Wärmedämmung: Berechnung von Kosten und Nutzen

Die gute Nachricht: Deutsche Emissionen sinken. Die schlechte: Sie sinken zu langsam und werden nach Corona z.B. durch steigende Reisetätigkeiten aller Wahrscheinlichkeit nach steigen. Das gab das Umweltministerium jüngst bekannt. Gerade Gebäudeemissionen übersteigen merklich beschlossene CO2-Grenzen. Keine Kleinigkeit, denn Gebäude verursachen ein Drittel des deutschen CO2-Ausstoßes.

Kann Wärmedämmung dabei helfen, Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen? Wir geben einen Überblick.

Das erwartet Sie hier


Was bedeutet Wärmedämmung?

Wärmedämmung – das Thema, das Augen leuchten lässt oder Schnappatmung auslöst. Alte oder schlecht isolierte Häuser verlieren bis zu 35 Prozent Energie über Außenfassaden, Dächer und Fenster. Die Vorteile von Wärmedämmung sind klar: Energieeffizienz und Immobilienwert steigern, Kosten senken und die Umwelt schonen. Dinge, auf die sich alle einigen können.

Seit Jahren sind Dämmmaßnahmen und Energetische Sanierung jedoch in der Diskussion: Wärmedämmungskosten fürs Haus seien unrentabel, die Brandgefahr steige, Schimmelbildung verstärke sich. Allesamt jedoch Vorwürfe, die Studien längst entkräften konnten. Wärmedämmung taucht in der deutschen Brandstatistik nicht oder kaum auf. In der Umweltstatistik dafür umso mehr: Hausdämmung spart bis zu 20 Prozent Energie – mit einer modernisierten Heizung sogar bis zu 39 Prozent. Es lohnt sich daher, Wärmedämmung und die Berechnung des Kosten-Nutzen-Faktors kennenzulernen.

Mineralwolle für Dachdämmung

Wärmedämmung verbessert langfristig die Energiebilanz und den Wert von Immobilien.

Wärmedämmung ist Pflicht

Das Gesetz ist klar: Gebäude müssen energieeffizient sein, Emissionen senken und erneuerbare Energien nutzen. Bei Bau- und Sanierungsarbeiten müssen sich alle an das 2020 in Kraft getretene Gebäudeenergiegesetz (GEG) halten, welches das Energieeinspargesetz, die Energiesparverordnung und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zusammenführte. Das GEG schreibt für beheizte und klimatisierte Gebäude Anforderungen hinsichtlich nachhaltiger, klimaneutraler Gebäudemodernisierung vor. Bestandteil des GEG sind Wärmedämmstandards für alte und neue Gebäude. Bei der Frage „Altbau dämmen oder nicht?“ lautet die Antwort also: Werden die GEG-Standards nicht eingehalten, in jedem Fall. Um die Anforderungen zu erfüllen, bietet die Wärmedämmung verschiedene Lösungen fürs Modernisieren und Nachrüsten.

Anwendungsbereiche für Wärmedämmung

Die Bereiche, über die Gebäude Energie verlieren, variieren nach Einzelfall und Baustandard. Ein Pauschalrezept für den besten Anwendungsbereich von Wärmedämmung gibt es nicht. Fest steht: Gebäude verzeichnen über Außenwände und Dach bis zu 30 Prozent Wärmeverlust. Doch auch Lüftungswärme geht durch Heiz- und Lüftverhalten zum Fenster raus.

Typische Anwendungsbereiche für Wärmedämmung sind:

  • Außendämmung: Fassade, Fenster, Türen
  • Dachdämmung: Zwischensparren, Untersparren, Aufsparren
  • Geschossdeckendämmung: Für begehbare/unbegehbare Dachböden
  • Innendämmung: Bei denkmalgeschützten oder wertvollen Fassaden
  • Kerndämmung: Bei zweischaligen Außenwandkonstruktionen
  • Bodenplattendämmung: Unterseite bei Neubauten, Innenseite bei Bestandsbauten
  • Perimeterdämmung: Bei unterirdischen oder ans Erdreich angrenzenden Außenwänden
  • Fußbodendämmung: Bei ungedämmtem Keller oder Bodenaufbau
  • Kellerdämmung: Innenwanddämmung oder Perimeterdämmung
Infrarotbild eines Mehrfamilienhauses

Hausbesitzer, die wissen, wo die meiste Energie verlorengeht, können effizienter dämmen.

Stoffe für Wärmedämmung

Den „besten“ Dämmstoff gibt es nicht. Die Materialwahl hängt von Zustand und Lage des Hauses, regionalem Mikroklima und Dämmbereich ab. Der wichtigste Wert eines Dämmstoffs ist der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient), der mit der Einheit W/(m²K) den Wärmeverlust anzeigt. Je geringer der U-Wert, desto besser.

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Das bedeutet der U-Wert

Konkret gibt der U-Wert an, wie hoch die Wärmeleistung ist, die durch ein Bauelement pro Quadratmeter strömt, wenn Außen- und Innenfläche einen konstanten Temperaturunterschied von einem Grad (1 K) haben. Der U-Wert hängt maßgeblich vom verwendeten Material und der Dicke des verwendeten Materials ab. Um zum Beispiel eine KfW-Förderung für ein neues Dach zu erhalten, muss ein U-Wert von 0,14 W/(m2K) erreicht werden.

