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Elektro-Lkw für den alltäglichen Bedarf

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Ist vom Elektroantrieb für den Güterkraftverkehr überzeugt: EnBW-Vorstandsmitglied Dirk Güsewell testet den Ladevorgang bei einem Elektro-Lkw.

Doch wie sieht es eigentlich bei den Lkw mit dem Elektroantrieb aus? Schließlich verursachen die europaweit mehr als ein Viertel der Emissionen im Straßenverkehr. Klar ist: Will die EU ihre selbstgesteckten Klimaziele erreichen und 2050 klimaneutral wirtschaften, muss etwas passieren. Rund zwei Drittel aller Lkw bewegen sich auf Kurz- oder Regionalstrecken. Hinzu kommen noch die Busse, Müllfahrzeuge oder Straßenreinigungen die täglich ebenfalls nur wenige Kilometer fahren und nachts auf dem Betriebshof laden können.

Umweltfreundlicher als Elektro-Lkw ist nur der Schienenverkehr. Doch der ist keine Alternative für den Verteilerverkehr. Damit bezeichnet man die Strecke, die Waren aus den Regionaldepots von Unternehmen wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl bis zum Verkaufsort zurücklegen. Der Schienenverkehr kann diese Kurzfahrten auf der letzten Meile nicht leisten, dafür fehlt es am Schienennetz.

Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb gibt es in verschiedenen Modellen

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Für die Kurzstrecke sind E-Trucks heute die umweltfreundlichste Lösung und können einen spürbaren Effekt erzielen: Würden alle innerdeutschen Lkw-Fahrten per Elektroantrieb stattfinden, wären die CO₂-Emissionen des Lkw-Verkehrs nur halb so hoch. Die gute Nachricht ist: Technisch ist das bereits möglich. Denn auf dem Markt gibt es bereits eine Vielzahl an eModellen: MAN, Volvo, Renault oder DAF – um nur einige Beispiele zu nennen – bieten Lösungen an, die 200 bis 300 Kilometer Reichweite haben.

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Auch Daimler Truck, der weltweit größte Nutzfahrzeughersteller, setzt seine Flotte unter Strom. Im rheinland-pfälzischen Wörth produziert das Unternehmen seit 2021 den eActros – einen für den Verteilerverkehr ausgelegten Elektro-Lkw, der sogar bis zu 400 Kilometer Reichweite hat. Mit dem eEconic hat Daimler eTruck seit kurzem auch eine Variante für die kommunalen Fuhrparks erhältlich. Je nach Variante lassen sich mit heute verfügbaren Ladetechnologien ihre Batterien in ein- bis anderthalb Stunden auf 80 Prozent laden. Wie das genau funktioniert, können Kund*innen im eTruck Charging Park am Daimler Truck Werk Wörth testen.

Der Staat fördert den Elektroantrieb auf vielen Ebenen

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Im eTruck Charging Park können Lkw-Kund*innen Ladesäulen und Ladekonzepte von verschiedenen Hersteller*innen ausprobieren. Mithilfe der Expert*innen von Daimler Truck und Netze BW erarbeiten sie maßgeschneiderte Lösungen für ihre eigenen Anwendungen.

Ist der Fortschritt in der Elektromobilität für Kommunen, Transport- und Logistikunternehmen zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich sinnvoll? Immerhin ist derzeit ein Elektro-Lkw in der Anschaffung noch dreimal so teuer wie die Dieselvariante. Auch die Fixkosten (Versicherungen, Steuer, Personalkosten) und variable Kosten (Spritpreise, Reparatur- und Wartungsarbeiten) entscheiden über die Sinnhaftigkeit einer Investition – hier hat der E-Lkw schon heute die Nase vorn.

