Das Heizkraftwerk Altbach/Deizisau versorgt die Region Mittlerer Neckar zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Energie. 1899 baute Industriepionier Heinrich Meyer das erste Kohlekraftwerk, die „Kraftcentrale“ am Standort. Heute produzieren drei Gasturbinenanlagen und zwei kohlebetriebene Blöcke, ein Steinkohle- und ein Kombiblock, im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus Strom und Fernwärme. Heizkraftwerk 1 ist seit 2017 in der Netzreserve und sichert die Netzstabilität. Heizkraftwerk 2, seit 1997 im Betrieb, ist einer der modernsten Steinkohleblöcke Europas. Die EnBW will bis 2028 aus der Kohleverstromung aussteigen, sofern die Rahmenbedingungen dies ermöglichen. Deswegen wird der Standort für den künftigen Einsatz von Wasserstoff umgerüstet („Fuel Switch“): Eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage wird bald mit Erdgas, später mit Wasserstoff betrieben und kann dann CO₂-neutral Strom und Fernwärme erzeugen.
Im Heizkraftwerk Altbach/Deizisau ermöglichen wir ganzjährig kostenlose Führungen – fachkundige Erläuterungen durch unsere Mitarbeiter*innen inklusive.
Fuel Switch
Projektvorstellung
Die EnBW plant, bis 2040 Netto-Null-Emissionen im Unternehmen zu erreichen und setzt mit dem schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien die Dekarbonisierung ihres Erzeugungsportfolios konsequent fort. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben müssen zudem alle Kohlekraftwerke in Deutschland bis spätestens 2038 abgeschaltet werden, so auch in Altbach/Deizisau. Die regionale Versorgungssicherheit mit Strom und Fernwärme hat jedoch oberste Priorität, weshalb die EnBW am Standort eine regelbare, wasserstofffähige Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) baut:
- Die neue, gasbefeuerte Anlage hat eine elektrische Leistung von 665 Megawatt (MW) und eine thermische Leistung von rund 180 MW.
- Zusätzlich wird eine Heißwasserkesselanlage mit drei Heizkesseln und einer thermischen Leistung von rund 120 MW die Fernwärmeversorgung im Mittleren Neckarraum sichern.
- Durch diesen „Fuel Switch“, also die Umstellung auf Erdgas, werden mehr als die Hälfte der Treibhausgasemissionen im Vergleich zur Kohleverstromung eingespart.
Sobald genug Wasserstoff verfügbar ist und die Versorgungsinfrastruktur auf diesen umgestellt wurde, kann das Kraftwerk CO₂-neutral Strom und Fernwärme produzieren. Denn die Erdgasleitung zur Versorgung der GuD ist wie die Anlage selbst bereits für Wasserstoff geeignet. Die Umstellung auf Wasserstoff kann später also ohne größere Hürden erfolgen. Mehr zum Fuel Switch erfahren Sie hier.
Technik
Eine Gas-und-Dampfturbinenanlage (GuD) kombiniert die Prinzipien eines Gasturbinen- und die eines Dampfkraftwerks:
- Eine mit Gas befeuerte Turbine erzeugt über einen Generator elektrischen Strom. Die sehr heißen Abgase aus der Gasturbine werden dann durch einen Abhitzekessel geleitet.
- Der entstehende Wasserdampf wird für den Betrieb einer weiteren Turbine genutzt. Diese Dampfturbine treibt ebenfalls einen Generator zur Stromproduktion an.
- Durch die Kombination beider Prinzipien wird die Energie aus der Gasverbrennung doppelt genutzt, was den Wirkungsgrad auf bis zu 60 Prozent erhöht.
Die bei der Stromerzeugung entstehende Fernwärme wird in das Fernwärmenetz „Mittlere Neckarschiene“ eingespeist, das ebenfalls mit dem Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg und dem Müllheizkraftwerk Stuttgart-Münster verbunden ist. Viele Industriebetriebe, Privathaushalte und öffentliche Gebäude in Altbach, Deizisau, Esslingen, Plochingen und Stuttgart werden damit versorgt.
Umsetzung
Projektphasen
Hier informieren wir Sie über wichtige Ereignisse und Meilensteine zu Planung und Bau einer Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) am Kraftwerksstandort Altbach/Deizisau. Sie finden an dieser Stelle aktuelle Informationen zum Zeitplan des Planungs- und Genehmigungsprozesses sowie zu den Baufortschritten.
