E-Wohnmobile: Aktuelle Modelle im Überblick

Wohnmobile liegen im Trend: Sie sind nah an der Natur, flexibel unterwegs und haben zudem jede Menge Platz und Komfort. Das Problem: Bislang laufen „Womos“ fast ausschließlich mit Diesel. Aber die Hersteller denken um und stellen die ersten E-Wohnmobile vor. Wir haben uns die interessantesten Modelle angesehen.

Viele Studien und Konzeptfahrzeuge zeigen schon jetzt, wie der e-mobile Campingurlaub in Zukunft aussehen kann. Auch diese spannenden Entwicklungen stellen wir Ihnen im Folgenden vor.


Das erwartet Sie hier


Wohnmobil am See

Urlaub mit Wohnmobil liegt im Trend – aber wann kommen Modelle mit Elektroantrieb?

Der Wohnmobilmarkt boomt – Chancen für Elektromobilität steigen

Mit dem eigenen Wohnmobil in den Urlaub fahren – das spricht immer mehr Menschen an. Nach den vergangenen Rekordjahren (2021 wurden über 100.000 Neuzulassungen bei Wohnmobilen und Wohnwagen registriert), wurden 2022 mit insgesamt knapp 91.000 Neuzulassungen zwar weniger Campingfahrzeuge als im Vorjahr zugelassen. Vergleicht man die Daten aber mit früheren Zulassungszahlen (2016 etwa wurden rund 50.000 Wohnmobile und Wohnwagen zugelassen), zeigt sich, dass die Nachfrage weiter auf hohem Niveau bleibt. Trotz dieser Rekordzahlen muss man Wohnmobile mit elektrischem oder Plug-In-Hybrid-Antrieb mit der Lupe suchen. Denn noch werden die allermeisten Reisefahrzeuge mit Diesel angetrieben, der Elektroantrieb ist eher ein Zukunftsthema. Doch die Branche beginnt sich zu wandeln. Fiat hat bereits angekündigt, auch beim neuen E-Ducato wieder eng mit den Reisemobil-Herstellern zusammenzuarbeiten. Mit Iridium, Dethleff und Knaus stehen weitere Womo-Hersteller in den Startlöchern.

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Camper oder Wohnmobil?

Wohn- bzw. Reisemobile basieren in der Regel auf Transportern bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, zum Beispiel dem Fiat Ducato, dem Citroën Jumper oder dem Ford Transit. Camper nutzen dagegen für den Ausbau Kleinbusse und Nutzfahrzeuge bis max. 3 Tonnen, wie den VW T6, den Mercedes Vito oder den Citroën Spacetourer. Dadurch bieten sie zwar weniger Platz, sind aber agiler im Verkehrsalltag.

Auch bei Campern setzt sich langsam die E-Mobilität durch. Hier erfahren Sie mehr zu E-Campern.

WOF Iridium: Der Pionier unter den E-Wohnmobilen

Seit 2020 ist der Iridium auf dem Markt. Er ist das erste – und bislang einzige – vollständig elektrisch angetriebene Wohnmobil, das in Serie gefertigt wird. Das Chassis stammt aus dem Sevel-Werk in Italien, wo auch der Fiat Ducato, der Citroën Jumper und der Peugeot Boxer gebaut werden. Doch anstelle eines Verbrenners verrichtet hier ein waschechter E-Antrieb sein Werk.

Hergestellt wird der Iridium vom Womo-Importeur und -Händler WOF (Wohnmobil Outlet Factory), der sich mit den Elektro-Umbauspezialisten EfaS (Elektro-Fahrzeuge Schwaben) zusammengetan hat. Die Stuttgarter*innen rüsten zum Beispiel die Transporter des Paketdienstes UPS mit Elektroantrieben aus. Dieser E-Motor wird auch im Iridium eingesetzt. Ein klares Zeichen für die Praxistauglichkeit.

Der Iridium ist in zwei Varianten erhältlich: Die kleine Version verfügt über 105 kW (143 PS) und 86,4 kWh starke Akkus, die größere über 140 kW (190 PS) und 108 kWh-Akkus. Bei einem Gewicht von 4,8 Tonnen kommt das E-Wohnmobil damit rund 300 bzw. 400 Kilometer weit. An Bord gibt’s auch ein CCS-Schnellladesystem, mit dem die Akkus innerhalb von 1,5 bis 2 Std. wieder aufgeladen werden können.

Innen bietet der Iridium alles, was das Reiseherz höher schlagen lässt: eine Küche, einen Kühlschrank, vier Schlafplätze, eine Sitzgruppe, eine Nasszelle mit Dusche und eine Heckgarage. Zur Vollausstattung gehören zudem eine Solaranlage, eine Markise und eine Sat-Anlage. Das Elektro-Wohnmobil gibt’s zum stolzen Preis von 169.900 bzw. 197.900 Euro.

