Barrierefreies Wohnen: Was beim Umbau von Haus und Wohnung wichtig ist

Mit zunehmendem Alter oder nach einer schweren Krankheit können die gewohnten Wege in den eigenen vier Wänden anstrengender werden. Die Lösung für mehr Komfort und weniger Stolperfallen: ein barrierefreier Umbau. Wir geben einen Überblick zu Maßnahmen, Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten, um möglichst lange selbstständig zu wohnen.

Gerade bei einer Sanierung oder Modernisierung lohnt es sich, Barrierefreiheit früh mitzudenken. Eine gute Planung hilft dabei, den tatsächlichen Bedarf mit den baulichen Möglichkeiten des Hauses sinnvoll zu verbinden und passende Lösungen zu finden. Umso wichtiger ist es auch, schon in einer frühen Phase fachliche Beratung einzubeziehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.



Barrierefreier Umbau beginnt mit dem tatsächlichen Bedarf

Wer ein Haus barrierefrei umbauen möchte, sollte nicht mit einzelnen Maßnahmen beginnen, sondern mit einer Bestandsaufnahme vor Ort. Denn ob ein Umbau wirklich sinnvoll ist, entscheidet sich nicht zuerst an der Frage, ob eine bodengleiche Dusche oder ein Treppenlift eingebaut werden kann. Wichtiger ist zunächst, welche Hürden es im täglichen Leben gibt und welche Anforderungen sich heute oder, genauso wichtig, in einigen Jahren bemerkbar machen könnten.

Rollstuhl fährt in einem Wohnraum durch eine breite Tür

Wer plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen ist, benötigt häufig auch breitere Türen.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer kosmetischen Veränderung und einer wirklich bedarfsgerechten Lösung. Barrierefreies Wohnen bedeutet nicht automatisch, möglichst viele technische Hilfen einzubauen. Es geht vielmehr darum, das Haus so anzupassen, dass Wege kürzer, Räume sicherer und Abläufe einfacher werden. Im Idealfall bietet die Immobilie dann immer noch die Voraussetzungen, dass die Bewohner*innen möglichst lange eigenständig zuhause leben können.

Deshalb lohnt es sich, den Bedarf frühzeitig systematisch zu erfassen. Dabei geht es nicht nur um akute und bestehende Einschränkungen durch zunehmendes Alter, eine Behinderung, eine schwere Krankheit oder eine körperliche Beeinträchtigung nach einem Unfall. Auch absehbare Veränderungen sollten mitgedacht werden.- Etwa nachlassende Beweglichkeit, ein höheres Sturzrisiko oder die Frage, ob bestimmte Räume in Zukunft noch gut erreichbar sein werden.

Hilfreich sind dabei einfache Leitfragen:

  • Wo gibt es heute schon Hindernisse?
  • Welche Wege im Haus werden besonders häufig genutzt?
  • Welche Räume müssen unbedingt ohne große Hürden erreichbar sein?
  • Und an welchen Stellen würde schon eine kleine Anpassung den Alltag spürbar erleichtern?

Erst wenn diese Punkte klar sind, lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Maßnahmen wirklich den größten Nutzen bringen. Anschließend folgt der Blick auf das Gebäude selbst. Denn nicht jedes Haus lässt sich vollständig barrierefrei umbauen. Gerade im Bestand stoßen Eigentümer*innen oft auf typische Probleme: enge Flure, kleine Bäder, schmale Türen, steile Treppen oder Stufen zwischen einzelnen Wohnbereichen. Das heißt aber nicht, dass ein barrierefreier Umbau nur mit großem Aufwand möglich ist. In vielen Fällen lassen sich schon mit gezielten Anpassungen spürbare Verbesserungen erreichen.

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Barrierefreien Umbau & Modernisierung verbinden

Besonders sinnvoll wird barrierefreies Umbauen oft dann, wenn ohnehin eine Sanierung oder Modernisierung ansteht. Denn viele Maßnahmen, die mehr Komfort und Sicherheit im Alltag schaffen, greifen direkt in Bereiche ein, die auch bei anderen Arbeiten am Haus betroffen sind. Wer etwa die Elektrik erneuert, Türen austauscht oder die Raumaufteilung verändert, kann Barrierefreiheit häufig ohne kompletten Zusatzumbau mitdenken. Das reduziert nicht automatisch alle Kosten, schafft aber oft bessere, stimmigere und auch in mehreren Jahren noch tragfähigere Lösungen, als wenn einzelne Maßnahmen erst Jahre später nachträglich umgesetzt werden.

Hauseingang mit einer Stufe und einer Rampe davor, um auch Rollstuhlfahrer*innen den Zugang zu ermöglichen.