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vsl. Q2 2027
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Kommerzielle Inbetriebnahme
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2026/2027
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Inbetriebsetzungsphase
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2025/2026
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Hauptbauaktivitäten
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November 2024
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Start des Anlagenbaus
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August 2024
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Start der Anlieferung der Großkomponenten
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März 2024
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Beginn der Rohbauarbeiten
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Januar 2024
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Erhalt der 1. Teilgenehmigung
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06. November 2023
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Offizieller Spatenstich
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11. Oktober 2023
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Erörterungstermin des Regierungspräsidiums Stuttgart
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08. September 2023
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Zulassung des vorzeitigen Beginns
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Mai 2023
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Einreichung des Genehmigungsantrags
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2022/2023
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Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung, Vorstellung im Gemeinderat, Gutachtenerstellung
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Bautagebuch
Januar 2026: Erste Zündung der Brenner in der Heißwasserkesselanlage (First Fire)
Im Januar wurde am Standort ein weiterer bedeutender Meilenstein erreicht: In der neu errichteten Heißwasserkesselanlage konnten erstmals die Brenner aller drei Kessel erfolgreich gezündet werden. Dieser sogenannte „First Fire“ markiert einen zentralen Schritt auf dem Weg zur späteren Inbetriebnahme der Anlage. Die Kessel wurden im bestehenden Fernwärmegebäude des HKW1 installiert - eine besondere Herausforderung, da das Einbringen der schweren Komponenten sowie die Montage der umfangreichen Rohrleitungs- und Kabelsysteme unter beengten Bedingungen erfolgen musste. Dennoch gelang es, sämtliche Bauteile präzise zu montieren und vollständig in die vorhandene Infrastruktur einzubinden. Mit der erfolgreichen Erstzündung beginnt nun das technische Trocknen der Kessel, gefolgt von den ersten Feuerungsversuchen. Diese Arbeiten bereiten die heiße Inbetriebsetzung und den anschließenden Probebetrieb vor. Die neue Heißwasserkesselanlage verfügt über eine thermische Leistung von rund 120 Megawatt und wird künftig einen wichtigen Beitrag zur sicheren und flexiblen Fernwärmeversorgung der Region leisten.
Dezember 2025: Prüfung des Feuerlöschtanks
Die neue Gas- und Dampfturbinenanlage verfügt über ein eigenständiges Löschsystem, das aus einem großen Löschwasserbehälter mit rund 4.000 Kubikmeter Inhalt und einem weit verzweigten Netz an Löschwasserleitungen besteht. Im Ereignisfall kann aus diesem Behälter das gesamte Kraftwerk mit Wasser versorgt werden. Für maximale Sicherheit stehen zwei vollständig unabhängige Pumpen zur Verfügung: eine elektrisch betriebene und eine zweite mit einem Dieselmotor. Somit bleibt das System auch bei einem Stromausfall einsatzbereit. Im November begann die mehrwöchige Befüllung des Löschwasserbehälters, um dessen Dichtheit unter realen Bedingungen zu prüfen. Dieser Test wurde über rund drei Wochen kontinuierlich begleitet und schrittweise abgeschlossen. Die erfolgreiche Dichtheitsprüfung bestätigte im Dezember, dass der Behälter und die angeschlossenen Systeme zuverlässig arbeiten. Damit ist ein zentraler Baustein der Brandschutz- und Sicherheitsarchitektur des neuen Kraftwerks erfolgreich nachgewiesen.
November 2025: Einbindung der Kühlwasseranbindung
Für die neue Gas- und Dampfturbinenanlage wird der bestehende Hybridkühlturm des HKW1 weiterhin genutzt. Dafür mussten die großen Kühlwasserleitungen freigelegt und geöffnet werden, um die neue Leitung über ein T-Stück einbinden zu können. Zu diesem Zweck wurden zwei große Schachtbauwerke aus Beton gebaut, eines für den Vorlauf und eines für den Rücklauf des Kühlwassers zwischen HKW3 und Kühlturm. Diese Arbeiten können nur während geplanter Stillstände des bestehenden Kraftwerks, sogenannter Revisionen, ausgeführt werden. Da die Zeitfenster dafür sehr knapp sind, ist es erforderlich alle Arbeitsschritte genau zu planen und abzustimmen. Alle beteiligten Teams mussten deshalb eng zusammenarbeiten und sich exakt an die Abläufe halten, damit die Anbindung reibungslos gelingen konnte.
November 2025: Sichtbarer Baufortschritt
Im November ergab sich während der Revisionsarbeiten des bestehenden HKW1 die seltene Gelegenheit für einen Blick auf die Baustelle vom 250 Meter hohen Schornstein des Kraftwerks Altbach/Deizisau. Aus dieser Perspektive wird der Fortschritt der gesamten Baustelle deutlich und es wird sichtbar, welche Leistung die bis zu 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Tag vollbringen. Auch die Dach- und Fassadenarbeiten an allen Gebäuden laufen weiter auf Hochtouren, um den Witterungsschutz für die anstehenden Wintermonate bestmöglich zu gewährleisten.
