dessen Terrain ist und wir eher den betriebsnahen Bereich abdecken und dafür sorgen, dass die Anlage sicher laufen kann...also alles was beispielsweise mit Genehmigungen etc. zu tun hat unsere Rolle ist. Wenn wir in größeren Verbundvorhaben mit Wettbewerbern zusammenarbeiten, ist das natürlich ein bisschen anders. Da gibt es dann Überschneidungen, die vorab austariert werden müssen, aber das ist in der Regel auch kein großes Thema, da dann meist auch öffentliche Fördermittel mit im Spiel sind.

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Wie ist ihr Team organisiert? Müssen sie nicht sehr viele unterschiedliche Kompetenzen bündeln und ein diverses Expertenteam aufstellen?

Münch: Doch. (lacht) und das sind wir auch. Von Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemiker, Physiker, Mathematiker ist alles da. Prinzipiell muss man aber sagen, dass hier in der Forschung eher Generalisten unterwegs sind. Die Fachbereiche haben zusätzlich noch ihre spezialisierten Experten in den einzelnen Themen und denen machen wir natürlich nichts vor. Aber zumindest im Prinzip haben wir die ganzen Fachexpertisen im Team gebündelt – das ist auf jeden Fall eine Stärke hier im Bereich. Wir sind aber nicht nur fachlich breit aufgestellt: wir haben einen sehr internationalen Hintergrund. Insgesamt haben wir sechs Nationen im Team und konnten unsere neusten Mitarbeiter bspw. aus der Türkei und vom Imperial College in London abwerben. Außerdem sind gut ein Drittel in unserem Bereich Frauen.

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In der Wissenschaft gilt ein gescheitertes Experiment auch als bereichernder Erkenntnisgewinn. Wie sieht das in einem marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen aus? Dürfen sie scheitern?

Münch: Ja klar, sonst wäre es keine Forschung. Wenn jedes Forschungsprojekt erfolgreich wäre, würden es die operativen Bereiche ja schon direkt umsetzen und nicht erst als Forschungsprojekt anlegen. Das Prinzip hinter einem Forschungsprojekt ist, dass die Projekte in der Regel auf zwei bis drei Jahre angelegt sind und dann evaluiert wird. Dadurch wird auch ein wirtschaftlicher Mehrwert sichergestellt: Angenommen sie kaufen eine Anlage mit einer Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren und stellen nach zwei Jahren fest, dass sie doch nicht so toll ist, dann haben sie sehr viel Geld verloren. Insofern ist der Forschungsbereich auch aus rein wirtschaftlichem Sinne für das Unternehmen wertvoll.

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