Tatort Ladesäule: Kabeldiebstahl wird zum immer größeren Problem

Ob nachts oder am helllichten Tag: Immer öfter schlagen mutmaßliche Kupferdiebe an Schnellladestationen zu. Was wie der Auftakt eines Krimis klingt, entwickelt sich zu einem echten Problem für die betreibenden Unternehmen – und für alle, die auf eine funktionierende Ladeinfrastruktur angewiesen sind. Wir erklären, wie es dazu kommt – und was die EnBW dagegen unternimmt.

Die Vorfälle von Kabeldiebstahl an deutschen Schnellladestationen mehren sich – die Betreiber bleiben natürlich nicht untätig. Mit Sicherheitsmaßnahmen reagieren wir von der EnBW auf den Kabeldiebstahl. Was bereits funktioniert, was noch getestet wird – und warum die Aufklärung oft so schwierig ist.



Kabelklau an Ladesäulen: Schaden in Millionenhöhe

Ob auf Supermarktparkplätzen, vor Baumärkten oder an Autobahnraststätten: Die Täter*innen schlagen dort zu, wo Schnellladesäulen frei zugänglich sind. Besonders im Fokus: fest installierte CCS-Kabel – diese lassen sich mit professionellen Werkzeugen in wenigen Handgriffen durchtrennen.

Die mutmaßlich bevorzugte Beute ist das Kupfer im Kabelinneren. Je nach Dicke und Leistungsfähigkeit enthalten Schnellladekabel zwischen vier und zehn Kilogramm des Metalls. Beim Schrotthandel bringt das derzeit etwa acht Euro pro Kilo. Dadurch erzielen die Diebe beim Weiterverkauf des Metalls etwa 50 Euro pro Kabel, auf dem Schwarzmarkt ungefähr die Hälfte. Sonderlich lukrativ ist das Ganze nicht.

Daher werden auch andere Beweggründe diskutiert. Zum einen handelt es sich möglicherweise um reinen Vandalismus, zum anderen könnte gezielte Sabotage dahinterstecken. Denn manche Taten scheinen ideologisch motiviert zu sein – etwa, weil man die Elektromobilität ablehnt: Kupferkabel, die erst hinter der Kabelführung abgeschnitten werden, wodurch noch ein Meter Ladekabel an der Säule hängt. Und den Rest findet man dann wenige Schritte weiter achtlos ins Gebüsch geworfen.

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Hoher Aufwand, großer Schaden

Jedenfalls ist der Aufwand immens: Ohne spezielle Werkzeuge lassen sich die Kabel nicht abtrennen. Auch die eher abgelegenen Standorte sprechen für gezielte Aktionen. Häufig schlagen die Täter*innen nachts im Schutz der Dunkelheit zu. Allerdings sind auch Diebstähle am helllichten Tag, etwa auf gut besuchten Parkplätzen, dokumentiert. Manche Standorte wurden sogar mehrfach innerhalb weniger Wochen „entkabelt“.

Was die Täter*innen mit wenigen Schnitten verursachen, zieht weitreichende Folgen nach sich. Der Schaden geht weit über den Materialwert eines gestohlenen Kabels hinaus, die Gesamtkosten pro Vorfall belaufen sich auf etwa 5.000 bis 8.000 Euro – je nach Standort und technischem Aufwand. Gründe dafür sind neben dem Austausch des Kabels auch Reparaturkosten und die notwendigen Prüfungen. Zudem ist die betroffene Ladestation meist mehrere Tage außer Betrieb.

EnBW-Ladesäule am Rewe in Meerbusch

Nach dem Kabeldiebstahl ist die Ladestation in Meerbusch mittlerweile wieder in Betrieb.

 

Wir von der EnBW verzeichnen die meisten Vorfälle derzeit in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen. Andere Anbieter wie EWE Go nennen Leipzig und Düsseldorf als Schwerpunkte. Dabei kommt es immer wieder zu Wiederholungstaten – also erneuten Diebstählen an gerade erst reparierten Standorten.

