Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära in der Energieversorgung – der Zukunft mit Wasserstoff. Für eine sichere Versorgung braucht es strategische Partnerschaften, neue Wege in der Erzeugung sowie eine moderne Infrastruktur. Wir bei der EnBW zählen zu den Pionier*innen und Treiber*innen der H₂-Zukunft: Mit unserer Kompetenz und Erfahrung helfen wir mit, die Energiezukunft Wirklichkeit werden zu lassen.
Öhringen: bis zu 100 Prozent Wasserstoff im Erdgasnetz
Wasserstoff im Erdgasnetz – geht das? Ja. Mit den Projekten Wasserstoffinsel Öhringen und Netzlabor H2-100 haben wir das von November 2021 bis April 2025 getestet: Anfangs wurden 30 Prozent Wasserstoff in ein örtlich begrenztes Erdgasnetz eingespeist. Anschließend wurde der Anteil erhöht. Auch bei 100 Prozent Wasserstoff ist ein sicherer und zuverlässiger Betrieb des Erdgasnetzes möglich.
Der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft ist eine Mammutaufgabe. Wir gehen den Umbau auf allen Ebenen an: von der Erzeugung über den Transport und die Speicherung bis zum Vertrieb. Auch für unsere eigenen Kraftwerke haben wir uns ambitionierte Ziele gesetzt und planen, bis Mitte der 2030er Jahre den Betrieb auf Wasserstoff umzustellen.
Immer wieder müssen Wind- und Solarparks abgeschaltet werden, wenn zeitgleich zu viel Strom entsteht. Elektrolyseure wandeln Ökostrom und Wasser in grünen Wasserstoff um. So lässt sich die Energie in Erzeugungsspitzen speichern und dorthin transportieren, wo Bedarf besteht.
Insgesamt wird das Potential an erneuerbaren Energien in Deutschland nicht ausreichen, um die entstehenden Bedarfe durch Wasserstoffproduktion im Inland decken zu können. Daher werden Importe maßgeblich zur Deckung der Wasserstoffbedarfe beitragen - mit einem Importanteil von 50-70% gemäß nationaler Wasserstoffstrategie in 2030. Dabei werden zur Versorgungssicherheit verschiedene Herkunftsländer und Importrouten betrachtet.
Das Wasserstoff-Kernnetz transportiert den Wasserstoff über weite Strecken dorthin, wo er gebraucht wird. Hier treiben unsere Töchter terranets BW und ONTRAS den Aufbau voran. Aber auch auf Verteilnetzebene braucht es eine leistungsfähige, bedarfsgerechte H₂-Infrastruktur. Unsere Verteilnetzbetreiber wie die Netze BW bereiten diesen Umbau vor und planen die bedarfsgerechte Infrastruktur für den Energieträger der Zukunft.
Ein wichtiger Bestandteil der Wasserstoffinfrastruktur sind große Speicher in unterirdischen Salzkavernen. Der Bedarf an H2-Speichern in Deutschland wird steigen. Denn mit ihrer Hilfe lässt sich ein schwankender Energiebedarf sicher abdecken. Daher brauchen wir perspektivisch sowohl die Erschließung neuer Speicherkapazitäten als auch die Umwidmung vorhandener Speicher.
Wasserstoff ist vielseitig nutzbar: Künftig soll er zum Beispiel Hochöfen anheizen und der Industrie als Rohstoff dienen. Auch in der Strom- und Wärmeerzeugung wird Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen, und zwar maßgeblich dann, wenn keine Sonne scheint und wenig Wind weht. Hier machen wir uns im Rahmen unserer Fuel-Switch-Projekte bereit für den Energieträger der Zukunft.
Als Infrastrukturanbieter haben wir bereits viele regionale und lokale Wasserstoffprojekte und Reallabore gestartet, von der Herstellung auf hoher See bis zum wasserstofffähigen Gaskraftwerk. So gestalten wir den Aufbau des nationalen Wasserstoffmarktes aktiv mit.
Wasserstoffhandel – Handelsaktivitäten
Für die Wasserstoffversorgung Deutschlands werden Handelsverträge über Wasserstofflieferungen mit internationalen Partnern abgeschlossen, die per Schiffstransport in Deutschland angelandet werden.
