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IBA’27 sucht innovative Lösungen

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Wie aber werden wir künftig wohnen, leben und arbeiten? Auf diese Frage will die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) innovative Antworten finden und diese im Jahr 2027 der internationalen Öffentlichkeit präsentieren. „Klar ist: Ein `Weiter so` wird nicht möglich sein, allein schon aufgrund der Klimakrise“, sagt Tobias Schiller von der IBA’27 – schließlich ist der CO₂-Verbrauch aus Bau und Nutzung von Gebäuden für etwa 30 Prozent der Emissionen in Deutschland verantwortlich.

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(Quelle: IBA’27 / L2M3 / Max Guther)

Ende 2018 startete die IBA’27 in der Region Stuttgart den Aufruf an Kommunen, Bauträger und Forschungseinrichtungen, ihre Projektideen einzureichen. Das Ziel: Neue Wohnformen erarbeiten, Experimente wagen und gemeinsam mit Expert*innen aus verschiedensten Fachrichtungen modellhafte, zukunftsweisende Projekte entwickeln. Knapp 150 Vorschläge gingen seither ein; rund 90 davon sind ins breite Netzwerk der IBA’27 aufgenommen und 16 davon in einem nächsten Schritt als offizielle IBA’27-Projekte ausgewählt worden. Dafür vereinbarte die IBA mit den Projektträgerinnen detaillierte und jeweils auf das Projekt zugeschnittene Ziele und Qualitäten, etwa ob es bei der Planung Architekturwettbewerbe gibt und wie die Bürger*innen eingebunden werden, zu sozialen Angeboten oder der qualitätsvollen Gestaltung öffentlicher Freiräume in den künftigen Quartieren, zu neuen Bautechnologien oder zukunftsfähigen Mobilitäts- und Energiesystemen. „Eigentlich müsste ja jedes Bauprojekt heute so geplant werden, dass möglichst keinerlei fossile Rohstoffe mehr verbraucht werden – weder beim Bau noch im Betrieb. Für IBA-Projekte gilt das natürlich ganz besonders“, sagt Tobias Schiller. Allen IBA-Projekten gemein ist es, dass sie ein besonderes Potenzial zeigen für eine ambitionierte Weiterentwicklung als Ausstellungsorte im Jahr 2027. Bis dahin sollen mindestens erste Bauabschnitte realisiert sein und auf vielfältige Weise neue Wohn- und Arbeitswelten in urbanen Quartieren sowie zukunftsfähige Bauweisen sichtbar machen und anderen Städten als Vorbild dienen.

Drei Fragen an den Intendanten der IBA'27, Andreas Hofer

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Andreas Hofer (Bild: IBA'27 / Sven Weber)

Wie werden wir künftig wohnen und arbeiten? Dieser zentralen Frage geht Andreas Hofer nach. Der Intendant der Internationalen Bauausstellung (IBA’27) hat dabei die ganze Region Stuttgart im Blick – und setzt sich für mehr Grün und flexiblere Lösungen beim Wohnen ein.

Wie unterscheidet sich das Wohnen in 30 Jahren von heute?

Nicht wesentlich. Ich hoffe aber, dass wir dann die passenden Häuser haben für unsere vielfältige Gesellschaft, für ganz unterschiedliche Formen des Zusammenlebens und alle Phasen einer Wohnbiographie. Außerdem wird die Grenze zwischen Wohnen und Arbeiten sicher fließend sein. Dafür braucht es Räume, die für verschiedene Nutzungen offen sind. Mit einer solchen Mehrfachnutzung von Flächen zusammen mit passgenaueren und flexibleren Wohnungsgrundrissen werden wir es hoffentlich schaffen, den Flächenbedarf zu verringern.

Was sollten wir aus dem Heute ins Morgen mitnehmen, was wollen Sie künftig in neuen Quartieren nicht mehr sehen?

Was wir aus dem Heute – und dem Gestern – sicher mitnehmen können, ist die Bedeutung von Sozialräumen, des Gemeinschaftlichen, etwas, was traditionelle Stadtquartiere anbieten können. Das Quartier, die Nachbarschaft: Das sind weiterhin tragfähige Konzepte. Was ich nicht mehr sehen will, ist der lieblos behandelte öffentliche Raum, in dem alle einfach ihre Dinge abstellen, Autos, Mülltonnen, E-Roller. Wir müssen den öffentlichen Raum freimachen, damit er Bühne für die Stadtgesellschaft sein kann – eingerahmt von Bäumen und mit durchlässigen Belägen, um mit den Folgen der Klimakrise besser klarkommen.

