Während sich immer mehr erschwingliche Elektroautos und E-Bikes in den Innenstädten tummeln und Autofahrer*innen mittlerweile die Qual der Wahl bei den Modellen haben, ist das E-Motorrad-Sortiment überschaubar. Doch genau hier zeichnet sich ein Wandel ab: Hersteller bringen vermehrt neue Modelle auf den Markt und treiben die Entwicklung der Elektro-Zweiräder weiter voran.
E-Motorrad: umweltfreundliche Alternative
E-Motorrad – das bedeutet nachhaltige Freiheit auf zwei Rädern. Als emissionsfreie Alternative zu Verbrennungsmotoren schließt es eine der letzten Lücken der Elektromobilität. Je nach Modell erreichen E-Motorräder Geschwindigkeiten von 200 km/h und mehr sowie Reichweiten von rund 300 Kilometern im Premium-Segment. Die Stärke der elektrischen Maschinen liegt vor allem in ihrer unmittelbaren Leistungsentfaltung und dem hohen Drehmoment.
Das E-Motorrad in Deutschland: Markt, Trends und Förderung
Während der Markt für Elektroautos wächst und sich große Hersteller mit neuen Modellreihen überbieten, bleibt die Begeisterung für E-Motorräder bislang überschaubar: Von den 251.169 Motorrädern, die 2024 in Deutschland zugelassen wurden, waren gerade einmal 5.375 Elektromotorräder. Zum Vergleich: 545.142 neu zugelassene E-Autos gab es 2025 in Deutschland – damit lag der Anteil der E-Autos an den gesamten Neuzulassungen bei den PKW bei 19,1 Prozent.
Doch hier wagen Hersteller wie Harley-Davidson, KTM, Zero Motorcycles oder Energica Motor Company jetzt den Vorstoß und bieten leistungsstarke Modelle für ein umweltverträglicheres Fahrerlebnis.
Welchen Führerschein brauchen Sie?
Auch für E-Motorräder ist ein Führerschein erforderlich. Welche Fahrerlaubnis Sie brauchen, hängt von der jeweiligen Leistungsklasse ab.
Führerscheinklasse |
E-Motorleistung |
|---|---|
A1 (ab 16 Jahren) |
Max. 11 kW*/15 PS (entspricht 125 ccm Hubraum) |
A2 (ab 18 Jahren) |
Max. 35 kW (über 125 ccm** Hubraum möglich) |
A (ab 24 Jahren bei Direkteinstieg, ab 20 Jahren bei Vorbesitz von A2) |
Regulärer Motorradführerschein, keine Leistungsbeschränkung |
*Kilowatt
**Kubikzentimeter
Welches E-Motorrad kann ich mit einem Autoführerschein fahren?
Seit dem 1. Januar 2020 können Sie mit der Führerscheinklasse B (Schlüsselzahl 196) A1-Motorräder fahren. Das gilt nicht nur für herkömmliche Leichtkrafträder, sondern auch für ein E-Motorrad 125 – also E-Motorräder oder E-Roller mit maximal 11 Kilowatt (kW) Nenndauerleistung, die 125 Kubikzentimetern (ccm) Hubraum entsprechen. Eine spezielle Umschulung ist nicht erforderlich. Lediglich ein paar Praxisstunden sind zu absolvieren, um mit dem Führerschein Klasse B auf Elektro-Leichtkrafträder umzusteigen.
Ohne die Erweiterung B196 dürfen hingegen nur E-Roller der Klasse AM gefahren werden, die auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h begrenzt sind.

Für ein E-Motorrad 125 ist kein Motorradführerschein nötig – Führerscheinklasse B196 und ein wenig Übung reichen aus.
Was kosten E-Motorräder?
Die wichtigste Frage: Was kostet ein E-Motorrad mit Straßenzulassung? Das begrenzte E-Motorrad-Sortiment sorgt leider dafür, dass Modelle aus dem Premium-Segment zwischen 20.000 und 30.000 Euro kosten. Damit sind sie oft teurer als herkömmliche Motorräder. Im unteren Preissegment finden sich aber insbesondere unter den Elektrorollern der 125 ccm-Klasse schon Modelle ab 4.000 Euro für alle, die Nachhaltigkeit über Höchstgeschwindigkeit stellen.
