Was ist Biogas?
Biogas ist ein brennbares, energiereiches Gas, das zur Strom- und Wärmegewinnung, aber auch als Kraftstoff eingesetzt wird. Es entsteht durch die Vergärung von pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen – zum Beispiel Pflanzenreste, Bioabfälle oder Gülle - unter Ausschluss von Sauerstoff und Licht. Da Biogas somit aus Biomasse gewonnen wird, zählt es zu den erneuerbaren Energien.
Biogas ist in zwei Qualitäten verfügbar: veredelt und nicht veredelt. Wird es veredelt spricht man von Biomethan.
Biogas besteht überwiegend aus Methan und Kohlendioxid (CO₂). Aus Biogas kann mittels „Veredelung“, also der Entfernung des CO₂, Biomethan hergestellt werden. Biomethan hat einen höheren Methangehalt als Biogas und erreicht in Bezug auf seine brennwerttechnischen Eigenschaften nahezu Erdgasqualität. Daher wird Biomethan häufig auch als Bioerdgas bezeichnet. Der wesentliche Vorteil von Biomethan ist, dass es aufgrund seiner hohen Qualität direkt ins bestehende Gasnetz eingespeist werden kann.
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Biogas
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Biomethan
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Herkunft
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Biogas
Entsteht durch Vergärung von Biomasse
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Biomethan
Entsteht erst durch einen nachgelagerten, industriellen Verarbeitungsprozess
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Energiegehalt
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Biogas
ca. 50-75 Prozent Methan und 25 – 45 Prozent Kohlendioxid
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Biomethan
ca. 96-98 Prozent Methan (Erdgasqualität)
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Verwendung
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Biogas
Nur lokal (an der Anlage)
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Biomethan
Überregional (Einspeisung ins Gasnetz)
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Einsatzmöglichkeiten
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Biogas
Strom- und Wärmegewinnung
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Biomethan
Strom- und Wärmegewinnung sowie als Biokraftstoff für den Verkehrssektor und zur stofflichen Nutzung, z. B. in der chemischen Industrie
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Quelle: eigene Darstellung, Stand März 2026
Wie wird Biogas hergestellt?
Für die Herstellung von Biogas benötigt man eine Biogasanlage und Biomasse – also pflanzliche oder tierische Rohstoffe. Sie liefern die Grundlage – ohne sie kein Biogas. Laut Branchenverband BDEW dürfen zur Biogasherstellung nur folgende Rohstoffe verwendet werden:
- Landwirtschaftliche Reststoffe (z.B. Gülle und Mist)
- Pflanzliche Nebenprodukte (z.B. Stroh und Zwischenfrüchte)
- Bio- und Lebensmittelabfälle
- Nachhaltig angebaute Energiepflanzen sowie Pflanzen (z.B. Raps oder Zuckerrüben), die die Biodiversität auf dem Feld fördern (z.B. Silphie oder Wildroggen)
- Das Biomasse-Substrat wird in einem luftdichten Tank, dem Fermenter, unter Ausschluss von Sauerstoff und Licht mit Hilfe von Mikroorganismen vergoren.
- Bei konstanter Temperatur findet ein biologischer Zersetzungsprozess statt. Das Ergebnis ist ein Biogasgemisch, welches in der „Kuppel“ des Fermenters gesammelt wird. Dieses Gasgemisch besteht je nach eingesetztem Substrat aus 50 bis 75 Prozent Methan und Kohlendioxid (25 bis 45 Prozent). Zudem enthält es geringe Anteile von Spurengasen (Schwefelwasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Ammoniak und Wasserstoff) sowie Wasser.
- Das entstandene Biogas kann entweder direkt zur Strom- und Wärmegewinnung in einem Blockheizkraftwerk genutzt oder zu Biomethan aufbereitet werden.
- Dazu wird das Biogas in der Gasaufbereitungsanlage von Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid und Spurengasen gereinigt. Dadurch steigt der Methangehalt auf etwa 96 - 98 Prozent. Biomethan hat am Ende also dieselbe Qualität wie Erdgas und kann damit auch ins Erdgasnetz eingespeist werden.
