Liebe Leserinnen und Leser,
das Geschäftsjahr 2025 war von vielen Herausforderungen geprägt: einer hohen geopolitischen Dynamik, unsicheren energiepolitischen Rahmenbedingungen, Kostensteigerungen für Komponenten und Dienstleistungen sowie unvorteilhaften Wetterbedingungen für die Stromerzeugung.
Dennoch haben wir das Geschäftsjahr erfolgreich abschließen können. Mit einem Adjusted EBITDA von 5,1 Mrd. € haben wir das Ergebnis erreicht, das wir uns vorgenommen hatten. Ein Ergebnis, das einmal mehr die Stärke unserer integrierten Aufstellung entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette belegt: Unsere Geschäftsaktivitäten reichen von der Erzeugung und dem Handel über die Netze bis zum Vertrieb. Dieses diversifizierte Portfolio macht uns robust und sichert solide operative Ergebnisse.
Wegen dieser guten Ergebnisse können wir Rekordsummen in den Umbau des Energiesystems investieren. Fast 8 Mrd. € waren es allein 2025 – so viel wie noch nie und immer mit dem Fokus auf Wertorientierung und unternehmerischen Erfolg. Dass dabei Rückschläge nicht ausbleiben, hat 2025 ebenfalls gezeigt. Dazu zählt der Ausstieg aus unseren Offshore-Projekten in der Irischen See, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr wirtschaftlich darstellbar waren. Diese Fokussierung auf die Wirtschaftlichkeit unserer Zielinvestitionen werden wir auch in der Zukunft beibehalten. Und wir werden weiterhin unser Portfolio im Hinblick auf Profitabilität überprüfen und Desinvestitionen oder Kooperationen initiieren. Dies gilt aktuell für unsere sanierte Speichertochter SENEC und auch für unser sehr erfolgreiches, aber für die EnBW nicht im Fokus stehendes Contractinggeschäft.
Ein wichtiger Meilenstein für unser ambitioniertes Investitionsprogramm war 2025 die Kapitalerhöhung in Höhe von 3,1 Mrd. €, die wir erfolgreich abgeschlossen haben. Sie zeugt vom großen Vertrauen unserer Anteilseigner in die klare Zukunftsstrategie und das langfristige Wachstumspotenzial unseres Unternehmens. Sie ist für uns aber auch Motivation und Verpflichtung zugleich, uns intern noch effizienter aufzustellen. Dies bedeutet, Prozesse weiter zu straffen, Kosten einzusparen und unseren Wachstumskurs mit der bestehenden Mannschaftsstärke – also bewusst ohne weiteren Personalaufbau – umzusetzen.
Bis 2030 wollen wir bis zu 50 Mrd. € investieren – in alle unsere Segmente, auf die ich nun einzeln eingehen möchte. Knapp 60 % unserer Investitionen sind im vergangenen Jahr in die systemkritische Infrastruktur geflossen – konkret in den Netzausbau, und zwar auf allen Spannungsebenen. Im Hochspannungsbereich sind das vor allem unsere beiden HGÜ-Projekte: SuedLink ist nun in allen sechs beteiligten Bundesländern im Bau. Bei ULTRANET haben wir 41,6 km von insgesamt 42 km der Freileitungstrasse gebaut und auch die Konverterstation ist schon in Betrieb; die Leitung soll Ende des laufenden Jahres in Betrieb gehen. Bei den Verteilnetzen investieren wir in die Digitalisierung, etwa mit der automatisierten Anschlussprüfung, dank der Kundinnen und Kunden nun innerhalb eines Tages erfahren, ob sich ihre PV-Anlage ans Verteilnetz anbinden lässt. Wie stark wir in Baden-Württemberg verankert sind, zeigt nicht zuletzt das Vertrauen, das uns die Kommunen schenken: 245 von ihnen sind Partner unseres Beteiligungsmodells „EnBW vernetzt“ und Stand Februar 2026 hält allein unsere Tochter Netze BW 781 Konzessionen im Land – und hat in den letzten 321 Verfahren keine einzige verloren.
