- Das deutsche Gasnetz ist rund 611.200 Kilometer lang und versorgt mehr als die Hälfte der rund 43 Millionen Wohnungen.
- Deutschland importierte 2025 insgesamt 1.031 TWh Erdgas, vor allem aus Norwegen (456,1 TWh), den Niederlanden (249,6 TWh) und Belgien (213,9 TWh).
- Über deutsche LNG-Terminals wurden 2025 zusätzlich 105,6 TWh eingeführt, was 10,3 Prozent der Gasimporte entsprach.
- Der Gasverbrauch stieg 2025 um 2,2 Prozent auf 864 TWh. Davon entfielen 40 Prozent auf Haushalte und Gewerbe sowie 60 Prozent auf die Industrie.
- Das geplante Wasserstoff-Kernnetz soll bis spätestens 2037 rund 9.040 Kilometer umfassen. Etwa 60 Prozent entstehen durch die Umrüstung bestehender Gasleitungen.
Das Erdgasnetz in Deutschland
Mehr als die Hälfte der rund 43 Millionen Wohnungen ist an das Erdgasnetz angeschlossen und wird damit beheizt. Hinzukommen zahlreiche Industriezweige und Gaskraftwerke. Erdgas ist damit ein zentraler Energieträger.
Das deutsche Erdgastransportnetz misst rund 600.000 Kilometer. Es ist damit mehr als 45 Mal so lang wie das deutsche Autobahnnetz und würde eineinhalb Mal bis zum Mond reichen. Von den acht Grenzübergangsstellen wird das Erdgas über das Hoch-, Mittel- und Niederdrucknetz zu den Verbraucher*innen transportiert.
Ähnlich wie das Stromnetz ist auch das in der Hand vieler, kleiner und meist regionaler Netzbetreiber. Sie kümmern sich um Betrieb, Wartung, Instandhaltung und den Ausbau des Netzes. Denn das deutsche Erdgasnetz soll künftig auch Wasserstoff transportieren können. Dazu muss es schrittweise ausgebaut und modernisiert werden.
Fakten zum Gasnetz:
- Länge: 611.200 km
- Drei Druckstufen: hoch, mittel, niedrig
- Länge Hochdrucknetz: 127.000 km
- Länge Mitteldrucknetz: 180.900 km
- Länge Niederdrucknetz: 129.500 km
- Hausanschlussleitungen: 173.800
Quelle: BDEW, 2025
Änderung der Erdgasqualität: von L-Gas zu H-Gas
Im deutschen Gasnetz fließt Erdgas noch bis Herbst 2029 in zwei Qualitäten: als L-Gas mit niedrigem oder als H-Gas mit hohem Brennwert. L-Gas („low calorific gas") hat einen geringeren Methangehalt und damit weniger Energie pro Kubikmeter als H-Gas („high calorific gas"). Diese Unterschiede entstehen, weil Erdgas ein Naturprodukt ist und der Brennwert je nach Herkunft variiert.
Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften werden L-Gas und H-Gas bislang in getrennten Gasnetzen transportiert. Da die Förderung in Deutschland und der Import aus den Niederlande seit Jahren sinken, wird ab 2029 nur noch H-Gas verfügbar sein.
Für Endkund*innen bedeutet die Umstellung vor allem, dass der Netzbetreiber die betroffenen Gasgeräte erfasst, prüft und bei Bedarf technisch an H-Gas anpasst; die Termine werden vorab angekündigt und die Anpassung ist für anpassbare Geräte in der Regel nicht direkt kostenpflichtig. Weitere Informationen bietet die Bundesnetzagentur zur Umstellung von L- auf H-Gas.
Woher bezieht Deutschland sein Gas?
Deutschland deckt seinen Gasbedarf überwiegend durch Importe: 2025 wurden insgesamt 1.031 TWh Erdgas importiert. Bezogen auf die Pipeline-Importe stammt das meiste Gas aus Norwegen (456,1 TWh), den Niederlanden (249,6 TWh) und Belgien (213,9 TWh). Über die LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran kamen zudem 105,6 TWh hinzu – das entsprach 10,3 % aller Gasimporte. Etwa 96 % dieser LNG-Mengen stammten aus den USA.
Die heimische Erdgasförderung bleibt im Vergleich dazu gering: Laut BVEG-Jahresbericht 2025 wurden 2025 rund 4,25 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert; das entspricht etwa 34 TWh. Heimisches Gas wird vor allem in Niedersachsen gewonnen. Ergänzend wurden 2025 etwa 12,8 TWh Biogas in das Gasnetz eingespeist.
