Die Frage, ob Windenergieanlagen (WEA) so laut sind, dass sie die Gesundheit der Menschen in ihrer Nähe gefährden, wird kontrovers diskutiert. Die Windenergiebranche argumentiert, dass moderne Anlagen nur minimale Schallemissionen verursachen. Angesichts der Notwendigkeit der Windenergie für die Energiewende halte sich die Geräuschentwicklung in vertretbaren Grenzen. Andererseits klagen Menschen, die in der Nähe von Windenergieanlagen wohnen, über Schlafstörungen, Kopfschmerzen und andere Beschwerden.
Der hörbare Schall einer WEA entsteht durch das Getriebe in der Gondel und die sich drehenden Rotorblätter. Dank technologischer Entwicklungen sind WEA im Laufe der Jahre leiser geworden, Verbesserungen in Design und Materialien sollten auch künftig aerodynamische und mechanische Geräusche reduzieren. Eine Maßnahme sind sogenannte Serrations, also Zacken oder Zähne an der Rückseite der Rotorblätter, die die Luftströmung beeinflussen. Die Beschaffenheit der Flügel von Eulen und ihr geräuscharmer Flug dienten Forschern als Vorbild. Sie lassen sich nachrüsten und sind teilweise auch bei neuen Anlagen schon im Einsatz. Je nach Anlage sorgen sie für eine Geräuschreduzierung um bis zu 6 dB(A).
In einer Entfernung von 500 Metern ist eine WEA in etwa so laut wie ein Kühlschrank (40 dB(A)). Die Grenzwerte für Wohngebiete liegen bei 55 dB(A) tagsüber und 40 dB(A) nachts. Vor Erteilung einer Baugenehmigung für eine WEA müssen die Anforderungen des Immissionsschutzrechts („Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm – TA Lärm“) in Bezug auf Schallimmissionen eingehalten werden.
Infraschall von WEA vernachlässigbar
Dies gilt auch für Infraschall. Messkampagnen etwa von der Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg (LUBW) haben ergeben, dass selbst im Nahbereich von WEA (150 und 300 Meter Entfernung) die gemessenen Werte „deutlich unterhalb der menschlichen Hör- bzw. Wahrnehmungsschwelle“ liegen. Belästigungseffekte seien aufgrund der deutlich unterschrittenen Hörschwelle nicht zu erwarten. Auch laut Umweltbundesamt (UBA) und Fachagentur Windenergie ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Infraschall von WEA zu rechnen.
Hörbarer Schall kann Auswirkungen haben
Das UBA weist darauf hin, dass hörbare Geräuschimmissionen von WEA als Belastungsquelle eine „bedeutende Rolle“ spielen können. Die TA Lärm stelle gleichzeitig einen wirksamen Schutz der Bevölkerung dar. Dennoch könnten Zusammenhänge zwischen Geräuschemissionen und Belästigungsempfinden festgestellt werden. Häufig hänge die psychische Belastung aber auch von der Akzeptanz der Anlagen ab.
Direkte Auswirkungen z.B. auf das Gehör seien der Wissenschaft nicht bekannt, indirekte Auswirkungen wie etwa Stress oder Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System seien jedoch nicht auszuschließen, wie auch eine Studie aus den USA berichtet. Sie fand auch einen Zusammenhang zwischen WEA-Lärm und der Einnahme von Schlafmitteln heraus.
Fazit
Direkte Beeinträchtigungen von WEA-Lärm auf die Gesundheit von Menschen sind bei Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte nicht nachweisbar. Empfindliche Personen könnten sich allerdings belästigt fühlen und unter Schlafproblemen leiden. Da Ergebnisse aus Langzeitstudien fehlen, lassen sich die Zusammenhänge noch nicht final bewerten.