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Keine Energiewende ohne Wärmewende

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Endenergieverbrauch der deutschen Privathaushalte im Bereich Wohnen; Quelle: Statistisches Bundesamt, Werte von 2021

2023 hat klimaneutral erzeugter Strom erstmals mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs in der Bundesrepublik abgedeckt. Laut Angaben des Umweltbundesamts nahm die Strommenge aus erneuerbaren Quellen gegenüber dem Vorjahr um etwa fünf Prozent zu. Auch wenn die Zahlen vielversprechend sind, bleiben die Herausforderungen hinsichtlich des Klimawandels groß. „Noch ist die Energiewende hierzulande vor allem eine Stromwende“, sagt Marc Jüdes, Leiter des Bereichs Fernwärme, Nahwärme und Umweltdienstleistungen bei der EnBW. In Deutschland entfallen etwa 60 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf die Wärme- und Kälteerzeugung, wobei hauptsächlich fossile Brennstoffe genutzt werden. Bei Privathaushalten liegt dieser Anteil sogar deutlich darüber.

Fossile Energieträger ersetzen

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Doch auch im deutschen Wärmesektor rücken grüne Technologien stärker in den Fokus. Mit dem seit 2024 geltenden Gebäudeenergiegesetz will die Bundesregierung die Energiewende im Gebäudebereich voranbringen: Die Bestimmung sieht unter anderem vor, dass neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.

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Ein weiterer Meilenstein für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist das im November 2023 verabschiedete Wärmeplanungsgesetz, das sich an Städte und Kommunen richtet. Es bietet die rechtlichen Grundlagen für die verbindliche Einführung einer flächendeckenden Wärmeplanung und gibt erstmals vor, welche Anteile erneuerbarer Energien oder unvermeidbarer Abwärme in Wärmenetzen zukünftig erreicht werden sollen.

Grüne Wärme in den eigenen vier Wänden?

Mehr Infos über klimaneutrales Heizen finden Sie in unserem Kundenblog.

Wie Wärme grün wird

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Bei der Stromerzeugung stehen die wichtigsten Maßnahmen fest, die uns hierzulande weg von fossilen Energieträgern führen: Dazu zählen vor allem der Bau von Windkraftanlagen und Solarparks sowie die Schaffung von Batteriespeichern. Für die Wärmeerzeugung im großen Stil hingegen gibt es viele verschiedene Lösungen, die oft von regionalen Begebenheiten abhängen. In geologisch günstigen Lagen bieten sich beispielsweise Geothermie-Heizwerke an, in sonnenreichen Gegenden mit einer hohen Flächenverfügbarkeit kann Solarthermie einen Beitrag leisten und in Gewässernähe die Nutzung der Flusswärme. Auch das Thema Abwärmenutzung und Speicherung wird in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen.

Fernwärme: Erzeugung im großen Stil

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Energieunternehmen wie die EnBW setzen in Ballungsräumen stark auf die Wärmeversorgung mit Nah- und Fernwärmeversorgungssystemen. Denn klar ist: Für individuelle Heizungslösungen auf der Basis erneuerbarer Energien fehlt in eng besiedelten Gebieten oft der Platz. Darüber hinaus stellt die CO₂-freie Beheizung in Bestandsgebäuden eine technisch größere Herausforderung dar als im Neubau.

Rund 4.100 Fernwärmenetze mit einer Gesamtlänge von mehr als 34.000 Kilometern gibt es laut Fachverband AGFW in Deutschland (Stand 2021). Derzeit wird etwa jeder siebte Haushalt mit Fernwärme beheizt. Das größte Fernwärmenetz der EnBW reicht von Stuttgart über Esslingen bis nach Plochingen: Es versorgt rund 28.500 Wohnungen, 1.400 Firmen und 380 öffentliche Gebäude.

Wie nachhaltig die Wärmeversorgung durch Nah- und Fernwärme ist, hängt stark davon ab, welche Erzeugungstechnologien und Brennstoffe eingesetzt werden. Aktuell stammt die Energie laut dem Fernwärme-Fachverband AGFW zu rund 70 Prozent aus fossilen Energieträgern. Die übrigen 30 Prozent entfallen auf Wärme aus der Verbrennung von Abfall oder Biomasse sowie aus Geothermie und anderen erneuerbaren Quellen.

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Im Experten-Interview „Die Energiewende gelingt nur mit der Wärmewende“

Grüne Wärme für 10.000 Haushalte: Großwärmepumpe in Stuttgart-Münster

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2024 wird die EnBW ein zukunftsweisendes Fernwärme-Projekt in Betrieb nehmen: die Großwärmepumpe in Stuttgart-Münster. Sie gehört zu insgesamt fünf Anlagen in Deutschland, die im Rahmen des Reallabors der Energiewende „Großwärmepumpen in Fernwärmenetzen“ gefördert werden und dieser Großtechnologie zum Durchbruch verhelfen sollen. Mit einer thermischen Leistung von bis zu 24 Megawatt wird die Anlage rund 10.000 Wohnungen mit Wärme versorgen. Sie ist damit die erste dieser Größenordnung in Deutschland. Vergleichbare Anlagen gibt es europaweit bislang nur an wenigen Standorten, etwa in Skandinavien.

10 Prozent mehr grüne Fernwärme

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Die Wärmepumpe nutzt die Abwärme aus dem Kühlwasserablauf des vor Ort ebenfalls von der EnBW betriebenen Restmüllheizkraftwerks. Nach der Erzeugung von Strom und Fernwärme kann nun die aus technischen Gründen unvermeidbare Abwärme durch die Großwärmepumpe genutzt werden und so einen erheblichen Beitrag zur CO₂-Reduzierung im Raum Stuttgart leisten. Gemäß Gebäudeenergiegesetz ist die Fernwärme in Stuttgart bereits heute CO₂-neutral. Der erneuerbare Anteil der Fernwärme steigt durch die Wärmepumpe um etwa 10 Prozentpunkte auf rund 25 Prozent. „Angesichts der erforderlichen Heizleistungen in großen Fernwärmegebieten können Großwärmepumpen derzeit oft noch keine konventionelle Fernwärmeerzeugung ersetzen“, sagt Jüdes. „Aber sie sind ein wichtiger und effizienter Baustein.“

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Weitere Eindrücke vom Bau der Großwärmepumpe im Beitrag des SWR

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