So funktioniert die Strombeschaffung

Jeden Monat zahlen wir ganz selbstverständlich einen Stromabschlag. Dabei ist nur wenigen Verbrauchern klar, wie Strom eigentlich beschafft wird und wie sich der monatlich berechnete Strompreis zusammensetzt.

Wo der Strom herkommt, ist grundsätzlich klar: aus den Kraftwerken. Stromanbieter können diesen entweder aus ihren eigenen Anlagen direkt beziehen oder am Großhandelsmarkt einkaufen. Tim Stoll, Manager Energiewirtschaft bei der EnBW, erklärt im Interview, wie Strombeschaffung und Stromhandel in Deutschland ablaufen.


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Strombeschaffung am Großhandelsmarkt

Wir alle nutzen täglich Haushaltsgeräte wie TV, Laptop und Ofen. Tim, wie wird der Strom eigentlich beschafft, mit dem ihr eure Kunden versorgt?

Die Beschaffung von Strom erfolgt in Deutschland im Regelfall über den Großhandelsmarkt. Hierbei kann grundsätzlich zwischen zwei Arten der Beschaffung unterschieden werden: der Kurz- und der Langfristbeschaffung. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Beschaffungsstrategien, die sich im Wesentlichen durch den Beschaffungszeitraum, den Beschaffungszeitpunkt und die jeweilige Menge unterscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen kurzfristiger und langfristiger Beschaffung?

Bei der Kurzfristbeschaffung erfolgt der Einkauf, wie der Name schon sagt, kurzfristig vor Beginn der Belieferung und ist damit nah am aktuellen Marktpreis. Je kurzfristiger die Beschaffung ausgerichtet ist, desto besser lässt sich der Strombedarf unserer Kunden prognostizieren. Auf der anderen Seite sind die dafür relevanten Preise eben auch erst sehr kurzfristig bekannt. Sie unterliegen dabei teilweise größeren Schwankungen, was eine verlässliche Preiskalkulation und Planung im Vorfeld schwierig macht.

Bei der Langfristbeschaffung hingegen werden die benötigten Strommengen teilweise bereits über mehrere Jahre im Voraus „Stück für Stück“ eingekauft. Damit kann ein stabiles Durchschnittspreisniveau erreicht werden, das allerdings vom aktuellen Marktniveau abweichen kann – positiv wie negativ.

Windräder

Eine langfristige Strombeschaffung vermeidet Preisschwankungen.

Doppelte Beschaffungsstrategie beim Strom

Wie kauft die EnBW Strom ein und warum?

Die aktuelle Beschaffungsstrategie für unsere Kunden ist eine Kombination aus Kurz- und Langfristbeschaffung nach fest definierten Regeln. Dadurch stellen wir eine adäquate Absicherung aller vorhandenen Risiken an den Beschaffungsmärkten bei Wahrung der Chancen sicher.

Preisentwicklung beim Strom hängt von unterschiedlichen Faktoren ab

Die Preisentwicklung am Großhandelsmarkt ist in ständiger Bewegung. Warum kann es zu kurzfristigen Schwankungen kommen?

Die Entwicklung des Strompreises an den Märkten unterliegt wie an jeder anderen Börse Schwankungen. Dabei spielen viele unterschiedliche Faktoren, wie beispielsweise Brennstoffpreise, Preise für Emissionszertifikate und Kraftwerksverfügbarkeiten eine Rolle. Auch politische Entscheidungen und nicht zuletzt wirtschaftliche Veränderungen spielen eine entscheidende Rolle bei der grundsätzlichen Erwartungshaltung an das Marktgeschehen. All diese Faktoren werden durch die Marktteilnehmer berücksichtigt und eingepreist. Das heißt, durch eine Veränderung einer oder mehrerer dieser Komponenten oder Einschätzungen kann sich der Preis jederzeit ändern.

Werden Schwankungen weitergegeben?

Kurz vorab: Die Strombeschaffung und die damit verbundenen schwankenden Marktpreise sowie der Vertrieb machen aktuell nur circa 23% des gesamten Strompreises aus. Den Löwenanteil bilden Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Netzentgelte; Faktoren, die von uns als Stromanbieter nicht beeinflussbar sind. Hierfür sind Staat und Netzbetreiber verantwortlich. Mehr Informationen zum Thema Strompreis und Preisgarantien findet man übrigens auch auf unserer Infoseite zur Strompreiszusammensetzung.

Infografik Strompreiszusammensetzung

Eine Veränderung der Kostenbasis (positiv wie negativ) wird im Rahmen von vertraglich geregelten Preisanpassungen an Kunden weitergegeben oder spiegelt sich in neuen Angeboten wider. Um die Preise nicht ständig anpassen zu müssen, geschieht das allerdings nicht immer sofort, sondern im Regelfall einmal im Jahr. Dabei muss beachtet werden, dass die verschiedenen Preisbestandteile gegenläufig wirken können und sich manchmal sogar aufheben. Wenn beispielsweise die Beschaffungskosten nachhaltig sinken, im gleichen Moment aber die EEG-Umlage oder Netzentgelte in gleicher oder ähnlicher Höhe steigen, stellt der Endkunde trotz gesunkener Beschaffungspreise unterm Strich keine Entlastung fest.

Regionale Unterschiede bei den Strompreisen

Abschließend noch eine Frage: Können Strompreise regional oder aus anderen Gründen unterschiedlich sein?

Ja, das ist durchaus möglich. In Bezug auf die Beschaffung selbst gibt es jedoch keine Unterschiede in Abhängigkeit der Region oder des Bundeslands.
Trotzdem können die gültigen Strompreise für Endkunden regional unterschiedlich ausfallen. Dies kann an unterschiedlichen Netzentgelten der Netzbetreiber und unterschiedlichen Konzessionsabgaben liegen. Letztere werden z. B. nach Einwohnerzahlen der jeweiligen Gemeinden gestaffelt und fallen entsprechend unterschiedlich hoch aus. Weitere Unterschiede können durch den Anwendungsbereich oder durch verschiedene Produktattribute entstehen. So wird zum Beispiel Strom, der zum Heizen genutzt wird, zum Teil anders bepreist als Strom für den normalen Haushaltsverbrauch. Darüber hinaus unterscheiden sich zum Beispiel auch Ökostrom und konventioneller Strom preislich voneinander.

Wir danken dir für das Interview!

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