Das Heizkraftwerk Stuttgart-Münster versorgt die Region Mittlerer Neckar zuverlässig, und wirtschaftlich mit Energie. Der Schwerpunkt des Standorts liegt auf der Verwertung von Abfällen. Neben drei noch bis Frühjahr 2026 steinkohlebetriebenen Kesseln produzieren zwei Gasturbinenanlagen und eine Abfallverbrennungsanlage im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus Strom und Fernwärme. Das Müllheizkraftwerk ist ein zentraler Bestandteil der Restmüllentsorgung in Baden-Württemberg. Zusätzlich erzeugt eine Großwärmepumpe Fernwärme über dessen Kühlwasserablauf. Die EnBW hat sich das Ziel gesetzt, vor dem gesetzlich vorgesehenen Kohleausstieg aus der Kohleverstromung auszusteigen, sofern die regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dies ermöglichen. Deswegen wurde der Standort für den künftigen Einsatz von Wasserstoff umgerüstet („Fuel Switch“): Eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage wird zunächst mit Erdgas betrieben, um Strom und Fernwärme zu erzeugen, und kann zu einem späteren Zeitpunkt auf Wasserstoff als Brennstoff umgestellt werden.
Im Heizkraftwerk Stuttgart-Münster ermöglichen wir ganzjährig kostenlose Führungen – fachkundige Erläuterungen durch unsere Mitarbeiter*innen inklusive.
Fuel Switch
Projektvorstellung
Die EnBW setzt mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien die Dekarbonisierung ihres Erzeugungsportfolios konsequent fort. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben müssen zudem alle Kohlekraftwerke in Deutschland bis spätestens 2038 abgeschaltet werden, so auch in Stuttgart-Münster. Die regionale Versorgungssicherheit mit Strom und Fernwärme hat jedoch oberste Priorität, weshalb die EnBW am Standort eine regelbare, wasserstofffähige Gasturbinenanlage gebaut hat:
- Die neue, gasbefeuerte Anlage ermöglicht eine weitaus höhere Brennstoffausnutzung im Vergleich zu anderen Kraftwerkstypen.
- Zusätzlich soll der Ausstoß von CO₂ und anderen Schadstoffen wie Staub, Schwefeldioxid (SO₂) oder Stickoxiden (NOₓ) nach aktuellen Planungen zurückgehen. Mit der Umstellung auf Erdgas entfallen zudem Schwermetallemissionen aus der bisherigen Kohleverfeuerung.
- Durch diesen „Fuel Switch“, also die Umstellung auf Erdgas, ist der Kohleausstieg für das Stadtgebiet Stuttgart bereits viele Jahre vor dem gesetzlich festgelegten Termin vollzogen.
Sobald Wasserstoff in ausreichenden Mengen verfügbar ist und die Versorgungsinfrastruktur entsprechend umgestellt wurde, ist ein Betrieb des Kraftwerks mit Wasserstoff möglich, wodurch die CO₂-Emissionen der Strom- und Fernwärmeerzeugung im Vergleich zur Kohleverstromung noch weiter reduziert werden könnten. Bereits mit der Inbetriebnahme der Anlage kann ein gewisser Anteil von beigemischtem Wasserstoff mitverbrannt werden – für eine vollständige Verbrennung von Wasserstoff ist eine Umrüstung der Gasturbine erforderlich, die jederzeit in einer der routinemäßigen Großrevisionen umgesetzt werden kann. Die Umstellung auf Wasserstoff kann später also ohne größere Hürden erfolgen. Mehr zum Fuel Switch erfahren Sie hier.
Technik
Die Gasturbinenanlage ersetzt die bestehenden drei Kohlekessel des Steinkohleblocks:
- Am Standort existiert eine sogenannte Dampfsammelschiene. In dieses große Dampfrohr speisen alle Kraftwerksanlagen vor Ort ihren produzierten Dampf ein.
- Über die Dampfsammelschiene gelangt der Hochdruckdampf zu den Dampfturbinen (zwei Kondensations- und eine Gegendruckturbine). Diese produzieren Strom und Fernwärme.