Oktober 2025: Durchführung der Kesseldruckprobe
Im Oktober wurde ein besonders wichtiger Meilenstein erreicht: Der große Abhitzedampferzeuger – das Herzstück der neuen Anlage – hat die umfangreiche Druckprobe erfolgreich bestanden. Der Kessel, der etwa 4.400 Tonnen wiegt und in Modulen per Schiff angeliefert wurde, wurde in fünf Stufen getestet. Dabei wurde er schrittweise mit sehr hohem Druck belastet, um zu überprüfen, ob alle Schweißnähte und Bauteile absolut dicht und stabil sind. Insgesamt wurden mehrere Teststufen bis zu einem Prüfdruck von 345 bar durchlaufen. Dies zeigt, wie belastbar das System ist. Die erfolgreiche Druckprobe bestätigt, dass die mehr als 4.000 Schweißnähte einwandfrei ausgeführt wurden und der Kessel bereit für die nächsten Schritte der Inbetriebnahme ist. Im Betrieb nutzt der Kessel die heißen Abgase der Gasturbine, um Dampf zu erzeugen. Dieser treibt wiederum die Dampfturbine an und erzeugt ebenfalls Strom. Dadurch wird der Gesamtwirkungsgrad des Kraftwerks deutlich erhöht.
September 2025: Einbau der beiden Portalkräne im Maschinenhaus
Im September wurden im Maschinenhaus der neuen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) zwei Hallenkräne mit jeweils 70 Tonnen Tragfähigkeit eingebaut. Diese Portalkräne sind bereits bei der Montage der GuD im Einsatz und werden später während des Betriebs für größere Wartungs- und Revisionsarbeiten benötigt. Die Kranbahnen verlaufen rund 23 Meter hoch direkt unter dem Dach des Maschinenhauses und ermöglichen es, auf einem 86 Meter langen Fahrweg nahezu jeden Bereich der Anlage zu erreichen. Für besonders schwere Bauteile können beide Kräne gemeinsam im sogenannten Tandemhub eingesetzt werden und so bis zu 140 Tonnen bewegen. Die Kräne wurden in Einzelteilen angeliefert und vor Ort montiert. Das Einheben der schweren Doppelträger-Kranbahnen erfolgte mit einem 650-Tonnen-Mobilkran und erforderte eine präzise Abstimmung aller Arbeitsschritte. Mit dem Einbau der Portalkräne ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Fertigstellung und den späteren Betrieb der neuen Anlage geschafft.
August 2025: Modernisierung der Leitwarte
Im August wurde am Standort Altbach/Deizisau ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die vollständig modernisierte Leitwarte im HKW2 wurde erfolgreich in Betrieb genommen und dient künftig als zentraler Leitstand sowohl für die bestehenden Anlagen als auch für das neue HKW3. Die Modernisierung fand während des laufenden Kraftwerksbetriebs statt, sodass die Strom- und Fernwärmeerzeugung jederzeit gesichert war. Dafür mussten die einzelnen Arbeitsschritte genau geplant und eng mit dem Betrieb abgestimmt werden, um die sicherheitsrelevanten Aufgaben der Leitwarte stets zu gewährleisten. Im Rahmen des Umbaus wurden Decken, Beleuchtung, Boden, Möbel, Bedienpulte und die gesamte technische Ausstattung im Raum erneuert. Die Leitwarte ist jetzt mit moderner Visualisierungstechnik, ergonomischen Arbeitsplätzen und einer aktualisierten Steuerungsumgebung ausgestattet. Damit ist sie bestens auf den späteren Wechselschaltbetrieb zwischen HKW1 und HKW3 vorbereitet. Gleichzeitig zog das Bedienpersonal in die neue Zentralwarte um, die nun als gemeinsamer Leitstand für alle Anlagen am Standort genutzt wird. Mit dieser Modernisierung verfügt das Kraftwerk Altbach/Deizisau jetzt über einen der technisch fortschrittlichsten Leitstände innerhalb der Erzeugung der EnBW. Damit ist ein wesentlicher Schritt für die zukünftige Inbetriebnahme des neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks erreicht.
