Telefax: Mobil: Telefon: Schließen Bild herunterladen Drucken Teilen
1689857400000 | Pressemitteilung

Schutzmaßnahmen für Amphibien und Reptilien im Stadtwald von Gaggenau

Erfolgreiche Renaturierung von Kleingewässern für den gefährdeten Amphibienbestand
Bild herunterladen
(v.r.n.l.) Projektleiterin Petra Groß (LUBW), Ricardo Plagemann (Projektleiter EnBW), Thomas Pfeifle (Kommunalberater EnBW), Tina Argento (Leiterin kommunale Beziehungen Baden), Oberbürgermeister Michael Pfeiffer, Jochen Müller (Revierförster).

Baden-Württemberg/Gaggenau. Im vergangenen Herbst wurden im Gaggenauer Stadtwald zahlreiche Kleinstgewässer für Gelbbauchunken saniert und neu angelegt sowie eine Heidefläche für Zauneidechsen freigestellt. Am Donnerstagmittag stellte Revierleiter Jochen Müller die Maßnahmen im Bereich Hinterer Hummelberg Oberbürgermeister Michael Pfeiffer sowie Vertretern der EnBW Energie Baden-Württemberg und der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg vor.

20 kleine Tümpel hat Müller im Spätjahr graben lassen, um den Gelbbauchunken neue Lebensräume bieten zu können. Zudem hat er einen Wohlfühl-Sonnenplatz im Wald für Zauneidechsen geschaffen. „Im Wald sind Amphibien einfach gut aufgehoben“, urteilt Jochen Müller, dem auch die kleinen Tiere im Wald schon seit vielen Jahren am Herzen liegen. Erfreut zeigte er sich über die 90prozentige Bezuschussung durch das EnBW-Förderprogramm „Impulse für die Vielfalt“.

Unkenschutz ist eine Daueraufgabe

Gelbbauchunken sind stark gefährdet und Baden-Württemberg hat eine besondere Verantwortung für sie, da die Unken hier ihren Verbreitungsschwerpunkt haben. „Gelbbauchunken sind eine Pionierart, die auf trockenfallende Kleinstgewässer angewiesen sind. Sie benötigen für ihre Eiablage und Entwicklung sonnige kleine Gewässer, die nicht von anderen Arten besiedelt sind. In unserer durch den Menschen strukturierten und dicht besiedelten Landschaft fehlen immer mehr ihre primären Lebensräume: ein Gewässernetz mit wechselnden Wasserständen in Fluss- und Bachauen. Auch ihre Sekundärlebensräume, wie beispielsweise in Steinbrüchen, fallen aus, da sich deren Nutzung verändert“, erläuterte Petra Groß, Projektmitarbeiterin der LUBW.

Seit rund 20 Jahren engagiert sich die Stadt Gaggenau für diese Art und hat im Stadtwald regelmäßig Laichgewässer angelegt. Dabei wurde die Stadt bereits in den Jahren 2013 und 2016 durch das Förderprogramm der EnBW unterstützt. Der Bestand der Gelbbauchunken hat sich seither kontinuierlich entwickelt. Die neuen Kleinstgewässer werden die Population weiter stabilisieren, berichtet Jochen Müller von Populationssteigerungen von fünf auf 80 Unken beispielsweise hinter dem Waldfriedhof.

„Bestehende und verlandete Tümpel wurden ausgeräumt und Bäume in unmittelbarer Gewässernähe entfernt. Zusätzlich wurden Rückegassen befahren. So entstehen Vertiefungen in den Wegen, die das Wasser im Frühling lange genug halten können, um dann wieder auszutrocknen. Die kleinen Unken können sich im Frühling gut entwickeln. Im Sommer trockenen die Kleinstgewässer aus und die Gelbbauchunke hat dann in diesen Kleinstgewässern keine Fressfeinde. Weitere kleine Tümpel wurden entlang von Waldwegen angelegt“, berichtete Revier- und Projektleiter Jochen Müller.

Zauneidechsen lieben ausgiebiges Sonnenbaden auf Steinen oder Totholz

Im Zuge der Projektförderung wurden außerdem auf einer mageren, trockenen Felskuppe junge Kiefern, Douglasien und Buchen entfernt und hierdurch eine besonnte Heidefläche geschaffen. Das Astmaterial wurde zu Totholzhaufen aufgesetzt. So entstand ein Sonnenplatz und ein Jagdrevier für die Zauneidechsen. Ohne die Maßnahmen wäre dieser Standort durch die natürliche Verbuschung für die gefährdete Reptilienart bald weggefallen.

Intakte Lebensräume steigern den Erholungswert von Kommunen

Beeindruckt von den erfolgreichen Maßnahmen zeigte sich auch Oberbürgermeister Michael Pfeiffer. Darüberhinaus sei es wichtig, die Menschen für den Amphibienschutz zu sensibilisieren. Mit dem Umweltchampion für Kinder, Führungen und Projekten mit Einrichtungen könne dies erreicht werden. Oberbürgermeister Pfeiffer dankte der EnBW für die wichtige finanzielle Unterstützung.

Während Petra Groß darauf verwies, „dass der Rückgang der Amphibien und Reptilien dramatisch ist. Trotz umfangreicher Schutzbemühungen stehen 11 von 19 Amphibienarten und 8 von 11 im Land vorkommende Reptilienarten auf der Roten Liste Baden-Württembergs. Das sind jeweils 58 Prozent unserer heimischen Arten. Molche, Kröten, Schlangen und Co. benötigen viele Unterstützer“, so Groß.

140 Projekte wurden mithilfe der Förderung der EnBW bereits realisiert

Seit dem Jahr 2011 unterstützt die EnBW Energie Baden-Württemberg AG mit ihrem Förderprogramm, verschiedene Amphibien- und Reptilienschutzprojekte im Land. Sie hat das Programm gemeinsam mit der LUBW ins Leben gerufen. Es ist bisher das einzige Förderprogramm im Rahmen der Landesinitiative „Aktiv für die Biologische Vielfalt“, das von einem Unternehmen ins Leben gerufene wurde. In den vergangenen 12 Jahren wurden hierdurch 140 Amphibien- und Reptilienschutzprojekte in ganz Baden-Württemberg erfolgreich umgesetzt.

„Das EnBW-Förderprogramm zeigt eindrücklich, wie durch gemeinschaftliches Engagement attraktive Lebensräume geschaffen werden, die einen nachhaltigen Beitrag zum Artenschutz liefern“, erklärt EnBW-Kommunalberater Thomas Pfeifle und ergänzt: „Der große Erfolg der durchgeführten Maßnahmen und Projekte spornt uns an weiterzumachen. Biodiversitätsmaßnahmen sind Teil des Nachhaltigkeitsanspruchs der EnBW.“ Die diesjährig eingereichten Förderanträge wurden im Juni von der Fachjury bewertet. 12 weitere Projekte werden in diesem Jahr unterstützt und umgesetzt. Die Vorbereitungen für die Förderrunde im kommenden Jahr beginnt im Herbst.

Kontakt

Telefax: Mobil: Telefon:
Telefax: Mobil: Telefon:
Video anzeigen
YouTube Video anzeigen?

Bitte beachten Sie die Datenschutzhinweise von YouTube.

Das könnte Sie auch interessieren