Dank spezieller Rampen können Rollstuhlfahrer*innen auch Haustreppen wieder meistern.

Barrierefrei wohnen: Sinnvolle Maßnahmen & Möglichkeiten

Das Ziel in der Umsetzung ist häufig nicht die perfekte Lösung nach Lehrbuch, sondern eine Fokussierung auf Umbauten, die den Alltag konkret erleichtern. Schon kleine Eingriffe können viel bewirken, wenn sie an den richtigen Stellen ansetzen. Besonders sinnvoll sind Maßnahmen dort, wo man Räume täglich nutzt oder bestimmte Wege regelmäßig zurücklegt, also etwa am Hauseingang, im Bad, in Fluren oder zwischen Wohnen, Schlafen und Kochen.

Welche Möglichkeiten grundsätzlich infrage kommen, hängt immer vom Gebäude und vom Bedarf der Bewohner*innen ab. Zur Orientierung können unter anderem diese Maßnahmen sinnvoll sein:

  • stufenloser oder stufenarmer Zugang zum Haus
  • Rampen oder kleine Hebehilfen im Eingangsbereich
  • breitere Türen und schwellenarme Übergänge
  • rutschhemmende Bodenbeläge innen und außen
  • bodengleiche Dusche
  • Haltegriffe und angepasste Sanitärbereiche
  • höhenverstellbare oder unterfahrbare Arbeitsflächen in der Küche
  • Treppenlift oder die Verlagerung wichtiger Räume auf eine Ebene
  • bessere Beleuchtung sowie gut erreichbare Schalter und Bedienelemente
  • automatische Tür-, Rollladen- oder Lichtsteuerungen
  • Verlegung von viel genutzten Räumen wie Schlafzimmer oder Badezimmer aus einem Ober- ins Erdgeschoss
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Das bedeutet "barrierefrei"

Mit „barrierefrei“ sind eigentlich nur Räume und Anlagen gemeint, die für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind. Die Kriterien dafür werden in der DIN 18040-2 festgelegt. Die Norm unterscheidet sogar noch weiter, etwa zwischen „barrierefrei nutzbar“ und dem höheren Standard „uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar“. „Barrierearm“ ist dagegen kein so klar definierter Begriff. Es lässt sich bei barrierearm aber festhalten, dass Barrieren reduziert, aber nicht alle Anforderungen an echte Barrierefreiheit erfüllt wurden.

Haus & Wohnung barrierefrei machen: Kosten und Fördermittel

Der barrierefreie Umbau von Haus oder Wohnung ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Aber wie hoch sind diese eigentlich? Und gibt es womöglich Förderungen oder sonstige Zuschüsse?

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Welche Kosten sind mit dem Umbau zum barrierefreien Wohnen verbunden?

Die Frage, wie teuer ein barrierefreier Umbau am Ende wird, lässt sich bei Bestandsgebäuden nur schwer beantworten. Dafür unterscheiden sich Bausubstanz, Ausgangszustand und Umbauziele zu stark. So kann der Aufwand je nach Maßnahme sehr unterschiedlich ausfallen: Eine schwellenarme Anpassung im Eingangsbereich ist meist vergleichsweise einfach umsetzbar und beginnt oft schon im unteren vierstelligen Bereich. Deutlich aufwendiger ist eine grundlegende Badmodernisierung, für die je nach Umfang oft ab etwa 10.000 bis 15.000 Euro eingeplant werden sollten.

Auch eine Veränderung des Grundrisses, z.B. für breitere Durchgänge zwischen Räumen, zusätzliche Freiflächen zum Rangieren von Rollstühlen, Eliminierung von Stolperfallen etc., ist mit hohen Kosten verbunden. Diese beginnen je nach Eingriff häufig ab etwa 5.000 Euro, bei größeren Umbauten liegen sie oft aber deutlich darüber.

Noch größer wird der Unterschied, wenn zusätzliche Technik verbaut wird. So kostet z.B. ein Treppenlift je nach Ausführung oft zwischen 3.500 bis 10.000 Euro. Für automatische Türantriebe müssen Sie abhängig von Tür, System und Einbausituation oft mit 1.500 bis 4.000 Euro pro Tür rechnen. Elektrisch steuerbare Rollläden verursachen abhängig vom Fenster Kosten von 300 bis 700 Euro pro Element.

Treppenlift in einem Hausflur mit beleuchteter Treppe


Wenn das Treppensteigen zum Problem wird, helfen fest installierte Treppenlifte, um sicher von einer Etage zur nächsten zu gelangen.

Welche Förderungen bietet die KfW für einen barrierefreien Umbau an?