- Die neue Gasturbinenanlage speist ihren erzeugten Dampf ebenfalls in die Dampfsammelschiene ein, sodass bereits bestehende Infrastruktur genutzt wird.
Die bei der Stromerzeugung entstehende Fernwärme wird in das Fernwärmenetz „Mittlere Neckarschiene“ eingespeist, das ebenfalls mit dem Heizkraftwerk Altbach/Deizisau und dem Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg verbunden ist. Viele Industriebetriebe, Privathaushalte und öffentliche Gebäude in Altbach, Deizisau, Esslingen, Plochingen und Stuttgart werden damit versorgt.
Großwärmepumpe
Neben dem Fuel Switch wurde am Standort bereits ein weiterer Schritt zur Transformation der Fernwärmeversorgung in der Region Stuttgart unternommen: Eine Großwärmepumpe nutzt seit April 2024 die Abwärme aus dem Kühlwasserablauf, um bis zu 24 Megawatt Fernwärme zu erzeugen. Die Anlage ermöglicht die energetische Nutzung von Abwärme in großem Maßstab und ist in dieser Größenordnung eine der ersten ihrer Art in Deutschland.
Eine Herausforderung bestand in der Integration der neuen Anlage in die bestehende Infrastruktur des Kraftwerks, während der laufende Betrieb aufrechterhalten wurde. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Reallabore der Energiewende“ gefördert und ist Teil des Verbundforschungsprojekts „Großwärmepumpen in Fernwärmenetzen“. Die Investitionskosten beliefen sich auf etwa 17 Millionen Euro.
Die Wärmepumpentechnologie, bekannt aus der Gebäudeheizung, kommt in Stuttgart-Münster in großem Maßstab zum Einsatz: Indem sie die benötigte Umweltwärme dem Kühlwasser des Kraftwerks entzieht, reduziert die Großwärmepumpe in Folge den Wärmeeintrag in den Neckar und nutzt die im Kühlwasser enthaltene Energie zur Erzeugung von Fernwärme. Angetrieben wird sie von Strom aus der Müllverbrennungsanlage.
Umsetzung
Projektphasen
Hier informieren wir Sie über wichtige Ereignisse und Meilensteine zu Planung und Bau einer Gasturbinenanlage am Kraftwerksstandort Stuttgart-Münster. Sie finden an dieser Stelle aktuelle Informationen zum Zeitplan des Planungs- und Genehmigungsprozesses sowie zu den Baufortschritten.
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Oktober 2025
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Beginn kommerzieller Betrieb der Gasturbinenanlage (Fuel Switch)
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April 2025
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Beginn kommerzieller Betrieb der Großwärmepumpe
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April 2025
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Offizielle Inbetriebnahme der Gasturbinenanlage (Fuel Switch)
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Oktober 2024
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Beginn der heißen Inbetriebnahme der Gasturbinenanlage
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April 2024
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Offizielle Inbetriebnahme der Großwärmepumpe
Anlieferung und Einbringung der Gasturbinen |
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November 2023
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Beginn der Inbetriebnahme der Großwärmepumpe
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31. März 2023
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Spatenstich für den Neubau der Gasturbinenanlage und der Großwärmepumpe
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Oktober 2022
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Erörterungstermin des Regierungspräsidiums Stuttgart
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22. März 2022
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Investitionsentscheidung des Aufsichtsrats der EnBW
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21. Juli 2021
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Projektvorstellung Bezirksbeirat Bad Cannstatt
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23. April 2021
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Scoping-Termin0Bei komplexen Planungsprozessen wird von der verfahrensführenden Behörde (hier das Regierungspräsidium Stuttgart) ein Scoping-Termin durchgeführt. Dabei werden – unter Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und Fachbehörden – Gegenstand, Umfang und Methodik der Raumverträglichkeits- und Umweltverträglichkeitsuntersuchung sowie der Inhalt der zu erstellenden Antragsunterlagen formal festgelegt.
