Lunaz rüstet Rolls-Royce mit Elektroantrieb aus

Lunaz ist bekannt dafür, Oldtimer zu restaurieren und in Elektroautos umzubauen. Jetzt hat sich der Autospezialist zwei Modelle der Traditionsmarke Rolls-Royce vorgenommen und mit einem E-Motor ausgestattet. Wir werfen einen Blick auf den umgebauten Silver Cloud und den Phantom V.

Die luxuriösen Limousinen des britischen Herstellers Rolls-Royce stehen wie keine anderen für den Komfort der Oberklasse. In Filmen sitzt oft ein Chauffeur hinterm Steuer, während die Insassen entspannt Cocktails, Champagner und Zigarren genießen. Auf der Straße fallen die Autos der Traditionsmarke durch ihr klassisches (und ikonisches) Karosseriedesign auf. Doch unter der Haube arbeitet modernste Technik – dank des Spezialausrüsters Lunaz werden jetzt einige von einem Elektromotor angetrieben.


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Elektrifizierung von Oldtimern in Handarbeit: Lunaz macht es möglich

Die britische Firma Lunaz hat sich auf die Restaurierung und Elektrifizierung von Oldtimern spezialisiert. Das Unternehmen ist noch jung, die Firma gibt es erst seit 2018. Das erste umgerüstete Modell war ein Jaguar XK120 von 1953, den das Unternehmen aus dem Motorsport-Zentrum Silverstone mit zwei Elektromotoren und einem 80 kWh-Akku ausstattete. Bei Lunaz arbeiten ausgewiesene Profis. Das Team um Chef David Lorenz setzt sich aus ehemaligen Mitarbeitern der Autobauer Rolls-Royce, Aston Martin, Ferrari und Jaguar zusammen, dazu kommen etliche Entwickler von Cosworth und McLaren mit Formel-1-Erfahrung. Lorenz hat das Unternehmen übrigens nach seiner Tochter Luna benannt.

Der Rolls Royce Phantom V entkernt und für die Umrüstung auf E-Antrieb bereit

Bei der Umrüstung wird der Rolls-Royce komplett entkernt und mit modernster Technik ausgestattet. © 2020 Lunaz Design

Beim Umbau der Oldtimer setzt Lunaz auf Einzelanfertigungen: Jedes umgerüstete Fahrzeug wird im Werk genau unter die Lupe genommen. Denn zusätzlich zum Umbau auf Elektromotorisierung wird nach Firmenangaben jedes Fahrzeug auch generalüberholt und komplett restauriert. Im Zuge der Neugestaltung wird nur die ursprüngliche Karossiere belassen. Der Wagen wird bis auf die Stahlverkleidung komplett entkernt und per Scan wird ein 3D-Modell erstellt. Damit wollen die Techniker sicherstellen, dass jedes Fahrzeug technisch optimal restauriert und umgebaut wird.

Zeitgemäße Ausstattung für den Rolls-Royce mit Elektroantrieb

Seit Kurzem arbeitet Lunaz auch an zwei klassischen Rolls-Royce-Modellen: dem Phantom V und dem Silver Cloud. „Hinsichtlich Präsenz, Stil und Bedeutung kommt kein Auto der Welt einem Phantom gleich“, sagte Lunaz-Gründer David Lorenz gegenüber dem britischen Automagazin Motor1. „Durch die Elektrifizierung sind wir stolz darauf, das Vermächtnis des ‚besten Autos der Welt‘ weiterzuführen und den Besitz eines Rolls-Royce auch für eine neue Generation zu einer wichtigen Entscheidung zu machen.“ Vor allem jüngere Kunden würden sich stärker für E-Autos interessieren, die von Rolls-Royce selbst aber noch gar nicht angeboten werden.

Das Amaturenbrett des elektrischen Rolls Royce

Das Interieur des Rolls-Royce ist auch nach der Umrüstung so gediegen und luxuriös wie eh und je. © 2020 Lunaz Design

Und so mischen sich beim Umbau Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Während im Innenraum weiterhin traditionelle Anmutung mit Holzelementen und analogen Anzeigen überwiegt, stattet Lunaz die Fahrzeuge hinter der Verkleidung mit modernster Technik aus. Außer einen Elektromotor erhalten die Oldtimer bei weiteren Komponenten ein zeitgemäßes Upgrade, zum Beispiel eine Heizung, eine Klimaanlage sowie moderne Funktionen wie Navigationssystem, WiFi und Soundsystem.