Der eigentliche Preisvorteil liegt in den Unterhaltskosten. Langfristig bedeuten E-Motorräder weniger Wartungskosten. Zudem gilt für Elektrofahrzeuge mit Erstzulassung bis zum 31. Dezember 2030 weiterhin eine komplette Kfz-Steuerbefreiung, die noch bis zum 31. Dezember 2035 in Anspruch genommen werden kann. Danach zahlen Sie nur 50 Prozent der Kraftfahrzeugsteuer. Dieser Steuererlass wird übertragen, wenn Sie ein gebrauchtes E-Motorrad kaufen.
Welche Leistung bietet ein Elektro-Motorrad?
Bei Maschinen mit Verbrennungsmotor wird in aller Regel erst auf den Hubraum geschaut, wenn es um das Thema Leistung geht. Das fällt beim E-Motorrad weg. Stattdessen wird direkt von Kilowatt gesprochen. Dabei entspricht 1 kW knapp 1,4 PS. Die beliebten E-Leichtkrafträder, die der 125 ccm–Klasse bei den Verbrennern entsprechen, bringen zum Beispiel eine Nenndauerleistung von 11 kW/15 PS. E-Motorräder im mittleren Leistungssegment bieten etwa 50 kW/68 PS. Leistungsstarke Topmodelle setzen bei 80 kW/109 PS an.
Welche Reichweiten schaffen E-Motorräder?
Was Motorradfans meist abschreckt, ist die im Vergleich geringere Reichweite von E-Motorrädern. Sie liegt im Durchschnitt noch häufig unter der von Benziner-Modellen, hat sich in den letzten Jahren aber deutlich verbessert. E-Motorräder wiegen zwar weniger als E-Autos, bieten aber aufgrund ihrer Konstruktion nur Platz für ein vergleichsweise kleines Batteriepack.
So schaffen City-Modelle mit kleinen Batterien zwischen 70 und 100 Kilometer, Top-Modelle bereits über 300 Kilometer. Voll aufgeladen sind E-Motorräder also fürs Stadtleben, Kurzstrecken oder Kurzausflüge praktisch. Für Überlandtouren sollten Sie jedoch Ladepausen einplanen. Wie lang eine Ladung hält, hängt von Fahrverhalten, Gewicht und Batterietyp ab. Sparsames Fahren ermöglicht bei absoluten Top-Modellen mit entsprechend großen Akkus eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Dabei spielen jedoch auch die Verkehrssituation, das Gelände und die Geschwindigkeit eine Rolle. Bei hohen Geschwindigkeiten – zum Beispiel auf der Autobahn – kann sich diese Reichweite schnell auf 100 bis 150 Kilometer reduzieren. Hersteller begrenzen daher oftmals die Höchstgeschwindigkeit zugunsten der Reichweite.
Wie wird ein E-Motorrad geladen?
Wie bei E-Autos laden Sie Ihr Elektro-Motorrad an privaten oder öffentlichen Ladestationen. E-Leichtkrafträder oder Roller können zudem auch über Haushaltssteckdosen geladen werden. E-Motorräder werden in der Regel mit Typ-2-Stecker an AC-Ladestationen geladen. Zum Teil gibt es auch Modelle mit integrierter Schnellladetechnologie auf Basis des CCS-Standards, was jedoch nicht flächendeckend verbreitet ist. Das erste E-Motorrad mit dieser Technologie war die italienische Maschine Energica EVA, die im Folgenden noch ausführlicher vorgestellt wird. Das Aufladen selbst dauert etwa 45 Minuten mit Schnellladefunktion bzw. an Schnellladestationen oder mit Normalladen bis zu vier Stunden.
Freie Ladestation finden, E-Auto laden und zu transparenten Preisen bezahlen.
