Was ist Hochwasserschutz?
Hochwasserschutz umfasst alle organisatorischen, technischen, natürlichen und baulichen Maßnahmen, die darauf abzielen, Menschen, Gebäude und Infrastruktur wirksam vor den Folgen von Überschwemmungen und Starkregen zu schützen sowie Schäden nachhaltig zu begrenzen.
Warum wird Hochwasserschutz immer wichtiger?
Der Weltrisikobericht 2025 geht davon aus, dass die Gefahr von Hochwasserkatastrophen steigt. Danach wurden 2024 infolge von Überschwemmungen 142 Katastrophen weltweit verzeichnet. Nach Stürmen sind sie damit der zweithäufigste Auslöser von Katastrophen. Zwischen 2022 und 2024 verursachten Wasserfluten Schäden von 325 Milliarden US-Dollar weltweit.
Auch in Deutschland häufen sich Überschwemmungen und die dadurch verursachten Notfälle und Katastrophen. Einer 2024 durchgeführten Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge, könnten in Deutschland mehr als eine Viertelmillion Adressen von einem Jahrhunderthochwasser bedroht sein, die meisten davon in Bayern und Baden-Württemberg. Die gesamten Flächen mit höchstem Hochwasserrisiko sind in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt am größten.
Hochwasser: Drei Ursachen sind für die Zunahme ausschlaggebend:
- Klimawandel: Der durch den Menschen gemachte Treibhauseffekt ist ein entscheidender Grund dafür, dass es immer häufiger zu Extremwetter kommt. Den Zusammenhang erklärt der Forscher Stefan Rahmstorf Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Spiegel-Interview: „Pro Grad Erwärmung kann Luft sieben Prozent mehr Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf aufnehmen.“ Je wärmer also die Wasserflächen der Meere sind, umso mehr Flüssigkeit verdunstet. Entsprechend größer wird der Nachschub an feuchtegesättigter Luft, was zu starken Niederschlägen führen kann. Der aktuelle IPCC-Bericht (2023), der das weltweite Klimawissen zusammenfasst, geht davon aus, dass die Folgen der Erderwärmung massiv unterschätzt wurden.
- Flächenversiegelung: Sie erhöht das Risiko von Hochwasser, weil Regenwasser nicht mehr im Boden versickern kann. Stattdessen fließt es schnell über Asphalt, Beton und Dächer ab, sammelt sich in der Kanalisation und gelangt in Flüsse und Bäche. Diese können die plötzlich großen Wassermengen oft nicht aufnehmen – Pegel steigen rasch, und Überschwemmungen werden wahrscheinlicher.
- Gewässerbegradigung: Hochwasser wird begünstigt, weil Flüsse und Bäche schneller und direkter abfließen. Durch das Begradigen werden natürliche Schleifen, Auen und Überschwemmungsflächen zerstört, die Wasser sonst bremsen und speichern würden. So wird mehr Wasser deutlich kraftvoller flussabwärts geleitet. Pegel steigen schneller an, und das Risiko für Hochwasserereignisse nimmt deutlich zu.
Schematische Darstellung des Wasserkreislaufs
Stadt, Land, Fluss – welche Arten von Hochwasser gibt es?
Überschwemmungen nehmen verschiedene Formen an. Flüsse können über die Ufer treten, aber auch Starkregen setzt Straßen und Städte unter Wasser. Besonders viel Zerstörungskraft haben Sturzfluten. Die Begriffe haben sich in der Fachwelt etabliert und werden zum Beispiel vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verwendet. Hier die Unterschiede zwischen den drei Arten von Hochwasser:
- Flusshochwasser: Ein Zustand, in dem ein Fluss nach Regen, Schneeschmelze oder durch Zuflüsse so stark anschwillt, dass er über die Ufer tritt und angrenzende Flächen überflutet. Nicht jedes Hochwasser richtet ernste Schäden an. Einzugsgebiet, Bodenbeschaffenheit, Bebauung und Gewässerregulierung beeinflussen das Ausmaß der Zerstörungen.
