Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung in Obrigheim: EnBW im Dialog zu Optionen für Gaskraftwerk
Obrigheim. Wie gelingt der Spagat zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und regionaler Wertschöpfung – und welche Chancen bietet in diesem Zusammenhang ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk? In Obrigheim geht die EnBW diese Fragen frühzeitig und im Dialog mit der Region an. Im Rahmen der Frühen Öffentlichkeitsbeteiligung (FÖB) hatte die EnBW am Mittwoch, 8. Juli 2026, in der Gemeinschaftsschule Obrigheim zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Das Vorhaben befindet sich in einer Entwicklungsphase – eine Bauentscheidung ist noch nicht getroffen.
Bei der Veranstaltung in der Gymnastikhalle erhielten Interessierte aus der Region die Möglichkeit, sich über das mögliche Projekt zu informieren, Fragen zu stellen und Anregungen für die weitere Planung zu geben. Bürgermeister Thorsten Sienholz eröffnete den Abend „Für Obrigheim ist es wichtig zu wissen, was hier geprüft wird und wie sich ein solches Projekt auf unseren Standort auswirken könnte“, sagte Bürgermeister Thorsten Sienholz. „Dass die EnBW frühzeitig informiert und den Dialog mit der Bürgerschaft sucht, ist ein guter Ausgangspunkt für eine sachliche Diskussion.“
Andreas Pick, Leiter Portfolioentwicklung disponible Leistung bei der EnBW ordnete das Vorhaben energiewirtschaftlich ein. Projektleiter Thomas Hofbauer stellte anschließend die Eckpunkte des möglichen Gas- und Dampfkraftwerks Obrigheim vor und erklärte: “Wenn ein neues, wasserstofffähiges Gaskraftwerk wie vorgeschrieben schon Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen soll, müssen Planung, Genehmigung und Dialog bereits heute beginnen.”
Es kamen rund 80 Personen zur Veranstaltung, die Stimmung war sehr interessiert. Fragen aus dem Publikum betrafen insbesondere die mögliche zeitliche Umsetzung, das Genehmigungsverfahren und technische Daten der Anlage.
Obrigheim ist seit Jahrzehnten Energiestandort; das Kernkraftwerk (KWO) befindet sich im Rückbau. Neben dem bisherigen KWO-Gelände prüft die EnBW nun den Bau einer modernen, wasserstofffähigen Gas- und Dampfturbinenanlage. Die Fläche gehört bereits der EnBW und war früher als Erweiterungsfläche vorgesehen. Neben der Hauptanlage sind auch ein Umspannwerk und ein Batteriespeicher Gegenstand der planerischen Überlegungen.
Zur Versorgung des Kraftwerks wäre eine rund 8 Kilometer lange Erdgasleitung erforderlich, die an die in wenigen Kilometern Entfernung verlaufende „Süddeutsche Erdgasleitung“ (SEL) angebunden werden könnte. Diese Leitung ist perspektivisch für den Transport von Wasserstoff vorgesehen.
„Obrigheim bringt vieles mit, was man nicht neu schaffen muss: bestehende Infrastruktur, geeignete Flächen und eine lange Tradition als Energiestandort“, sagt Andreas Pick, der das Projekt bei der EnBW leitet.
Das mögliche Gas- und Dampfkraftwerk Obrigheim würde zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff (H2) betrieben und eine Nennleistung von rund 850 Megawatt (MW) bereitstellen. Das Kraftwerk könnte flexibel Strom produzieren und genau dann einspringen, wenn Strom aus Sonne und Wind nicht ausreichend zur Verfügung steht. Zusammen mit einem Batteriespeicher hilft es so mit, die Stromversorgung jederzeit stabil zu halten. Gaskraftwerke sind damit wichtige Partner für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energiequellen: „Flexible Gaskraftwerke sind kein Gegensatz zur Energiewende, sondern ihre Absicherung“, so Andreas Pick.
Berechnungen der deutschen Übertragungsnetzbetreiber zufolge benötigt allein Baden-Württemberg bis zu 6,5 Gigawatt (GW) neue, flexibel steuerbare Erzeugungsleistung. Moderne Gaskraftwerke stoßen pro erzeugter Megawattstunde rund die Hälfte weniger CO₂ aus als Kohlekraftwerke und können perspektivisch auf CO₂-freien Wasserstoff umgestellt werden, sobald Netze und Mengen zu wettbewerbsfähigen Bedingungen verfügbar sind. Wird das Vorhaben umgesetzt, könnte das Kraftwerk in Obrigheim die Stromversorgung in der Region absichern, Aufträge und Arbeitsplätze schaffen sowie Gewerbesteuereinnahmen generieren.
Ob das Vorhaben realisiert wird, ist offen. Die Umsetzung hängt vor allem davon ab, ob der gesetzliche Rahmen der Bundesregierung einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglicht und ob die EnBW in Auktionen im Rahmen des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetzes (StromVKG) einen Zuschlag erhält. Zudem müssen die erforderlichen Genehmigungsverfahren durchlaufen und die Umweltauswirkungen – etwa mit Blick auf Flächen, Natur- und Trinkwasserschutz sowie Lärm- und Lichtemissionen – sorgfältig geprüft werden. Die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung ist daher der Start des Dialogs, nicht der Baustart; Rückmeldungen aus der Bürgerschaft fließen in die weiteren Planungen ein.
Weitere Informationen zum Vorhaben Gas- und Dampfkraftwerk Obrigheim finden sich unter: www.enbw.com/obrigheim/
Über die EnBW Energie Baden-Württemberg AG
Mit rund 31.500 Mitarbeiter*innen ist die EnBW eines der größten Energieunternehmen in Deutschland und Europa. Sie versorgt rund 5,5 Millionen Kund*innen mit Energie und ist auf allen Wertschöpfungsstufen von der Erzeugung über den Handel bis hin zum Netzbetrieb und den Vertrieb von Strom, Wärme und Gas aktiv. Im Zuge der Neuausrichtung vom klassischen Energieversorger zum nachhaltigen Infrastrukturunternehmen sind der Ausbau der Verteil- und Transportnetze für Strom, Gas und Wasserstoff sowie der erneuerbaren Energien Kernpunkte der EnBW-Wachstumsstrategie und Schwerpunkt der Investitionen. Bis 2030 plant die EnBW bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren, rund 85 Prozent davon in Deutschland. Bis dahin soll rund 80 Prozent des EnBW-Erzeugungsportfolios aus erneuerbaren Energien bestehen. Dies sind zentrale Meilensteine auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel für die unternehmenseigenen Treibhausgasemissionen im Jahr 2040.