Wie hoch ist der Erdgasverbrauch in Deutschland?
Deutschland verbrauchte 2025 insgesamt 864 TWh Gas. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 2,2 %. Rund 40 % des Verbrauchs entfielen auf private Haushalte und Gewerbebetriebe, 60 % auf die Industrie.
Vor allem bei Haushalten und Gewerbe wird der Gasbedarf stark von der Außentemperatur bestimmt. Deshalb fällt der Verbrauch in den Sommermonaten deutlich geringer aus und nimmt mit Beginn der Heizperiode im Winter wieder zu.
Wie gelangt das Gas zu den Verbraucher*innen?
Gas gelangt über ein weitverzweigtes Leitungsnetz von den Import- und Produktionsstandorten bis zu den Verbraucher*innen. Es wird durch Fernleitungen, regionale Verteilnetze und lokale Hausanschlüsse transportiert.
Was für den Stromtransport die Spannung, ist beim Erdgas der Druck: Mit seiner Hilfe werden die Gasmoleküle durch die Röhren „gelenkt". An den Grenzübergangsstellen werden die Gasmoleküle auf die Druckverhältnisse im deutschen Gasverteilnetz gebracht – zunächst auf Hochdruck mit über 1 Bar, dann auf Mitteldruck (über 100 Millibar bis 1 Bar) und schließlich für die Verteilung zu den Endkund*innen auf Niederdruck mit bis zu 100 Millibar. Dies erledigen Gasdruckregel- und Messanlagen: Sie reduzieren auf wenige Millibar Überdruck und messen die transportierten Gasmengen.
Beim Transport entstehen zudem Reibungsverluste, die über die langen Distanzen die Bewegung der Erdgasmoleküle hemmen. Deshalb halten in bestimmten Abständen sogenannte Verdichter den Druck aufrecht. Sie sind in Abständen von 100 bis 400 Kilometern entlang des Gasnetzes installiert und treiben die Moleküle voran – im Schnitt liegt die Transportgeschwindigkeit von Erdgas so bei 20 Stundenkilometern.
Transformation vom Gasnetz zum Wasserstoffkernnetz
Das von der Bundesnetzagentur genehmigte Wasserstoff-Kernnetz umfasst rund 9.040 Kilometer und soll bis spätestens 2037 schrittweise in Betrieb genommen werden. Das Kernnetz ist dabei vor allem als überregionale Transportinfrastruktur für Industriezentren, Kraftwerke, Speicher, Wasserstofferzeuger und Importkorridore konzipiert. Etwa 60 Prozent der vorgesehenen Leitungen beruhen auf vorhanden Gasleitungen, der Rest muss neu gebaut werden.
Ob eine Gasleitung „H₂-ready“ – also einschließlich ihrer technischen Komponenten für den Transport von Wasserstoff geeignet ist – muss von den Netzbetreibern im Vorfeld geprüft werden. Dafür werden unter anderem Rohre, Schweißnähte, Armaturen, Dichtungen, Verdichter sowie Mess-, Regel- und Sicherheitstechnik begutachtet. Wo erforderlich, werden einzelne Bauteile ausgetauscht sowie Betriebs- und Sicherheitskonzepte angepasst. Außerdem wird die Leitung gereinigt und geprüft, bevor auf Wasserstoff umgestellt wird.
Erdgas vs. Wasserstoff im Leitungsnetz
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Merkmal
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Erdgas (Methan)
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Wasserstoff (H₂)
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Konsequenz für das Netz
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Merkmal
Energiedichte (volumetrisch)
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Erdgas (Methan)
Hoch (~10 kWh/m³)
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Wasserstoff (H₂)
Niedrig (~3 kWh/m³)
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Konsequenz für das Netz
Höhere Fließgeschwindigkeit nötig
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Merkmal
Molekülgröße
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Erdgas (Methan)
Größer
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Wasserstoff (H₂)
Extrem klein
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Konsequenz für das Netz
Höhere Anforderungen an Dichtheit
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Merkmal
Materialwirkung
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Erdgas (Methan)
Neutral
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Wasserstoff (H₂)
Kann Versprödung verursachen
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Konsequenz für das Netz
Prüfung/Tausch von Stahlsorten und Ventilen
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Merkmal
Explosionsgrenzen
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Erdgas (Methan)
4,4–16,5 Vol.-%
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Wasserstoff (H₂)
4,0–77,0 Vol.-%
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Konsequenz für das Netz
Anpassung der Sensorik und Lüftung
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Quelle: DVGW (2025)
Kommunale Wärmeplanung: Was passiert mit den regionalen Gasnetzen?
