Wer ein E-Auto fährt, hat es vielleicht schon erlebt: Die Batterie ist bedenklich leer, aber die nächste Ladestation zum Glück in Sichtweite. Also ranfahren, aussteigen, Ladekabel befestigen, und es passiert – nichts. Denn die Ladestation ist außer Betrieb. Eine ärgerliche Situation, die niemand erleben will, der elektrisch unterwegs ist.
Aus diesem Grund nimmt die EnBW den Schutz ihrer Ladeinfrastruktur sehr ernst. „Unser Ziel ist die maximale Verfügbarkeit aller Stationen“, sagt Jürgen Rupprecht, Leiter Technischer Betrieb Ladeinfrastruktur. Mehr als 8.000 Ladepunkte umfasst das Schnellladenetz der EnBW heute, verteilt auf mehr als 1.700 Standorten entlang von Fernverkehrsrouten, im Einzelhandel und im urbanen Bereich. Bis 2030 sollen es 20.000 Ladepunkte sein.
Zur gleichen Zeit werden Prozesse und Tools zur digitalen Überwachung des Ladenetzes immer weiter verbessert. Seit Anfang des Jahres gibt es eine zentrale EnBW-Leitstelle für das HyperNetz in Karlsruhe, von der aus sich das Ladenetz der EnBW über ganz Deutschland konsolidiert überwachen lässt. Ziel ist die Früherkennung genereller Störungsmuster sowie im Idealfall bereits deren Prävention, sodass Kunden im Feld stets ein verlässliches und funktionierendes Ladenetz vorfinden. Ob Softwarestörungen, ein seltener Ausfall des Datenfunks oder auch der Verschleiß von Teilen – kaum ein Mangel bleibt dem Personal der Leitstelle verborgen.
Störungen werden in Minuten erkannt
Im EnBW-Gebäude führt der Weg in einen büroähnlichen Raum mit mehr als 20 Bildschirmen. Einige sind gut sichtbar an den Wänden montiert, andere stehen auf den Schreibtischen. Darauf lassen sich acht Übersichten abrufen. Sie zeigen Zahlenreihen und Diagramme, mit deren Hilfe die Fachleute innerhalb von Sekunden sehen können, was an den derzeit mehr als 1.700 Standorten der EnBW los ist.
„Auf diese Weise können wir das Ladenetz vollständig überwachen“, sagt Rupprecht. Früher konnte es vereinzelt vorkommen, dass bestimmte Störungen erstmal unbemerkt blieben, bis sie ein Kunde über die EnBW-App mobility+ meldete. Heute kontrolliert die Leitstelle, ob alles reibungslos funktioniert. Gehen Störungsmeldungen ein, werden Servicetechniker alarmiert, um den Schaden zu beheben.
Mit der neuen Leitstelle verbessert die EnBW die Zuverlässigkeit des Ladenetzes weiter – denn überwacht wurde seit fünf Jahren. Nun kommt der Gesamtblick hinzu. „Störungen können wir heute gründlicher und tiefer analysieren“, sagt Rupprecht.
Kennzahlen geben Auskunft über Ursache von Störung
Auf den Dashboards verfolgt das Personal der Leitstelle heute viele verschiedene Kennzahlen, die auf eine Störung hindeuten – sowohl für die einzelne Ladestation als auch das gesamte Netz. Dazu zählt die Auslastung, aber auch die Zahl der laufenden und abgebrochenen Ladevorgänge. „Wenn hier Unregelmäßigkeiten auftreten, prüfen wir, ob ein größeres Problem vorliegt“, sagt Rupprecht. Unter Umständen ergeben sich dann Hinweise auf einen grundsätzlichen Fehler im Netz, der dann behoben werden muss.
Eine häufige Ursache sind Funkstörungen. Denn alle Ladestationen haben Anschluss ans Mobilfunknetz. Auf diesem Weg werden zum Beispiel Rechnungs- oder Verbrauchsdaten übertragen. Die Ladestationen verständigen sich über eine spezialisierte Netzwerkverbindung mit den Systemen der EnBW.
Gehen zum Beispiel alle Ladestationen in derselben Region gleichzeitig offline, dann liegt die Ursache höchstwahrscheinlich im Mobilfunknetz. Die Leitwarte informiert dann die IT-Abteilung, aber auch die Stelle im Konzern, die den Kontakt zu dem Mobilfunkbetreiber unterhält. So geht wenig Zeit verloren, um dem Fehler auf die Spur zu kommen und das Ladenetz wieder betriebsbereit zu machen.
Automatischer Auftrag an Serviceteam
Viele kleine Fehlermeldungen werden in der Leitstelle bearbeitet, ohne dass Menschen eingreifen. Abnutzung der Kabel, leere Kühlflüssigkeit, defekte Leistungseinheiten oder ausgelöste Sicherungen – das registrieren Sensoren und Software automatisch. In vielen Fällen schickt das System einen automatischen Auftrag an die Servicetechniker. Sie planen die schnellstmögliche Behebung der Störung ein. Die EnBW hat aktuell 20 eigene Servicetechniker, die Komponenten reparieren und tauschen können.
Technisch entwickelt die EnBW ihre Leitstelle immer weiter. Derzeit experimentieren Fachleute mit dem gezielten Einsatz von maschinellem Lernen. Vorstellbar ist, dass in den kommenden Jahren eine Software die vorausschauende Wartung der Ladestationen ermöglicht.