Herstellung von Wasserstoff – HyTech Hafen Rostock
Die zusammen mit unseren Partnern RWE, Rheinenergie und Rostock Port im Juli 2022 neugegründete Gesellschaft Rostock EnergyPort Cooperation GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, den Auf- und Ausbau einer nachhaltigen dekarbonisierten Produktions- und Verteilungsstruktur für Wasserstoff voranzubringen. Dafür soll im Seehafen Rostock eine Elektrolyseanlage zur Herstellung von nachhaltig erzeugtem Wasserstoff errichtet werden und der erzeugte Wasserstoff anschließend sowohl in ein überregionales Verteilnetz eingespeist, aber auch lokalen Verbrauchern zur Verfügung gestellt werden.
- H₂-Produktionsleistung: 100 MW
- Wasserstoff aus dem Hafen Rostock
Herstellung von Wasserstoff – H2-Mare
Windräder auf hoher See produzieren Ökostrom – so weit, so gut. In Zukunft könnten Offshore-Anlagen möglicherweise aber auch dekarbonisierten Wasserstoff und daraus wiederum weitere CO₂-freie Energieträger herstellen. Die EnBW beteiligt sich am Forschungsprojekt H₂Mare, das die Potenziale der Wasserstoffproduktion in Meereswindparks untersucht.
Fernleitungsnetz – Doing Hydrogen
Mit dem Wasserstoff Hub Doing Hydrogen in Ostdeutschland verbinden wir Projekte innovativer Produzenten, Ferngasnetzbetreiber und großer Verbraucher. Das Projekt, das wir zusammen mit unseren Partnern Enertrag, APEX, Vattenfall und Cemex umsetzen werden, dient dabei als verbindendes Element: Wir schaffen umfassende Verbindungen zwischen den Wirtschaftsregionen Mitteldeutschlands und der Region Rostock sowie dem Großraum Berlin und Eisenhüttenstadt. Darüber sollen Wasserstoffprojekte in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu einem leistungsstarken Hub verbunden werden.
- Netzlänge: 616 km
Green Octopus Mitteldeutschland Speicher
Ein Kavernenspeicher mit einem Arbeitsgasvolumen von 50 Mio. Kubikmetern stabilisiert die Wasserstoffinfrastruktur und sorgt für einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Mit rund 305 Kilometern Leitungen sorgt GO! ab 2027 für den sicheren Wasserstofftransport.
- Speichervolumen: 50 Millionen m³
- Green Octopus: Wasserstoffnetz Mitteldeutschland
- Kavernenspeicher für das H₂-Netz
Wasserstofferzeugung – Energiepark Bad Lauchstädt
Der Energiepark Bad Lauchstädt ist ein großtechnisches Projekt zur intelligenten Erzeugung von dekarbonisiertem Wasserstoff sowie dessen Speicherung, Transport, Vermarktung und Nutzung. Unsere Tochtergesellschaften VNG und Ontras erproben hier zusammen mit den Konsortialpartnern Terrawatt, Uniper und dem DVGW erstmalig die gesamte Wertschöpfungskette von dekarbonisiertem Wasserstoff im industriellen Maßstab. Mittels einer Großelektrolyse-Anlage von 30 MW wird unter Einsatz von erneuerbarem Strom aus einem nahe gelegenen Windpark dekarbonisierter Wasserstoff produziert. In einer eigens dafür gesolten Salzkaverne zwischengespeichert, kann der nachhaltig produzierte Wasserstoff über eine umgestellte Gaspipeline in das Wasserstoffnetz der in Mitteldeutschland ansässigen chemischen Industrie eingespeist und perspektivisch für urbane Mobilitätslösungen eingesetzt werden.
H₂-Erzeugungsleistung: 30MW
Fernleitungsnetz – Green Octopus Mitteldeutschland (Transportnetz)
Das mitteldeutsche Chemiedreieck braucht nachhaltig produzierten Wasserstoff, ebenso die Industrien in Sachsen-Anhalt und die Stahlregion im niedersächsischen Salzgitter. Green Octopus Mitteldeutschland (GO!) ist die künftige Transportroute und Speichermöglichkeit für diesen Wasserstoff: GO! verbindet die Regionen und integriert den künftigen Wasserstoffspeicher in Bad Lauchstädt.