Was kostet es Strom aus Biogas herzustellen?
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat 2024 die Stromgestehungskosten verschiedener Stromerzeugungstechnologien in Deutschland untersucht: Mit Kosten zwischen 20,2 und 32,5 Cent pro Kilowattstunde liegen die Stromgestehungskosten von Biogas über denen anderer erneuerbarer Energieträger. Zum Vergleich: Windkraftanlagen an Land erzeugen eine Kilowattstunde Strom schon ab 4,3 Cent. Ein Grund für die hohen Kosten von Strom aus Biogas ist das Ausgangssubstrat, aus dem das Gas gewonnen wird. Mit fast 9 Cent pro Kilowattstunde macht es fast 50 Prozent der Kosten aus.
Verglichen mit konventionellen Gaskraftwerken fällt die Bilanz anders aus: Deren Stromgestehungskosten liegen mit 15,4 bis 32,6 Cent pro Kilowattstunde Strom etwa auf gleichem Niveau wie die von Biogas.
Stromgestehungskosten nach Energieträgern in Deutschland 2024 (in ct/kWh)
Wie viele Biogasanlagen gibt es in Deutschland ?
In Deutschland gibt es laut dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur 9.315 Biogasanlagen. Die meisten davon finden sich in landwirtschaftlichen Betrieben. Sie verarbeiten im wesentlichen landwirtschaftliche Biomasse (z.B. Mais), Gülle und organische Reststoffe (z.B. Biomüll) zu Biogas.
Hinzu kommen 276 Anlagen, die Biogas zu Biomethan aufbereiten. Sie haben im Jahr 2025 12,8 Terrawattstunden (TWh) Biomethan erzeugt. Zusammen mit 3,5 TWh Biomethan, die 2025 importiert wurden, waren im vergangenen Jahr 16,3 TWh verfügbar – das entspricht 1,9 Prozent des gesamten Erdgasverbrauches in Deutschland.
16 Anlagen können Biomethan verflüssigen und so Bio-LNG herstellen.
Die EnBW betreibt über ihre Töchter VNG und Erdgas Südwest deutschlandweit rund 45 Biogas- sowie Biomethananlagen und ist in allen Wertschöpfungsstufen aktiv. Ein Großteil der Anlagen nutzt Biogas vor Ort zur Stromerzeugung.
Die größte Biogasaufbereitungsanlage Baden-Württembergs steht in Riedlingen. Hier wird das Gas veredelt und als Biomethan ins örtliche Gasnetz eingespeist. Die Anlage kann jährlich über 10 Millionen Kubikmeter Biogas veredeln und so bis zu 2.450 Haushalte versorgen.
Im hessischen Burghaun betreibt die Erdgas Südwest eine der größten Verflüssigungsanlagen Deutschlands. Die Anlage nutzt das vor Ort produzierte Biogas, veredelt und verflüssigt es. Bis zu einer Milliarde Kilowattstunden können hier produziert werden.
Der Haupteinsatzzweck von Biogas ist nach wie vor die Strom- und Wärmegewinnung. Wo und wie Biogas genutzt wird, hängt von seiner Qualität ab:
- „Normales“ Biogas kann nur lokal – also direkt vor Ort – zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt werden. Vor allem Landwirte nutzen diese Möglichkeit, um ihren Energiebedarf zu decken und Nahwärmenetze zu versorgen. Allerdings sinkt die Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken seit einigen Jahren aufgrund der Anforderungen des Fördersystems des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) .
- Biomethan hingegen kann aufgrund seines höheren Methangehalts und der Einspeisung in das Gasnetz überall dort eingesetzt werden, wo auch Erdgas genutzt wird: zur Strom- und Wärmegewinnung in Haushalten und Industrie, zur stofflichen Nutzung bzw. als Rohstoff in der chemischen Industrie und als grüner Kraftstoff in CNG- und LNG-Fahrzeugen. Seit 2022 steigt die Nachfrage im Verkehrssektor, getrieben durch die Vorgaben CO₂ zu reduzieren.
