Fahrrad zum E-Bike umbauen: Lohnt sich der Aufwand?

Ein E-Bike kaufen kann jeder. Aber wie sieht es eigentlich mit dem DIY-Umbau des eigenen Drahtesels aus? Ist das überhaupt möglich? Und worauf solltest du achten?

Wir geben praktische Tipps, ob sich ein Umbau lohnt und was du dabei beachten solltest.


Das erwartet dich hier

Kann man ein Fahrrad zum E-Bike umbauen?

Im Prinzip: Ja. Aber: Bevor du dein Fahrrad zum E-Bike umbaust, musst du erstmal dein altes Rad genauer anschauen. Denn durch den Umbau bekommt es zusätzliches Gewicht, zudem wirken stärkere Kräfte auf das Zweirad. Drei Faktoren spielen dabei die entscheidenden Rollen:

1. Alter

Je älter das Fahrrad, desto eher könnte eine Ermüdung des Materials auftreten. In der Regel heißt es, dass Fahrräder beim Umbau zum E-Bike nicht älter als fünf Jahre sein sollten. Im Prinzip kann auch ein 20 oder 25 Jahre alter Drahtesel elektrifiziert werden, doch zuvor sollte sich ein Fachmann vor allem den Rahmen genauer ansehen. Materialprobleme kannst du als Laie nur schwer feststellen.

2. Stabilität

Stabilität spielt aber auch dann eine Rolle, wenn dein Fahrrad nicht älter als fünf Jahre ist. E-Bikes müssen nämlich robust sein. Denn zum einen sind sie durch Motor und Akkus schwerer als „normale“ Fahrräder, zum anderen kommen durch den E-Motor zusätzliche Kräfte ins Spiel. Diese Krafteinwirkungen muss dein altes Rad aushalten können, sonst hast du nicht lange Freude am späteren E-Bike. Fahrräder mit dünnen Gabeln und schlanken Rahmen sind daher ebenso wenig für einen Umbau geeignet wie Fahrräder, die alleine vom verwendeten Material den Stabilitätsansprüchen nicht genügen. Im Zweifel kann auch hier ein Fachmann bei der Beurteilung deines Fahrrads helfen.

Der Akku am E-Bike-Rahmen

Der Akku lässt sich elegant am Rahmen verstauen.

3. Bremsanlage

E-Bikes im klassischen Sinne erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h. Die hierzulande gängigen Pedelecs, bei denen der E-Motor als Unterstützung eingesetzt wird, schaffen immerhin noch bis zu 25 km/h mit elektrischer Hilfe. Trittst du dazu noch ordentlich in die Pedale, sind aber natürlich auch höhere Geschwindigkeiten möglich. Diese stellen in Kombination mit dem durch Motor und Akku erhöhten Gewicht aber eine immense Herausforderung für deine Bremsen dar. Dabei sind nicht alle Fahrradbremsen dafür gemacht. Eventuell musst du also auch die Bremsen deines Fahrrads gleich mit erneuern, wenn du es zum E-Bikes umbaust. Auf altmodische Bremsen mit Seilzug solltest du an deinem E-Bike definitiv verzichten. Stattdessen sind hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen die richtige Wahl für dich.

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Unbedingt beachten:

Wenn du dein Fahrrad zum E-Bike umrüstest, erlischt die Herstellergarantie. Schließlich ist dein Fahrrad in der Regel nicht für einen motorbetriebenen Antrieb zugelassen. Außerdem nimmst du ja auch selbst bauliche Veränderungen vor. Dadurch kannst du keine Herstellerfehler mehr geltend machen.

Fahrrad auf E-Bike umrüsten: Welche Komponenten kommen in Frage?

Bevor du dein Fahrrad zum E-Bike umbaust, musst du dir im Fachhandel ein Umrüst-Set besorgen. Dieses besteht aus drei Komponenten: Motor, Akku und Steuerungselektronik.

Motor

Zunächst musst du dich fragen, wie viel elektrifizierten Extra-Schub du benötigst. Mit einem Motor bis 25 km/h rüstest du dein Rad zum Pedelec um – dafür benötigst du keine Betriebserlaubnis, sondern kannst einfach drauflos basteln. Bringt der Motor bis zu 45 km/h, hast du ein echtes E-Bike gebaut – für das du die Betriebserlaubnis und eine Haftpflicht-Police (wie für Mofas) benötigst.