Auch E-Auto-Fahrer*innen sind unmittelbar betroffen: falls ein frisch abgeschnittenes Kabel noch nicht vom Betreiber registriert wurde, kann es sein, dass ein Ladepunkt umsonst angesteuert wird. Je nachdem, wie weit die nächste Ladestation entfernt ist, muss ein Umweg gefahren werden.

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Kabeldiebstahl ist ein internationales Problem

Nicht nur hierzulande nehmen die Diebstähle von Ladekabeln zu. Auch in anderen Ländern häufen sich die Vorfälle: So meldete die VW-Ladetochter Electrify America innerhalb eines Jahres 93 entwendete Kabel allein im US-Bundesstaat Washington. In Großbritannien ist das Problem inzwischen so groß, dass bereits an einem Alarmsystem gearbeitet wird, das bei Manipulationsversuchen laute Signale ausstößt und die Betreiber informiert.

Wie die EnBW auf Kabeldiebstähle reagiert

Das Wichtigste nach einem Kabeldiebstahl: Die betroffene Schnellladesäule muss wieder betriebsbereit gemacht werden. Dank unseres zentralen Monitorings erkennen wir automatisch, wenn eine Station nicht mehr funktionsfähig ist – unser Field-Service-Team ist in der entsprechenden Region unterwegs und fährt den Standort schnellstmöglich an.

Vor Ort klären unsere Techniker*innen zunächst, ob es sich tatsächlich um einen Diebstahl handelt. In diesem Fall beauftragen wir unseren Partner Alpitronic mit der fachgerechten Wiederherstellung der Ladesäule – inklusive der Entfernung der Kabelreste, dem Einbau eines neuen Kabels und der Wiederinbetriebnahme. Jede Station muss im Anschluss erneut eichrechtskonform geprüft werden, bevor sie wieder für unsere Kund*innen zur Verfügung steht.

Dank eingespielter Prozesse und enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller sind betroffene Stationen meist nach ein bis zwei Wochen wieder nutzbar. In Zukunft soll es noch schneller gehen: Ein Software-Update hilft uns, Schäden automatisiert zu erkennen und die Reparatur direkt und ohne Verzögerung zu beauftragen – das spart wertvolle Zeit und reduziert die Ausfallzeiten.

Ladekabel gegen Diebstahl sichern: Maßnahmen & Technik

Damit es im Idealfall gar nicht erst zu einem Kabeldiebstahl kommt, investieren wir kontinuierlich in präventive Maßnahmen. An vielen unserer eigenen Schnellladestandorte haben wir bereits zusätzliche Sicherheitsausstattungen installiert – etwa helle LED-Beleuchtung, die dunkle Ecken ausleuchtet, sowie Kamerasysteme, die zur Abschreckung beitragen und im Ernstfall wertvolle Hinweise liefern können.

EnBW Schnellladepark am Kamener Kreuz

Der EnBW Schnellladepark Kamen bietet zahlreiche überdachte und beleuchtete Ladepunkte.

Darüber hinaus stehen wir im engen Austausch mit unseren Standortpartnern – etwa Supermärkten oder Baumärkten, auf deren Gelände sich viele Ladepunkte befinden. Gemeinsam erarbeiten wir standortspezifische Sicherheitskonzepte, gerade dort, wo wir selbst keine baulichen Veränderungen vornehmen können. Das Ziel: ein möglichst hohes Schutzniveau durch Maßnahmen, die individuell zum Standort passen.

Jeder Kabeldiebstahl wird zudem konsequent zur Anzeige gebracht – unabhängig von der Schadenshöhe. Denn nur mit lückenloser Dokumentation und klarer Rechtsverfolgung können wir Täter*innen das Handwerk dauerhaft erschweren. Die Realität zeigt jedoch: Die Täter*innen zu schnappen, ist oft alles andere als einfach. In mehreren Fällen musste die Polizei bereits die Öffentlichkeit um Hinweise bitten – etwa in Sachsen und Thüringen.

