Das schnellste E-Auto der Welt: Yangwang U9 Xtreme löst Rimac Nevera ab

Ein Elektroauto, das schneller fährt als viele Supersportwagen mit Verbrennungsmotor – ein Szenario, das lange undenkbar schien. Doch inzwischen fallen in der E-Mobilität Geschwindigkeitsrekorde, die selbst eingefleischte Auto-Fans staunen lassen. Wir geben einen Überblick, welche bekannten Hersteller dahinterstecken und was solche Extremwerte wirklich bedeuten.

Lange galt ein kleiner Hersteller aus Kroatien als Synonym für elektrische Höchstleistung. Mit dem Nevera setzte der Spezialist Rimac neue Maßstäbe in puncto Top-Speed und Performance. Nun übernimmt ausgerechnet ein global tätiger Konzern aus China die Spitze. Der Yangwang U9 Xtreme von BYD ist aktuell das schnellste E-Auto der Welt. Der Wechsel an der Spitze zeigt auch, wie stark sich die Kräfteverhältnisse in der E-Mobilität verschoben haben.



Was „das schnellste E-Auto“ heute wirklich bedeutet

Wenn vom „schnellsten Elektroauto der Welt“ die Rede ist, geht es längst nicht nur um einen einzigen Zahlenwert. Geschwindigkeit lässt sich auf unterschiedliche Weise messen – und je nach Perspektive fällt das Ergebnis anders aus. Manche Hersteller fokussieren sich auf die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (bzw. 200, 300 oder 400 km/h), andere auf Zwischensprints oder die absolute Höchstgeschwindigkeit. Jeder dieser Werte erzählt eine eigene Geschichte.

Besonders bei Elektroautos spielt die Beschleunigung traditionell eine große Rolle. Der bei Elektromotoren sofort verfügbare Drehmoment-Schub sorgt dafür, dass selbst schwere Fahrzeuge in wenigen Sekunden aus dem Stand mit hoher Kraft beschleunigen. Für den Alltag ist das oft relevanter als eine theoretische Endgeschwindigkeit, die auf öffentlichen Straßen sowieso kaum ausgefahren werden kann.

Genau hier hat Tesla früh Maßstäbe gesetzt. Mit dem Tesla Model S Plaid zeigte der Hersteller, wie eindrucksvoll sich elektrische Antriebe in Beschleunigung umsetzen lassen: In rund zwei Sekunden sprintet die Limousine von 0 auf 100 km/h – eine extreme Beschleunigung, für die man nicht nur einen starken Magen braucht.

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Wettstreit auf der Rennstrecke

Beim Wettkampf um den Titel „schnellstes E-Auto der Welt“ ist und bleibt die Höchstgeschwindigkeit aber die Königsdisziplin. Dabei treten in der Regel aber keine seriennahen Modelle an (wie z. B. bei Tourenwagen-Rennen), sondern Versionen, die speziell für die Rekordfahrt vorbereitet wurden. Viele Bestmarken entstehen unter kontrollierten Bedingungen – mit angepasster Aerodynamik, speziellen Reifen und ohne Rücksicht auf Komfort oder Reichweite.

Der neue Weltrekordhalter: Yangwang U9 Xtreme

Im September 2025 setzte der Yangwang U9 Xtreme einen neuen Geschwindigkeitsmaßstab. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im niedersächsischen Papenburg beschleunigte der Elektro-Sportwagen auf 496,4 km/h – schneller als jedes straßenzugelassene Auto zuvor. Zum Vergleich: Der Rimac Nevera R erreichte im Juli 2025 eine Höchstgeschwindigkeit von 431,45 km/h. Am Steuer des Yangwang U9 Xtreme saß der deutsche Rennprofi Marc Basseng. Der Rekord in Papenburg war dabei nicht die erste Bestmarke. Am 22. August 2025 fuhr der U9 Xtreme auf der Nürburgring-Nordschleife (20,832 Kilometer) eine Rundenzeit von 6:59,157 Minuten. Damit blieb erstmals ein elektrischer Supersportwagen unter der Sieben-Minuten-Marke.

Möglich wird das extrem hohe Tempo durch ein konsequent auf Leistung ausgelegtes Gesamtkonzept. Vier Elektromotoren treiben jeweils ein Rad an und liefern in der Rekordversion eine Systemleistung von über 2.200 kW (mehr als 3.000 PS). Die Kraftverteilung erfolgt dabei vollvariabel: Eine Software regelt in Echtzeit, wie viel Drehmoment jedes einzelne Rad erhält. Das sorgt nicht nur für extreme Beschleunigung, sondern auch für Stabilität bei sehr hohen Geschwindigkeiten.