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20. April 2021
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Projektvorstellung Bezirksbeirat Münster
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13. April 2021
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Virtuelle Info-Veranstaltung für Bürger:innen
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12. April 2021
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Infoveranstaltung für Fachverbände und Bürgerinitiativen
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Bautagebuch
Oktober 2025: Kommerzieller Betrieb der Gasturbinenanlage beginnt
Nach nur zweieinhalb Jahren Bau- und Inbetriebnahmezeit ist es soweit: Das neue, wasserstofffähige Gaskraftwerk in Stuttgart-Münster hat den kommerziellen Betrieb aufgenommen. Bereits im April dieses Jahres wurde die Anlage offiziell in Betrieb genommen, nun ist sie pünktlich zur Heizperiode bereit, die Stadt Stuttgart zuverlässig mit Strom und Fernwärme zu versorgen. Mit der Anmeldung beim Regierungspräsidium Stuttgart ist das Kraftwerk nun Teil des Fernwärme-Verbunds Mittlerer Neckar. Gemeinsam mit den Heizkraftwerken in Stuttgart-Gaisburg und Altbach/Deizisau kann es künftig somit rund 28.500 Haushalte, 1.400 Unternehmen und 380 öffentliche Einrichtungen mit Fernwärme beliefern. Das Kraftwerk ist nun auch für den sogenannten Regelmarkt zugelassen, der als Teil des Gesamtstrommarkts zu jeder Zeit ein stabiles Stromnetz in Deutschland sicherstellt.
Einblicke, wie die wasserstofffähige Gasturbinenanlage entstanden ist, finden Sie hier.
Juni 2025: Heiße Inbetriebnahme der Schwarzstartbatterie
Ende Juni begann die heiße Inbetriebnahme der Schwarzstartbatterie. Diese innovative Anlage ermöglicht es, im Falle eines Stromausfalls die neu installierten Gasturbinen zu starten. Die Schwarzstartbatterie besteht aus einem schwarzstartfähigen Wechselrichter mit einer Nennleistung von 5 Megavoltampere (insgesamt 10 MVA) und 18 Batterieeinheiten mit einer Gesamtkapazität von 6,7 Megawattstunden (insgesamt 13,4 MWh). In den kommenden Wochen wird die Inbetriebnahme weitergeführt.
April 2025: Tag des offenen Kraftwerks
Am 13.04.2025 haben wir die offizielle Inbetriebnahme des Fuel-Switch-Kraftwerks mit einem Tag des offenen Kraftwerks auch gemeinsam mit der Öffentlichkeit gefeiert. Neben Führungen durch das neue H2-ready-Gaskraftwerk und das konventionelle Restmüllheizkraftwerk gab es ein umfangreiches Kinderprogramm. Im Festzelt sorgte der Musikverein Bad Cannstatt für eine fröhliche Atmosphäre. Wir freuen uns sehr, dass der Tag des offenen Kraftwerks bei insgesamt etwa 2.700 Besucherinnen und Besuchern großen Anklang fand.
April 2025: Offizielle Inbetriebnahme des Fuel-Switch-Kraftwerks
Mit der offiziellen Inbetriebnahme eines der ersten H2-ready-Gaskraftwerke Deutschlands am 11.04.2025 haben wir einen Meilenstein zur weiteren Transformation der Erzeugungsinfrastruktur erreicht. Das neue Kraftwerk verfügt über insgesamt 124 MW elektrische und 370 MW thermische Leistung. Zusammen mit der Müllverbrennung wird der gesamte Standort künftig eine Wärmeleistung von 450 MW erreichen. Damit wird Stuttgart zu einer der ersten Großstädte Deutschlands, die kohlefrei ist. Wir durften diesen Anlass gemeinsam mit unseren Gastgebern, dem EnBW-Vorstandsvorsitzenden Dr. Georg Stamatelopoulos (re.) und unserem Erzeugungsvorstand Peter Heydecker (li.), sowie unseren Gästen (v. li.), dem CEO von Siemens Energy, Dr. Christian Bruch, Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper und dem Staatssekretär Dr. Andre Baumann, feiern.