Juli 2025: Anlieferung und Platzierung von Fremdnetz- und Maschinentransformator
Im Juli wurden zwei wichtige Transformatoren an ihre endgültigen Standorte im Kraftwerk gebracht: der 380-kV-Maschinentransformator und der 110-kV-Fremdnetztransformator (kV = Kilovolt). Der Maschinentransformator, der bereits auf dem Gelände gelagert war, wird später den Generator des neuen Gas- und Dampfturbinenblocks mit der 380-kV-Schaltanlage verbinden und die erzeugte Energie auf Höchstspannungsebene anheben. Mit einem Gesamtgewicht von über 400 Tonnen inklusive aller Anbauteile ist dieser Transformator ein echtes Schwergewicht und musste dennoch sehr präzise positioniert werden. Der etwas kleinere Fremdnetztransformator sorgt für die 110-kV-Anbindung, die für Hilfs- und Anfahrbetriebe im Kraftwerk benötigt wird. Auch er steht auf einem speziell vorbereiteten Fundament mit Ölauffangraum und Kabeltrassen zur Schaltanlage. Mit der Platzierung beider Hochspannungsgeräte sind nun die zentralen Schnittstellen zur Hoch- und Höchstspannung im Kraftwerk vollständig vorbereitet. (Fotograf: Markus Völter)
Juni 2025: Einbringung des dritten Heißwasserkessels
Im Juni wurde der dritte und damit letzte der drei geplanten Heißwasserkessel in das vorgesehene Fernwärmegebäude eingebracht. Diese Kessel sind das Herzstück der neuen Heißwasserkesselanlage, die im Rahmen des Fuel-Switch-Projekts entsteht. Sie dient als wichtiger Pfeiler zur Absicherung der Fernwärmeversorgung, insbesondere in Zeiten, in denen die neue Gas- und Dampfturbinenanlage nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist – zum Beispiel während Wartungsarbeiten, bei Störungen oder wenn besonders viel Wärme gebraucht wird. Jeder der drei Kessel fasst rund 65.000 Liter Wasser und wird mit Gas betrieben. Zusammen können sie rund 120 Megawatt an erzeugter Wärme bereitstellen und damit zuverlässig hohe Vorlauftemperaturen für das Fernwärmenetz liefern. Jeder Kessel ist mit zwei Brennern ausgestattet und kann flexibel zwischen Teillast und Volllast betrieben werden. Dadurch kann die Anlage auch Lastspitzen abdecken, wenn besonders viel Wärme benötigt wird. Die Steuerung und Überwachung der Anlage erfolgt zentral aus der Leitwarte. Mit der neuen Heißwasserkesselanlage verfügt der Standort Altbach/Deizisau nun über eine zweite, unabhängige Technologie zur Fernwärmeerzeugung. Das erhöht die Versorgungssicherheit und macht den Kraftwerksstandort insgesamt flexibler.
Mai 2025: Errichtung des Schornsteins (für die GUD)
Im Mai wurde der neue Schornstein der Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) erfolgreich errichtet. Die sechs Module, aus denen der Schornstein besteht, wurden bereits einige Wochen zuvor außerhalb des Kraftwerksgeländes vorgefertigt. Nach dem Transport auf die Baustelle wurden die einzelnen Segmente sorgfältig übereinandergestellt und fachgerecht miteinander verschweißt.
Als nächstes steht die Isolierung des Schornsteins an, bevor er abschließend einen weißen Schutzanstrich erhält. Dieser schützt nicht nur vor Korrosion, sondern sorgt auch dafür, dass sich der Schornstein harmonisch in das Gesamtbild der Anlage einfügt. Mit einer Höhe von 83 Metern ist der neue Schornstein das höchste Bauwerk der gesamten GuD – ein Symbol für den Fortschritt unseres Projekts!
April 2025: Herstellung der neuen Fernwärmeleitungen
Die neue Fernwärmeleitung mit einer Gesamtlänge von rund 600 Metern (jeweils 300 Meter für Vor- und Rücklauf) wurde planmäßig fertiggestellt. Sie verbindet die hochmoderne Gas- und Dampfturbinenanlage mit dem bestehenden Fernwärmenetz am Standort und wird künftig eine zentrale Rolle in der Fernwärmeversorgung der mittleren Neckarschiene übernehmen. Die Bauarbeiten starteten im Juni 2024. Ein besonderes Highlight war dabei die gezielte Verlegung von Teilabschnitten der Leitung unterhalb des HKW1, das sich aktuell in der Netzreserve befindet. Dadurch konnte die bestehende Infrastruktur optimal eingebunden und weiterhin genutzt werden. Mit der neuen Fernwärmeleitung wird ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet – ein weiterer Schritt in Richtung nachhaltiger Infrastruktur.
März 2025: Platzierung von Gasturbine und Generator
Mit dem Erhalt der zweiten Teilgenehmigung im März 2025 konnte ein weiterer Meilenstein erreicht werden: Die beiden Großkomponenten Gasturbine und Generator wurden mit einem Großkran erfolgreich auf ihr Fundament im Maschinenhaus gestellt. (Fotograf: Markus Völter)
Februar 2025: Hochlauf der Stahlbauarbeiten
Die Bauarbeiten rund um die Fundamentlegung sowie die begleitenden Tiefbauarbeiten machen deutliche Fortschritte. Außerdem laufen die Stahlbauarbeiten auf Hochtouren, sodass auch der Abhitzedampferzeuger langsam Gestalt annimmt. Die Baustelle wächst sichtbar in die Höhe.
Januar 2025: Montage des Abhitzedampferzeugers
Die Bauarbeiten in Altbach/Deizisau schreiten weiter voran. Im Januar wurde der Abhitzedampferzeuger des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks montiert. Dieser Wärmeübertrager nutzt die Hitze der Abgase der Gasturbine, um heißen Dampf zu erzeugen, der eine nachgeschaltete Dampfturbine antreibt und so zur weiteren Stromerzeugung verwendet wird. (Fotograf: Markus Völter)
November 2024: Einbringung der Heißwasserkessel
Im November wurden bereits zwei der drei geplanten Heißwasserkessel in das vorgesehene Fernwärmegebäude eingebracht. Die Kessel bilden das zentrale Element der Heißwasserkesselanlage, die im Zuge des Fuel-Switch-Projekts errichtet wird, um die Fernwärmeversorgung sicherzustellen. Sie fassen jeweils 65.000 Liter und haben zusammen eine Heizleistung von 120 Megawatt.