Es gibt drei Möglichkeiten, wie der E-Antrieb befestigt werden kann: integriert in die Radnabe des Vorder- bzw. des Hinterrads (Nabenmotor) oder am Tretlager (Mittelmotor). Bei Rädern mit Federgabel nimmt man in der Regel einen Mittel- oder Hinterradmotor, bei Rädern mit Nabenschaltung einen Vorderrad- oder Mittelmotor.

Steuerungselektronik

Unverzichtbar ist ein Tretsensor, der die Geschwindigkeit misst, mit der du in die Pedale trittst. Dadurch berechnet die Steuerung den Grad der benötigten Unterstützung durch den Motor. Doch Tretsensoren sind häufig ungenau, der Motor wird immer nur zeitverzögert angepasst – er „läuft“ nach. Teurer, aber an dieser Stelle auch besser, sind Drehmoment-Sensoren, die Kraft und Frequenz der Tritte messen.

Dazu kommt noch der Controller. Im Bediengerät laufen die Daten der verschiedenen Sensoren zusammen, über das Display wird der Antrieb ein- und ausgeschaltet. Der Controller verfügt über einen mehrstufigen Schalter (je nach Gerät mal mehr, mal weniger Stufen), mit dem sich der Grad der Motorunterstützung festlegen lässt. Auch eine Akku-Anzeige darf nicht fehlen.

Controller eines E-Bikes

Der Controller ist die Steuerungszentrale des neuen E-Bikes.

Akku

Der Energiespeicher des E-Bikes ist ebenfalls in mehreren Größen erhältlich. Wenn du nur kurze Touren, also zum Beispiel kurze Strecken durch die Stadt, fahren willst, greifst du am besten zum kleinen (und preisgünstigen) Modell. Soll der Antrieb auch für längere Strecken über 40 Kilometer reichen, gibt es auch größere (und damit teurere) Varianten.

Befestigt wird der Akku normalerweise am Rahmen, wegen der Gewichtsverteilung in der Regel am Unterrohr des Fahrradgestells. Bei einem tiefen Einstieg ist das aber nicht möglich, da es das Auf- und Abstieg behindern würde. In diesem Fall kannst du den Akku mit einer Halterung an der Sattelstütze befestigen. Auch spezielle Gepäckträger sind erhältlich.



Selber Fahrrad zum E-Bike umbauen oder umbauen lassen?

Im Prinzip kann jeder sein Rad zum E-Bike umrüsten, der schon einmal einen Reifen gewechselt hat. Die Umrüst-Sets werden mit detaillierten Anleitungen geliefert, häufig stellen die Hersteller auch Video-Tutorials bereit. Im Schnitt rechnet man mit sechs bis acht Stunden Arbeitszeit. In Einzelfällen kann es natürlich auch schneller – oder länger dauern.

Einige Hersteller bieten ihre Sets nur über den Fachhandel an, der dann auch den Umbau übernimmt. Gute Fahrradmechaniker benötigen ebenfalls rund einen Arbeitstag. Dafür werden aber zusätzliche Kosten fällig. Je nach gewünschter Technik und Aufwand des Mechanikers musst du mit Kosten von 1.000 und 2.000 Euro rechnen, wenn du dein Fahrrad zum E-Bike umbauen lassen willst.

Lohnt es sich, das Fahrrad zum E-Bike umzubauen?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Bastler, die Freude am Schrauben haben und ihrem Fahrrad neues Leben einhauchen wollen, werden die Frage bejahen. Zumal du bei der Auswahl der Einzelteile sehr flexibel bist. Preisbewusste sollten einmal durchrechnen, ob sich dann der Umbau finanziell noch lohnt – Einsteigermodelle kosten in aller Regel nämlich genauso viel wie teure Umbau-Sets.

Darüber hinaus solltest du nicht vergessen, dass viele Fahrräder nicht zum Umbau geeignet sind. Der ADFC weist darauf hin, dass viele Räder den zusätzlichen Belastungen durch den E-Antrieb auf Dauer gar nicht gewachsen seien. In diesem Fall bist du auf der sicheren Seite, wenn du dir ein neues E-Bike kaufst. Auch in puncto Style machen die aktuellen Modelle mehr her – etwa die E-Bikes von VanMoof.

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