Einen Einblick, was bis zur Inbetriebnahme alles auf der Baustelle geschehen ist, finden Sie hier.
November 2024: Fortsetzung der heißen Inbetriebnahme
Nach den Testläufen der Gasturbinen erfolgt nun die Inbetriebnahme der Abhitzekessel. Diese Kessel nutzen die heißen Rauchgase der Gasturbinen zur Dampferzeugung, um sowohl Strom als auch Fernwärme zu produzieren. Im Rahmen der Inbetriebnahme wurden an mehreren Tagen zwischen Ende Oktober und Ende November die Dampfleitungen ausgeblasen. Dabei entweicht Dampf aus einer separaten Leitung, was mit einer Geräuschentwicklung verbunden ist. Um diese Geräusche zu minimieren, wurden Schalldämpfer installiert. Der Vorgang ist notwendig, um die Anlage im Jahr 2025 sicher in Betrieb nehmen zu können.
Oktober 2024: Die „heiße Inbetriebnahme“ in Stuttgart-Münster beginnt
Fast zwei Jahre nach dem Baubeginn im Januar 2023 startete jetzt die sogenannte „heiße Inbetriebnahme“ der ersten Gasturbine: Die bisherigen Kohlekessel und heizölbetriebenen Turbinen wurden durch eine hocheffiziente Gasturbinenanlage mit einer Leistung von 124 Megawatt ersetzt. Um festzustellen, ob nun alles so funktioniert, wie es soll, werden über mehrere Tage hinweg immer wieder Tests durchgeführt. Dabei werden die Gasturbinen nach und nach mit zunehmender Leistung gefahren, um sie optimal einstellen zu können. Durch den gestarteten Verbrennungsprozess werden auch Rauchgase aus den neu errichteten Schornsteinen der Gasturbinenanlage sichtbar.
September 2024: Das Rohrleitungs-„ABC“
Auf den Rohrbrücken und in der hocheffizienten Gasturbinenanlage kann man die Farbenpracht der unterschiedlichen Rohrleitungen sehen. Die Rohrleitungsmontage nimmt viel Zeit auf der Baustelle in Anspruch. Doch welches Rohr transportiert was?
Grün:
- Kühlwasser zur Kühlung der Gasverdichter mit einer Gesamtlänge von ca. 340 Meter
Gelb:
- Erdgas in Hochdruck von der Gasregeldruckmessstation über die Verdichter zu den Gasturbinen mit einer Gesamtlänge von ca. 290 Metern
- Erdgas in Niederdruck zu den Heißwasserkesseln, zum Abhitzekessel und zur Bestandsanlage mit einer Gesamtlänge von ca. 450 Metern
Grau/Braun:
- Fernwärme im M1-Netz zur Versorgung Stuttgart Stadtmitte mit einer Gesamtlänge von ca. 130 Metern
- Fernwärme im M2-Netz zur Versorgung Stuttgart Nord/West mit einer Gesamtlänge von ca. 1.300 Metern
August 2024: Anlieferung und Montage der Transformatoren
Im August 2024 wurden vier Transformatoren, zwei Eigenbedarfstransformatoren und zwei Maschinentransformatoren, per Schwertransport angeliefert und montiert. Die Maschinentransformatoren sind jeweils über 106 Tonnen schwer und wandeln die Generatorspannung in die Spannung des öffentlichen Hochstromnetzes um. Dadurch kann der Strom ins allgemeine Netz eingespeist werden. Die leichteren Eigenbedarfstransformatoren sind je 27 Tonnen schwer. Sie transformieren die Generatorspannung auf die erforderliche Mittelspannung, um den elektrischen Bedarf des Kraftwerks (etwa für Pumpen, Steuerung und Beleuchtung) effizient aus der eigenen Erzeugung zu decken.
Mehr Einblicke finden Sie hier.
