Welche weiteren Regeln an öffentlichen Ladestationen gelten, was einfach zum guten Ton gehört und in welchen Fällen Sie andere Fahrer*innen ansprechen können, erfahren Sie in diesem Artikel.
Wenn von Anstand und guten Umgangsformen die Rede ist, fällt schnell der Name Knigge. 1788 veröffentlichte der Schriftsteller und Aufklärer Adolph Freiherr von Knigge sein bekanntes Werk „Über den Umgang mit Menschen“. Darin beschäftigte er sich vor allem mit der Frage, wie gegenseitige Rücksicht das Zusammenleben besser gestalten kann. Öffentliche Ladestationen kannte er natürlich noch nicht. Dennoch lassen sich einige Regeln für einen „Ladesäulen-Knigge“ ableiten. Im Folgenden also unsere Interpretation seines Werks: „Über den Umgang mit Menschen (und Ladesäulen)“.
Regel #1: Lesen Sie die Beschilderung an der Ladesäule – sie gibt den Rahmen vor
Unsere erste Regel im Ladesäulen-Knigge beginnt nicht mit komplizierter Etikette, sondern mit einem kurzen Blick auf die Beschilderung vor Ort. Prüfen Sie, ob der Ladepunkt zum Beispiel nur während des Ladevorgangs genutzt werden darf, ob eine Höchstparkdauer gilt oder ob eine Parkscheibe erforderlich ist.
An Ladesäulen der EnBW zum Beispiel gibt es keine feste zeitliche Höchstparkdauer im Sinne eines generellen Verbots. Allerdings greift ab einer Anschlussdauer von 4 Stunden (240 Minuten) eine sogenannte Blockiergebühr von 10 Cent pro zusätzlicher Minute. Der Betrag ist auf maximal 12,00 Euro pro Ladevorgang gedeckelt.
Denn ein Ladepunkt ist kein gewöhnlicher Parkplatz. Er ist dafür da, ein Elektroauto mit Strom zu versorgen. Was genau an der jeweiligen Ladestation gilt, steht auf der Beschilderung vor Ort. Diese Hinweise sollten Sie beachten. Das gilt auch dann, wenn gerade kein anderes E-Auto auf das Laden wartet.
Kurz gesagt: Erst lesen, dann laden. So wissen Sie von Anfang an, wie lange Sie den Ladepunkt nutzen dürfen.

Die Beschilderung zeigt, wann der Ladepunkt genutzt werden darf – und wann er wieder frei sein sollte.
Regel #2: Geben Sie den Ladepunkt nach dem Laden frei
Der Akku ist voll oder die Höchstparkdauer erreicht? Dann lösen Sie den Stecker, verstauen Sie das Kabel und parken Sie Ihr Fahrzeug um. So wird der Ladepunkt für das nächste E-Auto frei.
Das gilt auch dann, wenn an der Ladestation noch ein anderer Ladepunkt verfügbar ist. Wer einen Ladepunkt nicht mehr benötigt, sollte ihn möglichst schnell freigeben. Schließlich kann sich die Situation jederzeit ändern – und der vermeintlich freie Ladepunkt für ein anderes Fahrzeug ungeeignet sein.
Kurz gesagt: Ladevorgang abgeschlossen oder Höchstparkdauer erreicht? Dann bitte weiterfahren. Gegenseitige Rücksichtnahme beginnt mit dem Freimachen des Ladepunkts.
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Regel #3: Betrachten Sie 80 Prozent Ladestand als Orientierung
Generell sollte ein E-Auto im Alltag meist nicht auf 100 Prozent geladen werden. Die hohe elektrische Spannung und die chemischen Prozesse, die beim Ladevorgang im oberen Grenzbereich ablaufen, können für eine beschleunigte Alterung des Akkus und langfristig für eine verringerte Kapazität des Akkus sorgen. Darüber hinaus wird bei vielen Elektroautos bis etwa 80 Prozent mit hoher Ladeleistung geladen. Danach sinkt das Tempo häufig deutlich. Das Laden der letzten Prozent kann deshalb vergleichsweise lange dauern.