Oktober 2024: Tag der offenen Baustelle
Am 25. Oktober 2024 öffnete die EnBW die Türen des Kraftwerksstandorts Altbach/Deizisau für die Öffentlichkeit: Besucher*innen bekamen die Gelegenheit, der Einweihung der neuen Ausstellung im Infocenter beizuwohnen und an Live-Führungen über die Fuel-Switch-Baustelle teilzunehmen. Bei der einstündigen Tour über das Kraftwerksgelände konnten die zahlreichen Interessierten einiges über die baulichen Vorbereitungen zum Projekt „Fuel Switch“ erfahren. Am Standort entsteht aktuell eine H2-ready-Gas- und Dampfturbinen-Anlage, die die notwendige flexible und regelbare Leistung liefert, um täglich die Energieversorgung zu sichern und so den Ausbau erneuerbarer Energien zu flankieren.
September 2024: Laufende Rohbauarbeiten
Im Rahmen der Rohbauarbeiten werden die Fundamente, Bodenplatten und Gebäude aus Beton hergestellt. Mit dem Rohbau wurde bereits im Frühjahr 2024 begonnen, sodass nun deutliche Fortschritte zu sehen sind. Mittlerweile sind die ersten Fundamente bereit für die nächsten Bauschritte, nämlich die Errichtung des Hallenstahlbaus, des Kesselstahlbaus für den Abhitzekessel sowie des Schornsteins.
August 2024: Gasturbinenhub
Im August wurde das Herzstück des Kraftwerks geliefert: Die 400-MW-Gasturbine. Diese wurde zuerst in Belfort in Frankreich angeliefert und dann per Schiff zu unserem Anleger nach Altbach/Deizisau gebracht. Nach der Entladung vom Schiff wartet sie nun auf ihrem Zwischenlagerplatz darauf, an der endgültigen Position im Kraftwerksgebäude installiert zu werden.
Juli 2024: Errichtung einer Mietkesselanlage
Zur Absicherung der Fernwärmeversorgung der mittleren Neckarschiene wird auf dem Kraftwerksgelände temporär eine Mietkesselanlage errichtet und betrieben. Die ersten Maßnahmen zur Verrohrung der Kessel haben im Juli 2024 begonnen. Ab Oktober 2024 soll die Anlage betriebsbereit sein. Der Betriebszeitraum ist bis März 2025 vorgesehen, sodass die Anlage maximal 6 Monate betrieben wird. Da es sich um eine Anlage zur zusätzlichen Absicherung der Fernwärmeversorgung handelt, wird nur von sehr wenigen Betriebsstunden ausgegangen. Die Mietkesselanlage besteht aus 4 Großwasserraumkesseln und 2 Heizöllagertanks und verfügt über eine Wärmeleistung von rund 40 Megawatt (MW).
Mai 2024: Errichtung des Schornsteins (für die HWKA)
Zusätzlich zum HKW 3 wird zur Absicherung der Fernwärmeversorgung eine erdgasbefeuerte Heißwasserkesselanlage errichtet. Diese besteht aus drei Großwasserraumkesseln mit einer Feuerungswärmeleistung von jeweils bis zu 45 MW, wodurch sich eine gesamte Feuerungswärmeleistung der HWKA von 135 MW ergibt. Die HWKA wird im bestehenden Fernwärmegebäude installiert und an die vorhandene Infrastruktur angebunden. Für die HWKA entsteht jetzt ein neuer Schornstein mit drei Zügen und einer Höhe von 110 m. Dieser wurde in sechs Elementen geliefert und im Laufe des Mais montiert.
April 2024: Beginn des Baugrubenhaushubs
Bei der Erstellung der Baugrube wird insgesamt 28.000 m³ Boden täglich mit einem großen Einsatz von Baggern und LKWs abtransportiert. Trotz räumlicher Enge und ohne Störung des laufenden Betriebs entstehen auf dem Gebiet schwere Bodenplatten, unter anderem für das Kesselhaus und Gaskompressorengebäude. Die Fertigstellung der Betonbauarbeiten ist für Mitte 2024 geplant.
März 2024: Beginn der Rohbauarbeiten (Herstellung der Fundamente)
Der Ankerkorb für den Schornstein der Heißwasserkesselanlage wird montiert. Später werden auf dem Ankerkorb die Schornsteinsegmente des 110m hohen Stahlschornsteins befestigt. In diesem werden die Rauchgase der drei Heißwasserkessel über drei Kaminröhre abgeleitet. Die Heißwasserkessel dienen der Bereitstellung von Fernwärme bspw. wenn die GuD-Anlage nicht läuft oder bei Bedarfsspitzen.