Iridium Camper Ladestation

Der Iridium von WOF ist das erste in Serie gefertigte E-Wohnmobil. © EMR-Campers

Dethleffs e.home: Das vollelektrische Reisemobil der Zukunft

Bereits 2017 präsentierte der Womo-Spezialist Dethleffs auf dem Caravan Salon in Düsseldorf seine Vorstellung über die elektrische Zukunft des Reisemobils. Basis für die Studie e.home ist ein Iveco Daily, angetrieben von einem 80 kW (109 PS) starken Elektromotor. Die Akkus mit einer Kapazität von 85 kWh reichen für rund 200 Kilometer Reichweite. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Dethleffs mit 80 km/h an.

Das Interieur ist hell, modern und futuristisch – so gibt es beispielsweise statt Rollos verdunkelnde Folien, statt Lampen erhellt Leuchtfolie die Sitzgruppe, nachts verwandeln zahlreiche LEDs das Alkovendach in einen Sternenhimmel. Für Wärme sorgt eine Infrarotheizung. Und so gut wie alle Funktionen lässt sich per App über Smartphone oder Tablet steuern.

Da das E-Wohnmobil auf Gas als Energieträger verzichtet und stattdessen auf Strom setzt, soll es sich zudem möglichst autark versorgen können. Daher wurde die Außenhülle auf einer Fläche von insgesamt 31 m2 mit Solarzellen überzogen, die auf eine Leistung von 3 kW kommen. Doch leider werden Sie den Look nicht auf der Straße bewundern können, es blieb bei der Studie.

e.home außen

Der e.home von Dethleff ist außen mit Solarzellen bedeckt, die den benötigten Strom produzieren. © Dethleff

Hymer VisionVenture: Die Zukunft des Offroad-Campings

2019 war mit dem VisionVenture eine E-Wohnmobil-Studie des Herstellers Hymer auf dem Caravan Salon zu sehen. Der Ansatz war nicht, ein besonders luxuriöses, sondern eher ein möglichst kompaktes Reisemobil zu bauen. Eine wichtige Inspirationsquelle für den VisionVenture war die Camper-Community mit ihren kreativen Selbstausbauten.

Hymer Schlafdach

Das pneumatische Schlafdach bläst sich innerhalb einer Minute auf und ist gut gegen kalte Außenluft isoliert.

Zusammen mit BASF und dem Designstudio SYN wurde das Elektro-Wohnmobil auf Basis eines Mercedes Sprinters entworfen. Eine der vielen Innovationen ist beispielsweise das pneumatische Schlafdach. Die Waben blasen sich in weniger als einer Minute von selbst auf und sorgen für Isolierung, so dass im Winter niemand beim Schlafen frieren muss. Die Schlafkabine im Obergeschoss bietet dann Platz für bis zu zwei Personen und kann über eine stabile Treppe erreicht werden, die gleichzeitig jede Menge Stauraum bietet. Das Badezimmer präsentiert sich im Grundzustand schmal. Soll die Nasszelle zum Duschen genutzt werden, lässt sich der ganze Raum allerdings wie eine Schublade nach außen ziehen, damit beim Abbrausen und Einseifen genug Platz vorhanden ist. Weiteres Highlight ist die Sitzgruppe im Heck, die durch einen aus dem Boden herausziehbaren Tisch ergänzt werden kann. Für einen freien Blick in die Natur sorgen die umlaufenden großen Seiten- und die Panorama-Heckscheibe. Letztere lässt sich über die gesamte Fahrzeugbreite nach oben klappen, während sich die Heckklappe bei gutem Wetter nach unten klappen und zu einer Sonnenterrasse umbauen lässt.

Für den Einsatz abseits der Straße sorgt der Allradantrieb. Dank 120-Liter-Frischwassertank und einer Solaranlage mit 115-Watt-Solarmodulen sowie großen Batterien soll das Wohnmobil außerdem Strom für mehrere Tage Abenteuer abseits der Ziviisation bereithalten. Die Radlaufverkleidung oder bestimmte Teile der Karosserie wurden im 3D-Druckverfahren hergestellt, wodurch sie besonders robust sind. Neu beim VisionVenture ist auch die besondere Lackierung, die temperaturregulierende Effekte besitzt.

Ob das außergewöhnliche Reisemobil tatsächlich umgesetzt wird, war lange Zeit nicht klar. Auf dem Caravan Salon 2022 in Düsseldorf hat der Hersteller dann allerdings mit dem Hymer Venture S die Serienversion der Studie vorgestellt, bei der nahezu alle Features umgesetzt wurden. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein E-Wohnmobil. Die Basis bildet dagegen ein Mercedes Sprinter 410 auf Dieselbasis. Ob der Venture S auch als Elektrovariante erscheint, ist aktuell nicht klar. Bekannt ist dagegen der Preis. Der Basispreis liegt bei mehr als 225.000 Euro. Entscheiden Sie sich außerdem für 18-Zoll-Räder, eine Lederausstattung, eine elektrische Markise, eine Unterflur-Standklimaanlage, einen Video-Beamer für die Sitzgruppe im Heck und weitere Extras, steigt der Preis auf mehr als 255.000 Euro.