- Die Gärprodukte, die beim Herstellungsprozess anfallen, können ebenfalls verwendet werden. Sie dienen in der Landwirtschaft als Dünger. Dieser hochwertige organische Dünger kann den normalerweise benötigten Mineraldünger, der aus Salzen, Gas und Öl gewonnen wird, ergänzen und meist sogar vollständig ersetzen.
Quelle: Fachbericht Biomethan - Völler, K., & Reinholz, T. (2025)
Wie umweltfreundlich ist Biogas?
Biogas ist nahezu CO₂-neutral, da bei der Verbrennung nur so viel CO₂ freigesetzt wird, wie die Pflanzen zuvor gebunden haben. Etwa 650 Tonnen CO₂ lassen sich mit Biogas aus einer Biogasanlage mit 190 Kilowatt Leistung im Vergleich zu fossilen Energieträgern einsparen. Werden statt nachwachsenden Rohstoffen Gülle, Rest- oder Abfallstoffe verwendet, verbessert das die CO₂-Bilanz. Das Substrat, welches zur Energiegewinnung genutzt wird, hat also großen Einfluss. Genauso wie der Zustand der Anlagentechnik.
Entgegen den Behauptungen wird nur ein sehr kleiner Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche zum Anbau von Energiepflanzen verwendet – 2025 waren es gerade noch vier Prozent. Energiepflanzen stehen somit nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion oder verschlechtern die Artenvielfalt.
Dennoch gibt es bessere Alternativen für die Biogasgewinnung als den Anbau von Energiepflanzen, zum Beispiel die Nutzung von Gülle, Rest- und Abfallstoffen. Ihr Anteil nahm in den letzten fünf Jahren um fast 14 Prozent zu, während die Nutzung von Mais als Energiesubstrat um mehr als acht Prozent zurück ging. Laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (NFR) wurden 2025 schon 57 Prozent des Biogases aus Gülle, Rest- und Abfallstoffen hergestellt. „Diese Stoffe fallen eh an. Zudem reduziert ihre Nutzung die Treibhausgas-Emissionen bei der Herstellung“, fasst Tatiana Demeusy, Senior Managerin grüne Gase bei EnBW zusammen.
Biogasanlagen beherbergen eine große Menge Methan. Das Gas ist leicht entzündbar und fördert – sollte es entweichen – den Klimawandel. Biogasanlagen stehen daher immer wieder in der Kritik. Laut Umweltbundesamt gelangen jährlich etwa fünf Prozent des dort erzeugten Methans unkontrolliert in die Atmosphäre. Die Deutsche Umwelthilfe spricht in einer im Oktober 2025 veröffentlichten Studie von 370.000 Tonnen Methan, was etwa 31,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten entspricht.
Sogenannte Methan-Leckagen, also kleine Löcher oder Risse, aus denen Gas entweicht, haben daher massiven Einfluss auf die Umweltbilanz von Biogas. Biogas- sowie Biomethananlagen ab einer Produktionskapazität von 1,2 Millionen Kubikmetern im Jahr müssen deshalb immissionsschutzrechtlich genehmigt werden. Zudem gelten hohe sicherheitstechnische Anforderungen für Bau und Betrieb. Leckagen haben aber auch wirtschaftliche Auswirkungen: denn entwichenes Gas lässt sich nicht mehr verkaufen. Betreiber haben daher ein hohes Eigeninteresse Leckagen zu vermeiden.
Was sind die Vor- und Nachteile von Biogas?
Biogas hat viele positive Eigenschaften. Doch es gibt auch ein paar Herausforderungen. Im Folgenden gehen wir näher auf die Vor- und Nachteile von Biogas ein:
Welche Gesetze und Vorgaben gelten für Biogasanlagen?
Biogasanlagen und Biogasaufbereitungsanlagen sind genehmigungsbedürftige Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), sofern bestimmte Schwellenwerte überschritten werden. Bau und Betrieb der Anlagen unterliegen zudem weiterführenden Verordnungen und Regelungen, zum Beispiel der TA-Luft.