Juni 2024: Einheben der Rohrbrücke Ost
Im Juni wurde die Rohrbrücke Ost in vier Segmenten mit dem Kran eingehoben. Sie verbindet das Bestandskraftwerk mit der sich aktuell im Bau befindlichen Gasturbinenanlage. Die Rohrbrücke ist ca. 43 Meter lang und insgesamt 110 Tonnen schwer. Auf der Rohrbrücke sind unter anderem die Leitungen für Ammoniakwasser, Frischdampf, Heizöl und demineralisiertes Wasser installiert.
Mai 2024: Anlieferung und Einheben der Schornsteinelemente der Abhitzekessel
Ende Mai wurden die Schornsteinelemente der Abhitzekessel mit Schwertransporten angeliefert und mittels eines Krans mit bis zu 500 Tonnen Tragfähigkeit eingehoben. Die beiden Schornsteine bestehen jeweils aus 2 Segmenten, haben einen Durchmesser von 5,2 Meter, sind 15 Meter hoch und ca. 30 Tonnen schwer. Benötigt werden diese zur Ableitung von Verbrennungsabgasen, welche aus dem Betrieb der Gasturbinenanlage hervorgehen. Sie beinhalten auch eine Emissionsmessung für jede der beiden Gasturbinen, um so zu jedem Zeitpunkt die Einhaltung der zulässigen Emissionsgrenzwerte überwachen zu können.
Mehr Einblicke finden Sie hier.
April 2024: Offizielle Inbetriebnahme der Großwärmepumpe
Am 08.04.2024 wurde die Großwärmepumpe des Müllheizkraftwerks Stuttgart-Münster von EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos, Baden-Württembergs Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Thekla Walker und dem Bürgermeister für Städtebau, Wohnen und Umwelt, Peter Pätzold, offiziell in Betrieb genommen. Die Großwärmepumpe zählt mit bis zu 24 MW zu den leistungsstärksten Anlagen in Deutschland und kann ca. 10.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen.
April 2024: Anlieferung und Montage der Gasturbinen
Im April wurden die beiden Gasturbinen vom Typ SGT-800 auf der Baustelle angeliefert und montiert. Eine Gasturbine ist eine Wärmekraftmaschine, die thermische Energie in Rotationsenergie umwandelt. Ein elektrischer Generator erzeugt aus der Rotationsenergie Strom. Abgase verlassen die Gasturbine bei sehr hoher Temperatur und können weiterverwendet werden, um Wärme, Dampf und noch mehr Strom zu erzeugen. Beide Gasturbinen zusammen haben eine elektrische Leistung von insgesamt 124 MWel.
Februar 2024: Baubeginn der Schwarzstart-Batterieanlage
Am Standort Stuttgart-Münster wird eine Schwarzstart-Batterieanlage errichtet. Im Februar 2024 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Neben den Gasturbinen kann die Schwarzstart-Batterieanlage im Schwarzfall den Anfahrstrombedarf des Standorts decken. Die CO₂-neutrale Schwarzstart-Batterieanlage kann ebenfalls kurzfristig Primär- bzw. Sekundärregelleistung zur Verfügung stellen und dient damit der Netzstabilität.
Januar 2024: Lieferung und Montage der Heißwasserkessel sowie der zugehörigen Schornsteine
Im Januar 2024 wurden die drei Heißwasserkessel angeliefert und aufgestellt. Direkt im Anschluss daran wurden die drei ca. 60 Meter hohen Schornsteine in jeweils 3 Segmenten eingehoben. Mehr Einblicke finden Sie hier.
Dezember 2023: Inbetriebsetzung Großwärmepumpe
Im Dezember 2023 startete die Inbetriebsetzung der Großwärmepumpe. Die Großwärmepumpe soll die Abwärme aus dem Kühlwasserablauf des Standorts nutzen, um bis zu 24 MW Fernwärme zu erzeugen. Die Wärmepumpe kann nicht nur einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärmeerzeugung der EnBW leisten, sondern auch einen Baustein für die Stadt Stuttgart bei der Umsetzung ihrer Klimaschutzziele bilden. Mehr Einblicke finden Sie hier.