Regionale Gasverteilnetze werden künftig entweder auf Wasserstoff umgerüstet, mit Biomethan (aufbereitetes Biogas) weiterbetrieben oder gezielt stillgelegt. Welcher Weg gewählt wird, hängt von der technischen Eignung, der verfügbaren Wasserstoffmenge, dem örtlichen Bedarf und der kommunalen Wärmeplanung ab.
Der Gesetzgeber verpflichtet mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) sämtliche Städte und Gemeinden in Deutschland dazu, eine kommunale Wärmeplanung zu erarbeiten. Die kommunale Wärmeplanung legt fest, welche Gebiete künftig priorisiert mit Fernwärme, Strom (Wärmepumpe) oder dekarbonisierten Gasen (z.B. Biomethan) versorgt werden sollen. Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohner*innen mussten ihre Wärmepläne bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommunen haben bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Eine unmittelbare Anschluss- oder Nutzungspflicht entsteht daraus allerdings nicht.
Für regionale Gasnetze sind die Pläne dennoch eine Orientierung: Wechseln immer mehr Haushalte zu anderen Heizsystemen, verteilen sich die weitgehend fixen Betriebs- und Instandhaltungskosten auf weniger Anschlüsse und geringere Absatzmengen. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) von Dezember 2025 könnten sich die Gasnetzentgelte für die verbleibenden Endkund*innen bis 2045 verzehnfachen.
Deshalb soll künftig im Rahmen der Verteilernetzentwicklungsplanung (VNEP) festgelegt werden, welche Leitungen umgerüstet, weiterbetrieben oder gezielt stillgelegt werden.
Was bedeuten die Veränderungen für Industrie- und Haushalte?
Der aktuelle Entwurf des Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sieht vor, dass Entscheidungen über Stilllegungen oder Wasserstoffumstellung auf Basis lokaler Gegebenheiten und unter Einbeziehung der Öffentlichkeit getroffen werden. Für Haushalte und Betriebe, die derzeit Gas beziehen sind umfangreiche Schutzmechanismen geplant:
- Trennungen von Gasanschlüssen durch den Netzbetreiber sind strikt unzulässig, wenn zum Zeitpunkt der geplanten Trennung keine alternative Wärmeversorgung für den Anschlussnehmer verfügbar ist.
- Netzbetreiber müssen eine geplante Stilllegung des Gasnetzes mindestens 10 Jahre im Voraus ankündigen.
- Die Kosten für die dauerhafte Stilllegung, die Sicherung oder einen späteren Rückbau des Hausanschlusses verbleiben vollständig beim Netzbetreiber und dürfen nicht auf die Anschlussnehmer umgelegt werden.
Fazit
Deutschlands Gasverteilnetz wird nicht auf einen Schlag abgeschaltet, aber es wird sich grundlegend verändern. Je nach Region können Leitungen weiter für kohlenstoffarme Gase wie Biomethan genutzt, auf Wasserstoff umgestellt oder stillgelegt werden. Maßgeblich sind der künftige Bedarf, die technische Eignung und die kommunale Wärmeplanung. Das Wasserstoff-Kernnetz dient dabei vor allem Industrie, Kraftwerken und großen Verbrauchszentren – nicht automatisch der Wärmeversorgung einzelner Haushalte. Die vorgesehenen neuen Verteilernetzentwicklungspläne sollen Planungssicherheit für Verteilnetzbetreiber, Kommunen und Anschlussnehmer schaffen.
Häufige Fragen zum Gasnetz (FAQ)
Fernleitungen transportieren große Mengen über weite Strecken, während Verteilnetze das Gas auf regionaler bzw. lokaler Ebene zu den Verbraucher*innen weiterleiten.
Die Gasversorgung ist durch breit gefächerte Bezugsquellen, zusätzliche LNG-Terminals und das europäische Verbundnetz deutlich widerstandsfähiger geworden. Ergänzend sorgt die europäische Speicherstrategie mit verbindlichen Füllzielen dafür, dass ausreichend Reserven für den Winter und mögliche Lieferausfälle zur Verfügung stehen.
Das Erdgasnetz ist in erster Linie für den Transport und die Verteilung vorgesehen. Für die Speicherung gibt es spezielle Gasspeicher, in denen das Erdgas über mehrere Wochen hinweg lagern kann. Mehr als 40 solcher Anlagen gibt es in Deutschland. Sie haben ein Speichervolumen von rund 24 Milliarden Kubikmetern. Deutschland besitzt damit die größten Gasspeicherkapazitäten in Europa.