Im Segment Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur können wir bei den erneuerbaren Energien einen Rekord feiern: Niemals zuvor hatte die EnBW mehr Windanlagen – sowohl Onshore wie Offshore – und Solarpaneele installiert. Erneuerbare Energien machen nun 65,6 % unserer Erzeugungskapazität aus. Mit der vollständigen Inbetriebnahme des Offshore-Windparks EnBW He Dreiht voraussichtlich im Sommer 2026 werden wir unsere Erzeugungskapazität nochmals deutlich steigern – und das wirtschaftlich erfolgreich, denn wir haben einen Großteil der neuen Kapazität über langfristige, bilaterale Stromlieferverträge (sogenannte PPAs) bereits vermarktet. An Land legen wir als integriertes Unternehmen einen speziellen Fokus auf die Systemdienlichkeit unserer Projekte. So statten wir unsere Solarparks standardmäßig mit Batteriespeichern aus oder nutzen für Batteriespeicherprojekte die vorhandene Netzanbindung alter Kraftwerksstandorte, etwa in Philippsburg.
Bezahlbarkeit ist neben Versorgungssicherheit und Klimaschutz essenziell, wenn wir den Umbau der deutschen Energieversorgung zum Erfolg führen wollen.Parallel dazu investieren wir in wasserstofffähige neue Gaskraftwerke, die die sogenannte disponible Leistung erbringen können – Leistung, die immer verfügbar ist, auch wenn die Erneuerbaren keinen Strom liefern. In Stuttgart-Münster ging im vergangenen Jahr unser erster Block dieser Art in Betrieb, zwei weitere sind im Bau, und mit RDK 9 in Karlsruhe befinden wir uns bereits im Genehmigungsverfahren. Ebenso aktiv befassen wir uns mit der Beschaffung von grünem Wasserstoff. Hier sind wir insbesondere im außereuropäischen Ausland unterwegs, um die besten Preiskonditionen für den Verbrauch in Deutschland zu sichern.
Schließlich der Vertrieb: Mit der größten angekündigten Energiekostensenkung der letzten Jahre können wir in Zeiten flächendeckend steigender Lebenshaltungskosten mit Beginn des Jahres 2026 Millionen Kundinnen und Kunden entlasten. Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt nun bis zu 12 % weniger für Strom als noch 2025. Darüber hinaus ermöglichen wir unseren Kundinnen und Kunden durch das cloudbasierte Heim-Energie-Management-System EnBW Mavi, ihren Energieverbrauch effizient zu steuern und zugleich mit flexiblen Tarifen die Preisschwankungen an den Strombörsen für sich zu nutzen. Bei der E-Mobilität nehmen immer mehr Kundinnen und Kunden unser erweitertes Angebot an: Über drei Millionen Userinnen und User nutzen aktuell unsere EnBW mobility+ App und wir haben mittlerweile über 8.000 Schnellladepunkte installiert.
Bezahlbarkeit ist neben Versorgungssicherheit und Klimaschutz essenziell, wenn wir den Umbau der deutschen Energieversorgung zum Erfolg führen wollen. Deshalb haben wir 2025 mit der von uns in Auftrag gegebenen Systemkostenstudie das Sparpotenzial im Gesamtsystem dargelegt: rund 300 Mrd. € Systemkosten durch Effizienzen im Stromsektor und bis zu 700 Mrd. €, wenn das System zusätzlich noch bedarfsgerecht dimensioniert wird.
Im neuen Geschäftsjahr werden wir den Kurs, den wir eingeschlagen haben, fortführen. Wir werden weiter investieren, mit Fokus auf Rendite, Wirtschaftlichkeit und in die Bereiche, die uns unternehmerisch weiterbringen. Und wir werden uns weiterhin in den energiepolitischen Diskurs einbringen: Sei es beim bereits angesprochenen Ausbau von disponibler Leistung, bei wirtschaftlich vertretbaren Netzrenditen, der Novelle des EEG oder den künftigen Förderbedingungen für den Offshore-Ausbau. Denn kein anderes großes deutsches Energieunternehmen kann wie die EnBW dank ihrer integrierten Aufstellung eine gesamthafte und objektive Expertise aufweisen. Wir haben unser Ziel – bezahlbare, sichere und klimafreundliche Energie – fest im Blick und wollen auf dem Weg dorthin auch als Unternehmen profitieren.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Georg Stamatelopoulos
Chief Executive Officer