- Starkregen: Während sich Hochwasser in Flüssen meist über Stunden oder Tage entwickelt und größere Einzugsgebiete betrifft, wirkt Starkregen als meteorologisches Ereignis oft lokal und ohne Vorwarnzeit – selbst fernab von Gewässern. Typische Folgen sind überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und Sturzfluten in der Stadt.
- Sturzfluten: Plötzlich auftretendes, örtlich begrenztes Hochwasser, das meist nach Starkregen entsteht. Das Wasser kann nicht schnell genug versickern, fließt oberirdisch ab und sammelt sich in kurzer Zeit in Straßen, Senken oder kleinen Gewässern. Besonders in Mittelgebirgen verstärken steile Hänge und enge Täler den Effekt. Dadurch steigen die Pegel innerhalb von Minuten stark an – mit oft erheblichen Schäden für Gebäude, Infrastruktur und Umwelt.
Die 10 teuersten Naturkatastrophen für die deutsche Versicherungswirtschaft seit 2002
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Ereignisname
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Naturgefahr
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Jahr
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Schadenssumme
(in Mrd. €) |
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Ereignisname
Bernd
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Naturgefahr
Sturzflut
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Jahr
2021
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 11,5
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Ereignisname
August-Hochwasser
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Naturgefahr
Hochwasser
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Jahr
2002
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 6,7
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Ereignisname
Kyrill
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Naturgefahr
Sturm
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Jahr
2007
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 5,1
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Ereignisname
Andreas
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Naturgefahr
Hagel
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Jahr
2013
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 4,3
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Ereignisname
Juni-Hochwasser 2013
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Naturgefahr
Hochwasser
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Jahr
2013
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 3,3
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Ereignisname
Jeanett
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Naturgefahr
Sturm
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Jahr
2002
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 2,1
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Ereignisname
Ylenia, Zeynep, Antonia
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Naturgefahr
Sturm
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Jahr
2022
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 1,8
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Ereignisname
Friederike (2018)
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Naturgefahr
Sturm
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Jahr
2018
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 1,8
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Ereignisname
Hilal
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Naturgefahr
Hagel
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Jahr
2008
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 1,7
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Ereignisname
Juni-Hochwasser 2024
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Naturgefahr
Hochwasser
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Jahr
2024
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Schadenssumme
(in Mrd. €) 1,7
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Quelle: Statista
Welche Maßnahmen schützen vor Hochwasser?
Wirksamer Hochwasserschutz kombiniert technische, natürliche sowie vorsorgende Ansätze und geht weit über die oft eingesetzte Hochwassermauern hinaus. Viele dieser Maßnahmen müssen allerdings von langer Hand geplant werden. Beispiel: Um Katastrophen wie 2021 zu vermeiden, sollen entlang der Ahr 17 Rückhaltebecken gebaut werden, die jeweils mehr als 100 Millionen Euro kosten könnten. Die Bauzeit eines Beckens würde bei etwa zehn Jahren liegen.
Technischer Hochwasserschutz – so schützen wir unsere Städte
- Bauwerke: Der technische Hochwasserschutz verfügt über ein weites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Deiche und Dämme halten Wasser zurück und schützen Siedlungen vor Überflutung. Mauern wehren vor allem in engen urbanen Räumen hohe Pegel ab. Vorteil: Sie sind platzsparend. Pumpwerke ergänzen das System, indem sie Wasser aus tieferliegenden Gebieten aktiv abführen. Zusammen sorgen diese Anlagen dafür, Hochwasser zu kontrollieren und Schäden zu begrenzen.
- Städtebau: Urbane Maßnahmen setzen dort an, wo Regen zuerst auftrifft: in der Stadt selbst. Rückhaltebecken wirken wie Zwischenspeicher, die große Wassermengen bei Starkregen aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben – so werden Kanalisation und Gewässer entlastet. Entsiegelung und Versickerungsflächen bringen den natürlichen Wasserkreislauf zurück, indem Regen wieder im Boden versickern kann statt sofort abzufließen. Ergänzt wird das durch ein intelligentes Starkregenmanagement, das Abflüsse gezielt lenkt, kritische Punkte schützt und Überflutungen vorbeugt. Zusammen machen diese Maßnahmen Städte widerstandsfähiger gegen immer häufigere Extremniederschläge.
