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Was ist ein ökologischer Fußabdruck?

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Mit dem ökologischen Fußabdruck wird der menschliche Einfluss auf die Umwelt berechnet.

Der ökologische Fußabdruck bezeichnet eine Maßeinheit, die den menschlichen Einfluss auf die Umwelt angibt. Dabei ist der Ausdruck wörtlich zu verstehen. Mathis Wackernagel und William Rees entwickelten das Konzept Mitte der 90er Jahre, um zu berechnen, wie viel Nutzfläche (Wald, Ackerland, Weide- und Meeresflächen) die Menschen verbrauchen. Berechnet wird also nicht nur die reine CO₂-Bilanz, die wir durch unser tägliches Leben und die Produktion unserer Konsumgüter verursachen, sondern auch die reale Erdfläche, die wir für uns beanspruchen. Angegeben wird diese Fläche in globale Hektar (gha).

Im Prinzip ist der ökologische Fußabdruck also ein klassisches Angebot-Nachfrage Modell – nur, dass das Angebot endlich ist. Viele Rohstoffe der Erde wachsen nach, brauchen dafür aber ihre Zeit - andere, wie Erdöl bspw. sind begrenzt.

Lange Zeit nutzte die Weltbevölkerung nur wenig Ressourcen, sodass Angebot und Nachfrage in guter Balance waren. Erst seit 1970 nutzen wir nachweislich mehr Biokapazitäten als die Erde bereitstellen kann. Die Auswirkungen davon sehen wir bereits: Rund 63 % der Fischbestände im Schwarzen Meer gelten als überfischt. Das heißt, dass wir einem sich eigentlich fortlaufend reproduzierenden „Rohstoff“ schlicht nicht genug Zeit geben, sich fortzupflanzen und „nachzuwachsen“.

Die massive Überfischung ist ein Beispiel, das zeigt, wie sehr die Umwelt durch den Menschen belastet ist. Daher sollte jeder Einzelne das Ziel verfolgen, seinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.

Wie kann man seinen ökologischen Fußabdruck berechnen?

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Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung - auch beim ökologischen Fußabdruck. Denn nur wer seinen Einfluss auf die Umwelt genau kennt und weiß, welche Ressourcen die eigene Mobilität und Konsumgüter verbrauchen, kann daran arbeiten, seinen ökologischen Fußabdruck nachhaltig zu verkleinern.

Das Global Footprint Network berechnet individuell den eigenen Fußabdruck. Über einen Online-Fragebogen werden Essgewohnheiten, Wohnsituation und Reiseverhalten abgefragt. Aus den Antworten wird dann der Ressourcenverbrauch geschätzt und angezeigt, wie viel Fläche - umgerechnet in Erden - benötigt würde, um diese herzustellen.

Wie schneidet der ökologische Fußabdruck Deutschlands im Ländervergleich ab?

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Das individuelle Verhalten und der persönliche Lebensstil haben Einfluss darauf, wie groß der ökologische Fußabdruck eines jeden Einzelnen ist. Aber auch der kulturelle Kontext spielt eine Rolle. Daher lassen sich zwischen einzelnen Ländern große Unterschiede in Bezug auf die Größe des Fußabdrucks ausmachen.

Wenig überraschend: Westeuropäische Länder verbrauchen überdurchschnittlich viele Ressourcen. Rechnet man den Flächenverbrauch der Weltbevölkerung anhand der verfügbaren Ressourcen pro Kopf aus, stünde jedem Menschen 1,6 globale Hektar (gha) biologisch produktive Fläche zur Verfügung. Um unsere Bedürfnisse zu decken, beanspruchen wir in Deutschland aber 4,7 gha pro Person. Im Vergleich dazu liegen Bangladesch und Äthiopien beispielsweise bei 0,8 bzw. 1,0 gha. Wir leben in Deutschland also deutlich über unsere Verhältnisse.

Wie viel gha den Menschen in den einzelnen Ländern zur Verfügung stehen, hängt natürlich auch von der Bevölkerungsdichte ab. So hat Brasilien mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 2,6 gha im Ländervergleich dennoch eine positive Fußabdruck-Bilanz, da die Biokapazität des Landes 8,6 gha pro Einwohner beträgt. Eine Übersicht über die gha-Bilanz der einzelnen Länder bietet das Footprint Network.

