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Die EnBW hat für das Geschäftsjahr 2021 erstmals nahezu ihr gesamtes Geschäfts­portfolio nach den Kriterien der EU-Taxonomie geprüft – ohne dazu verpflichtet zu sein. Warum?

Dr. Lothar Rieth, Leiter Nachhaltigkeit bei der EnBW

Vorweg, es ist ohne Frage anstrengend und komplex, die EU-Taxonomie einzuführen: Es sind viele Teams beteiligt, es fallen Überstunden an und hier und da ist auch Überzeugungsarbeit zu leisten – aber es lohnt sich. Wir dürfen nicht vergessen, dass das ein Initialaufwand ist, von dem wir in den Folgejahren profitieren, wenn der Prozess verankert ist. Wir waren in der glücklichen Lage, dass wir bereits seit 2014 einen integrierten Geschäftsbericht veröffentlichen und auf bestehenden crossfunktionalen Strukturen aufbauen konnten.

Aber unabhängig von individuellen Voraussetzungen setzen wir uns seit Beginn stark dafür ein, die EU-Taxonomie voranzutreiben: Die Grundidee der EU, nämlich eine Klassifizierung für nachhaltige Geschäftsaktivitäten einzuführen, ist nicht nur richtig, sondern zwingend notwendig. Denn ohne die Privatwirtschaft wird es die EU nicht schaffen, Investitionen so voranzutreiben, dass wir als Kontinent bis 2050 klimaneutral sein werden.

Das heißt, auf der einen Seite sind die Finanzmarktakteure aufgefordert, nachhaltige Finanzprodukte für private wie institutionelle Investoren anzubieten. Auf der anderen Seite sind sie dafür darauf angewiesen, dass die Realwirtschaft gleichfalls nachhaltig arbeitet und entsprechend belastbares Datenmaterial bereitstellt. Wenn hier einheitliche Maßstäbe zugrunde liegen, sorgt das für mehr Transparenz und weniger Greenwashing. Am Ende profitieren also alle Seiten davon.

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Wo liegt Optimierungspotenzial?

Natürlich sind die Regularien und ihre jeweilige Interpretation noch im Fluss, das liegt in der Natur der Sache. Auf Basis unserer Erfahrung können wir aber klar sagen, dass die Vorgaben trotz der hohen Komplexität mit einer Prise Pragmatismus gut anwendbar sind. Gerade in der Energiewirtschaft liegen weitgehend klare Anforderungskataloge vor. Vor allem die jüngste Entscheidung, Gas als Übergangstechnologie auf dem Weg zur Wasserstoffwirtschaft anzuerkennen, begrüßen wir sehr. An einigen wenigen Stellen sehen wir die Gefahr der Überregulierung: Insbesondere bei den sogenannten gehen die Prüfanforderungen in Teilen sehr weit. Wir begleiten diese Entwicklung konstruktiv und teilen unsere Erfahrungen; sei es auf entsprechenden Veranstaltungen oder mit unseren umfangreichen Erfahrungsberichten.

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Und wie steht die EnBW da?

Wenn wir die zwei wichtigsten Kennzahlen unserer Berichterstattung in den Blick nehmen, so sind 63 Prozent des Adjusted EBITDA, als freiwillig berichtete Kennzahl, und 68 Prozent der Capex taxonomiekonform und somit nachhaltig. Wir freuen uns über dieses Ergebnis, sehen uns damit insgesamt auf dem richtigen Weg, wollen es aber in Zukunft weiter steigern.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem: Wir belegen mit den Zahlen, dass wir unsere Geschäfts­strategie zukunftsgerichtet aufgestellt haben. Diesen Aspekt betonen wir in all unseren Gesprächen mit anderen Unternehmen und Taxonomie-Interessierten: Mit der Anwendung der EU-Taxonomie könnt ihr Eure Nachhaltig­keitsaktivitäten schwarz auf weiß – und wie bei uns geprüft belegen – glaubwürdiger geht es eigentlich kaum.

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