November 2023: Einhebung der Rohrbrücke Nord
Am 03.11.2023 wurde die Rohrbrücke Nord über die Neckartalstraße in kooperativer Abstimmung der SSB und der Stadt Stuttgart mittels eines Tandem-Hubs mit 2 Krane eingehoben. Die Rohrbrücke wurde vor dem Einheben vor Ort montiert inklusive der Fernwärme- und Erdgasleitungen für die Versorgung der Stadt Stuttgart. Die Erdgasleitungen sind bereits 100% H₂-ready.
Oktober 2023: Anlieferung und Montage des ersten Abhitzekessels der Gasturbinen
Ende September wurden die Komponenten des ersten Abhitzekessels per Schwertransport angeliefert. Die einzelnen Komponenten, welche am Ende die Abhitzekessel ergeben, werden Stück für Stück zusammengeschweißt und montiert. Der Abhitzekessel nutzt die aus der Gasturbine gewonnene Wärme zur Erzeugung von Dampf und Heißwasser zum Antrieb der Dampfturbine. Mit der Einspeisung in die jeweiligen Netze entsteht Fernwärme und Strom.
September 2023: Anlieferung und Montage der Großwärmepumpe
Die Anlieferung und Montage der Komponenten der Großwärmepumpe erfolgte Anfang August 2023. In verschiedenen Teillieferungen wurden Komponenten wie der Verdampfer, der Zwischenkühler sowie der Kondensator angeliefert und montiert. Die Großwärmepumpe kann bis zu 24 MW an Fernwärme erzeugen.
August 2023: Stahlbau Gasturbinengebäude
Mitte Juli 2023 begann der Stahlbau des Gasturbinengebäudes. Im Gasturbinengebäude werden die beiden Gasturbinen mit einer Leistung von je 24 MW und die Abhitzekessel mit zwei Schornsteinen untergebracht. Das Gasturbinengebäude wird als Stahlskelettbau aus ca. 1.300 Tonnen Stahlträgern errichtet und hat eine Gebäudeabmessung von ca. L x B x H: 65,20m x 45,15m x 34,00m bzw. 17,80m. Die Stahlskelettbauweise definiert sich in der Regel dadurch, dass das Haupttragwerk bestehend aus Stützen und Träger aus Stahlprofilen durch Nieten, Schrauben oder Schweißen verbunden werden. Durch diese Bauweise ist ein schneller Baufortschritt möglich und die komplette Fertigstellung bereits für Mitte Mai 2024 geplant.
Juli 2023: Errichtung Treppenturm
Im Juli 2023 begann die Errichtung des ca. 32,4 Meter hohen Treppenturms, welcher südlich an das Fernwärmegebäude mittels Brücken und nördlich an die Heißwasserkesselanlage angrenzt. Das Besondere daran ist, dass der Treppenturm durch eine Gleitschalung betoniert wurde. Gleitschalungen kommen zum Einsatz, wenn fugenlose Bauwerke oder kurze Bauzeiten mit hohen Tagesleistungen erforderlich sind. Der Treppenturm wurde innerhalb von 6 Tagen im 24-Stunden Schichtbetrieb errichtet.
Juni 2023: Schornsteinfundament mit integrierter Kranstütze
Getreu dem Motto 2 in 1 wird das Schornsteinfundament als Kranstütze genutzt. Mittels eines Einbauteils, welches als Rückverankerung für die Stabilität des Kranes dient, wurde der Kran aufgebaut. Der 60 Meter hohe Kran, kann einen bis zu ca. 60 Meter Radius und somit fast das komplette Baufeld bedienen. Im Anschluss wird im Jahr 2024 der Schornstein durch eine Gleitschalung errichtet. Mit diesem Motto wird eine flexible, effiziente und wirtschaftliche Bauabwicklung gewährleistet.