Eine Schlüsselrolle spielt das Hochvolt-System. Während die Serienversion, der Yangwang U9, mit einer 800-Volt-Architektur arbeitet, setzt die Xtreme-Version auf ein 1.200-Volt-System. Der Vorteil: Hohe Leistungen lassen sich länger abrufen, ohne dass Kabel, Wechselrichter oder Batterie überhitzen.

Marc Basseng mit einem roten Helm im Auto

Rennprofi Marc Basseng stellte den neuen Geschwindigkeitsrekord im Yangwang U9 Xtreme auf (Bildquelle: © BYD 2025).

Gleichzeitig ist das Energiespeichersystem konsequent auf den Extrembetrieb ausgelegt. Die neue Blade-Batterie fällt mit rund 80 kWh vergleichsweise kompakt aus, verfügt aber über eine außergewöhnlich hohe Entladerate von 30C. Das C steht für Capacity (Kapazität) und gibt an, wie schnell ein Akku im Verhältnis zu seiner Nennkapazität geladen oder entladen wird. Das bedeutet, dass die Batterie kurzfristig das 30-Fache ihrer Nennleistung bereitstellen kann. Rein rechnerisch könnte sie ihre gesamte Energie damit innerhalb von etwa zwei Minuten abgeben.

Hinzu kommt eine optimierte Aerodynamik. Aktive Fahrwerkskomponenten passen sich zudem während der Fahrt an, spezielle Hochgeschwindigkeitsreifen sorgen für die nötige Bodenhaftung. Denn bei fast 500 km/h entscheidet nicht allein die Motorleistung über Triumph oder Niederlage – sondern auch die Fähigkeit, das Fahrzeug kontrollierbar auf der Straße zu halten.

Das schnellste E-Auto auf der Welt in rot auf der Straße am Fahren

Der Yangwang U9 Xtreme vom chinesischen Autobauer BYD ist das derzeit schnellste E-Auto der Welt (Bildquelle: © BYD).

Warum BYD das schnellste E-Auto der Welt bauen wollte

Auf den ersten Blick wirkt das Vorgehen widersprüchlich: Ein Unternehmen, das weltweit Millionen bezahlbarer Elektroautos verkauft und mittlerweile sogar Tesla als größten E-Auto-Hersteller überholt hat, investiert Zeit und Ressourcen in ein extrem teures Hochleistungsfahrzeug. Doch genau darin liegt die strategische Logik von BYD.

Denn BYD ist längst mehr als ein reiner „Volumenhersteller“ – also ein Autobauer, der vor allem über hohe Stückzahlen im Massenmarkt definiert ist. Das Unternehmen entwickelt und produziert zentrale Komponenten inzwischen selbst, von der Batterie über die Leistungselektronik bis hin zur Software. Diese breite technologische Basis schafft Unabhängigkeit und Kostenvorteile. Zugleich strebt BYD an, noch stärker als bisher als innovatives Unternehmen wahrgenommen zu werden.

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Hinzu kommt der zunehmende Druck im globalen Markt für E-Autos. Sowohl in China als auch in Europa verschärft sich der Wettbewerb, Preise geraten unter Druck, Margen sinken. Für BYD bedeutet das, sich nicht ausschließlich auf hohe Stückzahlen zu verlassen, sondern zusätzliche, ertragreichere Segmente zu erschließen.

Mit der Submarke Yangwang will BYD sich so ein Stückweit unter den Luxus-E-Autos neu positionieren. Ziel ist es, technologische Kompetenz sichtbar zu machen – und was gibt es Besseres als einen offiziellen Geschwindigkeitsweltrekord, der Aufmerksamkeit weit über die Fachwelt hinaus erzeugt? Insgesamt sind 30 Exemplare des Yangwang U9 Xtreme geplant. Der Einstiegspreis liegt bei umgerechnet ca. 250.000 bis 300.000 Euro (die reguläre Version beginnt bei rund 220.000 Euro).

Der grüne Nevera R auf der Straße

Mit der weiterentwickelten Version Nevera R erzielt der kroatische Hersteller Rimac eine Höchstgeschwindigkeit von über 430 Kilometern pro Stunde (Bildquelle: © Rimac).

