Volvo ab 2030 nur noch mit Elektroautos

Volvo wandelt sich zum Elektroauto-Hersteller und verabschiedet sich vom Verbrennungsmotor. Dabei ist mit dem SUV XC40 Recharge in diesem Jahr gerade einmal der erste Stromer an den Start gegangen.

Wir stellen die Pläne des schwedischen Autobauers Volvo vor und werfen einen Blick auf das zukünftige Geschäftsmodell.


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2030 zieht Volvo bei Verbrennern den Stecker

Während die deutschen Autobauer sich noch Zeit lassen, was das Ende des Verbrenners betrifft, geht man in Schweden in die Vollen: Ab 2030 will Volvo nur noch Elektroautos verkaufen. Selbst Hybridvarianten wird es dann nicht mehr geben, sondern nur noch komplett batterieelektrische Fahrzeuge. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine Kunden geben wird, die wirklich an einem Benzinmotor festhalten wollen“, sagte Vorstandschef Håkan Samuelsson in der „Zeit“.

Große Worte, die Volvo erst mit konkreten Elektroautos füllen muss. Obwohl bereits seit einigen Jahren Plug-in-Hybride angeboten werden, kann man erst seit Anfang des Jahres überhaupt einen echten Schweden-Stromer kaufen: den Volvo XC40 Recharge. Von außen sieht er aus wie der Verbrenner XC40, unter der Haube stecken aber zwei leistungsstarke Magnetsynchronmotoren mit jeweils 150 kW (204 PS). Ende 2021 soll die Coupé-Version C40 Recharge kommen.

Volvo xc40 Recharge am Laden an einer Ladesäule

Der Volvo XC40 Recharge ist der erste echte Stromer der Schweden.

Doch schon 2025, so der Plan von Volvo, soll die Hälfte der verkauften Autos über einen Elektroantrieb verfügen. Die andere Hälfte stammt von Hybridfahrzeugen, alle ausschließlich mit Benzinmotor. Vom Diesel hat sich Volvo schon 2019 verabschiedet. Alle seitdem neu vorgestellten Modelle kommen ohne Selbstzünder aus, nur für ältere Modelle gibt es noch „Bestandsschutz“. Bis 2040 wollen die Schweden sogar ihre gesamte Wertschöpfungskette vollständig klimaneutral umgestalten.

Ab sofort verkauft Volvo Elektroautos nur online

Zudem stellt Volvo das Geschäftsmodell komplett auf den Online-Verkauf um – und zwar ab sofort. Der neue XC40 Recharge lässt sich nur über die Hersteller-Website kaufen. Die Strategie haben die Schweden bereits bei der Submarke Polestar erfolgreich getestet. Auch hier sind das Hybrid-Coupé Polestar 1 und die Stromer-Limousine Polestar 2 allein über das Internet bestellbar.

Polestar 2

Der Polestar 2 hat unter der Haube ähnliche Technik verbaut wie der XC40 Recharge.

Da die Fahrzeuge weitestgehend vorkonfiguriert sind, punktet Polestar – im Gegensatz zu Tesla – momentan sogar mit sehr schnellen Lieferzeiten von rund drei Wochen. Der Verkauf von Volvos Elektroautos über das Internet trifft indes die Vertragshändler schwer. Für sie hat sich der schwedische Autobauer aber eine neue Rolle ausgedacht. Aus den Autohäusern werden Showrooms, die den Kunden die neuesten Modelle vorführen. Samuelsson betonte, dass die Händler trotz der Umstellung ein entscheidender Teil des Kundenerlebnisses bleiben sollen. Sie übernehmen Beratung und Probefahrten, ebenso bleiben Wartung und Reparatur in der Hand der lokalen Werkstatt.

Polestar Showroom

Wie bei der Submarke Polestar (hier abgebildet) werden auch Volvos Autohäuser in Zukunft zu reinen Showrooms.

Software-Updates mit neuen Funktionen oder verbesserten Eigenschaften werden wiederum – wie bei Tesla – nur noch via Over-The-Air – also per Funk oder WLAN – angeboten. Für ihre Leistungen bekommen die Partner, so Volvo, feste Margen. Preisverhandlungen und Händlerrabatte gehören dann der Geschichte an. Laut Volvo werden Elektroautos in Zukunft nur noch zu Festpreisen verkauft.

Daneben werden die Schweden die Möglichkeit ausweiten, Leasingverträge abzuschließen. Unter dem Stichwort „Auto-Abo“ erfreut sich dieses Modell wachsender Beliebtheit. Wer zum Beispiel den Volvo XC40 Recharge für drei Jahre abonniert, zahlt dann laut Hersteller 699 Euro im Monat. Enthalten sind dann bereits die Kfz-Versicherung, notwendige Wartungsarbeiten sowie die Herstellergarantie während der Vertragslaufzeit.