Der E-Motor ist das unsichtbare Highlight der umgerüsteten Rolls-Royce

Die Umrüstung der Fahrzeuge ist aber das Highlight der Oldtimer-Restaurierung. Dazu wird der Elektroantrieb samt weiteren Komponenten wie Ladegerät und Gleichstromwandler in das bestehende Design integriert. Die ehemalige Tanköffnung fungiert nun als Ladebuchse, die Pedale werden für den elektrischen Antrieb angepasst und die Bremsen werden auf Energierückgewinnung mittels Rekuperation umgestellt. Bestandteil der Generalüberholung ist auch eine Verbesserung der Federungs-, Lenkungs- und Elektroniksysteme.

Klassischer Rolls-Royce Phantom V mit Ladekabel.

Ungewohntes Bild: Klassischer Rolls-Royce Phantom V mit Ladekabel. © 2020 Lunaz Design

Die E-Motoren sind laut Angaben des Unternehmens an die aktuellen Anforderungen angepasst. Die umgerüsteten Oberklasse-Limousinen Silver Cloud und Phantom V sollen eine Reichweite von etwa 500 Kilometern haben. Dies ermöglicht ein leistungsstarker Akku, der im Silver Cloud 80 kWh und im Phantom V sogar 120 kWh fasst. Angetrieben werden die Fahrzeuge von rund 375 PS starken Motoren, die in rund fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Zum Vergleich: Die erste Serie des Rolls-Royce Silver Cloud hatte bei Markteinführung eine Motorleistung von „nur“ rund 150 PS.

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Ein Rolls-Royce mit Elektroantrieb hat seinen Preis

Der Umbau und das technologische Upgrade der Rolls-Royce-Limousinen haben ihren Preis. Sind gebrauchte Modelle des Silver Cloud und Phantom V auf einschlägigen Auto-Portalen bereits ab 50.000 Euro zu haben, müssen zukünftige Besitzer eines E-Rolls-Royce sehr viel tiefer in die Tasche greifen. Nach Angaben von Lunaz kostet der umgerüstete Silver Cloud rund 400.000 Euro und der Phantom V sogar etwa 550.000 Euro (Preise übrigens noch ohne Mehrwertsteuer!). Das ist ein Vielfaches des Preises, den du beispielsweise für die neuen E-Autos von Mercedes-Benz bezahlen müsstest. Dafür erhalten die Besitzer der betagten Wagen aber auch Ausstattung und Motorisierung nach neuestem Standard – und das unbezahlbare „Rolls-Royce-Feeling“.

Die Motorhaube des Rolls Royce

Die Luxuslimousinen von Rolls-Royce stehen für den Komfort der Oberklasse – natürlich auch in den elektrifizierten Versionen von Lunaz. © 2020 Lunaz Design

Die beiden Modelle von Rolls-Royce mit Elektroantrieb wird es zukünftig in verschiedenen Ausführungen geben, unter anderem als viertürige Limousine, als zweitüriges Coupé und als Cabriolet. Laut Lunaz sollen jeweils 30 Exemplare der Rolls-Royce-Modelle Silver Cloud und Phantom V generalüberholt und mit Elektroantrieb ausgestattet werden. Die Stückzahl ist also stark limitiert.
Bevor die Wagen an die Kunden ausgeliefert werden, durchlaufen sie einen umfassenden Test mit Testfahrt. Dafür bietet sich praktischerweise die Rennstrecke von Silverstone an, die Lunaz direkt vor der Haustür hat. Doch die meisten Kunden werden es wohl eher gemütlich angehen lassen. Denn wer sich einen derart hohen Preis leisten kann, verfügt vermutlich auch über einen Chauffeur, der dann auch die Fahrten zur nächsten Ladestation unternimmt.

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