Mai 2023: Betonage und Bewehrung Gasturbinengebäude
Nach den Gründungsarbeiten erfolgten die Bewehrungsarbeiten sowie die bauabschnittsweise Betonage der beiden Gasturbinenfundamente. Für jedes Fundament wurden ca. 600 m³ Beton benötigt, das sind ca. 3.000 Badewannen pro Fundament. Hierfür wurden 130 Betonmischer und 2 Betonpumpen benötigt. Die Bewehrung wird mittels Bewehrungsstahl erstellt und bezeichnet die Verstärkung von Betonbauteilen und erhöht somit die Tragfähigkeit des darauf zu errichtenden Hochbaus. Die Gasturbinen mit einer Leistung von 124 MW werden im Gasturbinengebäude untergebracht.
April 2023: Gründung der Rammpfähle
Im April startete die Gründung der 202 Rammpfähle. Die Pfahlgründung ist eine Variante der Tiefgründung mit der die Lasten von Tragwerken in tiefere, tragfähigere Bodenschichten abgetragen werden. Schlecht tragfähige Bodenschichten werden so mittels Pfähle überbrückt. Bei der sogenannten Pfahlgründung werden die Pfähle mit Hilfe eines Rammgeräts in den Baugrund gerammt bis eine ausreichend tragfähige Bodenschicht erreicht wurde und anschließend mit Beton ausgegossen.
März 2023: Spatenstich und offizielle Eröffnung der Baustelle
In Stuttgart-Münster fiel der Startschuss für den Neubau der Gasturbinen-Anlage und der Großwärmepumpe. Die Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg Thekla Walker, Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper und der EnBW-Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur Dr. Georg Stamatelopoulos vollzogen den traditionellen ersten Spatenstich am 31.03.2023.
Februar 2023: Start der Gründungsmaßnahmen
Gründungsmaßnahmen dienen der Errichtung einer stabilen und tragfähigen Basis für die Gebäude und die Maschinen der neuen Anlagen. Dazu gehören Erdarbeiten wie das Ausheben von Gruben sowie der Aufbau der Fundamente, unter anderem durch Pfahlgründungen.
Januar 2023: Baubeginn der Baustelle Stuttgart-Münster
In Stuttgart-Münster fand am 09.01.2023 der Start der Baustelle und damit seitdem erste grundlegende Arbeiten statt. Mit dem Baubeginn wird auch ein temporäres alternatives Verkehrskonzept eingeführt:
- Überleitung des Verkehrs stadtauswärts am Knoten Neckartalstraße/Voltastraße auf die Gegenfahrbahn
- Rückführung des Verkehrs am Knoten Neckartal-/Haldenstraße
- Stadteinwärtiger Verkehr über die verbleibende Fahrspur mit Aufgabe des Radstreifens in der Neckartalstraße
- Mit diesem Verkehrskonzept ist für den PKW-Verkehr keine größere Umleitung erforderlich. Radfahrer werden über den Neckartalradweg umgeleitet. Die Fahrbeziehungen am Knoten Voltastraße können so aufrechterhalten werden.
Fragen und Antworten
Welche Vorteile die Gasturbinenanlage gegenüber dem bisher genutzten Steinkohleblock bringen kann, erfahren Sie hier auf einen Blick:
- Erdgas verursacht bei der Stromerzeugung im Vergleich zu Steinkohle geringere direkte CO₂-Emissionen. Nach aktueller Planung könnten die CO₂-Emissionen der Gasturbinen um rund 60 % niedriger liegen. Die Anlage ist dafür ausgelegt, die bisherige Erzeugungskapazität der Kohleblöcke zu ersetzen.
- Laut Prognosen ist eine Verringerung von Luftschadstoffemissionen vorgesehen: Stickoxidemissionen (NOₓ) könnten um etwa 45 % sinken, die Emissionen von Schwefeloxiden (SOₓ) und Staub deutlich geringer ausfallen. Schwermetallemissionen entfallen mit der Beendigung der Kohleverfeuerung.
- Mit der Stilllegung der Kohleblöcke entfällt das bestehende Kohlelager, wodurch damit verbundene Staub- und Lärmemissionen nicht mehr auftreten.
- Das Verkehrsaufkommen kann sich verringern, da Kohlelieferungen sowie ein Großteil der Transporte für Zusatzstoffe und Reststoffe aus der Rauchgasreinigung künftig entfallen.