Januar 2024: Gründung der Bohrpfähle
Im Januar startete die Gründung der rund 1200 Bohrpfähle. Die Pfahlgründung ist eine Variante der Tiefgründung mit der die Lasten von Tragwerken in tiefere, tragfähigere Bodenschichten abgetragen werden. Schlecht tragfähige Bodenschichten werden so mittels Pfählen überbrückt. Bei der sogenannten Pfahlgründung werden die Pfähle mit Hilfe eines Bohrgeräts in den Baugrund gebohrt bis eine ausreichend tragfähige Bodenschicht erreicht wurde und anschließend mit Beton ausgegossen.
November 2023: Spatenstich und offizielle Eröffnung der Baustelle
Am traditionellen EnBW-Kraftwerksstandort Altbach/Deizisau wurde am 06. November 2023 der erste symbolische Spatenstich vollzogen. Thomas Matrohs, Bürgermeister Deizisau, Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg Baden-Württemberg, Dr. Georg Nikolaus Stamatelopoulos, EnBW-Vorstand, sowie Martin Funk, Bürgermeister Altbach (von links), läuteten damit den Baustart des Fuel-Switch Projekts ein.
Oktober 2023: Bauvorbereitende Maßnahmen
Die Baustelle wird sichtbar: entscheidend für einen reibungslosen und effizienten Umbau ist die sorgfältige Planung und Umsetzung der bauvorbereitenden Maßnahmen. Hierzu gehören die Einrichtung von Baustelleneinrichtungsflächen für temporäre Anlagen wie Baubüros und die Durchführung von Rückbaumaßnahmen, um Platz für den Umbau zu schaffen und Lagerflächen zu generieren. Auch der Abbau nicht mehr benötigter Anlagen und Gebäude wie beispielsweise die Fundamente des Kohlelagers 3.
Fragen und Antworten
Der Spatenstich für das Bauprojekt erfolgte am 6. November 2023. Die Bauarbeiten begannen bereits im September 2023, da eine Genehmigung für den vorzeitigen Beginn vorlag. Die Hauptbauaktivitäten sollen bis 2026 abgeschlossen werden, gefolgt von der Inbetriebsetzungsphase und der kommerziellen Inbetriebnahme.
Dass Baumaßnahmen in der Umgebung spürbar sind, lässt sich leider nicht vollständig vermeiden. Die EnBW bemüht sich aber, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Die meisten Arbeiten werden tagsüber durchgeführt, Schwertransporte, sofern möglich, in die Nachtzeiten verlegt.
Alle Maßnahmen erfolgen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens und in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Stuttgart sowie den umliegenden Gemeinden. Zudem steht die EnBW auch weiterhin im Dialog mit den Anwohner*innen, um ihre Anliegen und Fragen zu berücksichtigen.
Bis zur vollständigen Inbetriebnahme aller neuen Kraftwerks- und Fernwärmeanlagen bleiben die bestehenden Kraftwerke weiterhin in Betrieb. Dadurch wird gewährleistet, dass die Stromversorgung über das Kraftwerk und die Fernwärmeversorgung in Altbach, Deizisau und der Region zu jedem Zeitpunkt zuverlässig sichergestellt sind.
Als zusätzliche Fernwärmeabsicherung für die Heizperioden 2024/2025 und 2025/2026 hat die EnBW bereits während der Bauphase eine temporäre Mietkesselanlage errichtet.
Bevor die beiden alten Blöcke HKW 1 und HKW 2 endgültig abgeschaltet werden, wird eine Heißwasserkesselanlage zusätzlich zur bestehenden Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) gebaut, um auch in Zeiten, in denen die GuD nicht in Betrieb ist, eine sichere Fernwärmeversorgung gewährleisten. Über den Verbund der mittleren Neckarschiene kann außerdem Wärme aus den Stuttgarter Kraftwerken in den Landkreis Esslingen geliefert werden.
Für Fragen, Anregungen oder Kritik wenden Sie sich jederzeit per E-Mail an altbach-deizisau@enbw.com.
Die EnBW informiert regelmäßig über den Projektfortschritt und aktuelle Meilensteine. Dies erfolgt über die Projektseite, zu finden unter www.enbw.com/altbach-deizisau, sowie über Flyer. Zusätzlich berichten die Medien in regelmäßigen Abständen über den Fortschritt auf der Baustelle.
Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werden Gutachten wie ein Schallgutachten erstellt, um die Auswirkungen des Neubaus auf die Umgebung zu bewerten.
Nach der Inbetriebnahme der neuen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) werden die Blöcke HKW 1 und HKW 2 stillgelegt. Nur wenige Großkomponenten, wie die Gasturbinenanlagen, der Kühlturm HKW 1 und die Wasseraufbereitung, bleiben weiterhin in Betrieb. Da die stillgelegten Anlagen bisher wesentlich zu den Schallemissionen am Standort beigetragen haben, wird sich die Lärmbelastung stark verringern.
Die GuD wird nach aktuellem Stand der Technik mit Schalldämpfern und Schalldämmkulissen ausgestattet, um die gesetzlichen Grenzwerte gemäß der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) einzuhalten. Zusätzlich entfällt die Anlieferung und Entsorgung von Rest- und Zusatzstoffen aus der Rauchgasreinigung der Kohleblöcke, was das Verkehrsaufkommen reduziert.
Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werden Gutachten wie eine Immissionsprognose der Luftschadstoffe erstellt, um die Auswirkungen des Neubaus auf die Umgebung zu bewerten.
Durch die Umstellung von Kohle auf Erdgas werden die Emissionen von CO₂ und anderen klimaaktiven Stoffen erheblich reduziert. Für Altbach und Deizisau bedeutet dies, dass die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) jährlich über zwei Millionen Tonnen CO₂ einsparen kann, was rund 40 % der aktuellen Emissionen des Kohlekraftwerks entspricht.
Darüber hinaus verbessert sich die Luftqualität deutlich: Der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) wird im Vergleich zum Bestand um etwa 25 % und der von Schwefeloxiden (SOx) um mehr als 75 % reduziert. Die Staubbelastung verschwindet zudem fast vollständig und Schwermetallemissionen entfallen ganz.
Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werden Gutachten wie eine Untersuchung der Effekte auf den Gewässerschutz erstellt, um die Auswirkungen des Neubaus auf die Umgebung zu bewerten.
Durch die Inbetriebnahme der neuen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) und der anschließenden Stilllegung der Altanlagen wird zukünftig deutlich weniger Wärme in den Neckar eingeleitet, der ans Kraftwerksgelände angrenzt. Dies führt zu einer Verbesserung der Situation für den Gewässerschutz im Vergleich zum aktuellen Zustand.
Das Genehmigungsverfahren der neuen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) wird in drei Teilen durchgeführt:
- Der erste Teil des Antrags wurde im Mai 2023 eingereicht. Die EnBW erhielt hierfür im Januar 2024 die Teilgenehmigung.
- Der zweite Teil des Antrags wurde im Frühjahr 2025 eingereicht. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2026 vorgesehen.
- Der dritte und letzte Teil des Antrags befindet sich derzeit in der Erstellung und durchläuft dann anschließend das Genehmigungsverfahren.
Die zuständige Genehmigungsbehörde ist das Regierungspräsidium Stuttgart.
Die EnBW schätzt das Investitionsvolumen des Bauprojekts derzeit auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.
Auf dem bisherigen Kraftwerksgelände entstehen zwei neue Hauptbauwerke:
- Die Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) mit ihren Nebenanlagen wird im Bereich südlich des Kühlturms von Block HKW 1 errichtet.
- Zusätzlich wird ein Heißwasserkesselanlage gebaut, die sich im bestehenden Fernwärmegebäude von HKW 1 befindet.
- Der Hybridkühlturm von HKW 1 wird ebenfalls von der neuen GuD mit verwendet. Auch die Anlagen zur Wasseraufbereitung werden ertüchtigt und weiter in Betrieb bleiben.
Die zukünftige Nutzung der freiwerdenden Flächen ist derzeit noch offen und wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
Die Entscheidung für eine Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) basiert auf ihrer hohen Effizienz:
- Aus Umwelt- und Klimaschutzgründen ist es entscheidend, den eingesetzten Brennstoff möglichst effizient zu nutzen, um aus einer gegebenen Menge möglichst viel Strom und Wärme zu erzeugen.
- Durch die Kraft-Wärme-Kopplung erreicht eine GuD die beste Brennstoffausnutzung und einen Wirkungsgrad von über 60 %. Dies macht sie zur optimalen Wahl für eine nachhaltige und effiziente Strom- und Fernwärmeerzeugung.
Das Net-Zero-Ziel kann nicht in einem einzigen Schritt erreicht werden – auch nicht für einzelne Unternehmen. Besonders im Bereich der Wärmeerzeugung sind erneuerbare Energien aktuell noch nicht in der Lage, fossile Brennstoffe innerhalb weniger Jahre vollständig zu ersetzen. Erdgas dient in diesem Zusammenhang als sinnvoller Zwischenschritt, da es im Vergleich zu Kohle die Klimagasemissionen kurzfristig um etwa die Hälfte reduzieren kann. Wichtig ist dabei, dass Erdgas nur für eine Übergangszeit vorgesehen ist und den langfristigen Weg zu Netto-Null-Emissionen nicht behindert.
Die eingesetzten Gasturbinen sind flexibel und können später auf die Verbrennung von „grünen Gasen“, also beispielsweise auf Wasserstoff, umgestellt werden. Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt.
Bereits bei der Inbetriebnahme der Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) ist es möglich, dem Erdgas bis zu 20 % Wasserstoff beizumischen, wodurch die Klimagasemissionen weiter reduziert werden. Der Wechsel zu Erdgas bildet somit eine Brücke hin zur Energieversorgung mit Netto-Null-Emissionen, die die EnBW ab 2040 in Bezug auf ihre eigenen Aktivitäten anstrebt.
Die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) sorgt für eine zuverlässige Versorgungssicherheit und ergänzt die schwankende Energieproduktion aus erneuerbaren Energien. Zu Beginn wird die GuD CO₂-ärmeren Strom und Fernwärme bereitstellen.
