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Herr Kapp, nicht nur über Baden lacht die Sonne. Auch Stuttgart ist bekannt für sein besonderes Klima…

Kapp: Ja, hier herrscht generell ein mildes Klima. Dazu kommt, dass Städte mit ihrer Baumasse die Sonnenenergie speichern und die Stadt Stuttgart mit ihrer Lage im Talkessel schlecht durchlüftet ist. In Hamburg liegt die mittlere Windgeschwindigkeit bei 5 bis 6 Metern pro Sekunde, in Stuttgart bei lediglich 1,5. Das führt vor allem in der Innenstadt zu einer hohen Wärmebelastung der Menschen. Bis 2060 wird aufgrund des Klimawandels eine Verdopplung der sogenannten Wärmebelastungstage vorausgesagt, also von Tagen mit mehr als 32 Grad Celsius gefühlter Temperatur und auch entsprechend warmen, teils tropischen Nächten mit über 20 Grad.

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Beispiel für eine Beschattung durch Bäume in der Stuttgarter Innenstadt

Was kann man tun, um die Belastung der Menschen auf ein Minimum zu reduzieren?

Kapp: Wir müssen die noch vorhandenen Kaltluftströme aus umliegenden Freiflächen aufrechterhalten und für Kühlungszwecke nutzen. Eine hohe, stark variierende Rauigkeit, also ein Auf und Ab von unterschiedlich hohen Gebäuden, ist für die Luftströme eher nachteilig. Wichtig sind kühle Oberflächen, die sich tagsüber nicht zu sehr aufwärmen. Eine große Rolle spielt die Beschattung, entweder technisch oder insbesondere auch durch Bäume. Auch Verdunstungskälte sollte genutzt werden. Mit einer guten Planung kann es gelingen, dass sich ein Stadtquartier nicht zu sehr aufheizt.

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Beispiel für eine Dachbegrünung in der Stuttgarter Innenstadt

Was ist mit „kühlen Oberflächen“ gemeint?

Kapp: Aus südlichen Ländern kennen wir die weiß getünchten Häuser. Die Farbe Weiß reflektiert die Sonnenstrahlung, so dass Oberflächen und Gebäude sich nicht so sehr aufheizen. Es macht einen großen Unterschied aus, ob für Flächen ein heller Pflasterbelag oder schwarzer Asphalt verwendet wird.
Kühle Oberflächen kann man auch mit einer Dach- und Fassadenbegrünung herstellen.

Pflanzenoberflächen bleiben kühler, außerdem wird hier neben der Beschattung die schon genannte Verdunstungskälte genutzt. Wenn die Feuchtigkeit in den Pflanzen verdunstet, wird der Umgebung Wärme entzogen. Auch wenn Wasser im Boden versickern und langsam wieder verdunsten kann, kühlt dies die Umgebung.

Rainer Kapp ist Klimatologe bei der Stadt Stuttgart. Er war zu Gast beim ersten Stadtgespräch zum neuen Stöckach.

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Das sagt Hannes Hörr

Landschaftsarchitekt/ tong+, Gewinner des Realisierungswettbewerbs
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„Der Erhalt von Kaltluftströmen ist bei Projekten in Stuttgart immer ein großes Thema. Dass sich eine starke Rauigkeit in der Stadtlandschaft klimatologisch negativ auswirken kann, leuchtet ein. Der Bedarf an städtebaulicher Dichte führt jedoch dazu, dass man um punktuell höhere Gebäude nicht herumkommt. Auch insbesondere aus gestalterischer Sicht ist ein abwechslungsreiches Wechselspiel von höheren und niedrigeren Gebäuden essentiell, um spannende Akzente zu setzen und angenehme Räume zu schaffen. Wegen der sehr gegensätzlichen Anforderungen ist bezüglich Klimatologie, Dichte und Gestaltung ein ganz besonders sorgfältig und gut ausbalancierter Kompromiss zu finden.

Bei der kleinmaßstäblichen Planung von Gebäuden und Freiräumen gibt es jedoch deutlich weniger Argumente gegen eine klimafreundliche Gestaltung. Zahlreiche Baumpflanzungen, umfangreiche Fassaden- und Dachbegrünung, große Grün- und Wasserflächen, versickerungsfähige Beläge sowie helle Farbgebung tragen einfach, aber sehr wirkungsvoll und ganz direkt über Verdunstungskühlung, Beschattung und Reflektion zur Reduzierung der Wärmebelastung in der Stadt bei.

Im neuen Stöckach wollen wir übrigens noch wesentlich mehr Bäume und Grünflächen ermöglichen als in unserem Wettbewerbsentwurf bisher dargestellt.“

Hannes Hörr ist Landschaftsarchitekt und gemeinsam mit seinen Kollegen vom Planer-Netzwerk tong+ für den Siegerentwurf des städtebaulichen Planungswettbewerbes zum neuen Stöckach-Areal verantwortlich.

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