Auf dem Markt für Wärmedämmmaterialien stehen anorganisches Expandiertes-Polystyrol (Markenname Styropor) und Mineralwolle mit 90 Prozent Marktanteil ganz oben. Im Vergleich zu anorganischen Dämmstoffen zeichnen sich organische Stoffe wie Schafwolle, Hanf, Holzweichfaser oder Zellulose durch nachhaltigere Produktion, bessere Ökobilanzen und geringere Preise aus.

Typische Dämmstoffe sind:

  • Expandiertes-Polystyrol (EPS)
  • Mineralwolle-Steinwolle
  • Mineralwolle-Glaswolle
  • Extrudierter Polystyrol-Hartschaum/Styrodur (XPS)
  • Polyurethan (PUR)
  • Ökologische Dämmstoffe: Flachs, Kork, Hanf, Schafwolle, Zellulose, Holzfaser

Welche Stoffe sich lohnen, ist von der jeweiligen Immobilie abhängig. Bei der Wahl der Wärmedämmung empfiehlt sich eine professionelle Energieberatung. Das Gute daran: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert eine Energieberatung für Privathaushalte mit bis zu 80 Prozent.

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Was kostet Wärmedämmung?

Hauptargument von Dämmkritikern sind die Dämmkosten im Vergleich zur Einsparung. Was Wärmedämmung wirklich kostet, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Dämmungsart/-bereich
  • Dämmmaterial/-dicke
  • Fläche des Dämmbereichs
  • Arbeitskosten (Gerüstaufbau/Dämmung)
  • Ist-Zustand des Hauses

Preise variieren, allerdings sind Dämmkosten zwischen 75 und 200 Euro pro Quadratmeter zu erwarten. Reduzieren kannst du sie durch eine Dämmung parallel zur Fassadensanierung oder Renovierung. Nicht zu vergessen: Das KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ der Bundesregierung unterstützt Komplettsanierungen und Einzelmaßnahmen durch Sanierungsförderung.

Lohnt sich Wärmedämmung – Kosten vs. Ersparnis

Wärmedämmung – Ja oder Nein? Hier gilt: Langfristig unbedingt. Kosten für Wärmedämmung an Fassaden und im Haus rechnen sich bereits nach wenigen Jahren. Besonders lohnend ist die Dämmung der Obergeschoss- und Kellerdecke mit ca. 30 bis 100 Euro pro Quadratmeter. Der größte Energieverlust findet jedoch über Außenfassaden statt. Fassadenwärmedämmungen sind daher optimal, um bei steigenden Heizkosten die Energiebilanz zu verbessern. Kombiniert mit modernen Heizanlagen ist eine Amortisation schnell erreicht.

Wärmedämmung an der Hauswand

Die meiste Energie geht über die Fassade verloren – Wärmedämmung an Fassaden kann daher den Energieverlust um bis zu 20 % reduzieren.

Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft Co2online gGmbH nennt folgende Sparpotentiale bei der Berechnung von Wärmedämmung:

Anwendungsbereich Einsparung Heizkosten (jährlich) Einsparungspotential
Außenfassade 260 € 19 %
Keller und Kellerdecke 70 € 5 %
Obergeschossdecke 100 € 7 %
Fenster 100 € 7 %

 

Wann amortisiert sich Wärmedämmung?

Die wichtigste Frage ist für dich natürlich, wann sich die Kosten einer Wärmedämmung am Haus rechnen. Obwohl von Haus zu Haus verschieden, hilft folgende Orientierung zur Amortisation von Wärmedämmung :

Bereich Amortisation (95%-ige Wahrscheinlichkeit) Mittelwert
Außenwand vor 1977 4 – 10 Jahre 6 Jahre
Außenwand zwischen 1977 und 1995 9 – 22 Jahre 14 Jahre
Kellerdecke (untere Bekleidung) 6 – 13 Jahre 8 Jahre
Kellerdecke (ohne Bekleidung) 4 – 10 Jahre 6 Jahre
Flachdach 5 – 13 Jahre 7 Jahre
Steildach 6 – 16 Jahre 9 Jahre
Oberste Geschossdecke begehbar 6 – 15 Jahre 10 Jahre
Oberste Geschossdecke unbegehbar 2 – 5 Jahre 3 Jahre

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Fazit zur Wärmedämmung

Wer Bestandsimmobilien besitzt, möchte Energiekosten gering und Immobilienwerte hoch halten. Wärmedämmung ist eine nachhaltige Lösung, um Energiebilanzen zu verbessern, die Bausubstanz zu schützen und Emissionen zu reduzieren. Da Wärmedämmung objektabhängig ist, empfiehlt sich eine Beratung durch Energieexperten und Fachbetriebe. Anlaufstellen sind die Verbraucherzentrale-Energieberatung und die Energieberater-Datenbank der Deutschen Energie-Agentur GmbH.