Volvo baut Kooperation mit Geely aus

„Um erfolgreich zu bleiben, brauchen wir profitables Wachstum. Anstatt in ein schrumpfendes Geschäft zu investieren, investieren wir lieber in die Zukunft – elektrisch und online“, fasst Volvo-Präsident Samuelsson die neue Strategie zusammen. „Wir konzentrieren uns voll und ganz darauf, eine führende Position im schnell wachsenden Premium-Elektroauto-Segment einzunehmen.“

Um das zu erreichen, weitet Volvo die Kooperation mit dem Autobauer Geely aus. Der chinesische Mutterkonzern von Geely hatte 2010 die Schweden übernommen, bislang aber auf eine Fusion der beiden Automarken verzichtet. Das bleibt auch so. Stattdessen arbeiten in Zukunft die beiden Hersteller im Rahmen von Joint Ventures enger zusammen. So wurde zum Beispiel die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren in ein eigenes Unternehmen ausgelagert, damit Volvo sich auf Elektroauto-Plattformen SEA (Sustainable Experience Architecture) und SPA2 (Scalable Product Architecture) konzentrieren kann. Auf der mit Geely gemeinsam entwickelten Plattform CMA (Compact Modular Architecture) basieren bereits der XC40 Recharge und der Polestar 2.

Antriebsstrang des Volvo xc40

Der elektrische Antriebstrang des XC40 Recharge kommt auch bei der Schwestermarke Polestar zum Einsatz.

Bei der Beschaffung von Akkus sowie der Entwicklung von E-Motoren und Konnektivitätslösungen wollen Geely und Volvo ebenfalls mehr kooperieren. Darüber hinaus soll auch bei Geelys neuer Edelmarke Zeekr, mit der der chinesische Autobauer direkt Tesla angreifen will, gemeinsame Technologie verwendet werden.

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Volvo XC40 Recharge: das erste Volvo-Elektroauto

Warum wir uns über die neue e-mobile Ausrichtung des schwedischen Herstellers freuen können, hat Volvo bereits mit dem XC40 Recharge gezeigt. Auf den ersten Blick unterscheidet sich der E-SUS nicht von der Verbrenner-Variante: Einzig der verkleidete Kühlergrill in Wagenfarbe, ein „Recharge“-Schriftzug und ein schwarzer Heckdiffusor sorgen dafür, dass der Kenner die beiden Ausführungen auch ohne Blick auf den Auspuff voneinander unterscheiden kann.

Auch der Innenraum mit seinen serienmäßigen Sportsitzen mit anthrazitfarbenem Nubuk-Nappaleder gleicht der Ausstattung des Verbrenners. Allerdings bietet die E-Ausführung aufgrund der großen Batterien im Unterboden etwas weniger Platz auf den Rückbänken und im Kofferraum. Eng wird es dank des ausgezeichneten Raumkonzeptes trotzdem nicht.

Das Cockpit wird von einem 12 Zoll großen Display dominiert. Im Gegensatz zur Verbrenner-Ausführung kommt hier allerdings zum ersten Mal in einem Volvo das Android Infotainmentsystem zum Einsatz. Dieses wurde zusammen mit Google entwickelt und bietet Zugriff auf Dienste wie Google Maps, Google Assistant oder auch Spotify. Wie praktisch, dass die dafür notwendige Internetverbindung direkt im Lieferumfang enthalten ist.

Um zügig von A nach B zu kommen, hat Volvo seinem SC40 Recharge gleich zwei E-Motoren mit jeweils 150 kW bzw. 204 PS verpasst. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h gelingt in weniger als fünf Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit hat Volvo dabei auf 180 km/h begrenzt. Dank permanentem Allradantrieb kämpft sich der E-SUV auch durch schwierigeres Gelände. Und mit dem 78-kWh-Akku sollen nach Angaben des Herstellers bis zu 418 Kilometer Reichweite (nach WLTP) möglich sein. Last but not least ist die Möglichkeit zu nennen, eine Anhängerkupplung nachrüsten lassen zu können. Mit dieser sollen Lasten von bis zu 1.500 Kilogramm gezogen werden können – damit eignet sich der XC40 Recharge auch für den Campingausflug mit Wohnwagen.

Diese Premium-Ausstattung bedeutet natürlich auch einen Premium-Preis. Den Volvo XC40 Recharge gibt es ab rund 61.000 Euro – die Innovationsprämie kann von dieser Summe allerdings noch abgezogen werden.

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