Aktuelle E-Motorrad-Modelle
Obwohl das E-Motorrad-Sortiment nicht so vielseitig ist wie bei E-Autos, gibt es einige attraktive, leistungsstarke Modelle – sowohl für Freunde von Höchstgeschwindigkeiten als auch für jene, die praktische E-City-Fahrzeuge suchen.
LiveWire S2 Del Mar
Die LiveWire, eine Tochter von Harley Davidson, produziert Elektromotorräder und hat mit der S2-Baureihe ein aktuelles Modellprogramm im Angebot. Diese umfasst die Varianten Del Mar, Alpinista und Mulholland. Während alle drei Versionen auf demselben Antrieb basieren, unterscheiden sie sich in ihrer konzeptionellen Ausrichtung, etwa beim Lenkkopfwinkel und der Sitzposition.
Die LiveWire S2 Del Mar ist dabei vor allem für die Stadt konzipiert. Ihr Fokus liegt auf Beschleunigung und hoher Agilität.
- Motorisierung: Drehmoment 263 Nm, Dauerleistung 30 kW/40 PS
- Höchstgeschwindigkeit: ca. 165 km/h
- Reichweite: 10,5-kWh-Akku, bis zu 181 km in der Stadt
- Aufladung: Schnellladung von 20 auf 80 € in 78 Minuten, von 0 auf 100 € in 142 Minuten
- Preis: ab ca. 12.290 €

Mit der LiveWire S2 Del Mar erobern Sie den Stadtverkehr problemlos (Bildquelle © LiveWire).
BMW CE 04 Maxi-Scooter
Der BMW CE 04 bietet eine praktische Kombi aus City-Scooter und E-Motorrad.
- Motorisierung: Drehmoment 62 Newtonmeter (Nm), Nenndauerleistung 15 kW/20 PS, 11 kW/15 PS mit optionaler Leistungsreduzierung
- Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
- Reichweite: Akku 8,9/8,5 kWh (Brutto/Netto), etwa 130 km
- Aufladung: Schnellladung von 0 auf 80 % in 65 Minuten
- Preis: ab ca. 12.950 €

Halb City-Scooter, halb E-Motorrad: der CE 04 Maxi-Scooter von BMW (Bild: ©BMW Group (Der Hintergrund des Motivs wurde mittels KI bearbeitet)).
Super Soco CPx (VMOTO)
Der chinesische Pionier der Elektromobilität VMOTO bietet mit seinen Super-Soco-Modellen Alternativen für umweltbewusste Pendler, beispielsweise mit seinem cleveren E-Scooter CPx.
- Motorisierung: Max. kontinuierliche Motorleistung bis zu 4 kW/5,5 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
- Reichweite: 130 km, mit 2 74V45Ah Batterien
- Ladezeit: Schnellladung von 0 auf 80 % in 30 Minuten
- Preis: ab ca. 4.299 €
NIU MQi GT 100
Der vollelektrische Großrad-Scooter der 125er-Klasse ist speziell auf urbanes Pendeln und kurze Überlandstrecken ausgelegt. Rechtlich betrachtet wird der NIU MQi GT 100 wie ein Motorrad behandelt, elektrisch ist er jedoch eher mit einem 125er Roller gleichgestellt. Er gehört zum Mid-Range-Segment und liegt damit zwischen Einsteiger-Modellen und Premium-Scootern. Ausgestattet mit einem herausnehmbaren Lithium-Ionen-Akku, lässt er sich bequem an jeder herkömmlichen Steckdose laden. Insgesamt überzeugt das Modell durch ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Motorisierung: 6500 W NIU V Motor
- Höchstgeschwindigkeit: 110 km/h
- Reichweite: bis zu 100 km
- Ladezeit: 4 Stunden (Einzelakku) bzw. 5 Stunden (Dual-Akku)
- Preis: ab ca. 4.999 €
Zero SR/F
Zero Motorcycles ist ein amerikanischer Pionier unter den E-Motorrad-Herstellern und überzeugt mit dem Power-Modell Zero SR/F.