- Netzlänge: 305 km
Fernleitungsnetz – Flow
Mehrere Fernleitungsnetzbetreiber planen ein leistungsstarkes Pipelinesystem für Wasserstoff von der Ostsee bis nach Baden-Württemberg und eröffnen so der Industrie leitungsgebundene Bezugsmöglichkeiten für große Mengen an Wasserstoff. Erste Leitungsabschnitte sollen bereits ab 2025 von Erdgas auf Wasserstoff umgestellt werden und so die CO₂-Emissionen langfristig reduzieren.
- Netzlänge: 1.100 km
- Wie das Projekt Flow die Energiewende vorantreibt
Gastransportnetz – NET und SEL
2022 in Betrieb genommen, transportiert die rund 28 Kilometer lange Neckarenztalleitung, kurz NET, nicht nur Erdgas. Dank besonderer Schweißverfahren und der Verwendung von wasserstofftauglichem Stahl ist die Pipeline der terranets bw auch wasserstofffähig. Mit der 250 Kilometer langen Süddeutschen Erdgasleitung (SEL) plant die EnBW-Tochter zudem eine weitere wasserstofftaugliche Transportroute. Sie wird die erste Wasserstoffleitung in Baden-Württemberg mit Anbindung an das European Hydrogen Backbone sein und im Laufe der 2030er Jahre die Gaskraftwerke der EnBW mit Wasserstoff versorgen.
Weitere Informationen:
RHYn Interco
Das grenzüberschreitende Projekt der EnBW-Tochter terranets bw, des Verteilernetzbetreibers badenovaNETZE und des französischen Gasinfrastrukturbetreibers GRTgaz soll die Anbindung Süddeutschlands ans französische Wasserstoffnetz ermöglichen. Bis 2029 sollen mit dem Neubau einer Verbindung nach Frankreich und der Umstellung bestehender Gasleitungen Großabnehmer bei Freiburg angebunden werden. Durch die Umstellung eines weiteren Abschnitts könnte das Netz bis 2035 nach Offenburg erweitert werden.
Weitere Informationen:
NETZLabor H₂-100 Öhringen
Seit November 2021 wird hier schon die Beimischung von Wasserstoff ins Erdgasnetz getestet. Mit dem Folgeprojekt soll demonstriert werden, dass ein sicherer und zuverlässiger Betrieb auch bei 100% Wasserstoff im Erdgasnetz weiterhin möglich ist.
- Beimischungsquote: 100%
- 100 % Wasserstoff im Gasnetz testen
Wasserstofferzeugung – H2ORIZON
Das Projekt H₂ORIZON zeigt eindrucksvoll, wie Sektorenkopplung in der Praxis aussehen kann: Im Gemeinschaftsprojekt unserer Tochtergesellschaft ZEAG zusammen mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum wird mittels erneuerbaren Stroms aus dem angrenzenden Windpark grüner Wasserstoff erzeugt und anschließend am DLR-Standort Lampoldshausen genutzt. So werden die Sektoren Erneuerbare Energien, Wasserstoff und Speicheranwendungen, Raumfahrt, Wärmeerzeugung und Mobilität erfolgreich miteinander gekoppelt.
Heizkraftwerk Heilbronn
Das Heizkraftwerk Heilbronn, eines der größten Steinkohlekraftwerke der EnBW, ging 1923 erstmals in Betrieb und liegt in einem Industrie- und Gewerbegebiet am Rande der Stadt Heilbronn unmittelbar am Neckar. Am Standort produzieren drei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zu Regelungszwecken wurde im Jahr 2017 eine Kraftwerksbatterie mit 5 Megawattstunden Kapazität in Betrieb genommen.