Raum und Rückhalt – was natürlicher Hochwasserschutz bringt
- Die Renaturierung bezeichnet die gezielte Rückführung von Flüssen und Bächen in einen naturnäheren Zustand. Sie ist der Schlüssel für nachhaltigen Hochwasserschutz mit Hilfe intakter Ökosysteme. Ziel ist u.a., die Begradigung von Gewässern rückgängig zu machen. Dazu gehört der Bau von Flussbiegungen, aber auch das Rückverlegen von Deichen oder die Wiederanbindung von Auen und trockengelegten Flussarmen. Dadurch erhalten Flüsse wieder mehr Raum. Sie können Wasser langsamer abführen und Hochwasserspitzen abpuffern. Ein Beispiel ist die Untere Havel. Auf einer Länge von 90 Kilometern werden seit 2005 Deiche zurückverlegt, Uferbefestigungen entfernt und Auen wieder an den Fluss angeschlossen. Dadurch kann sich die Havel bei Hochwasser in die Fläche ausbreiten, Wasser zwischenspeichern und Hochwasserspitzen deutlich abmildern.
- Das gezielte Anlegen von Überflutungsräumen (Retentionsflächen) ist eine der wirksamsten Maßnahmen des modernen Hochwasserschutzes. Dabei wird Flüssen mehr Raum gegeben, sich bei Hochwasser auszubreiten. So lässt sich Wasser zwischenspeichern, statt es ungebremst flussabwärts zu fließen zu lassen. Ein Beispiel ist die Renaturierung der Dreisam in Freiburg. Hier wurden Ufer aufgeweitet, Auenbereiche reaktiviert und zusätzliche Retentionsflächen geschaffen. Bei Starkregen kann die Dreisam nun kontrolliert über die Ufer treten und so Hochwasserspitzen begrenzen.
- Der Erhalt von Auelandschaften ist ein zentrales Element des Hochwasserschutzes: Bei drohenden Überschwemmungen speichern sie große Wassermengen, verzögern den Abfluss und senken so Hochwasserspitzen. Durch Versickerung und Vegetation wirken sie wie ein natürlicher Puffer und reduzieren die Schäden flussabwärts erheblich. Der Auenzustandsbericht des Bundesamtes für Naturschutz (2021) zeigt aber, dass in Deutschland nur noch neun Prozent der Flussauen sehr gering bis gering verändert sind.
Vorsorgender Hochwasserschutz – so wirken Frühwarnsysteme
Intelligente Planung von Flächen ist ein entscheidendes Mittel des Hochwasserschutzes. Denn sie vermeidet, dass es überhaupt zu Gefahren durch Überschwemmungen kommt. Wo sich weder Menschen noch Gebäude oder Verkehrswege befinden, kann Wasser kaum Schaden anrichten. Den zuständigen Behörden stehen mehrere Instrumente zur Verfügung:
- Flächennutzungspläne: Sie sind für den Hochwasserschutz oft wirksamer als Mauern – weil sie festlegen, wo überhaupt gebaut werden darf und wo nicht. Damit entscheiden Kommunen früh, ob Wasser Raum bekommt und Schäden verursachen kann. Der Plan legt fest, wo Siedlung, Gewerbe oder Verkehr entstehen dürfen – und wo Grün- oder Landwirtschaftsflächen bleiben. Kommunen können zum Beispiel Auen oder bekannte Hochwassergebiete als Flächen ausweisen, auf denen Bauen verboten ist. Gefährdete Bereiche lassen sich für Parks oder Sportflächen nutzen, die im Ernstfall überflutet werden können, ohne großen Schaden anzurichten.
- Hochwassergefahrenkarte: Eine wichtige Planungsgrundlage, die zeigt, welche Gebiete bei Hochwasser oder Starkregen überflutet werden können – einschließlich Wassertiefe und Eintrittswahrscheinlichkeit. Sie ist die zentrale Grundlage für Planung, Bauvorsorge und Katastrophenschutz und hilft, Risiken früh zu erkennen und Schäden zu vermeiden. Vorteile: Kommunen oder Geschäftsleute sehen auf den ersten Blick, wo sie gefahrlos bauen können. Teure Fehlentwicklungen werden vermieden. Aber auch Feuerwehr und Katastrophenschutz wissen, wie hoch das Risiko in bestimmten Gebieten ist. So lassen sich zum Beispiel Evakuierungen gezielter vorbereiten.