- Motorisierung: Max. Drehmoment 190 Nm, Dauerleistung 35 kW/47 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
- Reichweite: Akku 15,1 kWh, etwa 188 km kombiniert, bis zu 283 km im Stadtgebiet
- Aufladung: Schnellladung von 20 auf 80 % in 43 Minuten, von 0 auf 95 % in ca. 1,1 Stunden
- Preis: ab ca. 23.000 €

Das Power-Modell SR/F aus dem Hause Zero macht auch in Kurven eine gute Figur (Bild: ©Zero).
Energica Eva Ribelle
Die italienische Firma Energica mischt den E-Motorrad-Markt ordentlich auf. Mit der Eva Ribelle, die mit großem Akku und vielen PS ausgestattet ist, sollen im Stadtverkehr Reichweiten von bis zu 400 Kilometern möglich sein.
- Motorisierung: Drehmoment 215 Nm, Dauerleistung 110 kW/149 PS
- Höchstgeschwindigkeit: Begrenzt auf 200 km/h
- Reichweite: 21,5-kWh-Akku, 400 km in der Stadt, 230 km kombiniert, 180 km Überland
- Aufladung: Schnellladung von 20 auf 80 % in 40 Minuten
- Preis: ab ca. 30.000 €

Für die E-Revolution: Energica Eva Ribelle bietet Höchstgeschwindigkeiten (Bild: ©Energica).
Elektro-Enduro Horwin HT5
Die HT5 ist die erste Elektro-Enduro des chinesischen Herstellers Horwin. Neben einer reinen Geländeversion gibt es die HT5 R (Road) mit Straßenzulassung.
- Motorisierung: Max. Leistung bis zu 8 kW/11 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h
- Reichweite: HT5 Road 150 km, HT5 Offroad etwa 100 km
- Ladezeit: HT5 Road 3 Stunden, HT5 Offroad 2 Stunden
- Preis: ab ca. 4.990 €
Can-Am Origin
Mit Can-Am feiert der Hersteller von BRP (Bombardier Recreational Products) sein Comeback im Motorradsegment und setzt dabei auf Elektromobilität. Die beiden Modelle Pulse und Origin gehen für die Marke an den Start. Die Can-Am Origin ist klar auf den Offroad- und Adventure-Einsatz ausgelegt und richtet sich an Fahrer*innen, die auch abseits befestigter Straßen unterwegs sein möchten. Neben der leistungsstarken Variante ist sie auch in einer Version mit 11 kW/15 PS erhältlich.
- Motorisierung: Akkukapazität 8,9 kWh, max. Drehmoment 72 Nm, Dauerleistung 20 kW/27 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 129 km/h
- Reichweite: etwa 145 km in der Stadt, 115 km kombiniert
- Ladezeit: Schnellladen von 20 auf 80 % in 50 Minuten
- Preis: ab ca. 13.499 €
Fazit: E-Motorräder als nächster Schritt der E-Mobilität
E-Motorräder sind längst mehr als nur ein Nischenprodukt – auch wenn sie aktuell noch im Schatten der E-Autos stehen. Die Technologie entwickelt sich nachweislich weiter: Reichweiten steigen, Ladezeiten sinken und das Modellangebot wächst. Gleichzeitig überzeugen sie durch niedrige Betriebskosten und ein emissionsfreies Fahrerlebnis.
Noch bremsen Faktoren wie der vergleichsweise hohe Anschaffungspreis, die begrenzte Auswahl und fehlende Förderungen die breite Akzeptanz. Doch mit dem Engagement großer Hersteller und zunehmender Nachfrage dürfte sich das schnell ändern.
Für den Stadtverkehr und kürzere Strecken sind E-Motorräder heute schon eine echte Alternative – und perspektivisch auch darüber hinaus. Wenn Sie offen für neue Antriebskonzepte sind, finden Sie hier eine spannende Mischung aus Nachhaltigkeit, Fahrspaß und Zukunftstechnologie.