Also gilt: Reicht der Ladestand für die nächste Etappe Ihrer Reise bereits aus? Dann können Sie früher weiterfahren und den Ladepunkt freigeben. Benötigen Sie mehr Energie, laden Sie selbstverständlich weiter. Die 80-Prozent-Marke ist natürlich keine verbindliche Grenze, sondern eine praktische Orientierung.
Viele Fahrzeuge und Lade-Apps informieren darüber, wenn der gewünschte Ladestand erreicht ist. Das gilt zum Beispiel auch für die EnBW mobility+ App. Das ist besonders dann praktisch, wenn Sie während des Ladevorgangs einkaufen gehen oder eine Pause machen.
Kurz gesagt: Laden Sie so lange wie nötig – aber nicht zwangsläufig so lange wie möglich.
Regel #4: Fragen Sie freundlich, statt zu drängeln
Ist kein passender Ladepunkt frei und scheint der Ladevorgang bei einem Fahrzeug bereits beendet zu sein, hilft meist eine höfliche Nachfrage. Zum Beispiel: „Entschuldigen Sie, wissen Sie schon, wie lange Sie noch laden?“
Hupen, Drängeln oder Vorwürfe bringen dagegen wenig. Vielleicht braucht die andere Person noch Reichweite. Vielleicht wurde das Ladeende übersehen. Oder der Ladevorgang funktioniert gerade nicht wie geplant. Nicht jede Verzögerung ist Absicht. Ein freundlicher Hinweis kann die Situation deshalb schneller klären als sich zu ärgern.
Darüber hinaus ist eine Begegnung an einer Ladesäule immer auch eine gute Möglichkeit ins Gespräch zu kommen. Gerade hier, wo das E-Auto im Mittelpunkt steht, lassen sich wunderbar Tipps austauschen oder die eigenen Erfahrungen mit dem Elektroauto diskutieren.
Kurz gesagt: Freundliches Nachfragen sticht Drängeln. Gute Umgangsformen funktionieren auch zwischen zwei Ladestopps.
Regel #5: Wählen Sie den Ladepunkt, den Ihr Auto auch ausnutzen kann
Stehen mehrere Ladepunkte mit unterschiedlicher Leistung zur Auswahl, wählen Sie nach Möglichkeit einen, der zu Ihrem Fahrzeug passt. Denn ein Ladepunkt mit höherer Maximalleistung lädt nicht automatisch schneller.
Kann Ihr Elektroauto zum Beispiel höchstens 100 Kilowatt aufnehmen, bringt ein 300-Kilowatt-Ladepunkt nicht automatisch einen Geschwindigkeitsvorteil. Die tatsächliche Ladeleistung wird durch das schwächste Glied der Kette bestimmt, also durch die geringere Leistung von Fahrzeug oder Ladepunkt.
Diese Regel gilt vor allem dann, wenn mehrere Ladepunkte frei sind. Niemand sollte wegen einiger Kilowatt Ladeleistung umständlich rangieren oder einen schwer erreichbaren Ladepunkt wählen müssen. Aber wenn die Auswahl einfach ist, bleibt der leistungsstärkere Ladepunkt für ein Fahrzeug frei, das ihn tatsächlich nutzen kann.
Kurz gesagt: Nehmen Sie den Ladepunkt, der zu Ihrem Auto passt. So laden mehrere Fahrzeuge möglichst sinnvoll.
Regel #6: Lassen Sie besondere Ladeplätze frei
An manchen Ladeparks gibt es längere Stellflächen für E-Autos mit Anhänger. Dort kann das Gespann laden, ohne dass der Anhänger vorher abgekuppelt werden muss. Wer ohne Anhänger unterwegs ist, sollte diese Plätze nach Möglichkeit freihalten.
Auch barrierearme Ladepunkte sind besonders gestaltet. Sie bieten unter anderem mehr Platz und einen großzügigeren Zugang zur Ladestation. In der EnBW mobility+ App lassen sich solche Stationen über einen entsprechenden Filter finden.
Barrierearme Ladepunkte sind grundsätzlich frei zugänglich. Trotzdem gilt: Wenn ein anderer geeigneter Ladepunkt frei ist und Sie die zusätzliche Fläche nicht benötigen, wählen Sie nach Möglichkeit diesen.