- Digitale Systeme: Dank digitaler Messsysteme erfahren Kommunen und Anwohner früher, ob sie von Hochwasser betroffen sein werden. Der Pegel von Flüssen und Bächen wird flussaufwärts ermittelt, übersteigt er ein festgelegtes Niveau, wird alarmiert und die Menschen haben mehr Zeit, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Auf ähnliche Weise lässt sich sehen, wann Abwasserkanäle an ihre Grenzen kommen, Rückhaltebecken überlaufen oder ob ein heftiger Schauer zu Starkregen wird. In Baden-Württemberg haben sich mehrere Kommunen mit Sensorik ausgerüstet, darunter Hochdorf, Dossenheim und Reichenbach an der Fils, wo das System fester Bestandteil des Alarm- und Einsatzplans ist. Für die Ahr wurde nach Katastrophe von 2021 ein Frühwarnsystem eingerichtet, das Wetterdaten auswertet, um im Fall von Starkregen und Hochwasser frühzeitig Alarm zu geben.
Schutz kritischer Infrastruktur – wie Energieversorger und Netzbetreiber Hochwasser bewältigen
Kritische Infrastruktur wird durch Risikoanalysen, bauliche Anpassungen und Systemdesign vor Hochwasser geschützt. Das Ziel ist Versorgungssicherheit auch bei Extremereignissen. Die Netze BW beschäftigt sich intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Netzbetrieb.
- Analyse von Gefahren: Vor dem Bau von Hochspannungsleitungen studieren Fachleute der Netze BW verschiedene Hochwasserszenarien und leiten daraus Risiken ab. Unternehmen sind heute auch gesetzlich verpflichtet, solche physischen Klimarisiken systematisch zu prüfen. Die europäischen Berichtsstandards (ESRS) fordern, dass Betreiber kritischer Infrastruktur genau analysieren, wie sich zukünftige Extremwetter auf ihre Anlagen auswirken – basierend auf den wissenschaftlichen Klimaprojektionen des IPCC. „Das Ergebnis hat zum Beispiel Einfluss auf die Standortwahl von Umspannwerken“, sagt Patrick Huber vom technischen Innovationsbereich der Netze BW. Seit das Umspannwerk Dellmensingen 2024 von einer Flut betroffen war, ermittelt die Netze BW systematisch Risiken an den Standorten von Umspannwerken. Klimarisiken werden künftig schon in den ersten Planungsphasen für neue Anlagen in Betracht gezogen.
- Hochwassersicherer Bau: Durch die Folgen des Klimawandels geraten auch die Netze in Ortschaften in Gefahr, durch Überschwemmungen beschädigt zu werden. So plant die Netze BW auch im Mittel- und Niederspannungsbereichen vor dem Bau die Risiken durch Hochwasser zu untersuchen – bis hin zum Standort des Trafos an der Straßenecke. Ein modular einsetzbares Schutzsystem sichert gefährdete Umspannwerke gegen Überflutungen. Es soll Ende 2026 einsatzbereit sein. Bereits heute werden höhere Standorte bevorzugt und Flutschutztüren eingebaut. Außerdem erfolgt der nachträgliche Verschluss von Lichtschächten und anderen Öffnungen.
- Dezentralisierung: Zur Sicherheit trägt auch der durch die EnBW vorangetriebene Ausbau der erneuerbaren Energien bei. Durch die dezentrale Erzeugung durch Wind und Sonne werden Risiken für einen Stromausfall breiter gestreut als bei einer vergleichsweise kleinen Zahl großer Kraftwerke.
Wie schützt die EnBW ihre Erzeugungsanlagen gegen Hochwasser?