Vervollständigen Sie den Satz: Wenn Sie heute ein Haus für sich selbst bauen würden...

… würde ich es nicht für mich selbst bauen, sondern ein großes Haus für möglichst viele meiner Freundinnen und Freunde.

Soziales Miteinander und mehr Dichte

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Während manche Projekte die Verbindung von industrieller Produktion, Arbeiten und Wohnen in den Vordergrund rücken, beschäftigen sich andere schwerpunktmäßig mit der Zukunft der städtischen Zentren oder mit künftigen Orten der Begegnung innerhalb des Areals. „Es geht auch um soziale Fragen und solche der Gemeinschaft in einem Quartier“, sagt Tobias Schiller und ergänzt: „Habe ich ein gutes Miteinander, Treffpunkte, eine gute Infrastruktur und auch die Möglichkeit zum Arbeiten in meinem Quartier, benötige ich vielleicht kein eigenes Auto mehr.“ Auch die Diskussion zu mehr qualitätsvoller Dichte müsse verstärkt geführt werden. „Hierzulande haben viele immer noch Vorbehalte gegenüber großen Häusern, dabei gibt es viele Beispiele, wie gerade dort das Miteinander hervorragend funktionieren kann. Zudem verbraucht dichtes Bauen weniger Ressourcen und große Projekte lassen sich viel effizienter betreiben“, sagt Schiller. „Es verringert die Wohnkosten und macht eine funktionierende Infrastruktur für die Gemeinschaft oft überhaupt erst möglich. Wichtig ist, dichtes Bauen mit guter Architektur und lebenswerten Freiräumen intelligent zu verbinden.“

Der neue Stöckach: Ehemaliges Werksgelände wird IBA’27-Projekt

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(Quelle: EnBW / Fotografin: Laura Scheffelmeier)

Auch die EnBW ist mit einem IBA’27-Projekt dabei: Auf ihrem ehemaligen Betriebsgelände „Stöckach“ im Stuttgarter Osten soll ein nachhaltiges, CO₂-neutrales und autofreies Quartier entstehen. Insgesamt sind vor Ort bis zu 800 Wohnungen geplant – 40 Prozent davon als geförderter, bezahlbarer Wohnraum. vereint gleich drei Themenschwerpunkte der IBA’27: Die Frage nach der produktiven Stadt, die Zukunft der Zentren und das Erbe der Moderne. „Der Stöckach bietet vielfältige Möglichkeiten für gute Lösungen. Wir müssen Gebäude ganz neu denken, am besten aus dem Bestand heraus. Das wird gerade in einem solch historischen Ort wie dem Stöckach eine Rolle spielen“, so Tobias Schiller. So sollen auf dem Stöckach-Areal einige Bestandsgebäude erhalten und umfangreich saniert werden. Das EnBW-Projekt will auf diese Weise mit Ressourcen schonend umgehen und die Identität des zukünftigen Quartiers stärken.

Projektpause beim Projekt „Der neue Stöckach“

Aufgrund der Rahmenbedingungen auf dem Immobilienmarkt finden vorerst keine Baumaßnahmen auf dem Gelände statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Projekt-Website zum neuen Stöckach.

Neuer Ansatz im Umgang mit Baustoffen

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Wie auch beim Stöckach-Areal rückt generell immer mehr die Betrachtung der sogenannten grauen Energie in den Fokus – also die Energie, die für die Errichtung eines Hauses aufgewendet wird. Betrachtet über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes entsteht immerhin rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs schon beim Bau. Denn bisher nutzt die Baubranche meist neue Baustoffe wie Kies, Beton oder Gips, die mit hohem Energieaufwand aus Vorkommen der Natur gewonnen werden. Recycelte Baustoffe helfen hier kräftig beim Energiesparen. Eine noch recht junge Überlegung ist es, neben Baustoffen wie Recyclingbeton ganze Bauteile aufzubereiten und anschließend wieder in neuen Gebäuden einzubauen. Dazu soll es mit der IBA Konzepte geben, Bauteile in Bestandsgebäuden detailliert erfassen und nach der Aufbereitung vor Ort oder für andere Baustellen wieder zur Verfügung stellen. Tobias Schiller: „Das Spannende an der IBA’27 ist, dass so viele mitmachen, wir zusammen mit vielen Institutionen, Fachleuten und den Projektträgerinnen neue Ansätze entwickeln können. Es ist dabei sehr wichtig, auch die Menschen vor Ort und die künftigen Nutzer eng einzubinden. Denn klar ist: Neue Wohnformen müssen nicht nur nachhaltig und bezahlbar sein, sondern auch von den künftigen Bewohner*innen geliebt werden.“

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