Achten Sie außerdem auf die Bodenmarkierungen. In unseren EnBW Ladeparks sind zum Beispiel Ladepunkte für Gespanne und barrierearme Ladepunkte entsprechend gekennzeichnet. Außerdem gilt: Wer schräg parkt oder zu viel Platz beansprucht, kann den Zugang erschweren oder gleich zwei Ladepunkte blockieren.
Kurz gesagt: Sonderflächen sind kein besonders bequemer Parkplatz. Sie sind für Fahrzeuge gedacht, die genau diesen zusätzlichen Platz benötigen.

Besondere Ladeplätze – wie zum Beispiel für Gespanne – sind an EnBW Ladestationen entsprechend ausgezeichnet.
Regel #7: Hinterlassen Sie Kabel und Stecker ordentlich
Ordnung ist die halbe Miete. Das gilt auch an der Ladesäule. So gehört das Kabel nach dem Laden zurück in die vorgesehene Halterung. Der Stecker sollte sicher an der Ladestation hängen und nicht auf dem Boden liegen. So bleibt der Weg frei und der nächste Ladestopp beginnt ohne Stolperfalle.
Ziehen Sie Kabel nicht über den Asphalt und gehen Sie vorsichtig mit Steckern und Anschlüssen um. Beschädigungen können den Kontakt und somit den Stromfluss beeinträchtigen. Fallen Ihnen Schäden oder technische Störungen auf, melden Sie diese gerne über die am Ladepunkt angegebene Hotline oder App des Betreibers.
Kurz gesagt: So ordentlich, wie Sie den Ladepunkt vorfinden möchten, sollten Sie ihn auch hinterlassen.
Regel #8: Prüfen Sie erst, bevor Sie handeln
Ein belegter Ladepunkt ist nicht automatisch ein Fall für einen erhobenen Zeigefinger. Prüfen Sie zunächst, ob der Ladevorgang gerade gestartet wurde oder möglicherweise abgebrochen ist. Die EnBW mobility+ App zeigt an, ob ein Ladepunkt frei oder besetzt ist. Außerdem können Sie sehen, seit wann der Ladepunkt belegt ist.
Ist die Person in der Nähe, lässt sich die Situation oft direkt klären. Bei einer technischen Störung hilft der Kontakt zum Betreiber. Steht ein Fahrzeug eindeutig unberechtigt auf einem entsprechend beschilderten Ladeplatz, kann das zuständige Ordnungsamt der richtige Ansprechpartner sein. Das Zuparken des Fahrzeugs oder das Anfassen fremder Kabel löst das Problem dagegen nicht.
Um für mehr Fairness beim Laden zu sorgen, erheben einige Anbieter nach einer bestimmten Anschlussdauer eine Blockiergebühr. Die Bedingungen und Kosten unterscheiden sich je nach Tarif. Daher lohnt sich ein kurzer Blick in die Lade-App, um unerwartete Zusatzkosten zu vermeiden.
Kurz gesagt: Erst prüfen, dann fragen, dann handeln. Und fremde Fahrzeuge bleiben tabu.
Fazit: Gute Manieren machen den Ladestopp leichter
Der Ladesäulen-Knigge braucht keine komplizierten Benimmregeln. Es reichen ein paar einfache Grundsätze: Beschilderung beachten, den Ladepunkt nach dem Ladeende freigeben, passende Stellflächen wählen und anderen freundlich begegnen.
Wer außerdem Kabel und Stecker ordentlich hinterlässt und bei Problemen erst prüft, bevor er handelt, macht den Ladestopp für alle angenehmer. Denn Rücksicht an der Ladestation ist keine Nebensache. Sie ist der einfachste Weg zu einem entspannten Miteinander. Das ist auch der Fall, wenn der eigene Akku gerade dringend Energie braucht.
Konflikte an der Ladesäule lassen sich oft vermeiden. Denn am Ende kommt es vor allem darauf an, freundlich und höflich miteinander umzugehen. Nicht jedes Fehlverhalten geschieht mit Absicht: Manchmal fehlt schlicht die Erfahrung, der Ladevorgang wurde unbemerkt abgebrochen oder die Beschilderung falsch verstanden.
Eine gute Ladeplanung hilft zusätzlich, Zeitdruck zu reduzieren.