- Energieträger: Steinkohle, ab 2027 Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 1.028 MW
- Fernwärmeleistung: 320 MW
Heizkraftwerk Stuttgart-Münster
Das Heizkraftwerk Stuttgart-Münster ging 1908 erstmals in Betrieb und versorgt die Region Mittlerer Neckar zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Energie. Am Standort produzieren zwei Gasturbinenanlagen, drei steinkohlebetriebene Kessel und eine Abfallverbrennungsanlage Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zusätzlich erzeugt eine Großwärmepumpe Fernwärme über dessen Kühlwasserablauf.
- Energieträger: Restmüll; Steinkohle, Heizöl und Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 238 MW
- Fernwärmeleistung: 450 MW
Heizkraftwerk Altbach/Deizisau
Das Heizkraftwerk Altbach/Deizisau ging 1899 erstmals in Betrieb und versorgt die Region Mittlerer Neckar zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Energie. Am Standort produzieren drei Gasturbinenanlagen und zwei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Heizkraftwerk 1 ist seit 2017 in der Netzreserve und sichert die Netzstabilität. Heizkraftwerk 2 wird seit 1997 betrieben.
- Energieträger: Steinkohle, Heizöl und Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 1.018 MW
- Fernwärmeleistung: 280 MW
Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg
Das Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg ging 1950 erstmals in Betrieb und versorgt das Stuttgarter Fernwärmenetz zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Energie. Am Standort produzieren drei Gasmotoren Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Mit einem zusätzlichen Wärmespeicher von 300 Megawattstunden Kapazität erfüllt das Kraftwerk für die Fernwärmeregion Stuttgart/Mittlerer Neckar eine wichtige Spitzen- und Reservefunktion.
- Energieträger: Erdgas
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 30 MW
- Fernwärmeleistung: 310 MW
Wasserstofferzeugung - Reallabor H2-Wyhlen
Hier entsteht zusammen mit unserem Partner Energiedienst eine der größten Produktionskapazitäten für Wasserstoff in Süddeutschland. Am Standort Grenzach-Wyhlen soll mittels erneuerbarem Strom aus dem nahegelegenen Wasserkraftwerk grüner und damit dekarbonisierter Wasserstoff erzeugt werden. Der Standort wird im Laufe des Jahres 2026 in Betrieb gehen. Im Rahmen des Förderprogramms „Reallabore der Energiewende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) erhielt das Projekt H₂-Wyhlen einen positiven Förderbescheid. Am Standort Wyhlen betreiben EnBW und Energiedienst bereits zusammen eine 1-MW alkalische Power-to-Gas-Anlage, welche im Rahmen eines Leuchtturmprojekts des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg gefördert wurde.
- H₂-Erzeugungsleistung: 6 MW
- Leuchtturmprojekt H2-Wyhlen
Wasserstoffbusse für Düsseldorf
In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt sollen künftig Brennstoffzellen-Busse für einen klimafreundlicheren ÖPNV sorgen. Dafür investieren die Stadtwerke Düsseldorf, deren größter Anteilseigner die EnBW ist, in Wasserstoff-Technologie: Ein Elektrolyseur soll künftig vor Ort nachhaltigen Wasserstoff produzieren. Der dafür genutzte Strom stammt aus der benachbarten Müllverbrennungsanlage.
Vollständige Wertschöpfungskette: greenHyBB
Unter dem Projektnamen greenHyBB (= green Hydrogen für Brandenburg) wollen VNG, ONTRAS und EnBW in der Lausitz eine vollständige Wertschöpfungskette für nachhaltig produzierten Wasserstoff aufbauen: Dafür plant die EnBW den Bau von Wind- und Solarparks. Diese sollen grünen Strom in der Region produzieren und ins öffentliche Netz einspeisen. Ein ebenfalls regional von den Projektpartnern errichteter Elektrolyseur entnimmt den erzeugten Grünstrom aus dem Netz und produziert Wasserstoff durch Elektrolyse.
Der so erzeugte dekarbonisierte Wasserstoff kann durch den Anschluss der Elektrolyseanlage an nahegelegene H₂-Pipelines den in Brandenburg ansässigen Unternehmen bereitgestellt werden. Über das entstehende europäische Wasserstoffnetz (European Hydrogen Backbone) lässt sich überschüssiger Wasserstoff zudem auch in andere Regionen transportieren.
Quellen: EnBW, FNB Gas