Was hilft langfristig gegen den Kabelklau?

Die zunehmende Zahl an Kabeldiebstählen zeigt deutlich: Einzelne Maßnahmen wie Kameras oder Lichtanlagen reichen auf Dauer nicht aus. Deshalb setzen wir auf einen umfassenden Ansatz – gemeinsam mit Herstellern, Behörden, Sicherheitsdienstleistern und anderen Ladeinfrastrukturbetreibern. Ziel ist es, sowohl die technischen Schwachstellen als auch die organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen gezielt zu verbessern.

Technisch geht die Entwicklung in die Richtung, Diebstähle immer mehr zu erschweren und so letztendlich unattraktiv zu machen: Dazu zählen beispielsweise robustere Kabel mit schnittfestem Mantel (wodurch das Durchtrennen erheblich erschwert wird) und Systeme, die Manipulationen in Echtzeit erkennen und sofort Alarm schlagen.

Tesla baut bekanntlich nicht nur E-Autos, sondern betreibt auch das eigene Supercharger-Ladenetz. Der Hersteller hat sich beim Thema „Kabelklau“ vom Vorgehen gegen Banküberfalle und gesprengte Geldautomaten inspirieren lassen – und setzt mittlerweile eine spezielle Tinte ein, die Diebe abschrecken soll. Oder zumindest markieren, um die Arbeit der Polizei zu erleichtern: Beim Aufschneiden der Kabelhülle tritt die nicht abwaschbare „Dye Defender“-Flüssigkeit aus und färbt Hände sowie Kleidung der Täter*innen. Zusätzlich wird künftig in das Kupfer der Ladekabel der Schriftzug „Eigentum von Tesla“ eingraviert – auch das soll den Weiterverkauf erschweren.

Gleichzeitig braucht es politische Unterstützung: Wenn Ladekabel rechtlich als Teil der öffentlichen Energieinfrastruktur eingestuft werden, könnten strengere Strafrahmen greifen – vergleichbar mit dem Schutz von Strommasten oder Verkehrszeichen. Das jüngste Urteil eines Amtsgerichts in Leipzig, das den Tatbestand der gemeinschädlichen Sachbeschädigung anerkannte, ist ein erster Schritt in diese Richtung.

EnBW Ladesäule bei Bauhaus

Um Kabeldiebstahl zu verhindern und konkrete Sicherheitsmaßnahmen individuell abzustimmen, steht die EnBW im engen Austausch mit Standortpartnern wie Bauhaus.

Fazit: Gemeinsam gegen Kabeldiebstähle an Ladesäulen

Kabeldiebstähle an Schnellladestationen sind leider kein Einzelfall mehr. Sie verursachen nicht nur hohe wirtschaftliche Schäden, sondern beeinträchtigen auch das Ladeerlebnis für viele E-Auto-Fahrer*innen. Jeder Vorfall bedeutet: Ausfälle von Ladepunkten, längere Wege und unnötige Frustration.

Wir bei der EnBW reagieren konsequent auf diese Herausforderung – mit schnellen Reparaturen, intelligenter Technik und vorbeugenden Sicherheitsmaßnahmen. Gleichzeitig setzen wir auf enge Zusammenarbeit mit Partnern, Herstellern und der Polizei. Denn klar ist: Der Schutz unserer Ladeinfrastruktur ist ein Gemeinschaftsprojekt.

Langfristig braucht es dabei nicht nur technische Lösungen, sondern auch politische und rechtliche Rahmenbedingungen, die Täter*innen konsequent abschrecken. Unser Ziel bleibt: eine verlässliche, flächendeckende und sichere Ladeinfrastruktur – damit E-Mobilität im Alltag noch selbstverständlicher wird.

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