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Innen gibt’s im Hymer VisionVenture jede Menge Platz, das Raumkonzept wurde von kreativen Selbstausbauten inspiriert. © Hymer

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Knaus E.Power Drive: Kraftvoll in die Zukunft

Auf dem Caravan Salon 2021 stellte Knaus Tabbert seine Vision eines E-Wohnmobils vor. Von außen sieht der E.Power Drive aus wie ein herkömmliches Reisemobil. Doch unter der Haube arbeitet ein 180 kW (245 PS) starker Elektromotor, der bis zu 110 km/h schafft. Der Antrieb entstand in Kooperation mit HWA, die die Rennsport-Technologie für Daimler entwickeln und liefern.

Mit seinen 35 kW starken Akkus kommt der E.Power Drive auf eine eher bescheidene Reichweite von knapp 90 km. Der Grund: Noch fährt das E-Wohnmobil nicht vollelektrisch, sondern wird durch einen Range Extender unterstützt. Das heißt, dass über einen Verbrennungsmotor Strom für den E-Motor erzeugt wird. Überraschenderweise treibt in diesem Fall ein hochmoderner Wankelmotor den Generator an. In Zukunft soll hier aber eine Brennstoffzelle arbeiten.

Leider können Sie den E.Power Drive mit seinem modernen Cockpit noch nicht kaufen. Denn auch bei diesem E-Wohnmobil handelt es sich „nur“ um eine Studie. Diese ist wegen der verbauten Akkus noch recht schwer. Als Ziel hat Knaus Tabbert vorgegeben, das Gewicht so weit zu reduzieren, dass das Fahrzeug in der beliebten 3,5-Tonnen-Klasse zugelassen wird.

Fiat E-Ducato: Noch offen, wann er als E-Wohnmobil kommt

Mit dem Fiat 500 e und dem Kleinbus E-Ulysse haben die Italiener*innen zwei vollelektrische Pkw-Modelle am Markt. Seit Mitte 2020 ist eine Elektro-Variante des Lieferwagens Ducato erhältlich, der auch die Basis für die meisten Wohnmobile bildet. Der E-Ducato wird in zwei Akkugrößen angeboten: mit 47 kWh und einer Reichweite von 220 km sowie mit 79 kWh und 360 km Reichweite.

Noch ist nicht bekannt, wann genau die ersten Elektro-Wohnmobile auf den Markt kommen, die den E-Ducato als Basis nutzen. Aufgrund der Reichweite sehen Expert*innen den Einsatz als Reisemobil kritisch – der E-Ducato sei für Stadt- und Umlandfahrten konzipiert, aber nicht für die Langstrecke. Es bleibt also spannend. Preislich beginnt der E-Ducato bei rund 66.000 Euro.

E-Ducato

Wann der neue E-Ducato als Wohnmobil kommt, ist noch offen.

Campingplätze fördern Ausbau der E-Mobilitäts-Infrastruktur

Dass die Hersteller bislang nur wenig Interesse an Elektro-Wohnmobilen zeigten, kann auch daran liegen, dass es kaum Lademöglichkeiten auf Campingplätzen gab, an denen die Kundschaft ihre E-Wohnmobile hätte aufladen können. Doch auch auf diesem Gebiet tut sich sehr viel. Immer mehr Campingplätze investieren in ihre Infrastruktur, um für Urlauber*innen mit E-Auto attraktiv zu bleiben.

Dabei kommen unterschiedliche Konzepte zum Tragen: Manche Betreiber statten nach und nach alle Standplätze mit Ladesystemen aus, die auch für größere E-Wohnmobile geeignet sind. Einige bieten bereits eine zentrale Ladestation für Camper*innen und Besucher*innen auf der eigenen Fläche an, andere setzen auf eine öffentliche Ladestation vor der Schranke, die allen Elektrofahrzeugen offensteht.

Eine Übersicht, welche Campingplätze mit Ladesäulen ausgestattet sind, finden Sie zum Beispiel bei GoingElectric.

Wohnmobil in Natur

Immer mehr Menschen machen ihren Traum vom unabhängigen Reisen in die Natur wahr.

Fazit: Wann kommen endlich die E-Wohnmobile?

Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, genießt die Naturverbundenheit und Freiheit dieser Reiseform. Umweltbewusst zu fahren, ist für die meisten eine Selbstverständlichkeit. Auch wer zuhause bereits ein E-Auto sein Eigen nennt, wird beim Anmieten oder gar Kauf eines Wohnmobils nicht zum Diesel zurückkehren wollen.

Ob sich E-Wohnmobile in Zukunft durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Mit Dethleffs, Hymer und Knaus haben einige Schwergewichte der Womo-Branche interessante Studien vorgestellt, doch in Serie gegangen ist bislang keines der Konzeptfahrzeuge. Wenn man einmal von der Serienausführung des Hymer Venture S absieht, der allerdings als Dieselfahrzeug umgesetzt wurde. Einzig den Iridium von WOF können Sie derzeit regulär kaufen – vorausgesetzt, Sie bringen das nötige Kleingeld mit.

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