- Kohle- und Gaskraftwerke: Die EnBW sichert ihre vorhandenen Kraftwerke konsequent gegen Hochwasser. Ein Beispiel ist der Standort Altbach/Deizisau, der von Kohle auf Erdgas und später auf klimaneutralen Wasserstoff umgestellt werden soll. Auf einer Neckar-Insel gelegen ist die Anlage gegen ein Hochwasser geschützt, das statistisch einmal in 100 Jahren auftritt. Übersteigt der Pegel eine bestimmte Höhe, greift ein Stufenplan. Dann wird zum Beispiel das Wehr am Kanal geschlossen, über den das Kraftwerk sein Kühlwasser bezieht. Zu den Vorkehrungen zählen außerdem Schutzwälle, erhöhte Fundamente, Abdichtung von Kabelkanälen oder Rückstauklappen. Was das derzeit noch vorhandene Kohlekraftwerk betrifft, gibt es ganz spezielle Vorkehrungen, um im unwahrscheinlichen Fall einer Überflutung, wassergefährdende Stoffe aus der Gefahrenzone zu einem sicheren Ort zu bringen.
- Wasserkraftwerke: Für die Laufwasserkraftwerke der EnBW am Rhein bringt Hochwasser zwei Effekte mit sich. Hält sich der Anstieg in Grenzen, erhöht sich die Fließgeschwindigkeit und es wird mehr Strom erzeugt. „Das funktioniert aber nur bis zu einem gewissen Punkt“, Jochen Urlich von der EnBW-Tochter Naturenergie. Denn bei einem sehr hohen Wasserspiegel verringert sich die Fallhöhe des Kraftwerks. Das drückt die Leistung. Ein Umbau der Wasserkraftwerke sei aber auch angesichts des Klimawandels nicht nötig, sagt Urlich. „Unsere Anlagen sind bereits heute so ausgelegt, dass sie auch Jahrhunderthochwasser und extreme Ereignisse sicher bewältigen können.“
- Solarparks: Auch Photovoltaikanlagen müssen gegen Flut und Starkregen geschützt sein. Ein Beispiel ist der EnBW-Standort Bruchsal-Untergrombach, der hochwasserfest gebaut ist. Wichtige Komponenten wie Wechselrichter und Batteriespeicher werden baulich geschützt, damit sie auch bei unerwarteten Überschwemmungen weiter funktionieren.
- Onshore Wind: Kapselung bodennaher Kabelführung, Erreichbarkeit der Wartungskollegen
Gesetze und Zuständigkeiten – wer steht in der Pflicht?
Hochwasserschutz in Deutschland ist überwiegend Ländersache und rechtlich im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) verankert. Für große Flüsse tragen in der Regel die Bundesländer die Verantwortung, während Kommunen vor allem bei kleineren Gewässern und der Starkregenvorsorge gefordert sind. Gleichzeitig sind auch private Eigentümer in der Pflicht: Sie müssen im Rahmen des Zumutbaren bauliche Maßnahmen ergreifen, um ihr Grundstück vor Hochwasserschäden zu schützen.
- Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) bildet die zentrale rechtliche Grundlage des Hochwasserschutzes in Deutschland. Es verpflichtet die zuständigen Behörden, Risikogebiete auszuweisen, Gefahrenkarten zu erstellen und gegen Hochwasser vorzusorgen. Das Gesetz setzt außerdem die EU-Hochwasserrisikomanagementrichtlinie um, die einen europaweiten Rahmen vorgibt, um Hochwasserrisiken zu bewerten und zu steuern. Die entsprechenden rechtlichen Leitplanken setzt der Bund. Die Umsetzung ist Aufgabe der Länder und Kommunen – sie müssen zum Beispiel Schutzmaßnahmen planen und die Bevölkerung informieren.
- Hochwasserschutzgesetz III: Der Entwurf des Hochwasserschutzgesetzes III (HWSG III) reagiert die auf zunehmenden Starkregen- und Hochwasserereignisse im Zuge des Klimawandels. Es baut auf den bisherigen Gesetzen (I und II) auf – geht aber deutlich weiter in Richtung Vorsorge, Planung und Beschleunigung von Maßnahmen. Damit leitet es einen Paradigmenwechsel ein: Im Fokus stehen mehr als zuvor, die Vorbereitung auf Starkregen, strengere Regeln fürs Bauen in Gefahrenzonen sowie die schnellere Umsetzung von Schutzmaßnahmen.
Was kostet Hochwasserschutz?