Drei gute Gründe, warum sich ein Wechsel lohnt

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Und auch wenn Elektro-Lkw heute deutlich mehr kosten, gibt es gleich mehrere gute Argumente, am Ball zu bleiben:

  1. Erstens ist zu erwarten, dass die Anschaffungspreise mit steigenden Stückzahlen fallen werden.
  2. Zweitens: Derzeit profitieren Speditionen von einem vielfältigen Förderprogramm in Deutschland. Der Staat fördert derzeit rund 80 Prozent der höheren Anschaffungskosten eines E-Lkw. Allerdings müssen die Anträge bis zum 10. August 2022 beim Bundesamt für Güterverkehr (BAG) eingereicht werden. Auch Machbarkeitsstudien sind bis zu 50 Prozent förderfähig.
  3. Und drittens wird konventioneller Treibstoff in Zukunft aller Voraussicht nach teurer. Steffen Stumpp, Nutzverkehrsexperte des Beratungsunternehmens Berylls sagte bereits 2021 gegenüber dem Spiegel, dass sich Diesel-Lkw und E-Trucks bei den Gesamtkosten immer mehr angleichen werden. Ab 2026 werden seiner Einschätzung nach Fahrzeuge mit Elektroantrieb günstiger sein.

Unter dem Strich kann der Kauf eines E-Trucks für Kommunen, Transport- und Logistikunternehmen bereits heute eine sinnvolle Investition in die Zukunft sein. Das Angebot passender Fahrzeuge ist da und wird künftig weiter wachsen. Denn viele Lkw-Hersteller*innen haben mittlerweile E-Modelle im Programm oder arbeiten an neuen Lösungen. Das wertet nicht nur die innerstädtische Lebensqualität auf, sondern ist ein großer Schritt in Richtung Klimaneutralität.

Was genau ist eigentlich Güterverkehr?

Güterverkehr oder Gütertransport bezeichnen allgemein den Warentransport per Straße, Schiene, Wasser oder Luft. Der Güterkraftverkehr ist ein Teilbereich davon, nämlich die Beförderung von Waren mit Kraftfahrzeugen, die ein Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen haben.

Dabei unterscheidet man zwischen nationalem und internationalem Warentransport sowie dem Werkverkehr (Güterbeförderung von Unternehmen für eigene Zwecke und als Nebentätigkeit zur eigentlichen Geschäftstätigkeit) und dem Kabotageverkehr (Transportdienstleistungen von ausländischen Unternehmen). Der Güterkraftverkehr unterliegt in Deutschland dem Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) sowie der EU-Verordnung 1071/2009.

Blick in die Zukunft: Schnelles Laden in der Kaffeepause

Der Fernverkehr benötigt ein öffentliches Ladenetz mit mehr Leistung. Dann kann die die Zukunft so aussehen: Alle 4,5 Stunden machen die Fahrer*innen die vorgeschriebenen 45 Minuten Pause – E-Truck an die Ladestation anschließen, einmal zur Toilette, einen Kaffee, ein Sandwich und schon hat die Batterie wieder 80 Prozent Leistung und reicht für mindestens weitere 4,5 Stunden. Und das bedeutet: kein Nachteil für E-Lkw gegenüber Diesel-Lastwagen.

Möglich machen würde das das sogenannte Megawatt Charging System (MCS). Das Schnellladesystem für die Elektromobilität könnte voraussichtlich ab 2024 die bis zu 1.000 Kilowattstunden mächtigen Akkus der E-Brummis mit einer Ladeleistung von 3,75 Megawatt aufladen – bis zu sieben Mal schneller als die derzeit verfügbaren Ladesysteme. Damit MCS schnell flächendeckend zur Verfügung steht, starten die drei führenden Lkw-Hersteller*innen gemeinsam mit dem Aufbau der Ladeinfrastruktur: Seit 2022 errichten Daimler, Volvo und Traton 1.700 Hochleistungs-Ladestationen für E-Lkw.

Wie das Laden im Fernverkehr funktionieren kann, untersuchen seit 2021 rund zwei Dutzend Unternehmen aus Industrie und Forschung, zu denen auch die EnBW und Netze BW gehören. Auf der Autobahn A2 entsteht die weltweit erste Demonstrationsstrecke für das Megawattladen von Nutzfahrzeugen: das Projekt HoLa (Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr).

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