- Die Geräuschentwicklung der Anlage soll durch Schallminderungstechnik begrenzt werden. Zudem werden Kohlekessel, Hilfsdampferzeuger und Rauchgasreinigung stillgelegt.
- Nach aktueller Planung kann die Erwärmung des Neckars sinken, insbesondere in Sommermonaten. Rückkühlanlagen sind vorgesehen, um den zusätzlichen Kühlwasserbedarf zu minimieren.
- Die Fernwärmeversorgung soll durch die neue Anlage aufrechterhalten werden. Effizientere Anlagentechnik ersetzt nach aktueller Planung Teile der bisherigen Infrastruktur für die Fernwärmenetze Stuttgart-Nordwest und Cannstatt.
Besonders im Bereich der Wärmeerzeugung sind erneuerbare Energien aktuell noch nicht in der Lage, fossile Brennstoffe innerhalb weniger Jahre und in allen Anwendungsfällen vollständig zu ersetzen.
Erdgas wird deshalb als Übergangslösung betrachtet, da es im Vergleich zu Kohle die Treibhausgasemissionen potenziell verringern kann. Wichtig ist dabei, dass Erdgas nur für eine Übergangszeit vorgesehen ist.
Die eingesetzten Gasturbinen sind flexibel und so ausgelegt, dass sie später auf die Verbrennung von anderen Gasen, beispielsweise grünem Wasserstoff, umgestellt werden können.
Bereits bei der Inbetriebnahme der Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) ist es nach aktueller Planung möglich, dem Erdgas bis zu 20 % Wasserstoff beizumischen, wodurch die Treibhausgasemissionen weiter reduziert werden könnten. Der Wechsel zu Erdgas bildet somit einen Übergangsschritt hin zu einer künftigen Energieversorgung mit Wasserstoff.
Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werden Gutachten erstellt, die auch mögliche Auswirkungen auf Anwohner*innen prüfen. Dazu zählen u. a. ein Schallgutachten und eine Immissionsprognose der Luftschadstoffe. Diese bewerten den Einfluss des Neubaus auf die Umgebung:
- Lärmschutz: Nach der Inbetriebnahme der neuen Anlage ist vorgesehen, die Altanlagen wie Kohlekessel, Kohlelager sowie die Rauchgasreinigung stillzulegen. Diese gehören bislang zu den wesentlichen Schallquellen am Standort. Die Neuanlage wird gemäß heutigem Stand der Technik mit Schallminderungssystemen (z. B. Schalldämpfer, Dämmkulissen) ausgestattet, um die gesetzlichen Grenzwerte (TA Lärm) einzuhalten. Zudem entfallen Transporte im Zusammenhang mit der Rauchgasreinigung, was das Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen Geräusche verringern kann.
- Gewässerschutz: Die neuen Kraftwerksanlagen benötigen keine zusätzliche Kühlwasserentnahme aus dem Neckar. Die Kühlung erfolgt über Rückkühlanlagen auf dem Gebäudedach in einem geschlossenen Wasser-Glykol-System. Dadurch kann sich die Wärmeeinleitung in den Neckar voraussichtlich reduzieren. Insbesondere in Zeiten hoher Temperaturen im Sommer ist geplant, die Wärmeabgabe gegenüber dem heutigen Stand deutlich zu senken. Zudem sind Rückkühlanlagen in geräuscharmer Ausführung vorgesehen.
- Immissionsschutz: Nach aktueller Prognose können Emissionen im Vergleich zum bisherigen Betrieb deutlich sinken: Stickoxide (NOₓ) um über 45 % und Feinstaub um rund 88 %. Die Emissionen von Schwermetallen entfallen mit dem Verzicht auf Kohlefeuerung. Die Reduktionen basieren auf der effizienteren Verbrennungstechnik von Gasturbinen und dem vorgesehenen Einsatz von SCR-Technologie (Katalysatoren im Abgasweg), die darauf ausgelegt sind, die gesetzlichen Grenzwerte sicher einzuhalten.