Nach den Katastrophen im Sommer 2021 ist der Hochwasserschutz wieder in den Fokus der politischen Debatte gerückt. Im schwer betroffenen Landkreis Ahrweiler gibt es Pläne für 17 Rückhaltebecken, um die Folgen von künftigen Hochwassern zu lindern. Eine enorme Investition. Ein einziges Rückhaltebecken kostet Schätzungen zufolge zwischen 56 und 150 Millionen Euro – bei einer Bauzeit von etwa zehn Jahren. Effizienter Hochwasserschutz ist somit eine Generationenfrage.
Fachleute wie Dominik Paprotny vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) monieren, dass in den vergangenen 20 Jahren zu wenig für den Hochwasserschutz getan wurde. Er hält zusätzliche Anstrengungen für nötig, um künftig eine Zunahme der Hochwasserschäden durch die Folgen des Klimawandels zu verhindern.
Vor allem in den nördlichen Bundesländern weisen Lokalpolitiker darauf hin, dass Deiche entlang mehrerer Flüsse schon viel zu lange nicht mehr modernisiert worden seien. Den Investitionsstau bezeichnen sie zum Teil auf mehrere 100 Millionen Euro.
Quelle: BMEL; Stand: September 2025
Häufige Fragen zum Hochwasserschutz
Hochwasserschutz in Deutschland ist überwiegend Ländersache und rechtlich im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) verankert. Die Bundesländer sind in der Regel für große Flüsse zuständig, während Kommunen vor allem bei kleineren Gewässern und der Starkregenvorsorge gefordert sind. Gleichzeitig sind auch private Eigentümer in der Pflicht: Sie müssen ihr Grundstück im Rahmen des Zumutbaren vor Hochwasser zu schützen – indem sie zum Beispiel Kellerwände abdichten.
Wer ist für den Hochwasserschutz zuständig?
Flusshochwasser entsteht, wenn langanhaltender Regen oder Schneeschmelze die Pegel ansteigen lässt – meist langsam und vergleichsweise gut vorhersagbar. Starkregen dagegen wirkt lokal, setzt plötzlich ein und kann auch fernab von Gewässern auftreten. So entstehen innerhalb kürzester Zeit Sturzfluten.
Was ist der Unterschied zwischen Flusshochwasser und Starkregen?
Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten stellen die Bundesländer über ihre Hochwasserzentralen sowie über das länderübergreifende Hochwasserportal bereit. Ergänzend informiert der Deutscher Wetterdienst (DWD) mit aktuellen Warnungen über Unwetter- und Starkregensituationen. Viele Kommunen veröffentlichen zusätzlich eigene Karten in ihren Geoportalen. Diese Informationen bilden eine wichtige Grundlage für Risikoanalysen, Planung und private Vorsorge.
Wo finde ich meine Hochwasser‑ oder Starkregengefahrenkarte?
Digitale Frühwarnsysteme nutzen Echtzeitdaten von Pegel-, Niederschlags- und Kanalsensoren. Diese Daten werden mit festgelegten Schwellenwerten abgeglichen; bei Überschreitung wird automatisch ein Alarm ausgelöst. So gewinnen Kommunen und Betreiber kritischer Infrastruktur wertvolle Zeit, um rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten und Schäden zu begrenzen. Besonders wirksam sind die Systeme, wenn sie fest in die kommunalen Krisenabläufe eingebunden sind.
Welche Rolle spielen digitale Frühwarnsysteme?
Der Entwurf zum Hochwasserschutzgesetz III soll den vorbeugenden Schutz vor Hochwasser und Starkregen deutlich verbessern. Vorgesehen sind verbindliche Starkregenvorsorgekonzepte für Kommunen, strengere Regeln für das Bauen in Überschwemmungsgebieten und neue Gefahrenbereiche mit erhöhten Schutzanforderungen. Außerdem soll Hochwasserschutz stärker in der Bauleitplanung berücksichtigt und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren für Schutz- und Infrastrukturmaßnahmen beschleunigt werden. Ziel ist es, Schäden zu verringern und Menschen, Siedlungen und Infrastruktur besser auf häufigere Extremwetterereignisse vorzubereiten.