Der bisherige Spitzenreiter: Rimac Nevera (R)

Bevor der U9 Xtreme die Schlagzeilen bestimmte, setzte ein anderer Supersportwagen den Maßstab für das schnellste E-Auto der Welt: der Rimac Nevera. Das kroatische Elektro-Hypercar zeigte schon 2021, wozu elektrische Antriebe fähig sind. Das Konzept ist das gleiche wie beim chinesischen Rivalen: Vier Elektromotoren treiben jeweils ein Rad an und liefern zusammen fast 2.000 PS. Diese Kraft steht sofort bereit – ohne Schaltpausen, ohne Verzögerung. Auf der Teststrecke erreichte der Nevera damit Geschwindigkeiten von über 400 km/h und sprintete in Bereichen, die zuvor kaum vorstellbar waren.

Doch es ging Rimac nie nur um einen einzelnen Bestwert. Der Nevera sammelte Rekorde gleich serienweise – von Beschleunigungswerten über Kombinationsdisziplinen bis hin zu Bremsleistungen. An einem einzigen Testtag stellte das Fahrzeug mehr als zwanzig Bestmarken auf. Das machte ihn zum Referenzpunkt für Hersteller weltweit, die zeigen wollten, dass Elektromobilität auch im absoluten Hochleistungsbereich angekommen ist.

Mit der weiterentwickelten Version Nevera R schob Rimac die Grenzen später noch einmal nach oben. Die Leistung stieg auf rund 2.100 PS, gleichzeitig sank das Fahrzeuggewicht um etwa 35 Kilogramm. Auf diese Weise erreichte der Nevera R eine Höchstgeschwindigkeit von 431,45 km/h. Zudem pulverisierte er im Sommer 2025 weitere Rekorde, darunter die Beschleunigung von 0 auf 400 km/h und zurück auf Null in nur 25,79 Sekunden – übrigens auch auf dem High-Speed-Oval in Papenburg.

Hier nochmal die Daten im direkten Vergleich:

Merkmal
Rimac Nevera R
Yangwang U9 Xtreme
Höchstgeschwindig-keit
ca. 431,45 km/h (Rekordlauf auf Teststrecke)
496 km/h (Weltrekord für Serienfahrzeug)
0–100 km/h
ca. 1,72 bis 1,8 s
ca. 2,3 bis 2,4 s
Batteriegröße
ca. 108 kWh
ca. 80 kWh
Preis (rund)
ca. 2,1 bis 2,4 Mio. EUR
ca. 211.000 bis 230.000 EUR
Der Innenraum des Rimac Nivera R

Auch im Innenraum ist der Rimac Nivera R auf Leistung getrimmt (Bildquelle: © Rimac 2025).

Fazit: Was vom schnellsten E-Auto der Welt im Alltag ankommt

Geschwindigkeitsrekorde entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit, unzähliger Simulationen und Tests unter Extrembedingungen. Hersteller reizen dabei ganz gezielt einzelne Komponenten bis an ihre physikalischen Grenzen aus – nicht, weil solche Werte im Alltag gebraucht werden, sondern weil sie Schwächen schonungslos offenlegen. Was bei 450 oder 500 km/h funktioniert, arbeitet bei Tempo 130 meist besonders stabil und effizient.

Genau darin liegt der eigentliche Nutzen dieser Rekordfahrzeuge. Neue Hochvolt-Systeme, ausgefeiltes Thermomanagement oder intelligente Regelsoftware werden zunächst für den Extremfall entwickelt. Später wandern vereinfachte Versionen dieser Technologien in Serienfahrzeuge. Auch Systeme für schnellere Ladezeiten und konstantere Leistung oder innovative Batterie-Konzepte haben ihren Ursprung oft genau hier – auf den internationalen Test- und Rennstrecken.

Dass ausgerechnet ein großer E-Autobauer wie BYD den aktuellen Geschwindigkeitsrekord setzt, ist aber kein Zufall. Er zeigt, wie sehr sich die Branche verändert hat – und sich die früheren Kräfteverhältnisse Richtung Asien verschieben. Gerade für chinesische Hersteller dienen solche Spitzenwerte immer stärker als clevere PR-Maßnahme: weg vom Image günstiger Massenprodukte „Made in China“, hin zu leistungsstarken, technologisch anspruchsvollen High-Tech-Fahrzeugen.

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