Aus diesen Daten folgernd bräuchte die Weltbevölkerung aktuell 1,75 Erden um ihren aktuellen Lebensstil aufrecht zu erhalten. Würden alle Menschen so leben, wie wir in Deutschland, wären es sogar drei.

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Wie viele Erden bräuchten wir, wenn alle Menschen so leben würden wie in...

Fußabdruck Ländervergleich
Ökologischer Fußabdruck im Ländervergleich (Quelle: National Footprint and Biocapacity Accounts 2022)
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Um ein Bewusstsein für die Größe unseres ökologischen Fußabdrucks zu schaffen, wird jedes Jahr der Tag berechnet, an dem die Weltbevölkerung alle vorhandenen Ressourcen für das Jahr aufgebraucht hat: der „Earth Overshoot Day“, also der Erdüberlastungstag. Ab diesem Tag leben wir auf Pump und verbrauchen mehr Flächen als im restlichen Jahr neu entstehen. Dieser Tag war 2022 bereits am 28. Juli erreicht. Der Trend zeigt: der Erdüberlastungstag rückt immer näher an die erste Jahreshälfte. Einzige Ausnahme: das Corona-Jahr 2020. Im Vergleich zum Vorjahr war das Ressourcenlimit hier erst drei Wochen später, am 22. August erreicht.

Um diesem massiven Überverbrauch entgegenzuwirken, müssen wir unseren ökologischen Fußabdruck deutlich verringern. Gerade bei uns in Deutschland lassen sich einige Handlungsfelder und Ansatzpunkte finden.

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Beispiele, warum der ökologische Fußabdruck Deutschlands so groß ist

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Eine Bestandsaufnahme zeigt: Wir in Deutschland wenden überdimensional viele Ressourcen für die Bereiche Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum auf.

Der größte Anteil – knapp über ein Drittel – des Flächenbedarfs entfällt auf die Ernährung: 80 % davon für die Produktion von tierischen Lebensmitteln. Das größte Einsparpotenzial liegt hier also im Verzicht auf Fleisch, der Bevorzugung von saisonalen und regionalen Lebensmitteln sowie der generellen Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.

Auf Platz zwei landet das Segment Wohnen. Vor allem die überdurchschnittlich hohen Bedarfe an Heizenergie wirken sich hier negativ auf den Ressourcenverbrauch aus. Mit richtigem Heizen und Lüften, sowie einer niedrigen Raumtemperatur kann hier Energie gespart werden.

Auf Platz drei folgt die Mobilität. Die verhältnismäßig hohe Zahl an Flugreisen und der Individualverkehr steigern Deutschlands Flächenbedarf ungemein. Statt allein mit dem Auto zur Arbeit zu fahren und dem Flieger auf Reisen zu gehen, würde der Umstieg auf Fahrgemeinschaften und klimaschonendere Verkehrsmittel eine spürbare Verbesserung unseres Ressourcenverbrauchs haben.

Unser Konsumverhalten bildet Platz vier unserer Hauptsegmente, in die die größten Flächenbedarfe fließen. Vor allem im Bereich Fashion kann hier ein Wechsel zu langlebigeren und umweltverträglicheren Produkten helfen, den ökologischen Fußabdruck nachhaltig zu verkleinern.

Der ökologische Fußabdruck in Deutschland

Ökologischer Fußabdruck verringern: Fakten & Tipps

  • Keine Lebensmittel verschwenden: ca. 11 Mio. Tonnen Nahrungsmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Lebensmittelrettungs-Apps wie „To good to go“ und „ResQ Club“ versuchen das zu verhindern.
  • Regionale und saisonale Produkte kaufen: Je kürzer der Weg von Nahrungsmitteln auf den Teller ist, desto besser für die Umwelt.
  • Vegetarische Ernährung: Tierhaltung verursacht zwischen 14,5  % und 18 % der weltweiten Treibhausgasemissionen.
  • Verpackungsfrei einkaufen: Plastik wird aus der endlichen Ressource Erdöl hergestellt und immer noch zu wenig recycelt. 10 Mio. Tonnen Plastikmüll landen jährlich im Meer - und schaden Tieren und Menschen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel nutzen: Weltweit ist im Sektor Mobilität der Straßenverkehr mit einem Anteil von 18 % an den globalen CO₂-Emissionen Klimasünder Nummer eins, gefolgt vom Luftverkehr und der Schifffahrt mit jeweils etwa 3 %.
  • Grüne Energie nutzen: der Strom in Deutschland wird aktuell zu 46 % aus erneuerbaren Energien gewonnen.
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