Angesichts der auflaufenden Kosten sollte man auch immer Fördermöglichkeiten frühzeitig berücksichtigen. Der Vorteil: Die staatliche Unterstützung greift häufig nicht nur bei größeren, sondern auch schon bei kleineren Umbauten. Relevant sind dabei beispielsweise zwei KfW-Angebote:

  • Der Investitionszuschuss 455-B „Barrierereduzierung“ übernimmt 10 Prozent der förderfähigen Kosten bei Einzelmaßnahmen und 12,5 Prozent, wenn der Standard „Altersgerechtes Haus“ erreicht wird. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden. Für Einzelmaßnahmen sind dabei bis zu 25.000 Euro förderfähige Kosten pro Wohneinheit anrechenbar, beim Standard „Altersgerechtes Haus“ bis zu 50.000 Euro. Die Mindestinvestition liegt bei 2.000 Euro. Der Zuschuss war zwischenzeitlich eingestellt worden, lässt sich aber seit April 2026 wieder beantragen.
  • Eine Alternative oder Ergänzung kann der Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ sein. Dabei handelt es sich um einen Förderkredit von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit. Er ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden und kann auch dann genutzt werden, wenn bereits umgebauter Wohnraum gekauft wird. Zudem geht es bei dem Kredit nicht nur um den Abbau von Barrieren, zum Beispiel kann auch ein besserer Einbruchschutz gefördert werden.
Barrierefreies Badezimmer mit bodentiefer Dusche

Im Hinblick auf eigenständiges Wohnen ist ein barrierefreies Bad eine der wichtigsten Maßnahmen.

Welche Zuschüsse bietet die Pflegekasse

Neben der KfW ist auch die Pflegekasse eine wichtige Anlaufstelle. Sie unterstützt sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, also Anpassungen in der Wohnung oder im Haus, die dazu beitragen, die häusliche Pflege zu ermöglichen, deutlich zu erleichtern oder eine möglichst selbstständige Lebensführung wiederherzustellen. Typische Beispiele für förderfähige Maßnahmen sind unter anderem Türverbreiterungen, fest installierte Rampen, Treppenlifte oder der pflegegerechte Umbau des Badezimmers. Auch bestimmte fest eingebaute technische Hilfen sowie individuell angepasste Ein- und Umbauten können gefördert werden.

Voraussetzung ist, dass bereits ein Pflegegrad von 1 bis 5 vorliegt und der Zuschuss beantragt wird. Dann kann die Pflegekasse pro Maßnahme bis zu 4.180 Euro bewilligen. Leben mehrere anspruchsberechtigte Personen zusammen, kann sich der Zuschuss auf bis zu viermal 4.180 Euro, also auf maximal 16.720 Euro, erhöhen.

Außerdem wichtig: Die Förderung ist nicht zwingend auf einen einmaligen Umbau beschränkt. So kann später ein Zuschuss unter Umständen erneut beantragt werden, wenn weitere Anpassungen notwendig sind. Zudem gelten für Anträge auf bauliche Anpassungsmaßnahmen gesetzliche Bearbeitungsfristen: In der Regel muss die Pflegekasse innerhalb von drei Wochen entscheiden, bei notwendigem medizinischem Gutachten innerhalb von fünf Wochen.

Wer kann die Anträge auf Förderungen und Zuschüsse stellen?

Abhängig von der Art der Förderung und der persönlichen Situation können barrierefreie Umbaumaßnahmen von verschiedenen Parteien gestellt werden.

Bei der Pflegekasse werden die Anträge in der Regel von den Pflegebedürftigen selbst oder ihren Angehörigen (bei Vorliegen eines Pflegegrads) gestellt. Die KfW-Förderungen können zudem auch Eigentümer*innen von selbstgenutztem Wohneigentum oder Mieter*innen (mit Zustimmung der Vermieter*innen) beantragen.

Fazit: Barrierefrei modernisieren, vorausschauend planen

Barrierefrei zu wohnen bedeutet in der Praxis nur selten, ein Haus (oder eine Wohnung) vollständig umzubauen. Meist geht es darum, sinnvolle und alltagstaugliche Lösungen zu finden, die zu den Bewohner*innen und zum Gebäude passen. Genau deshalb sind eine gute Bestandsaufnahme, klare Prioritäten und eine realistische Planung so wichtig.

Wer Barrierefreiheit früh in eine ohnehin anstehende Sanierung oder Modernisierung integriert, schafft oft mit vertretbarem Aufwand mehr Komfort, Sicherheit und langfristige Nutzbarkeit. Nicht jede Maßnahme muss sofort umgesetzt werden. Aber wer strukturiert vorgeht und das Machbare gut plant, legt die Grundlage dafür, dass man auch noch im höheren Alter oder nach einer Krankheit im eigenen Zuhause selbstständig wohnen kann.

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