In Zukunft, mit Wasserstoff als Brennstoff, kann sie sogar eine CO₂-freie Energieversorgung ermöglichen. Dank ihrer modernen Technologie weist die Anlage besonders niedrige Emissionswerte auf und trägt damit aktiv zur Reduzierung von Luftschadstoffen bei.
Nicht direkt und zu jeder Zeit. Die Umstellung eines Ballungsraums auf regionale erneuerbare Energien ist eine komplexe Herausforderung. Das liegt vor allem daran, dass erneuerbare Energien wie Windkraft und Photovoltaik viel Platz benötigen, da ihre Energiedichte vergleichsweise gering ist.
Zudem sind diese Energiequellen nicht regelbar – sie erzeugen Strom, wenn Wind oder Sonne verfügbar sind, und nicht unbedingt dann, wenn der Energiebedarf am höchsten ist. Um diese Schwankungen auszugleichen, sind flexibel regelbare Kraftwerke für den Bedarfsfall notwendig.
Eine Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) besteht aus einer Gasturbine, einer Dampfturbine und Wärmetauschern für die Erzeugung von Heißwasser. Sie nutzt die Energie, die bei der Verbrennung von Erdgas entsteht, besonders effizient, indem sie die entstehende Wärme dreimal verwendet:
1. Stromerzeugung durch die Gasturbine: Die heißen Verbrennungsgase, die bei der Verbrennung von Erdgas entstehen, treiben zunächst eine Gasturbine an. Diese ist mit einem Generator verbunden, der die mechanische Energie der Turbine in elektrische Energie umwandelt.
2. Zusätzliche Stromerzeugung durch die Dampfturbine: Die Abgase aus der Gasturbine sind immer noch sehr heiß. Diese Wärme wird in einem Abhitzekessel genutzt, um Wasser zu verdampfen. Der Dampf treibt eine Dampfturbine an, die ebenfalls Strom erzeugt.
3. Weiternutzung der Restwärme: Ein Teil des Dampfes, der bereits zur Stromerzeugung genutzt wurde, wird der Dampfturbine entnommen und für die Erzeugung von Fernwärme genutzt. Im Vergleich zur direkten Wärmeerzeugung in Kesselanlagen ist dieser Prozess deutlich effizienter.
Dank dieser Kraft-Wärme-Kopplung erreicht die GuD eine Brennstoffausnutzung von über 70 %. Im Vergleich zu einem Kohlekraftwerk können so rund 50 % der CO₂-Emissionen eingespart werden. Keine andere Technologie kann in so kurzer Zeit einen so großen Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten.
Die Kraft-Wärme-Kopplung der Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) sorgt für eine besonders effiziente Nutzung des Brennstoffs Erdgas und bietet perspektivisch die Möglichkeit, vollständig auf Wasserstoff umzusteigen.
In der Anfangsphase wird Erdgas mit bis zu 20 % Wasserstoffanteil verwendet, sofern dieser in ausreichender Menge verfügbar ist. Ab 2035 ist durch Anpassungen der Betrieb mit 100 % Wasserstoff geplant.
Folgende Vorteile hat die Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) gegenüber den bisher genutzten Steinkohleblöcken am Standort Altbach/Deizisau:
- Die gasbefeuerte Anlage ist flexibler regelbar als ein Kohlekraftwerk. Sie kann somit die schwankende Stromproduktion aus Wind- und Sonnenenergie besser ausgleichen.
- Die Kraft-Wärme-Kopplung in der GuD ermöglicht die effizienteste Nutzung des Brennstoffs Erdgas. Perspektivisch kann der Brennstoff Erdgas zudem durch Wasserstoff ersetzt werden.
- Erdgas ist als Brennstoff klimafreundlicher als Steinkohle. Ab 2027 wird der Ausstoß von CO₂-Emissionen pro erzeugter Kilowattstunde Strom um mehr als 50 % reduziert.
- Luftschadstoffe werden reduziert. Stickoxidemissionen (NOx) sinken um etwa 25 %, die von Schwefeloxid (SOx) und die Staubbelastung fast vollständig und Schwermetallemissionen entfallen ganz.
- Aufgrund der Stilllegung der Kohleblöcke wird das bestehende Kohlelager nicht mehr benötigt. Damit in Verbindung stehende Staub- und Lärmemissionen werden also vermieden.
- Das Verkehrsaufkommen verringert sich. Kohlelieferungen sowie ein Großteil der Anlieferung von Zusatz- und Entsorgung von Reststoffen aus der Rauchgasreinigung fallen weg.
- Der Lärm wird dank moderner Schallminderungstechnik stark verringert. Die Kohlekessel, kohlebefeuerten Hilfsdampferzeuger und die Rauchgasreinigung werden zudem stillgelegt.
- Die GuD kann zukünftig auch vollständig mit Wasserstoff betrieben werden. Ist dieser klimaneutral produziert worden, erzeugt sie später völlig CO₂-neutral Strom und Fernwärme.