Hinzukommen energiewirtschaftliche Vorgaben für Förderung, Netzanschluss und Betrieb der Anlagen. Die wichtigsten energiewirtschaftlichen Gesetze sind:
- Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist die wichtigste Rechtsgrundlage für die Stromerzeugung aus Biogas. Es regelt die Einspeisevergütung sowie die Teilnahme an den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur für Neu- sowie die Anschlussförderung für Bestandsanlagen.
- Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und die darauf basierenden Verordnungen regeln den Netzanschluss von Biogas- und Biomethananlagen an das Strom- bzw. Erdgasnetz. Relevant sind u.a. die Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) sowie die Gasnetzentgeltverordnung (GasNEV). Aktuell arbeitet die Bundesnetzagentur an einer Novelle für das EnWG sowie die Ende 2025 ausgelaufene GasNZV. Bis zum 30. Juni 2026 gilt noch eine Übergangsregelung des EnWG. Auch die GasNEV tritt Ende 2027 außer Kraft.
Für etwa 5.000 Biogasanlagen endet bis 2030 die im EEG vorgesehene feste Einspeisevergütung für den erzeugten Strom. Landwirte müssen dann prüfen, ob sich ein Weiterbetreib ihrer Biogasanlagen lohnt. Anders als früher, wo die Biogasanlagen im Dauerbetrieb liefen und konstant Strom ins Netz eingespeist haben, sollen sie künftig bedarfsorientiert einspeisen – so sieht es das 2025 verabschiedete „Biomasse-Paket“ der Bundesregierung vor.
Diese Optionen haben Betreiber:
- EEG-Anschlussförderung: Betreiber, die weiterhin im EEG-Fördersystem Strom produzieren wollen, müssen in die EEG-Anschlussförderung gehen und ihre Anlagen mit intelligenter Steuerungstechnik, zusätzlichen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Speichern ausstatten, um die Anforderung für eine flexible Stromerzeugung zu erfüllen - was mit hohen Investitionskosten verbunden ist.
- Umrüstung auf Biomethan: Betreiber können ihre Anlagen für die Aufbereitung von Biomethan umstellen, benötigen dann aber einen Gasnetzzugang für die Einspeisung. Aufgrund der ausgelaufenen Gasnetzzugangsverordnung ist aber nicht klar, wie Netzanschluss, Zeitpläne und Kostenteilung ab dem 31.12 2026 aussehen werden. Trotz dieser Unsicherheit liegen bei 57 Gasnetzbetreibern mehr als 250 Anfragen für die Einspeisung von Biomethan ins Erdgasnetz vor.
Fazit: Biogas hat Potenzial
Biogas ist heute und in den nächsten Jahren das mengenmäßig am meisten verfügbare grüne Gas zur Dekarbonisierung. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Biomethan eine entscheidende Rolle für Systemstabilität, Versorgungssicherheit und Lastspitzendeckung spielen kann – Funktionen, die Wind und Solar allein nicht erfüllen können. Laut einer Studie der Friedrich-Alexander-Universität in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Biogas e.V. könnte die bestehende installierte Leistung von derzeit mehr als 12 auf 78 Terrawattstunden (TWh) bis zum Jahr 2030 gesteigert werden. Zudem seien die dafür benötigten Investitionen um den Faktor 1,9 bis 3,7 niedriger als bei wasserstoffbasierten Kraftwerken.
„Wir sollten die Potenziale von Biomethan in die Gasnetzinfrastrukturplanung einbeziehen, anstatt bei der Transformation der Gasnetze nur auf Stilllegung oder die Umstellung auf Wasserstoff zu setzen“, sagte Tatiana Demeusy, Senior Managerin grüne Gase bei EnBW in einem Interview. Andere Staaten seien hier weiter – beispielsweise Frankreich. „Hier ist die zuständige Behörde gemeinsam mit den Gasnetzbetreibern in die Planung der künftigen Biomassepotenziale gegangen – davon sind wir in Deutschland leider noch weit entfernt.“